Ratgeber

Shopping-App SHEIN kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 09.01.2022
In der Shein-App kann man schnell viel billige Kleidung kaufen. Foto: iStock

Durch die Corona-Pandemie wurde die App eines chinesischen Modegiganten weltweit bekannt. Doch es gibt viel zu kritisieren – vom Umgang mit Nutzer*innendaten bis hin zu den Arbeitsbedingungen in der Firma.

Das ist die Shein-App

Shein (Eigenschreibweise SHEIN) ist eine Shopping-App aus China, die Kleidung von eigenen Mode-Labels weltweit vertreibt. Der Name wird englisch ausgesprochen („she in“). Die App richtet sich vor allem an junge Frauen, obwohl auch Männer- und Kindermode angeboten wird. Die Kund*innen können übers Smartphone für kleines Geld trendige Kleidung kaufen, sogenannte Fast Fashion („schnelle Mode“).

Seine Produkte vertreibt das Unternehmen ausschließlich online. Es spricht die Generation Z der Unter-30-Jährigen dabei in großen Kampagnen an, vor allem in sozialen Medien. In den USA hat Shein im Jahr 2021 Amazon den Rang der am meisten heruntergeladenen Shopping-Apps abgelaufen. Die Anwendung ist kostenlos, es gibt sie für Android und iOS.

Das Geschäftsmodell der Shein-App

Das Unternehmen mit Hauptsitz im südchinesichen Guangzhou gibt es seit 2008, seit 2015 verkauft es unter dem Namen Shein. In China selbst ist die Firma jedoch nur wenig bekannt und verkauft hauptsächlich in die USA, nach Europa, Australien und den mittleren Osten.

Der Gründer Chris Xu ist ursprünglich Berater für Marketing und Suchmaschinenoptimierung. Ein Blick in die Shein-App verrät einiges über das Geschäftsmodell seiner Firma: Die Kleidung, die dort angeboten wird, ist extrem günstig. T-Shirts gibt es für vier Euro, einen Mantel für 27 Euro. Zusätzlich erscheinen in der App und auf der Webseite im Sekundentakt Banner mit Werbung für zeitlich begrenzte Rabatt-Aktionen.

In integrierten Spielen oder als Belohnung für tägliches Öffnen der App erhalten die Nutzer*innen Bonuspunkte, die sie wiederum in Kaufgutscheine umwandeln können. Algorithmen erkennen persönliche Vorlieben und schlagen entsprechende Kleidungsstücke vor. Diese Daten fließen auch in Entwürfe neuer Kleidung ein, die wiederum in rasendem Tempo hergestellt wird: Vom Design bis zum verpackten Produkt dauert es Beobachter*innen zufolge bisweilen nur eine Woche.

Dazu vermarktet sich Shein offensiv im Internet. Das Unternehmen arbeitet mit zahlreichen Instagramer*innen zusammen. Auf YouTube und TikTok gibt es millionenfach geklickte Videos von jungen Kund*innen, die vor laufender Kamera bergeweise Kleidung auspacken (#SheinHaul). Außerdem veranstaltet das Unternehmen große online übertragene Mode-Veranstaltungen, bei denen Stars wie Katy Perry auftreten.

Was passiert mit Nutzungsdaten?

In der App muss man sich mit E-Mail-Adresse, Google-, Facebook-, oder Apple-Konto anmelden. Um an Kund*innen liefern zu können, erhebt Shein außerdem Name und Versandadresse sowie Zahlungsinformationen.

Laut Datenschutzerklärung sammelt das Unternehmen auf Webseite und App darüber hinaus reichlich Interaktions- und Gerätedaten. Sämtliche Informationen, darunter auch Kontaktdaten, können an Dritte weitergegeben werden.

Eine Widerspruchsmöglichkeit zur Datenweitergabe ist in der Datenschutzerklärung vermerkt, allerdings wird kein Hinweis darauf gegeben, wie von diesem in der europäischen Datenschutz-Grundverordnung festgeschriebenen Recht konkret Gebrauch gemacht werden kann.

Stattdessen schreibt Shein in einem späteren Abschnitt: „Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Daten nach außerhalb des Landes oder Rechtsraums, in dem Sie ansässig sind, übermittelt oder dort verarbeitet oder aufbewahrt werden, sollten Sie den Zugriff auf die Dienstleistungen bzw. ihre Nutzung sofort einstellen.“

2018 wurden bei einem großen Hacker-Angriff E-Mail-Adressen und Passwörter von mehr als sechs Millionen Shein-Nutzer*innen gestohlen. Die indische Regierung hat die Shein-App 2020 aus datenschutzrechtlichen Bedenken verboten.

Kritik und Fazit

Shein steht international in der Kritik. Große wie kleine Modemacher*innen werfen dem Unternehmen Designklau vor. Ein weiterer Vorwurf lautet Green-Washing: Zwar gibt sich das Unternehmen auf seiner Webseite nachhaltig, doch lässt die kurzlebige, oft qualitativ schlechte Kleidung mit weiten Lieferwegen und erschwerten Retoure-Konditionen daran zweifeln.

Die Unternehmensstruktur von Shein ist darüber hinaus sehr undurchsichtig, ebenso wie die Lieferkette. Die Schweizer Menschenrechtsorganisation Public Eye hat kleine Zuliefer-Nähereien in Ghuangzhou ausfindig gemacht, die für Shein produzieren. Die Arbeiter*innen dort, die meist aus ärmlichen Regionen Chinas kommen, werden laut der Recherchen mit niedrigen Stückpreisen bezahlt. Sie arbeiten bis zu elf Stunden am Tag und haben keine formellen Arbeitsverträge, was auch nach chinesischem Recht illegal ist.

Billig auf den ersten Blick, teuer auf den zweiten: Mit dem Kauf von Shein-Produkten fallen verdeckte Kosten an. Aufkommen müssen dafür die Umwelt, unterbezahlte Arbeiter*innen in China, und nicht zuletzt die Kund*innen selbst, die mit Ärger über schlechte Kleidung und ihren Daten zahlen.

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