Ratgeber

Handy für Kinder einrichten (Android)

Ein Artikel von , veröffentlicht am 07.07.2017, bearbeitet am29.05.2022

Wenn ein Kind sein erstes eigenes Smartphone bekommen soll, tun sich für Eltern viele Fragen auf. Mit unseren Tipps werden die Weichen in Sachen Privatsphäre gleich richtig gestellt.

Wenn Sie ein Handy für Kinder einrichten möchten, können Sie einige oder alle Punkte aus diesem Ratgeber beachten. Er eignet sich für Kinder, die zwischen zehn und 14 Jahre alt sind und das Gerät alleine benutzen.

Neben der richtigen Konfiguration ist unser wichtigster Tipp, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben und so ein Bewusstsein für Datenschutz und Privatsphäre zu schaffen.

Bevor es losgeht: Nutzerkonten

Bei den meisten Android-Geräten kann man mehrere Nutzerkonten einrichten. Beim ersten Einrichten wird auf dem Gerät das Haupt-Nutzerkonto angelegt, das automatisch den Status „Eigentümer“ hat. Wer mit diesem Konto angemeldet ist, hat die volle Kontrolle über das Gerät.

Wir empfehlen, dass Sie als Eltern den alleinigen Zugang zu diesem Eigentümer-Konto haben. Sichern Sie den Zugang mit einer PIN, die Ihr Kind nicht kennt. Richten Sie dann für Ihr Kind ein eigenes Nutzerkonto ein.

Sicherungsmaßnahmen, die Sie im folgenden für Ihr Kind im Kinderkonto einrichten, kann Ihr Kind dann nicht einfach aushebeln, indem es ein neues Nutzerkonto anlegt. Bei den meisten Geräten ist auch der "abgesicherte Modus" nur vom Hauptkonto aus zugänglich. Im abgesicherten Modus sind alle nachträglich installierten Apps inaktiv. Er lässt sich über Tastenkombinationen starten.

Tipp: Bei manchen Android-Geräten kann man vom Sperrbildschirm aus ein neues Nutzerkonto oder Gästekonto anlegen, ohne dafür eine PIN einzugeben. Viele Kinder kommen früher oder später auf die Idee, einfach ein neues Nutzerkonto einzurichten, um mögliche Einschränkungen in ihrem eigenen Konto zu umgehen. In der Regel kann man die Einstellungen so ändern, dass Nutzerkonten nur noch vom unversperrten Gerät aus eingerichtet werden können.

Bevor es losgeht: Google-Konto auswählen

Überlegen Sie sich vorher, welches Google-Konto Sie mit dem Gerät verknüpfen wollen und wer darauf Zugriff haben soll. Das hängt vom Alter des Kindes und von Ihren Präferenzen ab. Wir empfehlen:

  • Wählen Sie nicht das Google-Konto, das Sie selbst aktiv nutzen. Sonst könnten Informationen von Ihrem Handy mit dem Gerät Ihres Kindes synchronisiert werden. Richten Sie stattdessen ein ganz neues Google-Konto ein.
  • Sie sollten der*die Eigentümer*in des neuen Google-Kontos sein. Ihr Kind sollte die Zugangsdaten nicht kennen. Damit behalten Sie eine gewisse Kontrolle über das Gerät.
  • Diese Kontrolle kann Ihr Kind, wenn es technisch gewieft ist, umgehen. Eine vertrauensvolle Beziehung ist daher unentbehrlich, wenn Sie Ihrem Kind ein Smartphone in die Hand geben.
Tipp: Wenn Sie Nutzungsbeschränkungen für Ihr Kind einrichten und dafür die App Family-Link von Google verwenden wollen, müssen Sie ein sogenanntes Kinder-Konto für Ihr Kind einrichten. Dieses wird automatisch mit Ihrem eigenen Google-Konto verknüpft. Dabei ist das Alter entscheidend, das Sie in dem Google-Konto für Ihr Kind angeben. Liegt es über 13 Jahren, kann Ihr Kind sich selbstständig von den Einschränkungen durch Family-Link abmelden.

Gerät in Betrieb nehmen

Schalten Sie das Gerät ein und folgen Sie dem Konfigurationsdialog. Verbinden Sie sich gegebenenfalls mit einem WLAN. Nun fordert Google Sie auf, ein Google-Konto zu verknüpfen. Wählen Sie dafür ein neu angelegtes Google-Konto aus.

