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Bloatware: Vorinstallierte Apps ersetzen (Android)

Ein Artikel von , veröffentlicht am 23.10.2016, bearbeitet am05.05.2020
iStock.com / maystra

Neue Android-Telefone kommen mit vielen vorinstallierten Apps von Google und anderen Firmen. Diese sind meist nicht privatsphärefreundlich. Fast immer gibt es gute Alternativen – vom Browser bis zur Tastatur-App. Wir stellen die besten vor.

Bloatware: Smartphone mit Verstopfung

Smartphones kommen der Regel mit vielen vorinstallierten Apps. Welche das sind, weiß man vorher nie ganz genau, denn das ist abhängig vom Gerätemodell, der Firma und dem Mobilfunkanbieter. Solche vorinstallierten Apps nennt man auch „Bloatware“, abgeleitet vom englischen Wort „bloat“ (deutsch: aufblähen).

Es ist für Nutzer*innen nicht immer zu durchschauen, von wem vorinstallierte Apps eigentlich stammen. Oft haben sie sehr weitreichende Zugriffsrechte, übertragen viele Daten an ihre Hersteller*innen und sind auch in Sachen Funktionalität sehr häufig nicht die beste Wahl.

In dieser Liste finden Sie unsere Empfehlungen für privatsphärefreundliche Alternativen. Wenn Sie mehr zu einem App-Typ wissen möchten, klicken Sie bitte auf den Link zum Ratgeber.

Installieren können Sie diese oft nicht nur aus dem Google Play Store, sondern auch aus dem verbraucherfreundlichen App-Store F-Droid.

Browser

Diese Browser-Apps empfehlen wir:

  • Mozilla Firefox: Vollwertiger Open-Source-Browser der Mozilla-Stiftung. Integrierter Tracking-Schutz und viele Erweiterungen für mehr Privatsphäre verfügbar. Wie Sie Firefox privatsphärefreundlich einstellen, haben wir hier für Sie zusammengestellt. Wir haben außerdem die wichtigsten Erweiterungen (Add-Ons) für Sie herausgesucht. Erhältlich ist Firefox im Google Play-Store.
  • Fennec: Firefox-Variante fast ohne proprietäre Elemente. Einzige Ausnahme: die Pocket-Erweiterung (Vorschläge für Web-Inhalte). Sie gibt zwar in der Voreinstellung keine Empfehlungen, ist aber Teil des Browsers. Ihr findet Fennec in F-Droid.
  • Tor Browser: Basiert auf Firefox, nutzt aber das Anonymisierungs-Netzwerk Tor. Ist standardmäßig für einen starken Schutz der Privatsphäre konfiguriert. "Tor Browser" wurde vom Tor Project gemeinsam mit dem Guardian Project entwickelt. Den "Tor Browser" finden Sie in F-Droid, sobald die Paketquellen des Guardian Projects aktiviert sind, und Play-Store. Hinweis: Der Vorläufer "Orfox" wurde eingestellt und sollte nicht mehr genutzt werden.
    Wie man den Tor Browser aus dem alternativen Store F-Droid installiert und wie man ihn nutzen kann, erklären wir im Ratgeber: So surfen Sie anonym mit Tor (Android)

Cloud-Dienst

Diese Cloud-Apps empfehlen wir:

  • Tresorit: Cloud-Dienst aus der Schweiz, Server in Europa, automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Inhalte. Basisversion mit zwei Gigabyte Speicherplatz und zwei Geräten kostenlos. Für acht Euro im Monat gibt's 200 GB Speicherplatz, mehr Geräte und unbegrenzte Linkfreigabe. Verfügbar in Google Play.
  • luckycloud: Quelloffener, kostenpflichtiger Cloud-Dienst aus Berlin, betreibt eigene Server in Deutschland. Privatnutzer*innen zahlen einen Euro im Monat für drei Gigabyte Speicherplatz, es gibt außerdem Angebote für Teams und Firmen. luckycloud analysiert seine Nutzer*innen nicht und verschlüsselt die abgelegten Daten bei Bedarf Ende-zu-Ende. Verfügbar in Google Play.
  • OwnCloud: Etabliertes Open-Source-Produkt. Ermöglicht es, einen eigenen Cloud-Speicher zu betreiben. Dazu benötigt man einen eigenen Server oder Webspace, wie ihn viele für die eigene Webseite nutzen. Einmal eingerichtet, kann man über die OwnCloud-App (F-Droid, Play-Store) bequem darauf zugreifen. Inhalte sind nicht automatisch Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
  • Nextcloud: 2016 spaltete sich eine Entwicklergruppe von OwnCloud ab und entwickelte den Code unter dem Namen Nextcloud weiter. Sie gilt als die modernere Variante der beiden Cloudlösungen. Inhalte sind nicht automatisch Ende-zu-Ende-verschlüsselt. App verfügbar in F-Droid und Play-Store.

