Ratgeber

Open-Source-Software: Zwischen Entwicklung und Philosophie

Ein Artikel von , veröffentlicht am 26.01.2020, bearbeitet am26.05.2020

Oft empfehlen wir Ihnen Apps, deren Quellcode offen zugänglich ist. Entwickler*innen, die auf diese Weise Transparenz schaffen, legen häufig besonderen Wert auf Sicherheit und Datenschutz. Was das Konzept „Open Source“ alles kann und wann es an seine Grenzen stößt, erfahren Sie hier.

Das ist Open Source

Open Source heißt wörtlich übersetzt "quelloffen" und beschreibt damit eine wichtige Eigenschaft: Die Quelltexte von Open-Source-Software sind frei verfügbar und für jede*n einsehbar. Unabhängige Dritte können somit nachverfolgen, wie beispielsweise eine App arbeitet und was sie während des Betriebs tatsächlich tut.

So kann die Funktionsweise der Messenger-App Signal jederzeit von unabhängigen Fachleuten überprüft werden. Daher genießt die App ein großes Vertrauen in der Privacy-Community. Häufig nehmen Entwickler*innen von quelloffener Software den Datenschutz sehr ernst und legen einen Fokus auf Sicherheit und Privatsphäre.

Weitere empfehlenswerte quelloffene Apps in unserem Video: Das sind die besten 30 Apps aus dem F-Droid-Store (Android).

Durch die Quellenoffenheit unterscheidet sich Open-Source-Software von sogenannter proprietärer Software. Das ist Software, deren Quelltexte geheim sind, wie beispielsweise beim beliebten Messenger WhatsApp. Niemand kann genau überprüfen, wie die Anwendung während des Betriebs auf dem Smartphone arbeitet. Das ist ein Betriebsgeheimnis – und Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung vermitteln häufig nur eine Ahnung dessen, was im Hintergrund passiert.

Neben der Offenlegung des Codes zeichnet sich Open-Source-Software durch weitere Eigenschaften aus, die in Lizenzen festgelegt sind. Bei diesen Eigenschaften wird auch von Freiheiten gesprochen, die zwischen dem oder der Autor*in des Programms und den Nutzer*innen vereinbart sind.

 

Diese Freiheiten sind:

  • die Software darf ohne Einschränkungen benutzt werden,
  • der Quellcode der Software muss verfügbar sei, um studiert werden zu können,
  • die Software darf ohne Einschränkungen kopiert und ohne Zahlungsverpflichtungen weitergegeben werden,
  • sie darf verändert und in veränderter Form weitergegeben werden.

Es gibt zahlreiche Lizenzen, die sich mitunter stark voneinander unterscheiden. Die vier genannten Punkte beschreiben übereinstimmende Freiheiten. Zu den bekanntesten Lizenzen gehören die GNU General Public License (GPL), die Berkeley-Software-Distribution-Lizenz (BSD) und die Apache-Lizenz.

Quelloffene und proprietäre Software haben gemeinsam, dass sie von Copyright oder Urheberecht Gebrauch machen. Jedoch sind in den Lizenzen die oben aufgeführten Nutzungsfreiheiten festgeschrieben. Ebenso sind Open-Source-Angebote nicht zwingend kostenlos. Apps können Geld kosten oder es wird ein Entgelt für Vervielfältigung oder für Zusatzangebote erhoben.

Open Source: Beginn und Philosophie

Der Begriff Open Source kam erstmals 1998 auf. Davor wurde von „freier Software“ gesprochen, die im Zuge einer Freien-Software-Bewegung seit den 1980er-Jahren bekannt wurde. Freie Software galt als Gegengewicht zu Anwendungen mit stark beschränkten Lizenzen und geheimen Quelltexten von Software-Giganten wie Microsoft, die ab Ende der 1970er-Jahre den Markt dominierten.

Ein wichtiger Schritt innerhalb der Freien-Software-Bewegung war die GNU General Public License (GPL). Sie wurde im Rahmen des Projektes um das Betriebssystem GNU Mitte der 1980er-Jahre aufgesetzt. Die Lizenz schrieb erstmals bewusst spezifische Freiheiten zwischen Autor*in und Nutzer*in fest.

