Kinder und Jugendliche

Was Sie über Fortnite wissen sollten

Ein Artikel von , veröffentlicht am 21.10.2019, bearbeitet am27.08.2019
Bild: Epic Games

Fortnite ist momentan das beliebteste Computer- und Handyspiel bei Jugendlichen. Während man in einer bunten Comicwelt Gegner erschießt, entsteht durch den Team-Modus auch ein soziales Netzwerk. Das Suchtpotenzial ist hoch. Wir erklären, worauf Eltern achten sollten.

Hinweis: Die Fortnite-App ist momentan in den App-Stores von Apple und Google nicht verfügbar. Hintergrund ist ein Verstoß gegen die Richtlinien, die eine Beteiligung der Store-Betreiber an Käufen innerhalb des Spiels vorsieht (Stand: 27.08.2020).

Was ist Fortnite?

Fortnite ist ein Computer- und Smartphone-Spiel, in dem Spieler*innen ums Überleben kämpfen. Das Spiel wurde 2017 vom US-amerikanischen Hersteller Epic Games auf den Markt gebracht.

Fortnite ist als Survival-Shooter konzipiert: Gegner*innen müssen alleine oder im Team ausgeschaltet werden, wer am Ende noch lebt, gewinnt. Im Kreativmodus von Fortnite können Spieler*innen auch eigene Ideen umsetzen und etwa Karten und Gebäude selbst entwickeln. Mit diesem Konzept gehört Fortnite aktuell zu den beliebtesten Spielen der Welt.

Seit 2018 ist die kostenlose, mobile App der Spielversion „Fortnite Battle Royale“ für Android und iOS verfügbar. Die Apps enthalten Werbung für andere Produkte von Epic Games. Geld verdient der Hersteller außerdem durch optionale In-App-Käufe (mehr dazu unten).

iPhone- und iPad-Nutzer*innen erhalten das Spiel im App-Store, die Android-Version bekommt man im Google Play-Store oder direkt über die Webseite des Herstellers. Allerdings sind nur besonders leistungsfähige Android-Geräte mit dem Spiel kompatibel.

Wer spielt Fortnite?

Die comichafte, mit lustigen Details versehene Welt verwandelt sich immer wieder und spricht Kinder wie Erwachsene gleichermaßen an. Laut Epic Games gibt es weltweit 250 Millionen registrierte Fortnite-Nutzer*innen (Stand: Oktober 2019). Laut Geschäftsführer Tim Sweeny wird Fortnite zu 30 Prozent von Frauen und Mädchen gespielt, was für ein Gewaltspiel viel ist.

Fortnite ist bei etwa einem Drittel der jugendlichen Gamer*innen in Deutschland das beliebteste Spiel, weit vor den zweit- und drittplatzierten Titeln FIFA und Minecraft – und besonders beliebt bei Kindern unter 14 Jahren. Das ergab eine telefonische Umfrage mit 1000 Jugendlichen, die das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters im März 2019 veröffentlichte.

Eine mobilsicher-Anfrage beim Hersteller bezüglich der Zahl der App-Nutzer*innen blieb bisher unbeantwortet. Allein in Apples App-Store wurde das Spiel bisher bereits 238.000 Mal bewertet.

Gibt es eine Altersbeschränkung?

Obwohl das Töten der Gegner*innen bei Fortnite im Vordergrund steht, loben Medienpädagog*innen die zurückhaltende Darstellung von Gewalt: Spielfiguren sterben nicht detailreich und blutig wie in anderen Spielen, sondern zerfallen einfach. Durch seine weniger militärische Optik können Eltern den Eindruck gewinnen, es handele sich bei Fortnite um ein vergleichsweise harmloses Kampfspiel.

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) hat Fortnite in allen Versionen ab 12 Jahren freigegeben. Eine strengere Empfehlung gibt der Spieleratgeber NRW aus pädagogischer Sicht: Da Fortnite Battle Royale bis auf das Bauen kaum Handlungsalternativen zur Gewalt gibt, könne es für manche Kinder unter 14 Jahren zu aufregend sein. Für die Registrierung des Nutzerkontos innerhalb der App ist es nicht nötig, sein Alter anzugeben.