E-Mail

Diese Mail-Apps empfehlen wir:

  • K-9 Mail: Open-Source-App, von einem Programmier-Team ehrenamtlich entwickelt. Dient der Verwaltung von E-Mails aus einem oder mehreren Postfächern und sammelt oder überträgt ansonsten keinerlei Daten. Schlichtes Design. Im alternativen App-Store F-Droid erhältlich und auch im Google Play-Store.
  • FairEmail: Open-Source-App des niederländischen Entwicklers Marcel Bokhorst. Dient der Verwaltung von E-Mails aus einem oder mehreren Postfächern und sammelt oder überträgt ansonsten keinerlei Daten. Basisversion mit einigen Sicherheitsfunktionen kostenlos, Vollversion kostenpflichtig. Zu finden im Play-Store oder F-Droid.
  • Als E-Mail-Dienst empfehlen wir die kostenpflichtigen Dienste posteo.de oder mailbox.org, die optimale Privatsphärebedingungen bieten.

Fotogalerie

Diese Galerie-Apps empfehlen wir:

Messenger und Video-Chat

Diese Messenger-Apps empfehlen wir:

  • Signal (Play-Store, Website des Herstellers): quelloffener Messenger, der von Whistleblower Edward Snowden empfohlen wird. Standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt, bietet auch Videotelefonie (bisher nur für Zweiergespräche möglich). Einziges Manko: Um ihn nutzen zu können, muss die eigene Telefonnummer angegeben werden.
  • Threema (Play-Store): kostenpflichtiger Messenger, der ebenfalls über eine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Einzel- und Gruppenchats sowie für Videotelefonie verfügt und anonym nutzbar ist. Im Funktionsumfang der Business-Version Threema Work (Play-Store) steht Threema dem Konkurrenten Skype in nichts nach - und geht außerdem wesentlich schonender mit Ihren Daten um.
  • Wire (Play-Store): Auch Wire ist standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt und kann anonym und ohne Google-Konto genutzt werden. Die Entwickler*innen verdienen ihre Brötchen mit einer umfangreichen Business-Version, die über ihre Homepage buchbar ist. Seit Ende 2019 sind im Play-Store vermehrt Bewertungen zu finden, die auf Probleme beim Empfangen von Nachrichten hindeuten. Wire ist nach eigenen Angaben dabei, die Probleme zu beheben.

Kalender

Diese Kalender-Apps empfehlen wir:

  • Schlichter Kalender (F-DroidPlay-Store): Open-Source App von dem slowakischen Programmierer Tibor Kaputa. Gehört zur sehr empfehlenswerten Reihe Simple Mobile Tools gegen Bloatware. Die App geht nicht ins Internet.
  • Etar (F-Droid, Play-Store): Open-Source App, entwickelt von dem arabischen Programmierer Suhail Alkowaileet. Entspricht vom Funktionsumfang der Android-eigenen Kalenderfunktion. Die App hat keinen Zugriff aufs Internet.
  • Kalenderchen (Play-Store): Diese Kalender-App für Android und Windows synchronisiert Ihren Kalender über mehrere Geräte hinweg. Alle eingetragenen Daten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt online gespeichert. Um den Kalender dezentral zu nutzen, müssen Sie unter kalenderchen.de einen Cloud-Kalender anlegen. Sie erstellen dabei einen privaten Schlüssel (Passwort), den Sie für das Einrichten von Kalenderchen auf jedem Gerät benötigen. Kosten: Einen Kalender mit Synchronisationsfunktion gibt's für 18 Euro pro Jahr, ohne Synchronisation genügt ein selbstgewählter Spendenbetrag. Für komplett anonyme Nutzung können Geldscheine per Post geschickt werden, mehr Infos auf der Webseite.

Kontakte

Diese Kontakte-App empfehlen wir:

  • Schlichte Kontakte: Quelloffene App (F-Droid, Play-Store) des slowakischen Programmierers Tibor Kaputa. Gehört zur sehr empfehlenswerten Reihe "Simple Mobile Tools" gegen Bloatware.
  • MyLocalAccount: Falls Ihr Gerät das Abspeichern von Kontakten im lokalen Gerätespeicher nicht von selbst erlaubt, können Sie mit Hilfe der App ein MyLocalAccount entsprechendes lokales Verzeichnis auf Ihrem Handy anlegen. Die App entwickelt ein österreichischer Programmierer, der unter dem Namen FJ Softwaredevelopment auch den von uns empfohlenen MyPhoneExplorer anbietet.
Hinweis: MyLocalAccount ist keine App zum Verwalten oder Beabeiten von Kontakten, sondern richtet nur einen Speicherort auf Ihrem Gerät ein. Wenn man sie installiert, erscheint kein App-Icon auf dem Startbildschirm. Gehen Sie nach der Installation zu:Geräteeinstellungen > Konten > Hinzufügen und tippen Sie in der Liste auf MyLocalAccount. Wenn Sie nun Ihre Kontakte-App öffnen und einen neuen Kontakt hinzufügen, sollten Sie eine Auswahl haben, den Kontakt entweder im Google-Konto anzulegen oder im MyLocalAccount-Konto.

