Ratgeber

Google-Dienste richtig einstellen

Android ohne Google
iStock.com/AlexLMX

In der Smartphone-Welt funktioniert Android ohne Google kaum. Doch wer die Standard-Einstellungen für seinen Aufenthaltsort, seine Fotos oder eingetippte Suchbegriffe verändert, kann die Datenübertragung an das verknüpfte Google-Konto stark einschränken. Wir zeigen, welche Optionen es gibt.


Veröffentlicht am

Wer ein handelsübliches Android-Smartphone nutzt, hat dieses in der Regel auch mit einem Google-Konto verknüpft. Google bietet viele Möglichkeiten, Daten in diesem Konto zu hinterlegen.

Der IT-Konzern wertet die Daten aus dem Konto aus und erstellt daraus detaillierte Profile, um zielgerichtete Werbung zu schalten. Die Daten können aber auch von Behörden eingesehen werden, falls Google rechtlich zur Herausgabe gezwungen wird. Auch Dritte, die sich gegen den Willen des Nutzers die Zugangsdaten zum Google-Konto verschaffen, haben Zugriff.

Wer die Datenübertragung ins Google-Konto aus diesen oder anderen Gründen nicht wünscht, kann sie in einigen Punkten unterbinden. Allerdings ist damit die Verbindung zu Google nicht ganz gekappt. Einige Daten erfasst der Konzern trotzdem, verknüpft sie dann aber nicht mit dem Konto. Standardmäßig ist die Übertragung von Daten ins Google-Konto in den meisten Fällen aktiviert.

Wir zeigen, welche Optionen es gibt und was sie bewirken. Die Anweisungen und Menüpunkte gelten für ein ein Samsung Galaxy S8 und das Betriebssystem Android 8. Bei anderen Geräten können die Bezeichnungen abweichen.

Aktivitätsverlauf verwalten: Ins Google-Konto einloggen

Am einfachsten erledigen Sie diesen Schritt direkt in Ihrem Google-Konto. Öffnen Sie dazu einen Browser, am besten am Computer, und rufen Sie die Adresse www.google.de auf. Tippen Sie dann auf die Schaltfläche „Anmelden“:

Google-Dienste Die Schaltfläche befindet sich oben rechts

und loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein. Klicken Sie dann auf das runde Symbol oben rechts, mit dem Anfangsbuchstaben Ihres Nutzernamens:

Navigieren Sie in Ihrem Konto zu Persönliche Daten & Privatsphäre > Google-Aktivitäten verwalten > Aktivitätseinstellungen aufrufen.

Aktivitätsverlauf konfigurieren

Unter dem Begriff Aktivitäten versteht Google unter anderem Suchanfragen, Youtube-Wiedergabeverlauf, Standortdaten und Geräteinformationen wie den aktuellen Akkustand. Um die Aufzeichnung zu deaktivieren, tippen Sie auf jeden einzelnen Punkt in der Liste, und schieben Sie dann den Regler oben rechts jeweils auf „pausiert“.

Google weist selber darauf hin, dass Sucheingaben, die Sie in der Google-Suche und anderen Apps machen, auch dann gespeichert werden, wenn kein Google-Konto verknüpft ist. Aus diesem Hinweis und aus bestimmten Formulierungen in der Datenschutzerklärung kann man schließen, dass Google diese Daten auch dann erfasst, wenn man die Aufzeichnung im Google-Konto deaktiviert (unter dem Punkt „Web- & App-Aktivitäten“). Ähnliches gilt vermutlich für die Punkte „Youtube-Suchverlauf“ und „Youtube-Wiedergabeverlauf“.

Anders scheint dies beim Punkt „Standortverlauf“ zu sein. Auf Nachfrage von mobilsicher.de versicherte Google, dass der Standort des Nutzers tatsächlich nicht erfasst werde, wenn dieser Punkt abgewählt ist. Allerdings sollten Sie drauf auchten, dass Sie auch den Punkt „Web- und App-Aktivitäten“ ausschalten. Erst dann werden wirklich keine Daten mehr bei Google gespeichert.