Richten Sie das Gerät nun zunächst so ein, wie Sie es bei Ihrem eignen Gerät auch tun würden. Sie können dabei die Checkliste Neues Smartphone bekommen? So richten Sie es ein zur Hilfe nehmen. Eine minimale Einrichtung genügt, da Sie dieses Nutzerkonto nur selten brauchen werden.

Nutzerkonto für Ihr Kind einrichten

Legen Sie nun für Ihr Kind ein eigenes Nutzerkonto an. Sie finden den Punkt in den Geräteeinstellungen meist unter dem Stichwort "Nutzer" oder "Konten". Eventuell müssen Sie die Funktion "Mehrere Nutzer" dazu erst aktivieren.

Wer auf einem einfachen Nutzerkonto angemeldet ist, kann alle Funktionen des Gerätes verwenden, kann aber nicht die Apps und Daten der anderen Nutzer*innen sehen. Er kann selber keine Nutzerkonten einrichten oder löschen und das Gerät nicht auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Auch der abgesicherte Modus lässt sich nur vom Haupt-Nutzerkonto starten.

Hinweis: Nicht alle Android-Geräte unterstützen diese Funktion. Falls Ihr Gerät keine multiplen Nutzerkonten unterstützt, überspringen Sie diesen Punkt. Ihr Kind kann dann einige Sicherungsmaßnahmen aushebeln.

Nutzerkonto richtig einstellen

Loggen Sie sich nun in das Nutzerkonto Ihres Kindes ein. Sie werden als erstes aufgefordert, auch dieses Konto mit einem Google-Account zu verknüpfen.

Welches Google-Konto Sie dafür verwenden, hängt davon ab, wie stark Sie Ihr Kind einschränken und beaufsichtigen wollen. Sie können das Selbe Konto verwenden, das Sie für das Haupt-Nutzerkonto angelegt haben. In diesem Fall haben Sie mehr Kontrolle über das Gerät. Für ältere Kinder, die schon sehr selbsständig mit dem Gerät umgehen, empfehlen wir ein eigenes Google-Konto, zu dem es auch die Zugangsdaten hat. Der Play-Store für das Nutzer-Konto Ihres Kindes ist dann mit diesem Google-Konto verknüpft.

Folgen Sie dann der Checkliste Neues Smartphone sicher einrichten bis zum Punkt "Google-Dienste einrichten".

Google-Dienste gemeinsam einrichten

Navigieren Sie zu Einstellungen > Google > Google-Konto verwalten > Daten und Datenschutz > Einstellungen für den Verlauf. In der Standardeinstellung speichert Google hier sehr viele Informationen darüber, was Sie mit dem Gerät tun. Zum Beispiel werden Suchanfragen, Wiedergabeverlauf von YouTube-Videos und der Standort gesammelt.

Entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was davon aktiv bleiben soll. Besprechen Sie, dass diese Informationen für Sie als Eltern über das Google-Konto eventuell zugänglich sind.

  • Wenn Google den Standort des Gerätes nicht erfassen soll, dann müssen Sie die Option "Standortverlauf" und "Web- und App-Aktivität" deaktivieren.
  • Im Google-Konto können Sie sehen, welche Apps auf dem Gerät installiert sind.
Mehr Informationen zu den Google-Diensten gibt es im Beitrag Google-Dienste datensparsam nutzen.

Google Play-Store gemeinsam einrichten

Um den Play-Store kommen Sie auf einem Android-Gerät kaum herum. Standardmäßig hat Ihr Kind darüber Zugriff auf jede Menge unangemessene Apps und Inhalte. Sie haben folgende Möglichkeiten:

  • Play-Store mit App sperren: Es gibt Apps, mit denen Sie eine Passwortsperre vor andere Apps legen können. Damit landen neue Apps nur mit Ihrer Hilfe auf dem Gerät. Wir empfehlen dafür Norton App Lock. Sie ist derzeit die einzige uns bekannte App dieser Art, die ohne Werbung und ohne Tracker auskommt. Denken Sie daran, dann auch die Einstellungen zu sperren, sonst kann Ihr Kind die App einfach wieder deinstallieren. Nachteil: Ihr Kind lernt den App-Store nicht kennen und kann nicht selbst experimentieren.
  • Filter: Es gibt die Möglichkeit, einen Jugendschutzfilter im Play-Store einzurichten und diesen mit einer PIN zu sichern. Ein sicherer Schutz vor unangemessenen Inhalten ist dieser Filter aber nicht, da sich die App-Anbieter selbst für ein bestimmtes Alter einstufen und das nicht immer korrekt tun. So ist zum Beispiel die zweifelhafte App "Puzzle Erwachsene 18" auch in der strengsten Stufe zu finden. Sie finden die Jugendschutz-Option, indem Sie in der Play-Store-App auf Ihr Google-Konto-Symbol oben rechts in der Suchleiste tippen. Navigieren Sie dann zu  Einstellungen > Familie > Jugendschutzeinstellungen.
  • Familiy-Link: Mit dieser App können Sie zusätzlich zum Jugendschutzfilter auch einstellen, dass Ihr Kind keine Apps installieren darf oder jedesmal eine Genehmigung von Ihnen benötigt. Mehr zur App erfahren Sie hier.
  • Vertrauen: Vereinbaren Sie Regeln für das Installieren neuer Apps. So kann Ihr Kind sich in der Welt der Apps umschauen. Über das Google-Konto können Sie regelmäßig kontrollieren, was installiert wird und ob die Regeln eingehalten werden.

Bezahl-Apps: Sie können einstellen, dass kostenpflichtige Apps und In-App-Käufe nur möglich sind, wenn man das Passwort zum Google-Konto eingibt. Wir empfehlen, diese Einstellung vorzunehmen, falls Sie Guthaben im Konto hinterlegt haben. Sie finden die Option, indem Sie in der Play-Store-App auf Ihr Google-Konto-Symbol oben rechts in der Suchleiste tippen. Navigieren Sie dann zu Einstellungen > Authentifizierung > Authentifizierung für Käufe erforderlich.

YouTube: Schwierige Entscheidung

Neben dem Play-Store ist auch YouTube eine App, die Sie auf einem Android-Gerät nicht deinstallieren können. Aus Jugendschutzsicht ein echtes Problem. Sie haben folgende Möglichkeiten:

  • YouTube mit App sperren: Es gibt Apps, mit denen Sie eine Passwortsperre vor andere Apps legen können. Damit ist YouTube für Ihr Kind nicht nutzbar. Nachteil: Ihr Kind lernt die YouTube-Welt nicht kennen und kann nicht selber experimentieren. Hat Ihr Kind kein eigenes Nutzerkonto, kann es diese Passwort-App aushebeln. (Siehe Punkt 7.)
  • Filter: Sie können in YouTube den "Eingeschränkten Modus" aktivieren. YouTube versucht dann, nicht jugendfreie Inhalte zu filtern. Ganz sicher ist der Filter aber nicht. Außerdem ist er nicht mit einer PIN gesperrt, Ihr Kind kann den Filter also deaktivieren.
  • YouTube Kids: Google bietet mit YouTube Kids eine eigene App an, die den Zugang zur YouTube-Plattform kindersicher machen soll. Vorteil: Hier kann man bestimmte Sicherungen einbauen und Nutzungszeiten festlegen, die auch mit PIN gesichert sind. Nachteil: Auch hier können unangemessene Inhalte durchrutschen. Die originale YouTube-App sollten Sie dann zum Beispiel mit der App Norton App Lock sperren. Mehr Infos finden Sie im Beitrag YouTube Kids: Kinderschutz oder Werbeparadies?

Der Browser

Auch Googles Browser Chrome lässt sich nicht deinstallieren und öffnet Ihrem Kind den Weg zu sämtlichen Inhalten des World Wide Web. Es gibt verschiedene Optionen, Kindern je nach Alter einen halbwegs geschützten Zugang ins Internet zu ermöglichen.

  • Chrome mit App sperren: Da Chrome unter Android derzeit keine Filtermöglichkeit anbietet, empfehlen wir diesen Browser zu sperren (siehe oben). Alternativ können Sie andere Browser mit Filter zulassen oder den direkten Zugang ganz versperren und spezielle Angebote per App ermöglichen - zum Beispiel den Zugang zu Wikipedia.
  • FragFinn: Für Kinder bis 12 Jahre, die gerade erst das Internet entdecken, bietet sich FragFinn als Zugang zum Internet an. FragFinn ist eine handverlesene Positivliste mit rund 5000 geprüfte Online-Angeboten.
  • Qwant Junior: Variante des Browsers Qwant mit Jugendschutzfilter.

Messenger: Stellen Sie die Weichen

Alle Kinder lieben Messenger. Um WhatsApp kommen Sie eventuell nicht herum - schließlich möchte Ihr Kind dort mitmachen, wo alle anderen auch sind. Hier gilt: Das eine tun, das andere nicht lassen. Installieren Sie zusätzlich noch einen der vielen sehr guten Messenger, die Nutzerdaten nicht an Facebook weitergeben.

