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Geheime Kommandozentrale: Google Play-Dienste

Ein Artikel von , veröffentlicht am 30.06.2016, bearbeitet am21.09.2016

Die wenigsten Nutzer wissen, dass es sie überhaupt gibt. Doch für die Verbindung zwischen Google und Android ist die App „Google Play-Dienste“ das Herzstück. Wir erklären, was sie im Hintergrund alles tut, und was sie mit Ihrer Privatsphäre zu tun hat.

Sie taucht nicht bei den normalen Apps auf dem Bildschirm auf, ihre Größe schwillt mitunter auf mehrere Hundert Megabyte an, und sie ist den meisten Nutzern ein großes Rätsel: Die App „Google Play-Dienste“.

Auf handelsüblichen Android-Smartphones ist sie bereits vorinstalliert. Direkt nach dem Einschalten eines neuen Smartphones wird die App aktiv, und zwar im Hintergrund einer kleinen Funktion, die sich “Google One Time Init” nennt. Diese fordert den Nutzer auf, sich mit seinem Google-Konto anzumelden.

Die Verbindung zum Google-Konto

Ist dies geschehen, ist das Google-Konto mit dem Gerät verknüpft. Ohne die Google Play-Dienste gibt es auch keine Verbindung zum Google-Konto. Alle Funktionen, die in irgendeiner Weise mit dem Google-Konto interagieren, benötigen die App.

Dazu gehören unter anderem:

  • Google Playstore
  • Gmail
  • Google Fotos (wenn Synchronisation gewünscht ist)
  • Google Daten, App-Daten und Dokumente sichern
  • Android Device Manager (Dient der Fernortung und Sicherheitsprüfung von Apps)
Der Android Device Manager ist Googles Antiviren- und Diebstahlschutz. Was er alles kann und welche Apps man alternativ benutzen kann, erklären wir im Beitrag Sicherheits-Apps für Android-Geräte.

Anwender können bei einigen dieser Funktionen bestimmen, ob sie - mit Hilfe der Google-Play-Dienste - Daten ins Google-Konto übertragen.

Welche Daten in ihrem Google-Konto landen, und wo sie dies unterbinden können, erklären wir im Beitrag: Google-Dienste Datensparsam nutzen.
Für viele wichtige Funktionen wie E-Mail oder Kalender gibt es gute Apps, die Ihre Privatsphäre respektieren. Die besten stellen wir im Beitrag Vorinstallierte Apps ersetzen vor.

Kommunikative Schnittstelle

Die Hauptaufgabe der Google Play-Dienste ist aber, Schnittstellen zu den verschiedenen Diensten von Google und zu Hardwarefunktionen des Gerätes bereitzustellen.

Möchte ein Entwickler, dass seine App auf einen dieser Dienste wie beispielsweise Google Maps zugreifen kann, integriert er die Google Play-Dienste-Bibliothek in seine App. Unter einer „Bibliothek“ versteht man hier eine Art vorgefertigten Programmbestandteil, den Google zur Verfügung stellt, und der die Kommunikation mit „Google Play-Diensten“ erledigt.

Der Programmcode dieser Bibliotheken ist nicht öffentlich zugänglich (nicht open source). Daher sind Apps mit solchen Bestandteilen nicht Open-Source, auch wenn der restliche Programmcode offen liegt. Bei Apps, die zum Beispiel in dem Open-Source-Appstore „F-Droid“ angeboten werden, werden solche Bestandteile vorher entfernt.

Was es mit der alternativen App-Quelle F-Droid auf sich hat, und wie man sie nutzt, erklären wir im Beitrag Verbraucherfreundlich: F-Droid.

Ob eine App auf Google-Dienste zugreift, ist nicht immer deutlich zu erkennen. Es sind dafür keine besonderen Berechtigungen nötig. Oft gehen dabei auch Daten an Google. Bindet eine Banking-App zum Beispiel Google Maps ein, um Bankautomaten in der Nähe anzuzeigen, erfährt Google, wann und wo Nutzer in dieser App nach Bankautomaten gesucht haben.

Während Drittanbieter-Apps die Google Play-Dienste brauchen, um zum Beispiel Googles Landkarten einzubinden, läuft die App Google Maps autonom. Sie benötigt die Play-Dienste nicht. Das selbe gilt für die Google Suche und für Chrome. Sie können aber Nutzerdaten an die Play-Dienste weiterreichen. Youtube, Play-Store und viele anderen Google-Dienste funktionieren ohne die Play-Services gar nicht.

