Messenger

Messenger-App Telegram kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 22.08.2018, bearbeitet am13.10.2020

Der Messenger wird gerne als WhatsApp-Alternative Nummer eins gehandelt. Er stammt von russischen Entwickler*innen, die nach eigener Aussage großen Wert auf Privatsphäre legen. Doch Vorsicht: Chats bei Telegram sind standardmäßig nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Das ist Telegram

Anbieter des Messengers Telegram sind die beiden russischen Brüder Nikolai und Pavel Durov. Pavel gründete auch das - in Russland sehr erfolgreiche - soziale Netzwerk VKontakte. Nach mehreren Ortswechseln befindet sich der Firmensitz von Telegram laut Webseite in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate.

Nach eigenen Angaben hatte die App im August 2020 mehr als 400 Millionen Nutzer*innen. Die Android-App von Telegram rangiert im Play-Store in der Kategorie "mehr als 500 Millionen Downloads".

Die App gibt es für iPhones in Apples App Store, für Android im Google Play-Store und in leicht veränderter Form im alternativen Store F-Droid (siehe unten). Per App oder Webzugriff können Sie auch vom Computer aus Nachrichten abrufen und senden.

Nach eigenen Angaben hat Telegram keine kommerziellen Interessen. Momentan finanziert der Gründer Pavel Durov die Entwicklung der App aus seinem Vermögen. Auf lange Sicht denke man über kostenpflichtige Zusatzfunktionen nach. Werbung und einen Verkauf von Daten schließen die Anbieter aus.

Für die Nutzung von Telegram ist kein Google- oder Apple-Konto erforderlich. Die Registrierung erfolgt über die eigene Telefonnummer.

WhatsApp, Telegram, Threema und Co.: Hier geht's zu unserer Übersicht verschlüsselter Messenger.

Verschlüsselung bei Telegram

Die App ist standardmäßig transportverschlüsselt. Das heißt, die App verschlüsselt die Chats vom Mobilgerät zum Server und speichert sie in der Cloud des Anbieters. Vorteil: Sie können von verschiedenen Geräten auf alle Ihre Chats zugreifen, ohne ein Backup anlegen zu müssen. Nachteil: Telegram selbst könnte theoretisch Ihre Nachrichten lesen und an Behörden weitergeben.

Allerdings erlaubt Telegram seit März 2019, Nachrichten beliebig lange nachträglich zu löschen - und zwar auch auf den Geräten der Empfänger. Dann verschwinden die Nachrichten auch aus der Cloud.

Um das Mitlesen durch Dritte komplett auszuschließen, können Sie „geheime Chats“ anlegen. Navigieren Sie dafür zu Menü > Neuer geheimer Chat > Kontakt auswählen. Dann wird auf eine Speicherung in der Cloud verzichtet und die Unterhaltung wird Ende-zu-Ende verschlüsselt. Ein Backup dieser Unterhaltungen ist nicht möglich.

Audio- und Video-Anrufe sind standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt, an einer Funktion für Video-Konferenzen arbeitet Telegram derzeit. Der Messenger bietet eine Selbstzerstörungsfunktion für Nachrichten und die Möglichkeit, Chats mit einer PIN zu schützen. Gruppenchats lassen sich nicht Ende-zu-Ende-verschlüsseln

Warum sich die Telegram-Entwickler für diese Lösung entschieden haben, erklärt App-Gründer Pavel Durov in diesem Blogartikel (auf Englisch).

Daten und Sicherheit

Es ist möglich, das eigene Adressbuch für Telegram freizugeben. Ihre Kontakte werden dann auf Telegrams Servern gespeichert. Zumindest auf Android lässt sich Telegram jedoch auch ohne Zugriff auf die Kontakte des Telefons nutzen.

Auf Android-Geräten bittet die App Sie am Anfang um den Zugriff auf die Kontakte. Statt auf Weiter klicken Sie dann einfach auf Jetzt nicht.  In unserem Test auf einem iPhone war es zwar möglich, ohne genehmigten Kontaktezugriff Nachrichten von anderen Telegram-Nutzer*innen zu empfangen und zu beantworten. Man konnte aber keine Nummern hinzufügen oder selbst einen Chat starten.

Laut Datenschutzerklärung speichert Telegram die IP-Adresse, Informationen über den verwendeten Gerätetyp, die App-Version und den Nutzernamen (mit Änderungshistorie) für maximal zwölf Monate. Dies diene dazu, Spam einzuschränken. Die Datenschutzerklärung ist nur auf Englisch verfügbar.

Wie Telegram mit den Informationen umgeht, wer wann mit wem kommuniziert, ist nicht bekannt. Auch zur Speicherung von Standortdaten sagt Telegram nichts. Dies wäre insbesondere interessant, da der Dienst seit Juni 2019 mit der Funktion "lokale Gruppen" und "Leute in der Nähe" ortsbasierte Dienste anbietet, für die der Messenger den Standort des Gerätes abfragt.

Telegram gibt an, bislang keine Nutzerdaten an Behörden weitergegeben zu haben, da seine Server in vielen Ländern verteilt sind und daher richterliche Beschlüsse mehrerer Länder vorliegen müssten.

Variante der App in F-Droid

Telegram hat die Software seiner App über ein Open-Source-Modell veröffentlicht. Das heißt, dass externe Entwickler die Software einsehen, überprüfen und für eigene Programme verwenden können. Deshalb kann Telegram auch über den alternativen App-Store F-Droid bezogen werden.

Die Entwickler von F-Droid haben die App leicht variiert und verschiedene Nicht-Open-Source-Bausteine entfernt, beispielsweise den Standortdienst der Google Play-Dienste und den Push-Dienst von Google. Das ist vor allem für Nutzer*innen von alternativen Android-Betriebssystemen nützlich, denen es darum geht, möglichst alle Datenflüsse an Google zu kappen.

Mehr zur Play-Store-Alternative erklären wir hier: F-Droid: Verbraucherfreundlicher App-Store für Android.

Telegram: Vor- und Nachteile

Positiv:

  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Audio- und Video-Telefonie
  • Offener Quellcode (nur App, nicht Server-Infrastruktur)
  • Auf Android ohne Google-Konto nutzbar
  • Auto-Zerstörungs-Timer für Nachrichten
  • Nachrichten nachträglich löschbar (nicht in geheimen Chats)
  • F-Droid-Version

 

Negativ:

  • Nutzung nur mit Telefonnummer möglich
  • Keine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Chats
  • Gruppenchats lassen sich nie Ende-zu-Ende-verschlüsseln
  • Wenig Angaben zur Speicherung von Metadaten
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