Ratgeber

Handy für Kinder einrichten (Android)

Banana-Phone

Wer seinem Kind ein Smartphone schenken möchte, sollte das Gerät vorher unbedingt richtig konfigurieren. So werden die Weichen in Sachen Privatsphäre gleich richtig gestellt. Wir führen Sie durch die wichtigsten Schritte – von den Grundeinstellungen über App-Auswahl bis zum Einrichten verschiedener Nutzerkonten.

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Eltern · In-App-Käufe · Kinder · Mehrere Nutzer · Nutzerkonto
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Dieser Ratgeber eignet sich für Kinder, die zwischen zehn und 14 Jahre alt sind und das Gerät alleine benutzen.

Neben der richtigen Konfiguration ist der wohl wichtigste Tipp, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben und so ein Bewusstsein für Datenschutz und Privatsphäre zu schaffen.

1. Bevor es losgeht: Nutzerkonten

Bei den meisten Android-Geräten kann man mehrere Nutzerkonten einrichten. Beim ersten Einrichten wird auf dem Gerät das Haupt-Nutzerkonto angelegt, das automatisch den Status „Eigentümer“ hat. Wer mit diesem Konto angemeldet ist, hat die volle Kontrolle über das Gerät.

Wir empfehlen, dass Sie als Eltern den alleinigen Zugang zu diesem Eigentümer-Konto haben. Sichern Sie den Zugang mit einer PIN, die Ihr Kind nicht kennt. Richten Sie dann für Ihr Kind ein eigenes Nutzerkonto ein.

Sicherungsmaßnahmen, die Sie im folgenden für Ihr Kind im Kinderkonto einrichten, kann Ihr Kind dann nicht einfach aushebeln, indem es ein neues Nutzerkonto anlegt oder den „abgesicherten Modus“ nutzt. Im abgesicherten Modus sind alle nachträglich installierten Apps inaktiv. Er lässt sich über Tatenkombinationen starten.

2. Bevor es losgeht: Google-Konto auswählen

Überlegen Sie sich vorher, welches Google-Konto Sie mit dem Gerät verknüpfen wollen und wer darauf Zugriff haben soll. Das hängt natürlich vom Alter des Kindes und von Ihren Präferenzen ab. Unsere Tipps:

  • Wählen Sie nicht das Google-Konto, das Sie selbst aktiv nutzen. Sonst könnten Informationen von Ihrem Handy mit dem Gerät Ihres Kindes synchronisiert werden. Richten Sie stattdessen ein ganz neues Google-Konto ein.
  • Sie sollten der Eigentümer von dem neuen Google-Konto sein. Ihr Kind sollte die Zugangsdaten nicht kennen. Damit behalten Sie eine gewisse Kontrolle über das Gerät.
  • Diese Kontrolle kann Ihr Kind, wenn es technisch gewieft ist, umgehen. Eine vertrauensvolle Beziehung ist daher unentbehrlich, wenn Sie Ihrem Kind ein Smartphone in die Hand geben.

3. Gerät in Betrieb nehmen

Schalten Sie das Gerät ein und folgen Sie dem Konfigurationsdialog. Verbinden Sie sich gegebenenfalls mit einem WLAN. Nun fordert Google Sie auf, ein Google-Konto zu verknüpfen. Wählen Sie dafür ein neu angelegtes Google-Konto aus.

Richten Sie das Gerät nun zunächst so ein, wie Sie bei Ihrem eignen Gerät auch tun würden. Sie können dabei die Checkliste Neues Smartphone bekommen? So richten Sie es ein zur Hilfe nehmen. Eine minimale Einrichtung genügt, da Sie dieses Nutzerkonto nur selten brauchen werden.

4. Nutzerkonto für Ihr Kind einrichten

Legen Sie nun für Ihr Kind ein eigenes Benutzerkonto an. Die Benutzerverwaltung finden Sie unter Einstellungen > Benutzer.

Hinweis: Nicht alle Android-Geräte unterstützen diese Funktion – darunter Samsung-Geräte. In diesem Fall fehlt der Punkt Benutzer im Menü. Falls Ihr Gerät keine Nutzerkonten unterstützt, überspringen Sie diesen Punkt. Hinweis: Ihr Kind kann dann einige Sicherungsmaßnahmen aushebeln.