Eine Auswahl haben wir im Beitrag Messenger-Apps: 8 WhatsApp-Alternativen zusammengestellt.

Zeitbeschränkung

Den meisten Erwachsenen fällt es schwer, nicht zu viel Zeit am Smartphone zu vertrödeln – warum sollte es bei Kindern anders sein? Vereinbaren Sie daher feste Nutzungszeiten. Eine App, die das Gerät nach Ablauf der Zeit sperrt, kann die Vereinbarung unterstützen. Achten Sie bei der Auswahl auf die Privatsphäre Ihrer Kinder – es muss nicht unbedingt gleich die Totalüberwachung sein. Wir empfehlen zum Beispiel für Android die App TimeLimit. Mit dieser App können Sie relativ fein einstellen, welche Apps wie lange genutzt werden dürfen. Die App ist aktuell nur im alternativen App-Store F-Droid zu haben.

Drittanbietersperre einrichten

Um ungewollten Kosten und Abzock-Abos durch sogenanntes Direct Carrier Billing (früher WAP-Billing) oder durch Sonderrufnummern zu verhindern, sollten Sie unbedingt eine Drittanbieter-Sperre einrichten.

Was es mit dem sogenannten Direct Billing bzw. WAP-Billing auf sich hat, erklären wir im Beitrag Bezahlen per Handy-Rechnung: Was steckt dahinter.

Verlust und Diebstahl

Smartphones gehen oft verloren, werden vergessen oder gestohlen. Android-Geräte bieten die Möglichkeit zur Fernortung. Unter Einstellungen > Sicherheit können Sie die Option "Mein Gerät finden" aktivieren. Die Ortung funktioniert aber nur, wenn die Standortdienste aktiv sind.

Wir empfehlen, diese Funktion zu nutzen. Falls Sie nicht möchten, dass andere Apps auf Ihren Standort zugreifen können, können Sie diesen Zugriff im Einzelfall über die App-Berechtigungen deaktivieren.

Welche Möglichkeiten der Fernortung es gibt und wo falsche Versprechen lauern, erklären wir im Beitrag Handy orten - welche Möglichkeiten gibt es?.

Apps selbst auswählen

Installieren Sie für die wichtigsten Funktionen gleich hochwertige Apps, die Ihre Privatsphäre respektieren. Vor allem für Browser, E-Mail, Suche im Internet, Messenger. Vorinstallierte Apps, die Sie nicht brauchen, sollten Sie hemmungslos deinstallieren.

Bei allen übrigen Apps sollten Sie einmal die Zugriffsrechte überprüfen. Sie finden den Punkt unter dem Stichwort "Berechtigungen" in den Geräte-Einstellungen.

Geeignete Apps für die wichtigsten Funktionen nennen wir im Beitrag Vorinstallierte Apps ersetzen.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

begleitet mobilsicher.de seit der Gründung – zuerst als freie Autorin, dann als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt, das 2020 um den AppChecker erweitert wurde. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

YouTube-Video 

Video: Betriebssystem /e/ kurz vorgestellt

Wer ein Smartphone nutzt, gibt seine Daten normalerweise an Google oder an Apple. Das freie Betriebssystem /e/ verspricht komplette Kontrolle über die eigenen Daten - und soll leicht zu bedienen sein. Wir haben es ausprobiert.

Ansehen
Ratgeber 

Anleitung: Kontakte sichern mit MyPhoneExplorer

Mit der App MyPhoneExplorer können Sie Ihr Telefonbuch zwischen Smartphone und Computer synchronisieren, ohne dass die Daten dabei im Internet landen. Mit dem Programm lassen sich auch Backups erstellen.

Mehr
Ratgeber 

Sind Schlaf-Tracker Unsinn?

Rund 80 Prozent der Erwerbstätigen leiden unter Schlafstörungen. Zugleich erfreuen sich sogenannte Schlaf-Tracker großer Beliebtheit. Was messen diese Apps und können sie bei Schlafproblemen wirklich helfen?

Mehr
Ratgeber 

Apps des Monats – die 10 besten für Android

Ein transparenter Werbe-Blocker, eine kluge Tastatur, Backup-Hilfen, Tipps für Eltern und mehr - hier sind unsere zehn spannendsten Apps des vergangenen Monats. Ab Ende März erscheint diese neue Reihe immer pünktlich am letzten Sonntag.

Mehr