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Google-Dienste datensparsam verwenden

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In der Standard-Einstellung überträgt Google detailliert Informationen in das verknüpfte Google-Konto, zum Beispiel Aufenthaltsort, Fotos oder eingetippte Suchbegriffe. Einige dieser Datenübertragungen kann man unterbinden. Wir zeigen, welche Optionen es gibt.

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Android · Browser · Datenschutz · E-Mail · Google · Kalender · Synchronisation · Werbe-ID
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Wer ein handelsübliches Android-Smartphone nutzt, hat dieses in der Regel auch mit einem Google-Konto verknüpft. Denn nur so lassen sich Apps aus Googles Play-Store laden.

Das Google-Konto ist mit einem Cloud-Speicher auf Googles Servern verknüpft. Google bietet Nutzern viele Möglichkeiten, Daten vom Smartphone in diesem Speicher zu hinterlegen. So kann man dort Fotos, Kontaktliste und Kalender sichern oder Surf- und Suchverlauf speichern. Viele Nutzer finden das praktisch und Google profitiert von den zusätzlichen Nutzerdaten.

Die Daten, die im Google-Konto landen, können aber auch von Behörden eingesehen werden, falls Google rechtlich zur Herausgabe gezwungen wird. Auch Dritte, die sich gegen den Willen des Nutzers die Zugangsdaten zum Google-Konto verschaffen, haben Zugriff. Google kombiniert Nutzerdaten aus allen Apps und Diensten und erstellt damit detaillierte Profile.

Wer die Datenübertragung ins Google-Konto aus diesen oder anderen Gründen nicht wünscht, kann sie in einigen Punkten unterbinden. Allerdings ist damit die Verbindung zu Google nicht ganz gekappt. Einige Daten erfasst der Konzern trotzdem, verknüpft sie dann aber nicht mit dem Konto. Standardmäßig ist die Übertragung von Daten ins Google-Konto in den meisten Fällen aktiviert.

Wir zeigen, welche Optionen es gibt und was sie bewirken.

Aktivitätsverlauf verwalten

Am einfachsten erledigen Sie diesen Schritt direkt in Ihrem Google-Konto. Öffnen Sie dazu einen Browser, am besten am Computer, und rufen Sie die Adresse www.google.com auf. Tippen Sie dann auf die Schaltfläche „Anmelden“ und loggen Sie sich ein. Navigieren Sie in Ihrem Konto zu „Persönliche Daten & Privatsphäre > Google-Aktivitäten verwalten > Aktivitätseinstellungen aufrufen“.

Unter dem Begriff Aktivitäten versteht Google unter anderem Suchanfragen, Youtube-Wiedergabeverlauf, Standortdaten und Geräteinformationen wie den aktuellen Akkustand. Wir empfehlen, die Aufzeichnung bei allen Punkten zu stoppen. Tippen Sie auf jeden einzelnen Punkt in der Liste, und schieben Sie dann den Regler oben rechts jeweils auf „Pausiert“.

Google weist selber darauf hin, dass Sucheingaben, die Sie in der Google-Suche und anderen Apps machen, auch dann gespeichert werden, wenn kein Google-Konto verknüpft ist. Aus diesem Hinweis und aus bestimmten Formulierungen in der Datenschutzerklärung kann man schließen, dass Google diese Daten auch dann erfasst, wenn man die Aufzeichnung im Google-Konto deaktiviert (unter dem Punkt „App- & Web-Aktivitäten“). Ähnliches gilt vermutlich für die Punkte „Youtube-Suchverlauf“ und „Youtube-Wiedergabeverlauf“.

Anders scheint dies beim Punkt „Standortverlauf“ zu sein. Auf Nachfrage von mobilsicher.de versicherte Google, dass der Standort des Nutzers tatsächlich nicht erfasst werde, wenn dieser Punkt abgewählt ist.

Durch den Stopp der Aufzeichnung werden bereits vorhandene Daten nicht gelöscht. Um diese Daten zu löschen, navigieren Sie zu  „Google-Aktivitäten verwalten > Meine Aktivitäten aufrufen > Aktivitäten löschen nach“. Nun können Sie sämtliche gespeicherten Daten aus dem Aktivitätsverlauf löschen.

Synchronisierung verwalten

Einige Daten werden über die Synchronisierungs-Funktion ins Google-Konto übertragen, zum Beispiel Kontakte, Kalender, Mails aus Gmail, Daten auf Google Drive und Google-Dokumente. Um die Synchronisierung auszuschalten, navigieren Sie zu „Einstellungen > Konten > Google“ und tippen Sie auf das eigene Google-Konto. Nun können Sie jeden Punkt einzeln an- oder ausschalten.

Hinter der Synchronisierungs-Funktion für Kontakte und Kalender stecken die Apps „Google-Kontakte Synchronisieren“ und „Google Kalender-Synchronisierung“. Beide finden Sie in der App-Verwaltung, wenn Sie die Option „Systemprozesse Anzeigen“ aktivieren. Die Apps übertragen eigentlich nur Daten, wenn die Synchronisierungs-Funktion aktiviert ist. Aber wer sicher gehen will, kann beide Apps deaktivieren.