Deaktivieren Sie nur den Standortverlauf, werden die Standortdaten nicht angezeigt, aber weiter gespeichert, wie US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press herausgefunden hat. Google sieht das anders: „Wir stellen klare Beschreibungen zu den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung und lassen die User gezielt kontrollieren, welche Dienste sie abschalten und wann sie ihren Verlauf löschen wollen.“

Durch den Stopp der Aufzeichnung werden bereits vorhandene Daten nicht gelöscht. Um diese Daten zu löschen, navigieren Sie zu  Google-Aktivitäten verwalten > Meine Aktivitäten aufrufen > Aktivitäten löschen. Nun können Sie sämtliche gespeicherten Daten aus dem Aktivitätsverlauf löschen.

Synchronisierung verwalten

Einige Daten werden über die Synchronisierungs-Funktion ins Google-Konto übertragen, zum Beispiel Kontakte, Kalender, Mails aus Gmail, Daten auf Google Drive und Google-Dokumente. Um die Synchronisierung auszuschalten, navigieren Sie in Ihrem Smartphone zu Einstellungen > Cloud & Konten (manchmal auch Nutzer & Konten) > Konten und tippen Sie auf das eigene Google-Konto. Dort tippen Sie auf Kontosynchronisierung. Nun können Sie jeden Punkt einzeln an- oder ausschalten.

Hinter der Synchronisierungs-Funktion für Kontakte und Kalender stecken die Apps „Google-Kontakte Synchronisieren“ und „Google Kalender-Synchronisierung“. Beide finden Sie in der App-Verwaltung über Einstellungen > Apps (bei Android 8.0 auch Apps und Benachrichtigungen. Bei älteren Samsung-Geräten über Einstellungen > Anwendungsmanager), wenn Sie die Option Systemanwendungen anzeigen aktivieren. Die Apps übertragen eigentlich nur Daten, wenn die Synchronisierungs-Funktion aktiviert ist. Aber wer sicher gehen will, kann beide Apps deaktivieren.

Foto- und Video-Synchronisierung

Die App „Fotos“ ist auf den meisten Geräten vorinstalliert und gehört auch zu Google. Beim ersten Start fragt sie, ob Fotos und Videos mit dem Google-Konto synchronisiert werden sollen. In den Synchronisierungs-Einstellungen (siehe vorheriger Punkt) taucht die App nicht auf. Auch im Google-Konto können Sie die Synchronisierung nicht abschalten. Sie müssen die App „Fotos“ öffnen und dort im Menü die Synchronisierung ausschalten.

Die App überträgt laut Google dann keine Fotos mehr, sondern verwaltet die Bilder nur lokal. Wer ganz sicher gehen will, sollte zu einer anderen Foto-App greifen.

Google Backup verwalten

Eine dritte Möglichkeit, wie Daten von Ihrem Gerät in Ihr Google-Konto gelangen können, ist Googles Backup-Funktion. Bei unserem Testhandy findet man sie unter Einstellungen > Cloud & Konten > Sichern & Wiederherstellen. Unter dem Punkt Datensicherung finden Sie einen An-/Aus-Schieberegler. Oft findet sich der Punkt auch hinter dem Pfad Einstellungen > Google > Sicherung > Auf Google Drive sichern.

Mit der Funktion werden WLAN-Passwörter, App-Konfigurationen, Telefonverlauf und andere Daten im Google-Konto gesichert. Sie können diese Daten im Google-Konto allerdings nicht direkt sehen, sondern nur über die Wiederherstellungs-Funktion wieder auf ein Mobilgerät übertragen.

Google gibt keine Auskunft darüber, ob die gesicherten Daten für Werbezwecke analysiert werden und ob sie verschlüsselt hinterlegt werden. Wenn Sie prinzipielle Einwände gegen das Konzept der Vorratsdatenspeicherung haben, sollten Sie bei dieser Funktion auch hellhörig werden. Denn Google speichert hier auch, mit wem Sie wann telefoniert haben.

Wer seine Daten nicht auf Google-Servern sichern will, kann die Backup-Funktion deaktivieren. Sie sollten aber trotzdem nicht ganz auf eine Datensicherung Ihres Mobilgerätes verzichten.

Wie Sie eine Sicherheitskopie von allen Daten auf Ihrem Smartphone anfertigen, erfahren Sie im Ratgeber Komplettbackup bei Android-Geräten.
Wie Sie Ihr Adressbuch sichern können, ohne dass Daten auf einem Server im Internet landen, erklären wir im Beitrag Adressbuch lokal synchronisieren.