Suche

Diese Suchmaschinen empfehlen wir:

Hinweis: Suchmaschinen-Apps bringen einige Nachteile mit sich - es handelt sich dabei um abgespeckte Browser-Apps, die mit der Sicherheit eines vollwertigen Browsers wie Firefox nicht mithalten können. Stattdessen empfehlen wir, die Suchmaschine Ihrer Wahl beispielsweise im Firefox-Browser als Standard festzulegen. Öffnen Sie dazu das Menü des Browsers und tippen Sie auf den Punkt "Suche".

  • StartPage: Die niederländische Suchmaschine sucht in der Google-Trefferliste, ohne dass dabei Nutzer*innendaten zu Google gelangen. Die Suchmaschine speichert keine Daten über Sie und bietet beim Öffnen von Webseiten einen anonymen Modus. Startpage ist als App im Play-Store erhältlich, kann aber auch als Suchmaschine für Browser eingestellt und als Webseite aufgerufen werden.
  • DuckDuckGo: US-amerikanische Suchmaschine, nutzt Ergebnisse von anderen Suchmaschinen, zum Beispiel Yahoo, Yandex und Bing. Speichert keine Suchanfragen und erstellt keine Profile. Erhältlich als App im Google Play-Store oder in F-Droid, als Suchmaschine für den Browser und als Webseite.
  • MetaGer: Wird vom Suma e.V. mit Sitz in Hamburg betrieben. Sie setzt auf konsequenten Datenschutz und zeigt transparent, aus welcher Quelle die Suchergebnisse kommen. Man kann Webseiten "anonym" aufrufen: Dabei wird die eigene IP-Adresse verschleiert und Tracking verhindert.
  • Suchfeld: Wenn Sie nicht auf das Suchfeld verzichten wollen, das viele von der Google-Suche auf dem Startbildschirm gewöhnt sind, können Sie dieses mit der App "Simple Search" (F-Droid oder Play-Store) ersetzen. Installieren Sie die App, stellen Sie darin die Suchmaschine Ihrer Wahl ein und fügen Sie sie dann als Widget auf dem Startbildschirm hinzu. Hier geht's zur Video-Anleitung: Simple Search: Suchleiste für alle Suchmaschinen (Android).

Tastatur

Diese Tastatur-Apps empfehlen wir:

  • AnySoftKeyboard: Open-Source-App, derzeit von Entwickler Menny Even Danan aus New York City betreut. Finanziert durch Spenden. Die App geht nicht ins Internet. Erhältlich im alternativen App-Store F-Droid oder im Google Play-Store. Das deutsche Sprachpaket muss zusätzlich geladen werden (F-Droid, Play-Store).
  • Typewise: Tastatur-App von Janis Berneker und David Eberle aus der Schweiz. Frei von Werbung und Tracking. Verspricht, einen Großteil von Tippfehlern automatisch zu korrigieren. Der Internetzugriff der App dient allein der Nutzungsanalyse und ist für ihre Funktion nicht notwendig. Er lässt sich vollständig abwählen unter Einstellungen > Offline-Modus .
  • Hacker’s Keyboard: Open-Source-App ohne Internetzugriff. Enthält zusätzliche Tasten wie Esc und ist daher eher etwas für spezielle Bedürfnisse. Erhältich in F-Droid.

Textbearbeitung

Alternative Textbearbeitungs-Apps:

  • Collabora Office: Diese quelloffene App für Android und iOS kann fast alles, was Sie von der Textbearbeitung am Desktop kennen: Verschiedene Schriftarten und -farben einstellen, Absätze formatieren sowie Grafiken und Fotos einfügen. Bearbeiten können Sie Dokumenttypen aus Microsoft Office und Libre Office. Die App erlaubt auch das Erstellen und Ändern von Tabellen und Präsentationen. Frei von Werbung und Tracking, keine unnötigen Berechtigungen. Kostenlose Version für Einzelnutzer*innen, Zusammenarbeit mit anderen ab 17 Euro pro Jahr. Zu haben im Play-Store und als .apk auf der Webseite.
  • Writer: App mit Lese- und Schreibfunktion für die meisten Formate. Wer ein Profil in der App anlegt, kann Dokumente teilen und gemeinsam mit anderen bearbeiten. Die App läuft aber auch offline und ohne Profil. Angeboten von der Software-Firma Zoho Corp. Enthält Google Firebase Analytics, die Nutzungsanalyse kann in den Einstellungen abgewählt werden. Erhältlich im Play-Store.

Überflüssige Apps

Sie werden auch viele Apps auf dem Gerät finden, die Sie überhaupt nicht brauchen. Gehen Sie einmal durch die App-Liste und deinstallieren Sie konsequent alles, was für Sie überflüssig ist. Wenn Ihnen eine App nachträglich doch fehlt, können Sie sie einfach wieder neu aus dem Play-Store installieren. Wenn Sie bei einer App nicht sicher sind, was sie tut, starten Sie eine kurze Internetsuche.

Hinweis: Folgende Apps sollten Sie auf Ihrem Smartphone lassen, da sonst grundlegende Systemfunktionen nicht mehr ausgeführt werden können:

  • Google Play-Store
  • Google Play Dienste / Services
  • Android System WebView
  • Einstellungen
Hier entlang zu unserem Video Vorinstallierte Apps loswerden: So geht's!
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Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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