Wer auf einem einfachen Nutzerkonto angemeldet ist, kann alle Funktionen des Gerätes verwenden, kann aber nicht die Apps und Daten der anderen Nutzer sehen und keine Nutzerkonten einrichten oder löschen. Er kann das Gerät auch nicht auf Werkeinstellungen zurücksetzen und es nicht im abgesicherten Modus starten.

5. Nutzerkonto konfigurieren

Loggen Sie sich nun in das Nutzerkonto Ihres Kindes ein. Sie werden als erstes aufgefordert, auch dieses Konto mit einem Google-Account zu verknüpfen.

Je nach Alter des Kindes kann es dasselbe sein wie das Konto, das Sie für den Hauptnutzer angelegt haben, oder aber ein eigenes, zu dem nur Ihr Kind die Zugangsdaten hat. Der Play-Store für das Konto Ihres Kindes ist dann mit diesem Google-Konto verknüpft.

Folgen Sie dann der Checkliste Neues Smartphone bekommen? So richten Sie es ein bis zum Punkt „Google-Dienste einrichten“.

6. Google-Dienste gemeinsam einrichten

Navigieren Sie zu Einstellungen > Google > Persönliche Daten & Privatsphäre > Aktivitätseinstellungen. In der Standardeinstellung speichert Google hier sehr viele Informationen darüber, was Sie mit dem Gerät tun. Zum Beispiel werden Suchanfragen, Wiedergabeverlauf von Videos bei YouTube und der Standort gesammelt.

Entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was davon aktiv bleiben soll. Besprechen Sie, dass diese Informationen für Sie als Eltern über das Google-Konto eventuell zugänglich sind.

  • Wenn Google den Standort des Gerätes nicht erfassen soll, dann müssen Sie die Option „Standortverlauf“ und „Web- und App-Aktivität“ deaktivieren.
  • Im Google-Konto können Sie sehen, welche Apps auf dem Gerät installiert sind.

7. Google Play-Store gemeinsam einrichten

Um den Play-Store kommen Sie auf einem Android-Gerät nicht herum. Die App lässt sich leider nicht mit Bordmitteln sperren oder sichern. Damit hat Ihr Kind Zugriff auf jede Menge unangemessene Apps und Inhalte. Sie haben folgende Möglichkeiten:

  • Play-Store mit App sperren: Es gibt Apps, mit denen Sie eine Passwortsperre vor andere Apps legen können. Damit landen neue Apps nur mit Ihrer Hilfe auf dem Gerät. Nachteil: Ihr Kind lernt den App-Store nicht kennen und kann nicht selbst experimentieren. Hat Ihr Kind kein eigenes Nutzerkonto, kann es die Passwort-App aushebeln. Wir empfehlen dafür die App „App Lock Pro“ von Go Apps, für 0,99 Cent. Anders als die meisten anderen Apps dieser Art übertrug diese App im mobilsicher-Kurztest keinerlei Nutzerdaten. Denken Sie daran, dann auch die Einstellungen zu sperren, sonst kann Ihr Kind die App einfach wieder deinstallieren.
  • Filter: Es gibt die Möglichkeit, einen Jugendschutzfilter einzurichten und diesen mit einer PIN zu sichern. Ein sicherer Schutz vor unangemessenen Inhalten ist dieser Filter aber nicht, da sich die App-Anbieter selbst für ein bestimmtes Alter einstufen und das nicht immer korrekt tun. So ist zum Beispiel die zweifelhafte App „Telefonnummern von schönen Frauen und Mädchen“ auch in der strengsten Stufe zu finden. Sie finden die Jugendschutz-Option im Play-Store unter Einstellungen > Play-Store > Menü (drei Striche oben links) > Einstellungen > Jugendschutzeinstellungen.
  • Vertrauen: Vereinbaren Sie Regeln für das Installieren neuer Apps. So kann Ihr Kind sich in der Welt der Apps umschauen. Über das Google-Konto können Sie regelmäßig kontrollieren, was installiert wird und ob die Regeln eingehalten werden.

