App-Test

Heimweg-App Glympse kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 07.08.2019, bearbeitet am09.08.2019

Mit Glympse können Sie Ihren Standort per Link freigeben. Ihre Begleitung braucht also keine App. Allerdings kann Ihr Standort leicht ohne Ihr Wissen an Dritte gegeben werden. Die Firma Glympse Inc. sitzt in den USA und teilt Informationen aus der App mit Facebook und Google.

Das ist Glympse

Mit der App Glympse kann man den eigenen Standort zeitweise für eine andere Person freigeben. Laut Beschreibung im App-Store kann sie in verschiedenen Situationen zum Einsatz kommen - zum Beispiel, um Freund*innen anzuzeigen, wie zügig man sich einem Treffpunkt nähert oder um Notfallhelfer schnell zu sich zu lotsen. Wir stellen Glympse als Teil unserer Serie von Heimweg-Apps vor.

Die kostenlose App wird von der US-amerikanischen Firma Glympse Inc. mit Sitz in Seattle angeboten. Die Firma verdient Geld mit Unternehmenslösungen zur Übertragung des Standorts, zum Beispiel für Paketdienste oder Essenslieferanten. Glympse gibt es für Android und iOS.

So funktioniert die App

Wenn Sie Ihren Standort per Glympse mit einer Person teilen möchten, erzeugt der Dienst einen Link und kopiert diesen automatisch in Ihre SMS-App. Von dort versenden Sie den Link als "Einladung zum Begleiten" mit einem kleinen Nachrichtentext. Natürlich können Sie den Text mit dem Link auch aus dem Feld kopieren und über eine andere App versenden.

Der Link führt auf eine Webseite von Glympse, wo Ihr Standort auf einer Karte sichtbar ist. Sie müssen vorher festlegen, wie lange Sie unterwegs beobachtet werden dürfen, zum Beispiel eine halbe Stunde.

Praktisch: Ihre Begleitung muss die App selbst nicht installieren, um Ihren Standort zu sehen.

Kritisch: Glympse erhält auch Daten über die Personen, die von Ihnen Einladungen erhalten haben und speichert diese auf den eigenen Servern.

Das Versenden per Link ist zwar praktisch, aber auch riskant: Jede Person, die im Besitz des Links ist, kann auf Ihren Standort zugreifen. Der Link kann ohne Ihr Wissen an Dritte weitergegeben werden. Sie sollten Ihren Standort nur an Personen schicken, denen Sie wirklich vertrauen.

Auch das Versenden per SMS ist nicht optimal: SMS sind grundsätzlich nicht verschlüsselt und können leicht abgefangen werden. Wir empfehlen stattdessen einen Messenger, der Nachrichten verschlüsselt versendet, zum Beispiel Signal.

Diese Daten fragt die App ab

Grundsätzlich ist es möglich, Glympse ohne Anmeldung zu nutzen. Tippen Sie dazu nach dem Start der App auf "als Gast anmelden". Dieses Feld erscheint erst, nachdem Sie die Sprache ausgewählt haben.

Wer sich mit einem Konto anmeldet, muss die eigene Telefonnummer angeben. Optional können Sie auch Ihren Namen, Ihre Adresse und weitere Daten in die App eintragen.

Wenn Sie Ihren Standort für einen Kontakt freigeben möchten, können Sie der App dafür den Zugriff auf Ihr Adressbuch erlauben. Wahlweise können Sie den Adressbuchzugriff auch verweigern und Kontakte manuell über die Telefonnummer hinzufügen.

Diese Daten speichert Glympse über Sie

Alle Daten, die Sie in der App hinterlegen, werden auf den Servern der Glympse Inc. gespeichert. Die Firma behält sich vor, Daten auch dann aufzubewahren, wenn Sie Ihr Profil löschen.

Wenn Sie Ihren Standort für einen Ihrer Kontakte freigeben, landen die Informationen über Ihren Standortverlauf auf den Servern von Glympse. Anders könnte die App nicht funktionieren.

Laut Datenschutzerklärung werden Standortinformationen von Nutzer*innen dauerhaft gespeichert, allerdings nach 48 Stunden von den personenbezogenen Daten getrennt. So sollen keine Rückschlüsse mehr auf die Identität möglich sein.

Glympse speichert auch, welche Kontakte von Ihnen Einladungen zur Beobachtung des Standorts erhalten haben. Dabei landen Name und Telefonnummer des*der Empfänger*in und der Inhalt der Nachricht bei Glympse. Sie können alle gesendeten Einladungen im Menüpunkt "Verlauf" ansehen. Wenn Sie diesen Verlauf in der App löschen, verschwindet er laut Datenschutzerklärung auch von den Servern der Glympse Inc.

Die Firma erhält außerdem die IP-Adresse, die Betriebssystem-Version, den Namen des Browsers und Informationen über die App-Nutzung (zum Beispiel, welche Menüpunkte Sie öffnen).

Diese Daten gibt die App weiter

Glympse baut beim Start eine Verbindung zu Facebook auf und überträgt Ihre Werbe-ID, Informationen über das genutzte Gerät und den Namen der genutzten App (Glympse). Facebook verknüpft diese Informationen mit Ihrem Facebook-Konto, falls Sie eines haben.

Außerdem baut die App Verbindungen zu dem Google-Dienst Firebase auf (früher App-Measurement und Crashlytics). Der Dienst ist für Nutzer*innen- und Absturzanalysen zuständig. Dabei wird auch die Werbe-ID übertragen. Als Kartenmaterial verwendet die App Google Maps. Entsprechend landen bei der Nutzung auch Standortinformationen bei Google.

Die Datenschutzerklärung, die leider nur auf Englisch vorliegt, lässt einige Fragen offen. Es ist von Partnern und Drittanbietern die Rede, mit denen Daten geteilt werden – wer genau das ist und welche Daten konkret gemeint sind, verrät die Firma allerdings nicht.

Fazit: Funktioniert gut, birgt aber Missbrauchspotenzial

Wir bewerten positiv, dass Glympse auch ohne Anmeldung nutzbar ist. Alleinstellungsmerkmal: Die Begleitung muss keine App installieren.

Problematisch ist die Übertragung von Daten der Begleiter*innen an den Dienst, die so von Nutzer*innen nicht erkennbar ist. Hier wäre ein Hinweis innerhalb der App dringend notwendig. Auch Facebook als Analysedienst einzubinden, wäre aus unserer Sicht nicht nötig.

Die Übertragung des Standortes per SMS und Link ist nicht sehr sicher. Ein entsprechender Hinweis innerhalb der App, dass jede*r im Besitz des Links den eigenen Standort abrufen kann, wäre aus unserer Sicht wünschenswert.

Unser Fazit: In der aktuellen Form nicht empfehlenswert. Als Heimweg-App empfehlen wir stattdessen Wayguard.

Die Autorin

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Inga Pöting

Inga Pöting ist Redakteurin bei mobilsicher.de. Sie schreibt Texte, kümmert sich um die Webseite und erklärt Apps und Smartphone-Funktionen vor der Kamera. Bevor sie für mobilsicher.de nach Berlin kam, hat sie im Ruhrgebiet bei verschiedenen Zeitungen und Magazinen gearbeitet.

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