Ratgeber

Messenger-App Wire kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 26.08.2018, bearbeitet am14.04.2020

Der kostenlose Messenger Wire bietet neben Ende-zu-Ende-Verschlüsselung viele Extras. Der Messenger ist quelloffen und kann auch ohne Google-Konto genutzt werden. In den vollen Genuss kommt man nur mit der Bezahlversion.

Das ist Wire

Der Anspruch des Messengers Wire: Genauso stylish wie WhatsApp, aber gleichzeitig so privat wie Signal. Den Messenger gibt es für die mobilen Betriebssysteme Android und iOS. Eine Web-Version gibt es auch, das ist praktisch für die Nutzung auf dem Rechner. Die Webversion ist auf der Wire-Homepage hinter dem Menüpunkt "Login" versteckt. Es ist nicht notwendig, den kostenpflichtigen Desktop-Client zu kaufen.

Wire wird in Berlin programmiert, Betreiberin ist die Wire Swiss GmbH mit Sitz in der Schweiz. 2019 verlegte das Unternehmen den Hauptsitz des Mutterkonzerns, der Wire Group Holdings Inc., aus Luxemburg in die USA. Zum Hintergrund sagte Wire in einem Blogartikel, dass die Firma so leichter an finanzielle Mittel gelangen könne.

Wire gibt es seit 2014, von den drei Gründern gehören zwei zum Gründungsteam des Video-Chats Skype. Das Geld für die Entwicklung stammt von Risikokapitalgebern. Seit Oktober 2017 ist eine erweiterte, kostenpflichtige Version für Teams und Unternehmen verfügbar, über die sich Wire finanziert.

Nach eigenen Angaben wurde die kostenlose App rund fünf Millionen mal heruntergeladen (Stand August 2018).

Die Wire-App können Sie für Android aus Googles Play-Store oder für iOS aus dem App-Store laden.

Video-Konferenzen nur in der Pro-Version

Wire verschlüsselt Chats, Telefonie und Video-Telefonie standardmäßig Ende-zu-Ende. Allerdings kümmert sich das Unternehmen seit einiger Zeit hauptsächlich um die Bezahl-Version - die kostenlose Variante leidet darunter spürbar.

So war die Video-Telefonie in Gruppen in unseren Tests im März 2020 kaum funktionsfähig. Audio-Konferenzen laufen weiterhin problemlos, ebenso Video-Chats zu zweit.

Video-Konferenzen mit bis zu vier Personen sind in der Pro-Version für Teams möglich und funktionierten in unserem Test auch einwandfrei. Nach einer 30-tägigen Testphase zahlt man vier Euro pro Person und Monat (bei zweijähriger Abrechnung). Für große Unternehmen hat Wire noch ein größeres Paket im Angebot.

Seit 2018 können per Web-Link auch Gesprächsteilnehmer zu Diskussionen und Video-Chats hinzugefügt werden, die die Wire-App selbst nicht installiert haben. Auch dies funktionierte im Test im März 2020 nur in der Pro-Version für Teams.

Hier geht es zu unseren Empfehlungen der besten Video-Dienste fürs Homeoffice.

Privatsphäre und Sicherheit

Der Programmcode der Wire-App ist für jeden zugänglich (Open Source). Außerdem hat Wire seine Produkte bereits zweimal durch unabhängige Experten von Kudelski Security und X41 D-Sec untersuchen lassen. Die Ergebnisse beider Sicherheits-Audits waren positiv.

Wire fragt beim Einrichten, ob das Adressbuch abgeglichen werden soll, um Kontakte mit Wire-Konto zu finden. Stimmt man zu, werden diese anonymisiert (gehasht) auf wires Server geladen und dort abgeglichen. Wire versichert, diese Daten nicht zu verknüpfen, um etwa Beziehungsnetzwerke zu rekonstruieren.

Kontakte kann man auch manuell über den Nutzernamen oder die Wire-Nutzerkennung (@name) suchen und hinzufügen. Für die Nutzung ist keine Telefonnummer nötig. Man kann sich stattdessen mit einer E-Mail-Adresse anmelden.

Wire nutzt standardmäßig die Google-Play-Dienste – wie die meisten anderen Messenger auch. Anders als an manchen Stellen verbreitet, gibt es derzeit keine Wire-Version, in der keine Elemente von Google enthalten sind. Zudem enthält Wire den Analyse-Dienst Adjust.

Die App hat aber einen "Rückfallmechanismus". Das heißt, wenn sie auf einem Gerät läuft, auf dem keine Google-Dienste verfügbar sind, funktioniert sie trotzdem.

Aus diesem Grund ist sie aber nicht im F-Droid-Store erhältlich, in dem nur Apps zugelassen sind, die keinerlei proprietäre Elemente beinhalten. Man kann die App aber als .apk-Datei von der Wire-Webseite laden.

Wire erfasst nur wenige Metadaten und speichert die verschlüsselten Chats maximal 30 Tage auf den eigenen Servern. Protokolldaten von Anrufen, also wer wann mit wem telefoniert, werden nicht erfasst.

Allerdings gab der Messenger gegenüber dem Online-Magazin Golem an, eine Datenbank mit Nutzer*inneninformationen im Klartext zu führen. Das sei notwendig, damit Nutzer*innen Chats auf verschiedenen Geräten abrufen können.

Backup bei Wire

Wer seine Chat-Verläufe sichern will, oder auf ein neues Gerät umzieht, muss manuell ein Backup erstellen. Wire weist ausdrücklich darauf hin, dass die Backup-Datei nicht mit der Ende-zu-Ende-Veschlüsselung geschützt ist und daher an einem sicheren Ort gespeichert werden soll. Bei iOS-Geräten ist die Backup-Datei dann zumindest noch mit einem Passwort verschlüsselt, das man selber setzt.

Bei Android ist die Backup-Datei überhaupt nicht verschlüsselt, wie Wire auf Nachfrage bestätigte. Ein Backup kann man in seinem Benutzer-Konto wiederherstellen, wenn man sich einmal ausloggt und dann wieder einloggt. Eine Anleitung gibt es hier.

Die Funktion finden Sie unter Einstellungen > Benutzerkonto > Unterhaltung sichern.

Wire: Vor- und Nachteile

Positiv:

  • Standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Chats, Gruppen-Chats, Video- und Audio-Telefonie
  • Desktop-Version
  • Ohne Telefonnummer nutzbar
  • Benötigt keinen Zugriff auf Kontakte
  • Ohne Google-Konto nutzbar
  • Auto-Zerstörungs-Timer für Nachrichten und nachträgliches Löschen
  • Verschlüsseltes lokales Backup (nur iOS)
  • Quelloffen (Open Source)

 

Negativ:

  • Lokales Backup nicht verschlüsselt (nur Android)
  • Speicher einige Metadaten im Klartext
  • Video-Telefonie läuft nur in der Bezahlversion fehlerfrei

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