Messenger

Messenger-App ginlo (früher SIMSme) wird eingestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 05.09.2018, bearbeitet am06.11.2019
Bild: Brabbler AG

ginlo (ehemals SIMSme) bietet verschiedene Sicherheitsoptionen, unter anderem einen Passwortschutz der App. Durch „Content-Kanäle“ wird aus ginlo auch ein Lieferant von Inhalten. Anbieter ist die deutsche Brabbler AG, hinter der drei der vier Gründer des E-Mail-Dienstes GMX stecken.

[Update 06.11.2019] Wie die Betreiberin mitteilte, wird der Dienst ginlo und ginlo business Ende Dezember 2019 wegen mangelnder Finanzierung eingestellt. Die DHL-Paketbenachrichtigung, der Support und die Content-Kanäle werden schon jetzt eingestellt. Das Amtsgericht München hat zum 31.10.2019 ein Insolvenzverfahren über das Vermögen der Brabbler Secure Message and Data Exchange AG eröffnet.

Das ist ginlo

Der für Android und iOS verfügbare Messenger ginlo ist seit 2014 auf dem Markt. Ursprünglich hieß die App SIMSme und Anbieterin war die Deutsche Post AG. Im März 2019 verkaufte die Post den Dienst an die Münchner Brabbler AG und die App wurde in ginlo umbenannt. Hinter Brabbler stecken drei der vier Gründer des deutschen E-Mail-Providers gmx: Eric Dolatre, Karsten Schramm und Peter Köhnkow.

Laut Firmenangaben kommt die App auf insgesamt 1,5 Millionen Downloads (Stand September 2018).

Die App ist für private Nutzer*innen kostenlos. Mit ginlo Business bietet Brabbler eine Bezahlversion für Firmenkunden an. ginlo ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt und hat weitere sicherheitsrelevante Funktionen.

Die App beherrscht verschlüsselte Gruppenchats, eine Telefonie-Funktion ist mittelfristig geplant. Audio- und Video-Nachrichten können verschickt werden. Eine Desktop-Variante des Messengers ist nur für Nutzer von ginlo Business verfügbar.

In der App können Sie Kanäle mit Inhalten von Medien, aber auch von Unternehmen, abonnieren.

WhatsApp, Telegram, Threema und Co.: Hier geht's zu unserer Übersicht verschlüsselter Messenger.

Zugriff auf Daten

ginlo speichert Nachrichten 90 Tage lang auf den eigenen Datenbanken und löscht sie dann.

Für die Anmeldung bei ginlo müssen Sie eine aktive Handynummer angeben, diese wird bei ginlo in unlesbarer Form (gehasht) gespeichert.

ginlo bittet bei der Einrichtung um einen Zugriff auf das Telefonbuch und prüft dann, zu welchen Kontakten es bereits ginlo-Konten gibt. Die Nummern werden nach eigenen Angaben in unlesbarer Form (gehasht) abgeglichen und danach gelöscht. Den Zugriff auf das Telefonbuch können Sie verweigern. Kontakte können Sie dann manuell eingeben.

ginlo übermittelt in der Standardeinstellung anonymisierte Absturzberichte, wenn es Probleme mit der App gibt. Das können Sie abstellen über folgenden Navigationspfad Menü > Einstellungen > Privatsphäre > Fehleranalyse. Stellen Sie hier den Schieberegler bei dem Punkt „Absturzbericht senden“ auf "aus".

Optionaler Passwortschutz

Beim ersten Start bittet die App Sie, ein Passwort oder alternativ einen vierstelligen Zahlencode festzulegen. Sie können auswählen, wann die App die Kombination abfragen soll. Außerdem können Sie einstellen, dass die App nach einer definierten Anzahl von fehlerhaften Passworteingaben alle Daten löscht.

Die App speichert das Passwort nicht auf den Servern von ginlo. Haben Sie es vergessen, ist kein Zugriff auf das Profil und keine Wiederherstellung möglich. Sie müssen ginlo dann komplett neu installieren. Wenn Sie zuvor ein Backup der App erstellt haben, können Sie jedoch das letzte Backup wiederherstellen.

Selbstzerstörung und Sicherheitsstufen

ginlo bietet eine Selbstzerstörungsfunktion. Dabei verschwinden Nachrichten auf Empfängerseite in einem frei wählbaren Intervall von einer Sekunden bis 60 Sekunden. Praktisch: Sie können für eine Nachricht einen konkreten Sendezeitpunkt in der Zukunft festlegen.

In der Android-App können Sie keine Screenshots erstellen. Das kann bestimmte, spezialisierte Spionageattacken auf Smartphones behindern. In der iPhone-App sind Screenshots jedoch möglich, da iOS die Deaktivierung von Screenshots nicht gestattet.

Kontakte stellt die App über ein Ampelsystem dar. Die sicherste der drei „Vertrauensstufen“ wird erreicht, wenn die Gesprächspartner sich persönlich getroffen und dies per Scan eines QR-Codes dokumentiert haben.

Viele „Content-Kanäle“

Über eine „Content-Kanal“-Funktion wird aus dem Messenger auch ein Lieferant von Inhalten. Sie können verschiedene Kanäle abonnieren, zum Beispiel von Medien wie der Süddeutschen Zeitung oder der Tagesschau, aber auch von Unternehmen wie dem Versicherungskonzern ARAG oder dem Reisevermittler Urlaubspiraten.

Nach eigenen Angaben werden dabei Inhalte von den Webseiten der Anbieter über RSS eingebunden. Geld fließe für die Einbettung dieser Kanäle nicht, hieß es auf Nachfrage vom Hersteller. Das Geschäftsmodell von ginlo basiere ausschließlich auf Einnahmen aus der kostenpflichtigen Version ginlo Business.

Wenn Sie auf einen Link in einem der Kanäle klicken, öffnet Ihr Standardbrowser den Artikel auf der jeweiligen Webseite. Das bedeutet allerdings, dass die betreffenden Webseiten Sie dann ihrerseits beim Surfen tracken können.

Welche Spuren Sie beim Surfen im Internet hinterlassen können, erfahren Sie im Hintergrundbeitrag Tracking im Internet: Cookies, Cache & Co.

Backup bei ginlo

Backups lassen sich in den Einstellungen steuern, über den Pfad Einstellungen > Chats > Backup. ginlo speichert, je nach verwendetem Betriebssystem, Backups bei Google (Google Drive) oder in der iCloud (Apple).

Sie müssen ein Passwort angeben, mit dem die App die Backups verschlüsselt. Sie können manuell ein Backup anstoßen oder regelmäßige automatische Backups festlegen.

Vor- und Nachteile von SIMSme

Positiv:

  • Standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Chats und Gruppenchats
  • Auto-Zerstörungs-Timer für Nachrichten
  • Kostenlos
  • Optionaler Schutz der App per Passwort
  • Verschlüsselte Cloud-Backups
  • Nutzung auch ohne Zugriff aufs Adressbuch möglich

 

Negativ:

  • Keine Telefonie und Videotelefonie möglich
  • Telefonnummer für Nutzung nötig
  • Nicht quelloffen (Open Source)

Geschrieben von

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Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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