Fortnite als soziales Netzwerk

Zur großen Bedeutung des Spiels im Leben von Jugendlichen trägt laut Branchenmedien der Kreativmodus bei: Hier können Spieler*innen gemeinsam oder alleine und ganz ohne Zeitdruck an eigenen Spielkarten, Gebäuden oder Wettbewerbsformaten arbeiten.

Epic Games betont in seiner Kommunikation stark die Rolle von Fortnite als sozialer Treffpunkt und baute auch in der App die entsprechenden Funktionen zuletzt aus – etwa den Sprachchat oder ein neues Gruppenzentrum, in dem sich befreundete Spieler*innen zu gemeinsamen Kämpfen verabreden können.

Nachteil: Der Team-Modus sorgt bei Spielen wie Fortnite für eine höhere Bindung, da die eigene Rolle im Spiel den sozialen Stellenwert in einer Freund*innengruppe fördern könnte und damit ein hohes Verpflichtungsgefühl verbunden sein kann.

Kindersicherung für Fortnite

Fortnite empfiehlt die Sicherung des eigenen Kontos durch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Dies ist auch eine wirksame Methode für Eltern, die Spielzeiten des Kindes zu kontrollieren. Eltern können als zweiten Faktor für den Login die eigene E-Mail-Adresse hinterlegen. Dann muss jedes Mal, wenn das Kind sich anmeldet, zusätzlich ein Bestätigungscode eingetragen werden, den die Eltern per E-Mail erhalten.

iOS-Nutzer*innen können Spiele-Apps über die iPhone-Funktion Bildschirmzeit begrenzen, für Android haben wir eine Übersicht von Kindersicherungs-Apps zusammengestellt.

Eltern, die nur den Kreativmodus, aber nicht den gewaltsamen Battle-Royale-Modus erlauben möchten, müssen ihre Kinder beaufsichtigen. Die einzelnen Modi sind nicht sperrbar, sodass junge Spieler*innen schnell zu Battle Royale wechseln können.

Die Gefahr von sogenanntem Cyber-Grooming, bei dem Erwachsene im Chat Kinder ansprechen und womöglich sexuell belästigen, besteht durch die Chat-Funktion und die Team-Modi auch bei der Fortnite-App. Epic Games bietet daher noch eigene Kindersicherungen an, die man für sein Konto bearbeiten kann.

Dazu gehört zum Beispiel, den Sprach- oder Textchat auszuschalten oder den Namen des Kindes für Gegner*innen zu verbergen und automatisch Kontaktanfragen abzulehnen. Diese Einschränkungen beeinträchtigen jedoch auch den Austausch mit Freund*innen.

Datenschutz und Sicherheit

Um spielen zu können, müssen Sie bei Epic Games ein Konto mit einer E-Mail-Adresse und Passwort anlegen. Alternativ steht der Login per Facebook oder Google zur Verfügung, den wir aber grundsätzlich nicht empfehlen.

Neben den Daten, die man bei der Registrierung selbst angibt, sammelt Fortnite laut Datenschutzerklärung Daten zum Gerätemodell, dem Betriebssystem und dem Standort. Ebenso werden die Spielzeiten und Fortschritte ausgewertet.

Diese Daten teilt Epic Games mit seinen Tochtergesellschaften und bei Bedarf auch mit Dritten. Ansprechpartner für Datenschutzfragen ist die europäische Niederlassung von Epic Games International S.à r.l. in der Schweiz.

Regeln und Nutzungsbedingungen

Epic Games formuliert Community-Regeln für das Verhalten im Spiel. Verboten ist zum Beispiel, andere Spieler*innen zu imitieren oder seine Gegner*innen zu erniedrigen. Teilnehmer*innen, die diese Regeln verletzen, können gemeldet werden.

Der Hersteller gibt an, bei ernsten Verstößen das jeweilige Spieler*innenkonto zu sperren. Es ist außerdem möglich, andere Spieler*innen zu blockieren, sodass sie keinen Kontakt mehr aufnehmen können.

