Kinder und Jugendliche

App-Check: Google Family Link

Ein Artikel von , veröffentlicht am 24.10.2018
Google / Family Link

Mit Google Family Link können Sie ein eigenes, eingeschränktes Google-Konto für Ihr Kind anlegen, das beispielsweise Sperrzeiten für die Handynutzung vorsieht. Das kann externe Kindersicherungs-Apps ersetzen. Mit seinem Hunger nach Daten verschont Google allerdings auch die Kleinen nicht.

Das ist Google Family Link

Über die App "Google Family Link für Eltern" können Eltern eingeschränkte Google-Konten für ihre Kinder einrichten und verwalten. Ein solches eingeschränktes Konto fungiert dann als Kindersicherung auf dem Android-Handy des Kindes.

Auf diese Weise können auch Kinder unter 16 Jahren ein eigenes Google-Konto verwenden, wenn auch mit eingeschränkten Funktionen.

Mit "Family Link" kann man die Smartphone-Nutzung des Kindes aus der Ferne einschränken und kontrollieren. Zum Beispiel kann man:

  • die maximale Nutzungsdauer für das Gerät festlegen sowie Sperrzeiten definieren,
  • die Installation von Apps erlauben oder nicht erlauben,
  • bestimmte Apps blockieren,
  • in Googles Browser Chrome die Jugendschutzfilter von Google aktivieren oder über eine "Whitelist" festlegen, welche Webseiten Kinder aufrufen dürfen,
  • die Google-Such-App mithilfe des „SafeSearch“-Filters einschränken,
  • Protokolle zur Nutzung von Apps und von Webseiten einsehen,
  • den Standort des Kindergeräts abrufen.
Hier geht's zu unserer großen Übersicht von Kindersicherungs-Apps.

So richten Sie den Dienst ein

Um Family Link zu nutzen, müssen Sie eine gültige Kreditkartennummer angeben. Damit überprüft Google, ob Sie eine erwachsene Person sind.

Um die Funktion zu aktivieren, installieren Sie als erstes auf dem Erwachsenengerät die App Google Family Link für Eltern. Über diese App legen Sie dann zunächst das Google-Konto für Ihr Kind an. Die App führt Sie durch den Prozess.

Auf dem Gerät, das als Kinder-Handy konfiguriert werden soll, melden Sie sich dann mit den Zugangsdaten zum Kinder-Konto an, die Sie auf Ihrem eigenen Handy vorher festgelegt haben. Zusätzlich müssen Sie auch die Zugangsdaten zu dem Google-Konto angeben, mit dem ihr eigenes Gerät verknüpft ist.

Im Einrichtungsprozess werden Sie aufgefordert, die App „Family Link Manager“ auf dem Gerät des Kindes zu installieren.

Anschließend können Sie Einstellungen für das Kindergerät vornehmen. Sie können zum Beispiel bestimmte Apps sperren oder Zeitlimits einrichten. Über die App auf dem Ihrem eigenen Gerät können Sie Protokollfunktionen aufrufen und Beschränkungen verwalten.

Hinweis: Wenn Sie das Kinder-Google-Konto vom Kindergerät entfernen möchten, müssen Sie es in der Kontenverwaltung ihres Geräts aufrufen und es dort löschen. Sie finden den Menüpunkt über Einstellungen > Konten > Google. Tippen Sie dann auf die drei Menüpunkte oben rechts und dann auf "Konto entfernen". Dort können Sie anschließend auch ein neues Google-Konto hinzufügen.

Welche Daten des Kindes gehen an Google?

Wie bei Google-Produkten üblich, gilt die allgemeine Datenschutzerklärung von Google. Ergänzend existiert noch eine Sondererklärung für Family-Link-Konten.

Neben Daten, die Nutzerinnen und Nutzer bei der Einrichtung eines Google-Kontos selbst bereitstellen (zum Beispiel Vor- und Nachname des Kindes, dessen E-Mail-Adresse und Geburtsdatum) erfasst der IT-Konzern auch weitere Informationen: etwa wie das Kind die Google-Suchmaschine, den Google Assistant oder die App YouTube Kids nutzt. Dazu gehören, je nach genutztem Dienst und je nach Einstellung, unter anderem:

  • Geräteinformationen wie das Gerätemodell, die Geräte-IDs und die Telefonnummer,
  • Nutzungsprotokolle wie Suchanfragen, IP-Adressen und detaillierte Telefonieprotokolle,
  • Sprachaufnahmen, die bei der Nutzung der Google-Sprachsteuerung entstehen,
  • Standortinformationen zum Gerät des Kindes.

Wie bei Google üblich, behält der Konzern sich das Recht vor, personenbezogene Daten unterschiedlicher Google-Produkte - also zum Beispiel aus Family Link und YouTube - zusammenzuführen.

Eltern haben allerdings die Möglichkeit, zu steuern, wie der Dienst mit den Daten ihres Kindes umgeht. Schon während des Anmeldeprozesses auf dem Erwachsenengerät können sie verschiedene Einstellungen für den Umgang mit Daten vornehmen.

Voreingestellt aktiviert ist die Speicherung von:

  • Web- und App-Aktivitäten,
  • YouTube-Suchverlauf,
  • YouTube-Wiedergabeverlauf.

In allen drei Fällen können Sie die Datenspeicherung ausschalten. Wenn Sie bestimmte Funktionen innerhalb von Google Family Link nutzen wollen, kann es aber sein, dass Sie einige Datenübertragungen dennoch erlauben müssen, beispielsweise die Web- und App-Aktivitäten, wenn Sie Nutzungsprotokolle sehen wollen.

Nicht aktiviert sind:

  • Personalisierte Werbung,
  • Sprach- und Audioaktivitäten,
  • Geräteinformationen (Daten aus Apps wie Kontakte oder Kalender).

Während des Anmeldeprozesses auf dem Kindergerät können Sie auswählen, ob Nutzungsdaten vom Gerät, etwa App-Daten, Anrufprotokolle, WLAN-Passwörter oder SMS, als Backup automatisch auf den Servern des Dienstes Google Drive landen sollen. Dies ist standardmäßig aktiviert, Sie können diese Backups aber ausschalten.

Fazit: Mit Vorsicht zu genießen

Die App ist praktisch und enthält Funktionen, die auch Kindersicherungs-Apps anderer Hersteller anbieten. Die vielen Funktionen ermöglichen aber eine recht umfassende Überwachung des Kindes. Sie sollten diese Möglichkeiten stets mit Bedacht und in Absprache mit dem Kind einsetzen.

Das medienpädagogische Projekt "SCHAU HIN!" beispielsweise empfiehlt:

„die Standortsuche vor allem bei älteren Kindern nicht zu aktivieren und die App nicht als permanentes Überwachungstool zu nutzen. Besser ist es, im gemeinsamen Gespräch mit den Kindern klare Regeln für die Nutzung von Smartphones und Tablets zu besprechen, den Umgang mit fragwürdigen Inhalten zu klären und insgesamt ein gesundes Nutzungsverhalten vorzuleben.“

Zudem landen - je nach Einstellung - viele Nutzungsdaten des Kindes bei Google. Google macht hier keinen Unterschied zwischen Google-Konten von Erwachsenen und von Kindern. Wenn Sie die Voreinstellungen übernehmen, übermittelt das Gerät detaillierte Informationen, etwa zur Nutzung von Webseiten und Apps.

Mit seinem Hunger nach Daten verschont Google also auch die kleinsten Nutzerinnen und Nutzer nicht.

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Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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