Ratgeber

Rooten und Jailbreak: Was steckt dahinter?

Ein Artikel von , veröffentlicht am 20.05.2016, bearbeitet am01.10.2019

Android und iOS sind vom Hersteller so konfiguriert, dass man nicht jede Datei sehen und ändern kann. Das schützt das Betriebssystem vor schädlichen Eingriffen, schränkt die Nutzung aber auch ein. Durch Rooten oder Jailbreak hebt man diese Einschränkung auf.

Smartphones und Tablets sind im Wesentlichen aus drei Komponenten aufgebaut: Gerät (Hardware), Betriebssystem und Anwendungssoftware (Apps). Dabei sind Mobilgerät und Betriebssystem in der Regel aufeinander abgestimmt.

Das iPhone kommt zum Beispiel mit iOS, das Samsung Galaxy mit Android. Für Nutzer*innen ist keine Möglichkeit vorgesehen, das Betriebssystem zu verändern oder zu wechseln – von Upgrades einmal abgesehen.

Rooten und Jailbreak – was bedeutet das?

Das Betriebssystem iOS ist im Auslieferungszustand mit einigen Einschränkungen versehen. Ein Beispiel: Apps können nur aus dem offiziellen App-Store von Apple installiert werden. Wer Apps auch aus anderen Quellen installieren will, muss diese (und andere) Einschränkungen aufheben. Diesen Vorgang nennt man „Jailbreak“ (englisch für Gefängnisausbruch). Das bestehende Betriebssystem wird dabei auf dem Gerät verändert.

Auch bei Android ist der Zugriff für Nutzer*innen eingeschränkt. So kann man als normaler Nutzer Beispielsweise auf viele Dateien nicht zugreifen. Man kann sich aber technische Berechtigungen verschaffen und damit vollen Zugriff auf alle Prozesse und Dateien im Gerät bekommen. Diesen Vorgang nennt man „Rooten“. Der Begriff stammt aus der Welt der Linux-Betriebssysteme, wo die umfangreichsten Rechte mit dem Begriff Root-Rechte (abgeleitet vom Englischen „root“ für Wurzel) bezeichnet werden.

Oft ersetzen Nutzer*innen nach dem Rooten das vorinstallierte Betriebssystem durch ein anderes, zum Beispiel durch eine neuere Android-Version.

Was nützen erweiterte Zugriffsrechte?

Bei Android werden Upgrades auf neue Betriebssystem-Versionen vom jeweiligen Gerätehersteller angepasst und ausgeliefert. Die Hersteller versorgen aber längst nicht alle ihre Geräte mit neuen Upgrades. Wer keines bekommt, bleibt unter Umständen auf alten Sicherheitslücken sitzen. Bei einem gerooteten Gerät kann man in diesem Fall ein aktuelles Betriebssystem unabhängig vom Hersteller aufspielen.

Warum Updates sinnvoll sind, erklären wir in unserem Hintergrundartikel Wieso Updates?

Auch lässt sich ein Android-Gerät in der Standard-Einstellung kaum praktikabel nutzen, ohne dabei Daten und Informationen an Google zu senden. Wer ein Gerät ganz ohne diese Verbindung zu Google und anderen Firmen nutzen will, kommt um den Root-Eingriff nicht herum.

Mehr zum Thema gibt es in unserem Beitrag Android ohne Google - geht das?

Technische Hürden vor Änderungen am Betriebssystem

Auf dem Computer, sei es PC oder Mac, kann man technisch gesehen recht einfach ein neues oder zusätzliches Betriebssystem installieren. Dazu braucht man nur das neue Betriebssystem auf einem USB-Stick und physischen Zugang zum Gerät. Beim Mobilgerät ist das etwas komplizierter.

Die meisten Mobilgeräte sind gegen Veränderungen am Betriebssystem geschützt. Diesen Schutz kann man je nach Gerät meist mit mehr oder weniger Aufwand umgehen. Für das Rooten bei Geräten mit Android oder den Jailbreak auf iOS-Geräten benötigt man einen Computer und ein USB-Kabel. Die zusätzlich benötigte Software und Anleitungen gibt es im Internet.

Dabei sollte man wissen: Geräte können beim Rooten und Jailbreaken gelegentlich so kaputt gehen, dass sie nicht mehr reparierbar sind. Das nennt man dann „bricken“, abgeleitet vom englischen Begriff „brick“ für Ziegelstein. Aber auch wenn es gelingt, bringen Rooten und Jailbreak einige Nachteile mit sich.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Hintergrundartikel: Rooten und Jailbreak – Erlischt die Gewährleistung?

Nachteile bei Jailbreak und Rooten

Das Hauptproblem beim Jailbreak bei iOS besteht darin, dass man danach auf dem Gerät versehentlich Schadsoftware installieren könnte. Das geht, weil nach dem Jailbreak die Installation aus anderen Quellen als dem Apple App-Store möglich wird. Die Apps aus dem eigenen App-Store werden von Apple normalerweise sorgfältig geprüft. Bisher sind nur sehr wenige Fälle von Schadsoftware im App-Store bekannt geworden.

Bei Android besteht ein wichtiges Sicherheitskonzept darin, dass jede App für sich allein arbeitet und nicht auf die Prozesse anderer Apps zugreifen kann. Dieses Prinzip wird als „Sandboxing“ bezeichnet – abgeleitet von englischen Begriff für Sandkasten. Schadprogramme für Android sind inzwischen recht weit verbreitet – auch im Play-Store von Google tauchen immer wieder welche auf. Sandboxing soll davor schützen, dass sich solche Schadsoftware bei einer Infektion ausbreitet und andere Apps im Betrieb stört.

Das ist zum Beispiel die Grundlage für die Sicherheit beim mobilen Banking mit dem PushTAN-Verfahren. Denn selbst wenn die App für mobiles Banking infiziert ist, geht man davon aus, dass die App, die die TAN empfängt, aufgrund des Sandboxings geschützt ist. Wer sein Gerät rootet, verzichtet auf diesen Schutz.

Viele Banking-Apps prüfen daher, ob das Gerät, auf dem sie installiert wurden, gerootet ist und funktionieren dann nicht. Andere Banken verbieten die Nutzung gerooteter Geräte in ihren Geschäftsbedingungen. Auch andere Apps laufen auf gerooteten Geräten aus Sicherheitsgründen nicht, zum Beispiel die Netflix-App.

Seit Mai 2017 können App-Entwickler angeben, dass ihre App in Googles Play-Store bei gerooteten Geräten nicht angezeigt wird. So können Entwickler verhindern, dass Ihre Apps auf solchen Geräten installiert werden. Netflix nutzt diese Einstellung zum Beispiel.

Mehr über mobiles Online-Banking finden Sie in unserem Hintergrundartikel: Online-Banking mit Smartphone und Tablet.

Rooten und Jailbreak bei mobilsicher.de

Grundsätzlich gilt: Nutzer*innen sind frei zu entscheiden, ob sie auf den eingebauten Schutz durch den Hardware- oder Software-Hersteller verzichten oder nicht. Es kann gute Gründe geben, sein Gerät zu rooten oder einen Jailbreak durchzuführen. Um viele Sicherheitsaspekte muss man sich dann aber selbst Gedanken machen.

Die Sicherheitstipps bei mobilsicher.de richten sich an alle Verbraucher*innen und setzen keine hohen technischen Vorkenntnisse voraus. Deshalb beziehen sich die Tipps und Beiträge bei mobilsicher.de stets auf Geräte im Standardzustand.

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