Ratgeber

Video-Dienst BigBlueButton kurz vorgestellt

Ein Artikel von , , veröffentlicht am 14.05.2020, bearbeitet am29.10.2020

BigBlueButton ist eine quelloffene Software für Video-Konferenzen, die jede*r für seine Zwecke anpassen kann. Wer direkt ein Meeting starten möchte, kann die Variante „Senfcall“ im Browser nutzen. Sie ist datensparsam und kommt aus Deutschland.

Das ist BigBlueButton

BigBlueButton (BBB) ist ein kostenloses Webkonferenzsystem, das für den Online-Unterricht konzipiert wurde. Sie können mit der Software Audio- oder Video-Konferenzen abhalten, Sitzungen aufnehmen, ein virtuelles Whiteboard verwenden, die Anwesenden in Arbeitsgruppen einteilen und vieles mehr.

Die maximale Anzahl der Teilnehmer*innen hängt von den Server-Kapazitäten ab. Der Anbieter empfiehlt, dass an einer Session nicht mehr als 100 Leute teilnehmen sollten.

Um die volle Kontrolle über Ihre Konferenzen zu behalten, können Sie die quelloffene BigBlueButton-Software über einen eigenen Server laufen lassen.

Wer das nicht kann oder möchte, kann für die Kommunikation zum Beispiel den Dienst Senfcall verwenden. Er basiert auf der BigBlueButton-Software und wurde von Studierenden der Universitäten Darmstadt und Karlsruhe entwickelt, per Web-Zugriff kann jeder ihn nutzen.

Derzeit wird der Dienst vom Computerwerk Darmstadt e.V. betrieben, er ist kostenlos und daher auf Spenden von Nutzer*innen angewiesen.

So funktioniert BBB / Senfcall

Technisch versierte Personen können sich sowohl Server als auch Webschnittstelle für BigBlueButton selbst installieren. Ein Skript des Anbieters unterstützt dabei. Der Anbieter stellt auch eine Demo-Version zur Verfügung, die jedoch nicht für die Alltagsnutzung gedacht ist.

Wer direkt starten möchte, kann auf den Dienst Senfcall zurückgreifen. Dazu muss man auf senfcall.de nur einen Namen eintragen und kann mit einem Klick die Konferenz starten. Es ist ratsam, zusätzlich ein Passwort zu setzen, damit nicht jede*r mit dem Link dem Meeting beitreten kann. Es gibt noch weitere auf BBB basierende Dienste, zum Beispiel ulmlernt.

BigBlueButton und darauf basierende Dienste wie Senfcall laufen komplett im Browser. Die Betreiber von BigBlueButton empfehlen für die Nutzung Firefox oder Chrome (siehe Tipp).

Durch einen Link laden Sie andere Personen in Ihren Konferenzraum ein. Diese müssen nach Öffnen des Links ebenfalls nur einen Namen angeben.

Es empfiehlt sich, den Zutritt zum virtuellen Raum mit einem Passwort zu schützen, damit niemand außer den Eingeladenen der Konferenz beitreten kann.

Die Person, die den Chat-Raum eröffnet, leitet das Geschehen und muss beigetretene Teilnehmer*innen bestätigen, damit diese auch wirklich an der Konferenz teilnehmen können.

Tipp: BBB mit Ungoogled Chromium

Wie viele Video-Dienste läuft BigBlueButton am besten in Googles Browser Chrome. Wer seine Daten vor Google schützen möchte, kann am Desktop auf die datenschutzfreundliche Variante Ungoogled Chromium zurückgreifen.

Der Browser basiert auf den quelloffenen Teilen von Chrome und wurde von allen Elementen bereinigt, die Verbindungen zu Google aufbauen. Auf chip.de können Sie Ungoogled Chromium für Windows, Mac und Linux herunterladen.

Hinweis: Da Ungoogled Chromium Sicherheits-Updates erst mit etwas Verspätung bekommt, raten wir von einer Nutzung als Standard-Browser ab.

Sicherheit und Datenschutz bei Senfcall

Die Kommunikation zwischen Browser und dem Server des Anbieters erfolgt transportverschlüsselt, das heißt, dass die Daten unterwegs für Angreifer*innen nicht lesbar sind. Personen, die Zugriff auf den Server des Betreibers haben, können theoretisch Unterhaltungen mithören.

Daten aus einem Meeting werden über Senfcall-Server in Deutschland geleitet, darunter Video- und Audiodaten, gesendete Chat-Nachrichten und Präsentationen.

Sämtliche Nutzer*innendaten werden laut Datenschutzerklärung ausschließlich für die Durchführung der Konferenz zwischengespeichert und spätestens mit deren Ende gelöscht.

BBB: Entwicklung und Finanzierung

Hinter der Software BigBlueButton steht die kanadische BigBlueButton Inc., eine Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die technischen Voraussetzungen für Online-Lehre zu verbessern.

BigBlueButton ist ein Open-Source-Projekt, an dem laut Betreiber eine große Gemeinschaft von Entwickler*innen beteiligt ist (hier geht's zum Code bei GitHub). Die Software bietet Integrationen für viele Lern- oder Webseiten-Systeme wie Moodle oder WordPress.

Entwickler*innen sind eingeladen, den Code im Rahmen der Lizenz für ihre Zwecke zu nutzen und zu verändern - wie im Fall von Senfcall geschehen. Der Name BigBlueButton ist als Marke geschützt.

Fazit

Mit Senfcall können Sie die BigBlueButton-Software ohne Aufwand für Video-Chat und Online-Unterricht nutzen. Die Verbindungsqualität war in unserem Test mit sechs Personen rundum zufriedenstellend. Wenn es absolut abhörsicher sein muss, sollten Sie einen eigenen Server aufsetzen.

Hier geht's zurück zu unserer Übersicht: Video-Chat: 12 beliebte Dienste und Geheimtipps.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Kritisch hinterfragt: App-Rankings auf Android und iOS

Wenn Sie im Play-Store von Android oder im App-Store von iOS einen Suchbegriff eingeben, präsentieren Google und Apple Ihnen eine Reihenfolge von Apps. Wie erzeugen die IT-Konzerne diese Listen, und befinden sich auf den vorderen Plätzen automatisch auch die nutzerfreundlichsten Apps?

Mehr
YouTube-Video 

Cryptomator-App: Dropbox und Co. selbst verschlüsseln – so geht’s!

Falls Sie Google Drive oder die Dropbox schon lange nutzen und sich nicht trennen mögen, können Sie diese Clouds selbst sicher verschlüsseln: mit der App Cryptomator. Video zeigen wir, wie das geht.

Ansehen
Ratgeber 

Heimweg-App Glympse kurz vorgestellt

Mit Glympse können Sie Ihren Standort per Link freigeben. Ihre Begleitung braucht also keine App. Allerdings kann Ihr Standort leicht ohne Ihr Wissen an Dritte gegeben werden. Die Firma Glympse Inc. sitzt in den USA und teilt Informationen aus der App mit Facebook und Google.

Mehr
Messenger 

Messenger-App Briar kurz vorgestellt

In Sachen Anonymität schlägt Briar alle anderen von uns vorgestellten Messenger. Briar-Nutzer kommunizieren über das Anonymisierungsnetzwerk Tor und es fallen keinerlei Metadaten an. Selbst die IP-Adresse bleibt geheim. Massentauglich ist das junge Projekt aber noch nicht, da wichtige Funktionen fehlen.

Mehr