Foto- und Video-Synchronisation

Die App „Fotos“ ist auf den meisten Geräten vorinstalliert und gehört auch zu Google. Beim ersten Start fragt sie, ob Fotos und Videos mit dem Google-Konto synchronisiert werden sollen. In den Synchronisierungs-Einstellungen (siehe vorheriger Punkt) taucht die App nicht auf. Auch im Google-Konto können Sie die Synchronisierung nicht abschalten. Sie müssen die App „Fotos“ öffnen und dort im Menü die Synchronisierung ausschalten.

Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die App dann keine Fotos mehr an Google überträgt, sondern Bilder nur lokal verwaltet. Wer ganz sicher gehen will, sollte zu einer anderen Foto-App greifen.

Google Backup verwalten

Eine dritte Möglichkeit, wie Daten von Ihrem Gerät in Ihr Google-Konto gelangen können, ist Googles Backup-Funktion. In der Regel findet man sie unter „Einstellungen > Sichern & Zurücksetzen > Meine Daten sichern“.

Mit der Funktion werden WLAN-Passwörter, App-Konfigurationen, Telefonverlauf und andere Daten im Google-Konto gesichert. Nutzer können diese Daten im Google-Konto allerdings nicht direkt sehen, sondern nur über die Wiederherstellungs-Funktion wieder auf ein Mobilgerät übertragen.

Google gibt keine Auskunft darüber, ob die gesicherten Daten für Werbezwecke analysiert werden und ob sie verschlüsselt hinterlegt werden. Wer seine Daten nicht auf Google-Servern sichern will, kann die Backup-Funktion deaktivieren. Sie sollten aber trotzdem nicht ganz auf eine Datensicherung Ihres Mobilgerätes verzichten.

Wie Sie eine Sicherheitskopie von allen Daten auf Ihrem Smartphone anfertigen, erfahren Sie im Ratgeber Komplettbackup bei Android-Geräten.
Wie Sie Ihr Adressbuch sichern können, ohne dass Daten auf einem Server im Internet landen, erklären wir im Beitrag Adressbuch lokal synchronisieren.

Android Geräte-Manager

Mit dem Android Geräte-Manager hat Google einen eigenen Diebstahl-Schutz und Virenscanner entwickelt. Mit der Funktion können Nutzer vermisste Geräte über das Internet aus der Ferne orten, sperren und zurücksetzen. Zudem überprüft sie installierte Apps auf Schadcode. Damit erlangt Google aber sehr weitreichende Zugriffsrechte auf das Gerät.

So erfährt der Konzern nicht nur, welche Apps installiert sind, sondern auch, wann sie installiert wurden und von wo. Auch Drittanbieter-Apps werden überprüft. Zudem hinterlegt der Manager permanent den Standort im Google-Konto. Wer das eher als Überwachung denn als Sicherheit empfindet, kann die Funktion ausschalten. Sie finden sie unter „Einstellungen > Google > Sicherheit > Android Geräte-Manager“ (für Android 5.0: Google-Einstellungen).

Suche & Google Now verwalten

Google Now ist ein Dienst, der anhand von gesammelten Daten aus E-Mail-Konto, Kalender, Standortverlauf und weiteren Daten versucht, nützliche Informationen in Form von Info-Karten anzuzeigen. Der Dienst kann dafür auch SMS und installierte Apps nach Informationen durchsuchen.

Wer zum Beispiel regelmäßig zur Arbeit pendelt, bei dem weiß Google bald, was Wohnort und was Arbeitsort ist – und zeigt an, wenn es auf dem Weg zur Arbeit Verkehrsbehinderungen gibt.

Unter „Einstellungen > Google > Suche & Google Now > Now-Karten“ können Sie die Karteneinstellungen deaktivieren.

Unter „Suche & Google Now > Suche im Telefon“ können Sie einstellen, welche Apps über das Google-Suchfenster auf dem Startbildschirm durchsucht werden dürfen.

Standort nur über GPS bestimmen

Unter Einstellungen > Standort > Modus sollte die Option Nur Gerät ausgewählt werden. Dann wird die Position ausschließlich über das GPS-Satellitensignal bestimmt und nicht mit Hilfe der auf den Google-Servern verzeichneten WLANs in der Umgebung.

Google-Apps ersetzen

Auch wenn Sie die Datenübertragung an allen beschriebenen Punkten unterbinden, gelangen Daten zu Google. Und zwar jedes Mal, wenn Sie eine Google-App nutzen. Für die meisten Apps von Google gibt es mittlerweile gute Alternativen mit der gleichen Funktion, die aber keine Daten an Google oder an andere Unternehmen übertragen.

Rechte einschränken (Android 6.0)

Wer nicht auf die Apps und Update-Funktionen von Googles Play-Store verzichten will oder kann, kommt um die Nutzung von zwei Apps nicht herum: „Google Play Store“ und „Google Play Dienste“. Beide Apps verlangen Zugriff auf Standort, Kontakte, Telefon und SMS.

Wenn Sie bereits die Android-Version 6.0 nutzen, können Sie den beiden Apps den Zugriff auf diese Daten verweigern. Erfahrungsgemäß funktionieren sie dann trotzdem einwandfrei. Es empfiehlt sich auch, alle anderen vorinstallierten Apps von Google und vom Gerätehersteller auf ihre Zugriffsrechte zu überprüfen, und diese bis auf die offensichtlich notwendigen Rechte einzuschränken.

Aktualisiert von: Miriam Ruhenstroth

 

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