Messenger

Messenger-App Signal kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 26.08.2018, bearbeitet am24.06.2020

Signal gehört zu den beliebtesten sicheren Messengern. Sein Verschlüsselungsprotokoll gilt als Goldstandard in der Kryptoszene. Signal bietet auch sicheren Video-Chat zu zweit. Allerdings muss man seine Telefonnummer angeben.

Das ist Signal

Der Messenger Signal wurde von Moxie Marlinspike und Stuart Andersen entwickelt. Die beiden Amerikaner arbeiten bereits seit 2008 an Apps für die verschlüsselte Kommunikation – und sie haben mit dem US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden einen wichtigen Fürsprecher.

Anfang 2018 investierte der WhatsApp-Mitgründer Brian Acton, der inzwischen bei WhatsApp ausgestiegen ist, 50 Millionen Dollar in eine neu gegründete Signal-Stiftung. Durch die neue Stiftungsstruktur solle dem Messenger der Druck genommen werden, profitabel zu sein.

Das Ende-zu-Ende-Verschlüsselungsprotokoll von Signal gilt als Goldstandard in der Kryptoszene und wurde auch von WhatsApp und dem Facebook-Messenger übernommen.

Signal ist im Google Play-Store und in Apples App Store erhältlich. Seit 2017 bietet Signal auch eine Desktop-Version, seit 2019 gibt es eine Version für iPads. Ab Version 3.30.0 (veröffentlicht im Februar 2017) kann Signal auch ohne Google-Play-Dienste genutzt werden. Standardmäßig sind sie jedoch aktiviert.

Seit 2017 steht die App auch als Direkt-Download als .apk-Datei auf der Webseite zur Verfügung.

WhatsApp, Telegram, Threema und Co.: Hier geht's zu unserer Übersicht verschlüsselter Messenger.

Daten und Sicherheit

Beim ersten Start der Signal-App muss man sich mit einer Handynummer anmelden, man kann den Dienst nicht ohne nutzen. Signal verlangt bei der Installation Zugriff auf das Adressbuch, um andere Nutzer*innen zu finden.

Verweigert man den Zugriff, muss man die Telefonnummer des Empfängers per Hand eintippen und kann sie nicht in der Kontaktliste speichern. Nach Angaben von Signal werden Kontaktdaten grundsätzlich anonymisiert (gehasht) auf Signals Servern abgeglichen und anschließend wieder gelöscht.

Desktop- und Tablet-Versionen von Signal müssen mit einem Account mit Telefonnummer verknüpft sein.

Mit der App lassen sich Texte und Dateien an eine Person oder an Gruppen schicken. Auch verschlüsselte Audio- und Video-Anrufe sind möglich - allerdings nicht in Gruppen und nicht mit der Desktop-Version.

Die Nachrichten werden über die Server von der Betreiber-Organisation Open Whisper Systems geleitet, die sich in den USA befinden. Da sie verschlüsselt sind, können die Inhalte jedoch vom Betreiber nicht gelesen werden und sind auch vor Behörden sicher.

Nutzerzahlen des Messengers veröffentlicht Open Whisper Systems nicht.

Backup bei Signal

2020 führte Signal eine PIN ein, die bei Neuinstallation der App das Importieren der eigenen Profileinstellungen ermöglicht. Wer keinen Zugriff mehr auf die Nummer hat, mit der er oder sie das Signal-Profil erstellt hat, kann sich so trotzdem authentifizieren. Chat-Inhalte sind mit der PIN nicht abrufbar, da die Nachrichten nur lokal gespeichert werden.

Wer seine Signal-Inhalte von einem Gerät auf ein anderes überspielen will, kann das von iPhone zu iPhone unkompliziert mit Hilfe eines QR-Codes tun. Auf Android muss dazu zunächst ein lokales Backup erstellt werden.

Hier geht es zum Signal-Support fürs Backup auf Android und auf iPhones.

Beim Android-Backup werden alle App-Daten in einem verschlüsselten Dateiordner auf dem eigenen Gerät abgelegt. Diesen Ordner muss man auf das neue Gerät überspielen - zum Beispiel per USB-Kabel über den PC oder über einen Cloud-Speicher. Da die Datei selbst gut verschlüsselt ist, können Cloud-Speicher wie Google-Drive dabei keinen Zugang zu Ihren Daten erhalten.

Bei Neuinstallation findet die App dieses Backup dann auf dem neuen Gerät.

Vor- und Nachteile

Positiv:

  • Standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Chats, Gruppenchats, Audio- und Videotelefonie (zu zweit)
  • Offener Quellcode (Open Source)
  • Speichert keine Metadaten
  • Auf Android auch ohne Google-Konto nutzbar
  • Verschlüsselt lokale Backups auf Android
  • Auto-Zerstörungs-Timer für Nachrichten
  • Kostenlos

 

Negativ:

  • Nur mit Zugriff auf Adressbuch komfortabel nutzbar
  • Telefonnummer für Nutzung nötig
  • Video- und Audio-Anrufe nicht in Gruppen möglich
Kennen Sie schon unseren Newsletter? Einmal im Monat schicken wir Ihnen aktuelle mobilsicher-Lesetipps direkt ins Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.

Weitere Artikel

YouTube-Video 

Schwerpunkt Video-Chat: ZOOM, Skype, Signal und Wire

Der Video-Chat ZOOM wird immer beliebter - gleichzeitig häufen sich die Sicherheitsprobleme. Warum wir Dienste wie ZOOM und Skype kritisch sehen und welche privatsphärefreundlichen Alternativen wir empfehlen, erfahren Sie im Video.

Ansehen
Schadprogramme 

Schadprogramme: Infektionen vorbeugen

Schadprogramme für Smartphones oder Tablets können richtig Ärger machen. Im schlimmsten Fall lässt sich das Gerät nicht mehr nutzen. Mit einigen einfachen Verhaltensregeln und Sicherheitseinstellungen kann man den meisten Infektionen aber aus dem Weg gehen.

Mehr
Ratgeber 

Android-Apps ersetzen: Textbearbeitung

Die Apps von GoogleDocs und Microsoft Office sind auf vielen Android-Geräten schon vorinstalliert. Doch wer seine Dokumente diesen Konzernen anvertraut, gibt sie auch zur Analyse frei. Zwei gute App-Alternativen finden Sie hier.

Mehr
Start mit Android 

Bloatware: Vorinstallierte Apps ersetzen (Android)

Neue Android-Telefone kommen mit vielen vorinstallierten Apps von Google und anderen Firmen. Diese sind meist nicht privatsphärefreundlich. Fast immer gibt es gute Alternativen – vom Browser bis zur Tastatur-App. Wir stellen die besten vor.

Mehr