Durch den zu Beginn geschlossenen Nutzungsvertrag übertragen Sie Epic Games als Spieler*in auch die Rechte an sämtlichen Inhalten – von Chateinträgen bis zu kreativen Konstruktionen im Spiel. Gleiches gilt für Feedback zum Spiel, das Sie an Epic Games senden.

Ein weiterer wichtiger Punkt aus den Nutzungsbedingungen: Es gibt keine Wertsicherung für die spielinterne Währung V-Bucks. Kostet ein bestimmter Tanz für eine Figur an einem Tag noch umgerechnet zwei Euro, könnte er am nächsten Tag also auch 200 Euro kosten. Einmal investiertes Geld wird vom Anbieter nie zurückerstattet.

In der Fortnite-Welt bezahlt man mit der Spielwährung V-Bucks.

In-App-Käufe bei Fortnite

Fortnite selbst ist kostenlos, Epic Games nimmt aber Millionen mit In-App-Käufen ein. Bei einem globalen Fortnite-Turnier in New York im Sommer 2019 spielten Jugendliche um insgesamt 30 Millionen Dollar.

Die Umfrage des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSK) ergab, dass besonders passionierte Gamer*innen im Verlauf eines halben Jahres durchschnittlich 110 Euro und in Extremfällen bis zu 1.000 Euro für Spielerweiterungen und Co. ausgaben.

In unserem Test konnten wir feststellen, dass Epic Games ständig neue Gegenstände, Bewegungsabläufe oder sogenannte Skins, die das Aussehen der Figuren verändern, zum Kauf anbietet. Positiv hervorzuheben ist, dass diese bei Fortnite nicht über den Spielverlauf entscheiden. Das Ausgeben von Geld ist somit nicht zwingend.

Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter am DZSK, hält einen Zusammenhang zwischen Ausgaben im Spiel und einer möglichen Spielsucht für wahrscheinlich: „Die getätigte Investition in das Spiel ist ein bedeutender Faktor, der dem Spieler erschwert, die Arbeit an seinem ‚Werk‘ aufzugeben und sich vom Spiel zu distanzieren.“

Wie In-App-Käufe funktionieren und wie sie dabei auf der sicheren Seite sind, erfahren Sie hier.

Im August 2020 entfernten Apple und Google Fortnite aus ihren App-Stores, weil der Hersteller durch eine neue Zahlungsfunktion nicht mehr automatisch Provision zahlte. Laut Store-Richtlinien müssen App-Anbieter 30 Prozent aller Einnahmen an Apple bzw. Google weitergeben.

Macht Fortnite süchtig?

Computerspielsucht ist eine nicht-stoffliche Verhaltensstörung und seit dem Sommer 2019 als eigene Diagnose in der „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD-11) der Weltgesundheitsorganisation gelistet. Zum Suchtpotenzial speziell von Fortnite gibt es nach unserem aktuellen Stand noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen.

Die Anwaltskanzlei Calex Légal mit Sitz im kanadischen Montréal bereitet derzeit allerdings eine Sammelklage gegen Epic Games vor: Der Spielehersteller habe es versäumt, Kinder und Eltern vor der Suchtgefahr bei Fortnite zu warnen. Eine Gerichtsentscheidung steht noch aus.

Laut einer Untersuchung der Krankenkasse DAK verfügt Fortnite über Elemente, die laut Suchtexperten eine starke und womöglich schädliche Bindung an ein Spiel wahrscheinlicher machen.

Die AG-Spielsucht der Berliner Charité bietet einen kostenlosen Selbsttest und telefonische Beratung an. Hier gibt's mehr Infos.

Wie bei allen Smartphone-Funktionen, die für Kinder und Jugendliche reizvoll sind, empfehlen wir Eltern, ihre Kinder bei der Nutzung zu begleiten. Erkunden Sie Fortnite gemeinsam und legen Sie zusammen mit Ihrem Kind Regeln fest. Gute Tipps für den Anfang gibt dieser Essay der Medien- und Sozialforscherin danah boyd.

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