Messenger

Messenger-App Hoccer: 2020 eingestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 25.08.2018, bearbeitet am20.05.2020

Hoccer wurde von der Stiftung Warentest 2015 zum Testsieger in Sachen Datenschutz gekürt. Wegen der Coronakrise stellten die Betreiber*innen 2020 jedoch den Betrieb ein.

UPDATE: Die Betreiber*innen des Messengers Hoccer stellten im Mai 2020 den Betrieb ein. Als Begründung schreiben sie auf hoccer.com: "Die Auswirkungen von Corona haben letzten Endes leider auch uns sowohl auf personeller als auch auf Sponsoren-Ebene getroffen, so dass wir schweren Herzens „Hoccer“ nun abschalten müssen."

Das ist Hoccer

Der Messenger Hoccer ist ein deutsches Produkt mit Auszeichnung. Die Stiftung Warentest kürte den Messenger im August 2015 zum Testsieger und schrieb zur Begründung:

WhatsApp bietet zwar den höchsten Komfort, greift aber nicht unerheblich in die Privatsphäre seiner Nutzer ein. Der deutsche Testsieger Hoccer geht hingegen vorbildlich mit persönlichen Daten um.

Hoccer wurde von Pavel Meyer und Jérôme Glozbach de Cabarrus gegründet, aktueller Betreiber ist die "Hoccer Betriebs GmbH" mit Sitz in Köln. Hauptgesellschafter ist die Investmentfirma "Media Ventures GmbH". Nach eigenen Angaben hat Hoccer über drei Millionen Nutzer und Nutzerinnen (Stand Februar 2017) und finanziert sich durch kostenpflichtige Lösungen für Geschäftskunden.

Alle Nachrichten sind bei Hoccer Ende-zu-Ende-verschlüsselt, das heißt, nur Sender und Empfänger sind in der Lage, die verschickten Nachrichten zu lesen. Die Hoccer-Server befinden sich laut Webseite in Deutschland.

Der Programmcode der App ist allerdings nicht für jeden einsehbar (nicht Open Source). Daher kann die Sicherheit der App nicht von Dritten überprüft werden.

Das letzte Update der App ist von Mitte 2017, liegt also knapp ein Jahr zurück. Es ist unklar, ob der Messenger noch aktiv weiter entwickelt wird.

WhatsApp, Telegram, Threema und Co.: Hier geht's zu unserer Übersicht verschlüsselter Messenger.

Grundfunktionen und anonyme Anmeldung

Mit Hoccer kann man Audio- und Videonachrichten versenden, sowie Gruppenchats einrichten. Eine Desktop-Version ist nicht verfügbar. Die Anmeldung kann anonym erfolgen, denn zur Registrierung benötigt Hoccer keinerlei private Daten wie Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Anwender wählen einfach einen beliebigen Nutzernamen als Synonym für die eindeutige ID, über die sie erreichbar sind.

Hoccer kopiert das Adressbuch standardmäßig nicht auf seine Server. Empfänger müssen von Hand eingetragen werden. Optional kann man auch den Abgleich der Kontakte zulassen.

Der Messenger wirbt mit zwei Besonderheiten: Über den Umgebungsmodus „Nearby“ können Nutzer im Umkreis von hundert Metern ohne Austausch jeglicher persönlicher Daten, also völlig anonym, Nachrichten und Anhänge in beliebiger Größe austauschen. Zudem kann man die App per PIN oder Fingerabdruck vor dem Zugriff Dritter sichern.

Backup bei Hoccer

Wer seine Hoccer-Inhalte von einem Gerät auf ein anderes überspielen will, muss dazu ein lokales Backup seiner Daten erstellen. Dabei werden alle App-Daten in einem verschlüsselten Dateiordner auf dem Speicher des Smartphones abgelegt.

Auch die Zugangsdaten inklusive der eigenen Hoccer-ID müssen manuell exportiert werden, um sich auf anderen Geräten anmelden zu können.

Vor- und Nachteile von Hoccer

Positiv:

  • Standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Chats und Gruppenchats
  • Verschlüsselte lokale Backups
  • Speichert keine Metadaten
  • Kein Zugriff auf das Adressbuch erforderlich
  • Keine Telefonnummer notwendig
  • Kostenlos

 

Negativ:

  • Nicht quelloffen (Open Source)
  • Keine Internettelefonie
  • Kein Auto-Zerstörungs-Timer für Nachrichten
  • Keine Desktop-Version
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