Messenger

Messenger-App Telegram kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 22.08.2018, bearbeitet am27.06.2019

Der russische Messenger Telegram wird gerne als WhatsApp-Alternative Nummer eins gehandelt. Doch Vorsicht: Chats sind standardmäßig nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Um ihn sicher nutzen zu können, sollten Sie sich zunächst in Ruhe mit dem Messenger vertraut machen.

Das ist Telegram

Anbieter der Messenger-App sind die beiden russischen Brüder Nikolai und Pavel Durov. Pavel ist auch der Gründer des in Russland sehr erfolgreichen sozialen Netzwerks VKontakte (vk.com). Nach mehreren Ortswechseln befindet sich der Firmensitz Webseite in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate.

Nach eigenen Angaben hatte die App im März 2018 mehr als 200 Millionen Nutzer*innen. Die Android-App von Telegram rangiert im Play-Store in der Kategorie "mehr als 100 Millionen Downloads".

Die App gibt es für iPhones in Apples App Store, für Android im Google Play-Store und in leicht veränderter Form im alternativen Store F-Droid (siehe unten). Telegram gibt es auch für den Desktop: Per App oder Webzugriff können Sie vom Computer aus Nachrichten Chats abrufen.

Momentan finanziert Pavel Durov die Entwicklung der App aus seinem Vermögen. Das Geld reicht nach eigenen Angaben erst einmal aus, um den Messenger kostenlos anzubieten. Auf lange Sicht denke man über kostenpflichtige Zusatzfunktionen nach. Werbung und einen Verkauf von Daten schließen die Anbieter aus.

Für die Nutzung von Telegram ist ein Google- oder Apple-Konto nicht erforderlich. Die Registrierung erfolgt über die eigene Telefonnummer.

WhatsApp, Telegram, Threema und Co.: Hier geht's zu unserer Übersicht verschlüsselter Messenger.

Verschlüsselung bei Telegram

Die App ist standardmäßig transportverschlüsselt. Das heißt, die App verschlüsselt die Chats vom Mobilgerät zum Server und speichert sie in der Cloud des Anbieters. Vorteil: Sie können von verschiedenen Geräten auf alle Ihre Chats zugreifen, ohne ein Backup anlegen zu müssen. Nachteil: Telegram selbst könnte theoretisch Ihre Nachrichten lesen und an Behörden weitergeben.

Allerdings erlaubt Telegram seit März 2019, Nachrichten beliebig lange nachträglich zu löschen - und zwar auch auf den Geräten der Empfänger. Dann verschwinden die Nachrichten auch aus der Cloud.

Um das Mitlesen durch Dritte komplett auszuschließen, können Sie „geheime Chats“ anlegen. Navigieren Sie dafür zu Menü > Neuer geheimer Chat > Kontakt auswählen. Dann wird auf eine Speicherung in der Cloud verzichtet und die Unterhaltung wird Ende-zu-Ende verschlüsselt. Ein Backup dieser Unterhaltungen ist nicht möglich. Telegram-Anrufe sind standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt, Gruppenchats dagegen lassen sich nicht Ende-zu-Ende-verschlüsseln.

Telegram bietet eine Selbstzerstörungsfunktion für Nachrichten und die Möglichkeit, Chats mit einer PIN zu schützen.

Warum sich die Telegram-Entwickler für diese Lösung entschieden haben, erklärt App-Gründer Pavel Durov in diesem Blogartikel (auf Englisch).

Daten und Sicherheit

Es ist möglich, das eigene Adressbuch für Telegram freizugeben. Ihre Kontakte werden dann auf Telegrams Servern gespeichert. Zumindest auf Android lässt sich Telegram jedoch auch ohne Zugriff auf die Kontakte des Telefons nutzen.

Auf Android-Geräten bittet die App Sie am Anfang um den Zugriff auf die Kontakte. Statt auf Weiter klicken Sie dann einfach auf Jetzt nicht. Lästig: Die App startet diese Abfrage jedes Mal, wenn Sie einen neuen Kontakt hinzufügen wollen.

Anders sieht es bei iOS aus. Im Test von mobilsicher.de auf einem iPhone war es zwar möglich, ohne genehmigten Kontaktezugriff Nachrichten von anderen Telegram-Nutzer*innen zu empfangen und zu beantworten. Es war aber nicht möglich, selbst eine Nummer hinzuzufügen und eine Kommunikation zu initiieren.

Laut Datenschutzerklärung speichert Telegram die IP-Adresse, Informationen über den verwendeten Gerätetyp, die App-Version und den Nutzernamen (inklusive Änderungshistorie) für maximal zwölf Monate. Dies diene dazu, Spam einzuschränken. Die Datenschutzerklärung ist leider nur auf Englisch verfügbar.

Wie Telegram mit den Informationen verfährt, wer wann mit wem kommuniziert, ist nicht bekannt. Auch zum Umgang mit Standortdaten sagt Telegram nichts. Dies wäre insbesondere interessant, da der Dienst seit Juni 2019 mit der Funktion "lokale Gruppen" und "Leute in der Nähe" ortsbasierte Dienste anbietet, für die der Messenger den Standort des Gerätes abfragt.

Telegram gibt an, bislang keine Nutzerdaten an Behörden weitergegeben zu haben, da seine Server in vielen Ländern verteilt sind und daher richterliche Beschlüsse mehrerer Länder vorliegen müssten.

Variante der App in F-Droid

Telegram hat die Software seiner App über ein Open-Source-Modell veröffentlicht. Das heißt, dass externe Entwickler die Software einsehen, überprüfen und für eigene Programme verwenden können. Deshalb kann Telegram auch über den alternativen App-Store F-Droid bezogen werden.

Die Entwickler von F-Droid haben die App leicht variiert und verschiedene Nicht-Open-Source-Bausteine entfernt, beispielsweise den Standortdienst von Google Play Services und die Push-Benachrichtigungen durch den Dienst "Google Cloud Messaging". Das ist vor allem für Nutzer*innen von alternativen Android-Betriebssystemen nützlich, denen es darum geht, möglichst alle Datenflüsse an Google zu kappen.

Mehr zur Play-Store-Alternative erklären wir hier: F-Droid: Verbraucherfreundlicher App-Store für Android.

Telegram: Vor- und Nachteile

Positiv:

  • Standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Audio-Telefonie
  • Desktop-Version
  • Offener Quellcode (nur App, nicht Serverinfrastruktur)
  • Bei Android: Ohne Google-Konto nutzbar
  • Android-Version auch ohne Zugriff auf Adressbuch nutzbar
  • Auto-Zerstörungs-Timer für Nachrichten
  • Nachrichten nachträglich löschbar (nur ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung)
  • Kostenlos
  • F-Droid-Version für Datenschutz-sensible Nutzer*innen

 

Negativ:

  • Keine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Chats
  • Gruppenchats lassen sich nie Ende-zu-Ende-verschlüsseln
  • Keine Videotelefonie-Option
  • Wenig Angaben zur Speicherung von Metadaten
  • iOS-Version funktioniert nur mit Zugriff auf das Adressbuch
  • Nutzung nur mit Telefonnummer möglich
  • Backup von Ende-zu-Ende-verschlüsselten Chats nicht möglich
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