Ratgeber

Android ohne Google – geht das?

Ein Artikel von , veröffentlicht am 22.09.2016, bearbeitet am12.10.2016

Smartphones mit dem Betriebssystem „Android“ sind eng mit Google verbunden. Wer diese Verbindung konsequent kappen will, muss entweder auf wichtige Funktionen verzichten, oder einen tiefen Eingriff vornehmen, den man Rooten nennt.

Mitarbeit: Claus Hesseling

Wer ein Android-Gerät in Betrieb nimmt, wird aufgefordert, die Google-Nutzungsbedingungen zu akzeptieren, und ein Google-Konto einzurichten. Von diesem Moment an fließen Nutzerdaten an den Konzern. Diese können sehr umfangreich sein, und kommen aus vielen verschiedenen Apps und Funktionen.

Achtung Fallstricke

Es kursieren einige irreführende Ratschläge dazu, wie man die Verbindung zu Google kappen kann. Es ist tatsächlich schwierig und ziemlich unpraktisch, ein handelsübliches Android-Gerät ohne Google zu nutzen. Wir erklären, warum die häufigsten Tipps nicht gut funktionieren:

Gerät mit einem anonymen Google-Konto verknüpfen

Es klingt wie eine gute Idee: Ich richte mir ein Google-Konto ein, und gebe dort einen falschen Namen an. Dann verknüpft Google alle gesammelten Daten mit einer imaginären Person.

Haken 1: Google weiß in der Regel, wo man wohnt. Wer Google erlaubt, den Standortverlauf aufzuzeichnen, wird erstaunt sein, wie genau der Konzern Adressen zuordnen kann. In der Regel sieht man schon nach ein paar Tagen die korrekte Wohn- und Arbeitsadresse in der Kartenansicht - ohne sie jemals eingegeben zu haben. Da hilft der falsche Name dann auch nicht mehr viel.

Haken 2: Google erfasst auch die IP-Adressen und eindeutige Kennnummern ihres Gerätes. Haben Sie sich vorher schon einmal mit dem selben Gerät oder über denselben Internetanschluss bei Google identifiziert? Oder bei Youtube? Dann wird der Konzern ihr neues "anonymes" Konto sehr leicht ihrer alten Identität zuordnen können.

Wenn diese Methode funktionieren soll, müssten Sie Ihre IP-Adresse permanent verschleiern, sie dürften nur ein Gerät nutzen, dass noch nie mit einem Google-Dienst in Kontakt war, und Sie dürften die Ortungsfunktionen nicht nutzen. Fazit: Diese Methode ist in der Praxis nicht zuverlässig und kaum praktikabel.

Gerät ohne Google-Konto nutzen

Die meisten Android-Geräte funktionieren auch, wenn man den Schritt "Google-Konto einrichten" überspringt. In diesem Fall kann man den Play-Store nicht nutzen, also keine Apps daraus herunterladen und auch einige andere Google-Apps funktionieren nicht. Wer dann noch die App "Google-Play-Dienste" deaktiviert, die "genaue" Ortsbestimmung ausschaltet und keine anderen Google-Apps - auch keine Google Suche - nutzt, ist ziemlich sicher vor Datenübertragung an Google.

Allerdings büßt man dabei sehr viel Funktionalität ein. Spätestens ab Android 8.0 erhält man mit dieser Konfiguration auch keine Sicherheitsupdates mehr. Wer bereit ist, so einen hohen Preis zu zahlen, der fährt mit der konsequenten Variante besser und deutlich sicherer.

Konsequent: Custom ROM installieren

Wer ganz sicher sein will, dass das Android-Gerät keine Daten an Google sendet, der muss ein neues Betriebssystem auf dem Gerät installieren - genauer gesagt, ein sogenanntes Custom ROM. ROM steht für "Read Only Memory", und beschreibt das Betriebssystem und noch einige andere Softwarekomponenten, die für den Betrieb des Gerätes nötig sind.

Allerdings erfordert dieser Schritt einiges an Technikwissen. Denn eigentlich ist dieser Eingriff bei Smartphones nicht vorgesehen. Man muss sich erst besondere Nutzerrechte verschaffen - diesen Vorgang nennt man "Rooten". Es ist nicht ganz unriskant sein Gerät zu Rooten - es kann dabei beschädigt werden, so dass die Telefonfunktion des Geräts danach nicht mehr funktioniert.

Der Vorteil: Wer sich ein gutes ROM auswählt, zum Beispiel das von Cyanogen Mod, hat danach deutlich mehr Kontrollmöglichkeiten über sein Gerät, und kann fast alle Funktionalitäten eines normalen Android-Gerätes nutzen. So gibt es von Google unabhängige Ortsdienste, die auf gerooteten Geräten laufen, es gibt leistungsfähige Virenscanner und Werkzeuge, um den Internetverkehr von Apps zu kontrollieren und zu unterbinden.

Auf www.mobilsicher.de finden Sie keine Informationen und Tipps, die das Rooten voraussetzen. Wer sich für diesen konsequenten Weg entscheidet, dem können wir die deutschsprachige Anleitung Your Phone Your Data von unserem Autor Mike Kuketz und die ergänzende Serie Android ohne Google von unserem Autor Andreas Itzchak Rehberg empfehlen.
Wenn Ihnen diese Schritte zu kompliziert sind, können Sie Google auch einfach mit weniger Datenaustausch nutzen. Wie es geht, erklären wir im Ratgeber Google-Dienste datensparsam nutzen.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Datenschutzrisiken bei Internet-Browsern: Cookies & Caches

Wer Webseiten auf seinem Smartphone oder Tablet ansteuert, macht das mit einem Browser. Hinter den Kulissen sollen Cookies und Caches das Surfen erleichtern. Doch zugleich kann damit das Surfverhalten der Nutzer ausgespäht werden.

Mehr
Google 

So minimieren Sie die Datenübertragung zu Google

In der Smartphone-Welt funktioniert Android ohne Google kaum. Doch wer die Standard-Einstellungen für seinen Aufenthaltsort, seine Fotos oder eingetippte Suchbegriffe verändert, kann die Datenübertragung an das verknüpfte Google-Konto stark einschränken. Wir zeigen, welche Optionen es gibt.

Mehr
App-Test 

Navi-Apps im Check: Magic Earth – vorbildlich

Die Navigations-App Magic Earth ist kostenlos und werbefrei. Nach dem mobilsicher-Test entfernten die Anbieter*innen die Analysedienste von Facebook und Google aus der App. Jetzt ist sie rundum sauber - und läuft reibungslos.

Mehr
Browser und Suchmaschinen 

Qwant: Europäische Suchmaschine mit Firefox-Anteil

Die Suchmaschine Qwant setzt auf den quelloffenen Browser Firefox auf und nutzt dessen Funktionen zum Schutz vor Tracking. Der Unterschied: Qwants Server stehen in der Europäischen Union. Dafür bindet Qwant jedoch Nachrichten des Anteilseigners Axel-Springer-Verlag auf der Startseite ein.

Mehr