Multitalent

Welche Funktionen über die vielseitige App abgewickelt werden können, ist nur wenigen klar. Daher hier ein kleiner Überblick. Derzeit bietet Google Play-Dienste unter anderem Schnittstellen zu diesen Google-Diensten:

  • Android Pay: Ermöglicht es, In-App-Käufe über die Android-Pay-Funktion abzuwickeln. Dabei können Nutzer mit Zahlungsdaten bezahlen, die im Google-Konto abgelegt sind.
  • Android Wear: Koppelt Android-Geräte mit einer Android-Smartwatch und stellt auf dieser bestimmte Google-Funktionen zur Verfügung.
  • Google+: Googles soziales Netzwerk. Ein Account dort diente bisher zur zentralen Authentifizierung bei verschiedenen Google-Diensten. Diese Abhängigkeit baut Google schrittweise zurück. Für Youtube fiel die Pflicht zu einem Google+-Account bereits weg, für Spiele-Apps, wurde dies im Januar 2016 angekündigt.
  • Google Analytics: Entwickler können Erfahrungen einholen, wie ihre Apps genutzt werden.
  • Google Cloud Messaging: Ein Dienst, der es Entwicklern ermöglicht, Mitteilungen vom Server auf die Android-Geräte der App-Kunden zu senden und auf dem gleichen Weg Mitteilungen zu empfangen. Diese sogenannten „Push-Nachrichten“ kommen oft zum Einsatz, zum Beispiel, wenn neue Mails, SMS oder Messenger-Nachrichten vorliegen.
  • Google Drive: Die App kann Daten und Dokumente auf Google Drive speichern, statt lokal auf dem Gerät, oder in einer eigenen Cloud.
  • Google Fit: Für Apps, die Daten mit Google Fit austauschen. Google Fit ist eine App von Google, die körperliche Betätigungen der Anwender anhand der Bewegungsdaten erfasst und auswertet.
  • Google Maps: Der Karten und Navigationsdienst von Google, der ebenfalls Bewegungsdaten erfasst und in der Cloud speichert.
  • Google Mobile Ads: Verknüpfung zum Werbenetzwerk von Google. Damit können Entwickler ihre Anwendungen über das Google Adsense werbefinanzieren.
  • Google Nearby: Ermöglicht Nahbereichskommunikation mit Mobilgeräten, zum Beispiel um Visitenkarten auszutauschen, oder anderen Gerätschaften wie Park- oder Fahrkartenautomaten. Kann deaktiviert werden.
  • Google Play Game services: Spiele können auf die Google-Authentifizierung zugreifen und Spielstände zwischen Nutzer- Geräten austauschen. Kann deaktiviert werden, indem man die App deaktiviert.
  • Kontakte: Diese App verknüpft die Kontakte auf dem Mobilgerät mit der zu Google Mail gehörenden Kontaktverwaltung. Ortsdienste und Aktivitätserkennung:Werden neben Google Maps und Google Fit auch von anderen Apps genutzt, die ortsbasierende Dienste wie Suche, GPS-Informationen in Fotos oder Navigation anbieten.
  • Single Sign On: Ermöglicht es, das Google-Konto zur Authentifizierung bei Diensten nutzen.

Rechtehunger

Der große Funktionsumfang der Google Play-Dienste erfordert weitreichende Zugriffsberechtigungen auf das Android-Mobiltelefon. Die Google Play App könnte unter anderem Telefonanrufe tätigen oder Telefonate abfangen, die App hat Zugriff auf SMS und Chatnachrichten, auf kritische Hardware, wie zum Beispiel die Ortsbestimmungssensoren, die Kamera, das Mikrofon oder Netzwerkschnittstellen, und erhalten Informationen über den internen Systemstatus.

Was App-Berechtigungen im Android-System sind, erklären wir im Beitrag Ganz oder Garnicht: Androids Rechtesystem für Apps. Mit der Version Android 6.0 hat sich das System stark geändert. Was neu ist, erklären wir im Beitrag Neue Ära: Rechteverwaltung mit Android 6.0.

Ausgedient

Wer möchte, dass das eigene Gerät ganz aufhört, Informationen an Google weiterzugeben, der muss sich von den Google Play-Diensten und von allen anderen Google-Apps trennen. Das bedeutet in der Praxis, ein neues Betriebssystem zu installieren, das ganz ohne Google auskommt. Eine beliebte Variante ist zum Beispiel das alternative Betriebssystem „Cyanogenmod“.

Wer sich für diesen konsequenten Weg entscheidet, dem können wir die ausführliche deutschsprachige Anleitung Your Phone Your Data von unserem Autor Mike Kuketz empfehlen.

 

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