Ratgeber

Lern-App Socrative im Test

Ein Artikel von , , veröffentlicht am 13.09.2020
Bild: CC0 Pixabay / geralt

Mit Socrative können Lehrer*innen für ihre Klassen Tests aus verschiedenen Fragetypen zusammenstellen. Die App funktioniert für Schüler*innen ohne Registrierung, bindet keine Werbung ein und ist auch ansonsten datensparsam.

Das ist Socrative

Socrative ist eine App für digitale Lernkontrollen, die es in jeweils einer Ausführung für Lehrer*innen (Android | iOS) und Schüler*innen (Android |iOS) gibt. Lehrer*innen können Tests ("Quizzes") erstellen, um den Lernstand der Schüler*innen abzufragen. Hierbei stehen drei Fragetypen zur Auswahl: Multiple Choice, Richtig/Falsch und Fragen mit Textantwort.

Wer das Lernen spielerisch gestalten möchte, kann auch sogenannte "Space Races" (Wettrennen) veranstalten, in denen Schüler*innen-Teams gegeneinander antreten. Lehrer*innen können die Ergebnisse ihrer Schüler*innen in Echtzeit verfolgen und bekommen am Ende eines Quizzes eine Gesamtauswertung.

Anbieter der Apps ist die Showbie Inc. mit Sitz in Kanada, die noch andere Lernsoftware anbietet. Auf der App-Seite im Google Play-Store erscheint sie als Socrative Inc. Die Apps für Schüler*innen sind kostenlos und auch für Lehrer*innen ist eine kostenlose Basisversion erhältlich. Die Funktionen sind hier jedoch stark eingeschränkt.

Die Pro-Version der Socrative Teacher-App ist für 59,99 US-Dollar/Jahr zu haben. Ab einer Anzahl von fünf Lehrenden bietet das Unternehmen Vergünstigungen an. Es gibt auch ein App-Version für Hochschulen und Unternehmen.

So funktioniert Socrative

Schüler*innen nutzen die App ohne Registrierung. Lehrer*innen müssen sich mit vollem Namen anmelden und die Schule auswählen, an der sie arbeiten.

Jedes Quiz findet in einem "Raum" statt, der von der Lehrkraft eingerichtet wird. Die App weist diesem Raum einen eindeutigen Namen zu, den die Lehrkraft dann an die Klasse weiterleiten kann.

Die Schüler*innen treten dem Raum über die App bei und wählen anschließend einen Namen, dem ihre Ergebnisse zugeordnet werden können. Dieser Name muss nicht der echte Name sein, sondern kann zum Beispiel vorher in Absprache mit der Lehrperson festgelegt werden.

So haben wir getestet

Android

Den Test der Android-Apps (Version 4.4.1 vom 29. Juli 2016) haben wir mit einem Google Pixel 2 mit Android 10 durchgeführt, auf dem personalisierte Werbung erlaubt ist. Im Test der Schüler*innen-App haben wir uns mit einer Raumnummer eingeloggt und ein Quiz absolviert. Im Test der Lehrer*innen-App (kostenlose Basisversion) haben wir ein Quiz angelegt und über eine Raumnummer freigegeben.

iOS

Den Test der iOS-Apps (Schüler*innen-App: Version 2.2.4 vom 15. April 2019 / Lehrer*innen-App: Version 2.2.5 vom 11. Mai 2019) haben wir mit einem iPhone 8 mit iOS 13.5.1 durchgeführt, auf dem personalisierte Werbung erlaubt ist. Im Test der Schüler*innen-App haben wir uns mit einer Raumnummer eingeloggt und ein Quiz absolviert. Im Test der Lehrer*innen-App (kostenlose Basisversion) haben wir ein Quiz angelegt und über eine Raumnummer freigegeben.

Wie wir Apps testen, zeigen wir in unserem Video App-Test live: Was tut eine App wirklich?

Diese Daten sendet Socrative

Im Test zeigt Socrative unserer Einschätzung nach kein problematisches Datensendeverhalten. Die App baut eine Internetverbindung zum Anbieter der App (Showbie Inc.) sowie zu Internetadressen von drei weiteren Unternehmen auf. Keiner der Drittanbieter erhielt relevante Daten.

Kontaktiert wurde Google für die Schriftarten, Intercom Inc. für Nachrichten-Funktionen und PubNub Inc. für die Kommunikation zwischen Lehrer*innen- und Schüler*innen-Gerät. Alle drei erhielten den User-Agent mit Build-Nummer.

Was genau sich hinter Begriffen wie "Build-Nummer" verbirgt, erfahren Sie in unserer Liste: Wichtige Identifier bei Android.

Die App nimmt keinen Kontakt zu Drittanbietern aus den Bereichen Marketing, Analyse oder Werbung auf. Der Dienst selbst erhebt nur notwendige personenbeziehbare Daten.

Sicherheit und Datenschutz

Alle Verbindungen, die Socrative ins Internet aufbaut, sind transportverschlüsselt. Das heißt, dass gesendete Daten zwar theoretisch für den App-Anbieter, ohne Weiteres aber nicht für Dritte einsehbar sind.

Die Datenschutzerklärung liegt nur auf Englisch vor und ist am einfachsten über die App-Seite im Google Play-Store bzw. App-Store abrufbar. Die Datenschutzerklärung ist ausführlich und erläutert getrennt, welche Daten die Lehrer*innen- und welche die Schüler*innen-App erhebt. Zusätzlich zu den im Test beobachteten Daten kann die App auch bei der App für Schüler*innen den Namen der Schule und die Postleitzahl abfragen.

Fazit

Socrative hat ein nachvollziehbares Geschäftsmodell, bindet keine Werbung ein und analysiert Nutzer*innen nicht. Besonders positiv finden wir, dass die App für Schüler*innen ohne Registrierung funktioniert. Sensible Daten über deren Lernfortschritt werden so gar nicht erst erhoben.

Der Autor

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Thorsten Baulig

ist Social-Media-Manager und Autor bei mobilsicher.de. Außerdem kümmert er sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Davor studierte er Kulturwissenschaft in Siegen und Berlin und organisierte kulturelle und stadtteilpolitische Veranstaltungen.

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