Mein Gerät finden

Über Ihr Google-Konto können Sie Ihr vermisstes Gerät aus der Ferne orten, sperren und zurücksetzen. Sie finden die Funktion unter myaccount.google.com unter „Smartphone suchen“. Damit es gefunden werden kann, muss auf Ihrem Gerät die Funktion Einstellungen > Google > Sicherheit > Mein Gerät finden aktiviert sein.

An derselben Stelle im Menü wird auch die App „Mein Gerät finden“ zum Download angeboten. Mithilfe dieser App können Sie andere Android-Geräte, zum Beispiel Ihr Tablet oder Ihre Smartwatch, lokalisieren.

Wenn Sie „Mein Gerät finden“ auf Ihrem Gerät aktiviert haben, wird Ihr Standort nicht permanent im Google-Konto hinterlegt, sondern nur dann übermittelt, wenn Sie tatsächlich versuchen, es zu orten. Wir empfehlen daher, die Funktion nicht auszuschalten.

Google Play Protect

Mit Play Protect hat Google einen eigenen Virenscanner entwickelt, der installierte Apps auf Schadcode überprüft. Play Protect ist in die Play-Store-App integriert und lässt sich nicht ganz deaktivieren.

Ab Android 8.0 erreicht man Play Protect auch über den Pfad Einstellungen > Google > Sicherheit > Google Play Protect. Die Funktion können Sie so einstellen, dass nicht nur Apps aus dem Play-Store geprüft werden, sondern auch Apps aus anderen Quellen. Damit erfährt der Konzern allerdings auch, welche Apps Sie nutzen, die nicht aus dem Play-Store kommen.

Suche & Info-Karten verwalten

Die Google-App versucht, anhand von gesammelten Daten aus E-Mail-Konto, Kalender, Standortverlauf und weiteren Daten nützliche Informationen in Form von Info-Karten anzuzeigen. Dafür können auch SMS und installierte Apps nach Informationen durchsucht werden.

Wer zum Beispiel regelmäßig zur Arbeit pendelt, bei dem weiß Google bald, was Wohnort und was Arbeitsort ist – und zeigt an, wenn es auf dem Weg zur Arbeit Verkehrsbehinderungen gibt.

Früher hieß dieser Dienst Google Now; mit einem der letzten Updates ist er aber in anderen Funktionen aufgegangen. (In der Google-App-Version 5.10.32.19 ist Google Now als Dienst noch auffindbar, in Version 7.14.21.21 nicht mehr.)

In der aktuellen Version finden Sie die Info-Karten in Ihrem persönlichen Feed der Google-App. Unter Einstellungen > Google > Suche > Mein Feed > Kartenverlauf verwalten können Sie einstellen, welche Karten angezeigt werden sollen. Google generiert diese personalisierten Karten mithilfe von Informationen aus Ihrem Aktivitätsverlauf und aus den Apps, die auf Ihrem Gerät installiert sind. Unter Einstellungen > Google > Suche > Persönlich (bei manchen Geräten auch: In Apps) können Sie einstellen, welche Apps durchsucht werden dürfen.

Google-Apps ersetzen

Auch wenn Sie die Datenübertragung an allen beschriebenen Punkten unterbinden, gelangen Daten zu Google. Und zwar jedes Mal, wenn Sie eine Google-App nutzen. Für viele Apps von Google gibt es mittlerweile gute Alternativen mit der gleichen Funktion, die aber keine Daten an Google oder an andere Unternehmen übertragen.

Rechte einschränken (ab Android 6.0)

Wer nicht auf die Apps und Update-Funktionen von Googles Play-Store verzichten will oder kann, kommt um die Nutzung von zwei Apps nicht herum: „Google Play Store“ und „Google Play Dienste“. Beide Apps verlangen Zugriff auf Standort, Kontakte, Telefon und SMS.

Wenn Sie bereits die Android-Version 6.0 nutzen, können Sie den beiden Apps den Zugriff auf diese Daten verweigern. Erfahrungsgemäß funktionieren sie dann trotzdem einwandfrei. Es empfiehlt sich auch, alle anderen vorinstallierten Apps von Google und vom Gerätehersteller auf ihre Zugriffsrechte zu überprüfen, und diese bis auf die offensichtlich notwendigen Rechte einzuschränken.

 

Sie haben einen Fehler entdeckt oder vermissen einen Artikel zu einem bestimmten Thema?
Schreiben Sie uns eine E-Mail an hinweis@mobilsicher.de!