Kinder und Jugendliche

Google Family Link: Was Sie über die Kindersicherung wissen sollten

Ein Artikel von , veröffentlicht am 24.10.2018, bearbeitet am25.08.2020
Google Family Link

Mit Googles Kindersicherung Family Link können Sie auf dem Android-Handy Ihres Kindes Sperrzeiten für Apps und das ganze Gerät festlegen. Dabei werden allerdings sämtliche Nutzungsdaten über Google-Server geleitet, sodass der Konzern sie mitlesen kann.

Das ist Google Family Link

Über die App Google Family Link für Eltern können Eltern auf einem Android-Handy ein eingeschränktes Google-Konto für ihr Kind einrichten und verwalten. Ein solches eingeschränktes Konto fungiert dann als Kindersicherung auf dem Handy des Kindes.

Auf diese Weise können Kinder unter 16 Jahren ein eigenes Google-Konto verwenden, wenn auch mit eingeschränkten Funktionen.

Mit der App kann man die Smartphone-Nutzung des Kindes aus der Ferne einschränken und kontrollieren. Zum Beispiel kann man:

  • die maximale Nutzungsdauer für das Gerät festlegen sowie Sperrzeiten definieren,
  • die Installation von Apps verbieten,
  • bestimmte Apps blockieren,
  • in Googles Browser Chrome die Jugendschutzfilter von Google aktivieren oder eine Liste anlegen, welche Webseiten Kinder aufrufen dürfen,
  • die Google-Such-App mithilfe des „SafeSearch“-Filters einschränken,
  • Protokolle zur Nutzung von Apps und von Webseiten einsehen,
  • den Standort des Kindergeräts abrufen.

Hinweis: Auf YouTube findet man inzwischen zahlreiche Anleitungen von Kindern für Kinder, die erklären, wie Google Family Link umgangen werden kann. Auch unsere Redaktion haben bereits Berichte von Eltern erreicht, deren Kinder die Sperre über längere Zeit erfolgreich und unbemerkt umgehen konnten. Über die von uns empfohlene Kindersicherung TimeLimit gibt es keine solchen Berichte

So richten Sie Google Family Link ein

Um Family Link zu nutzen, müssen Sie eine gültige Kreditkartennummer angeben. Damit überprüft Google, ob Sie eine erwachsene Person sind.

Um die Funktion zu aktivieren, installieren Sie als erstes auf dem Erwachsenengerät die App Google Family Link für Eltern. Über diese App legen Sie dann zunächst das Google-Konto für Ihr Kind an. Die App führt Sie durch den Prozess.

Auf dem Gerät, das als Kinder-Handy eingerichtet werden soll, melden Sie sich dann mit den Zugangsdaten an, die Sie auf Ihrem eigenen Handy vorher für Ihr Kind festgelegt haben. Zusätzlich müssen Sie auch die Zugangsdaten zu dem Google-Konto angeben, mit dem ihr eigenes Gerät verknüpft ist.

Im Einrichtungsprozess werden Sie aufgefordert, die App Family Link für Kinder auf dem Gerät des Kindes zu installieren.

Anschließend können Sie Einstellungen für das Kindergerät vornehmen. Über die App auf dem Ihrem eigenen Gerät können Sie Protokollfunktionen aufrufen und Beschränkungen verwalten.

Hinweis: Wenn Sie das Kinder-Google-Konto vom Kindergerät entfernen möchten, müssen Sie es in der Kontenverwaltung ihres Geräts aufrufen und es dort löschen. Sie finden den Menüpunkt über Einstellungen > Konten > Google. Tippen Sie dann auf die drei Menüpunkte oben rechts und dann auf "Konto entfernen". Dort können Sie danach auch ein neues Google-Konto hinzufügen.

Welche Daten des Kindes gehen an Google?

Wie bei Google-Produkten üblich, gilt die allgemeine Datenschutzerklärung von Google. Ergänzend gibt es eine Sondererklärung für Family-Link-Konten.

Neben Daten, die Nutzerinnen und Nutzer bei der Einrichtung eines Google-Kontos selbst bereitstellen (zum Beispiel Vor- und Nachname des Kindes, dessen E-Mail-Adresse und Geburtsdatum) erfasst der IT-Konzern auch weitere Informationen: etwa wie das Kind die Google-Suche, den Google Assistant oder die App YouTube Kids nutzt. Dazu gehören (je nach genutztem Dienst und Einstellung) unter anderem:

  • Geräteinformationen wie das Gerätemodell, die Geräte-IDs und die Telefonnummer,
  • Nutzungsprotokolle wie Suchanfragen, IP-Adressen und detaillierte Telefonieprotokolle,
  • Sprachaufnahmen, die bei der Nutzung der Google-Sprachsteuerung entstehen,
  • Standortinformationen zum Gerät des Kindes.

Wie immer behält der Konzern sich das Recht vor, personenbezogene Daten unterschiedlicher Google-Produkte - also zum Beispiel aus Family Link und YouTube - zusammenzuführen.

Wir empfehlen, während des Anmeldeprozesses auf dem Erwachsenengerät einige Punkte abzuwählen. Voreingestellt aktiviert ist die Speicherung von:

  • Web- und App-Aktivitäten,
  • YouTube-Suchverlauf,
  • YouTube-Wiedergabeverlauf.

In allen drei Fällen können Sie die Datenspeicherung ausschalten. Einige Überwachungsfunktionen können Sie dann nicht nutzen.

Anders als in normalen Google-Konten sind in einem Kinderkonto drei Punkte ab Werk abgeschaltet:

  • Personalisierte Werbung,
  • Sprach- und Audioaktivitäten,
  • Geräteinformationen (Daten aus Apps wie Kontakte oder Kalender).

Während des Anmeldeprozesses auf dem Kindergerät können Sie auswählen, ob Nutzungsdaten vom Gerät, etwa App-Daten, Anrufprotokolle, WLAN-Passwörter oder SMS, als Backup automatisch auf den Servern des Dienstes Google Drive landen sollen.

Ab Android 9 sind diese Daten sicher verschlüsselt, in älteren Versionen können die Daten von Google mitgelesen werden. Das Backup ist standardmäßig aktiviert, Sie können es aber ausschalten.

Fazit: Google muss nicht sein

Die App ist praktisch und enthält viele Funktionen, ermöglicht aber auch eine recht detaillierte Überwachung des Kindes.

Das medienpädagogische Projekt "SCHAU HIN!" empfiehlt, „die Standortsuche vor allem bei älteren Kindern nicht zu aktivieren und die App nicht als permanentes Überwachungstool zu nutzen." Besser sei es, im gemeinsamen Gespräch mit den Kindern klare Regeln für die Nutzung von Smartphones und Tablets zu besprechen, den Umgang mit fragwürdigen Inhalten zu klären und insgesamt ein gesundes Nutzungsverhalten vorzuleben.

Je nach Einstellung landen darüber hinaus viele Nutzungsdaten des Kindes bei Google. Wenn Sie die Voreinstellungen übernehmen, übermittelt das Gerät viele Details zur Nutzung von Webseiten und Apps.

Wir raten von Google Family Link ab und empfehlen stattdessen die datensparsame Alternative TimeLimit des deutschen Entwicklers Jonas Lochmann.

Hier geht's zu unserer großen Übersicht von Kindersicherungs-Apps.

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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