Bezahl-Apps: Sie können einstellen, dass kostenpflichtige Apps und In-App-Käufe nur möglich sind, wenn man das Passwort zum Google-Konto eingibt. Wir empfehlen, diese Einstellung vorzunehmen, falls Sie Guthaben im Konto hinterlegt haben. Einstellungen > Play-Store > Menü (drei Striche oben links) > Einstellungen > Authentifizierung für Käufe erforderlich.

8. YouTube: Schwierige Entscheidung

Neben dem Play-Store ist auch YoutTube eine App, die Sie auf einem Android-Gerät nicht deinstallieren können. Aus Jugendschutzsicht ein echtes Problem. Sie haben folgende Möglichkeiten:

  • YouTube mit App sperren: Es gibt Apps, mit denen Sie eine Passwortsperre vor andere Apps legen können. Damit ist YouTube für Ihr Kind nicht nutzbar. Nachteil: Ihr Kind lernt die YouTube-Welt nicht kennen und kann nicht selber experimentieren. Hat Ihr Kind kein eigenes Nutzerkonto, kann es diese Passwort-App aushebeln.
  • Filter: Sie können in YouTube den „Eingeschränkten Modus“ aktivieren. YouTube versucht dann, nicht jugendfreie Inhalte zu filtern. Ganz sicher ist der Filter aber nicht. Außerdem ist er nicht mit einer PIN gesperrt, Ihr Kind kann den Filter also deaktivieren.
  • YouTube Kids: Google bietet mit YouTube Kids eine eigene App an, die den Zugang zur YouTube-Plattform kindersicher machen soll. Vorteil: Hier kann man bestimmte Sicherungen einbauen und Nutzungszeiten festlegen, die auch mit PIN gesichert sind. Nachteil: Auch hier können unangemessene Inhalte durchrutschen. Alle Infos zu dieser App finden Sie im Beitrag YouTube Kids: Kinderschutz oder Werbeparadies?

9. Messenger: Stellen Sie die Weichen

Alle Kinder lieben Messenger. Um WhatsApp kommen Sie eventuell nicht herum – schließlich möchte Ihr Kind dort mitmachen, wo alle anderen auch sind. Hier gilt: Das eine tun, das andere nicht lassen. Installieren Sie einfach zusätzlich noch einen der vielen sehr guten Messenger, die Nutzerdaten nicht an Facebook weitergeben.

10. Drittanbietersperre einrichten

Um ungewollten Kosten und Abzock-Abos durch sogenanntes Direct Carrier Billing (früher WAP-Billing) oder durch Sonderrufnummern zu verhindern, sollten Sie unbedingt eine Drittanbieter-Sperre einrichten.

11. Verlust und Diebstahl

Smartphones gehen oft verloren, werden vergessen oder gestohlen. Android-Geräte bieten die Möglichkeit zur Fernortung. Unter Einstellungen > Google > Sicherheit können Sie die Option „Gerät aus der Ferne orten“ (wird manchmal auch als Remote-Ortung bezeichnet) aktivieren. Die Ortung funktioniert aber nur, wenn die Standortdienste aktiv sind.

Wir empfehlen, diese Funktion zu nutzen. Falls Sie nicht möchten, dass bestimmte Apps auf Ihren Standort zugreifen können, können Sie diesen Zugriff im Einzelfall deaktivieren (Einstellungen > Apps > App auswählen > Berechtigungen > Standort deaktivieren).

12. Apps selbst auswählen

Installieren Sie für die wichtigsten Funktionen gleich hochwertige Apps, die Ihre Privatsphäre respektieren. Vor allem für Browser, E-Mail, Suche im Internet, Messenger. Vorinstallierte Apps, die Sie nicht brauchen, sollten Sie die auf Ihrem Gerät bereits vorhandenen Apps hemmungslos deinstallieren.

Bei allen übrigen Apps sollten Sie einmal die Zugriffsrechte überprüfen (Einstellungen > Apps > App auswählen > Berechtigungen > Zugriffe deaktivieren).

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