Davor gab es nur die Berkeley-Software-Distribution-Lizenz (BSD), die von der gleichnamigen kalifornischen Universität stammt. Diese Lizenz wurde für ein auf UNIX basierendes Betriebssystem verwendet. Beide Lizenzen sind bis heute Grundlage vieler Open-Source-Lizenzen.

Der mittlerweile populäre Begriff Open Source wird jedoch auch kritisiert: „Freie Software verfolgt eine politische Philosophie, Open Source ist eine Entwicklungsmethodologie", sagte Richard Stallman, Gründer des GNU-Projektes und der Free Software Foundation. Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass "quelloffen" nicht zwingend "frei" bedeutet. Anwendungen können auch als Open Source gelten, wenn die Quellcodes einsehbar, jedoch nicht veränderbar ist.

Vor- und Nachteile des Konzepts

Vorteile

  • Unabhängigkeit: Open-Source-Systeme machen Nutzer*innen unabhängig von einem bestimmten Hersteller. Da der Quellcode offen ist, kann jede*r diesen einsehen, Fehler in der Anwendung oder bei Sicherheitsvorkehrungen offenlegen und beheben. Dazu stellen Entwickler*innen ihre Quelltexte auf Plattformen wie GitHub oder GitLab bereit.
  • Möglichkeit zur Mitarbeit: Wer etwas zur Entwicklung beitragen möchte, kann Fehler melden, Anmerkungen machen oder nach offenen Problemen suchen. Darüber hinaus haben etablierte Open-Source-Projekte eigene Websites, auf denen das Projekt verwaltet wird und Möglichkeiten zur Mitarbeit bestehen.
  • Schwarmintelligenz: Engagieren sich viele durch eigenständiges Schreiben oder mit Hinweisen, können Fehler schneller gefunden und behoben sowie Anwendungen kontinuierlich optimiert werden.

 

Nachteile

  • Kümmert sich nach der ersten Entwicklung niemand mehr um eine Anwendung, kann diese schnell veralten, schlecht funktionieren oder unnötige Berechtigungen enthalten.
  • Es gibt häufig weder Garantien noch einen klassischen Support bei Open-Source-Angeboten. Hier kann jedoch die Community helfen.
  • Ein ideeller Nachteil von quelloffener Software ist, dass freie Software oder Teile davon von Firmen auch für geschlossene und kommerzielle Anwendungen genutzt werden kann, wie beispielsweise bei Android.
Mehr erfahren Sie in unserem Text Wie viel Google steckt in Android?

Wo finde ich quelloffene Apps?

Eine wichtige Adresse für quelloffene Apps für Android ist der App-Store F-Droid, den es seit 2010 gibt. Dort stehen 2259 Apps zum Download zur Verfügung (Stand: Januar 2020). Quelloffene Apps gibt es auch im Google Play Store, sie sind dort aber nicht entsprechend gekennzeichnet: man muss vorher wissen, was man sucht oder die App-Beschreibungen durchforsten.

Die Auswahl an quelloffenen Apps für das iPhone-Betriebssystem iOS ist deutlich kleiner. Beispiele für quelloffene iOS-Apps sind der Messenger Signal, der Werbeblocker AdGuard und die Navigationsapp OsmAnd.

Open Source hat viele Gesichter

Über die Jahrzehnte ist dank ehrenamtlicher Programmierer*innen und gemeinnütziger Organisationen ein großes Angebot an Open-Source-Software entstanden. Bekannte Anwendungen wie der Browser Mozilla Firefox sind quelloffen.

Googles Browser Chrome ist nicht quelloffen. Lediglich ein Teil des Codes wird im Rahmen des Google-Projekts „Chromium Open Source“ veröffentlicht. Daran arbeiten Google-Mitarbeiter*innen sowie externe Unternehmen und Entwickler*innen.

Auch das Betriebssystem Android gilt als quelloffen, weil es auf quelloffenen Komponenten basiert. Seit 2005 gehört die Marke Android dem Google-Konzern, der die Entwicklung bestimmt. Google macht Teile des Codes im Rahmen des „Android Open Source Project“ verfügbar, bestimmte Funktionen und Google-Dienste sind davon aber ausgeschlossen.

Die meisten Smartphone-Hersteller nutzen daher offizielle Google-Versionen von Android auf ihren Geräten. Dafür fallen seit einiger Zeit Lizenzgebühren an.

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