Ratgeber

Social-Media-App TikTok kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 14.07.2020
Foto: antonbe auf Pixabay CC0

Im sozialen Netzwerk TikTok können Nutzer*innen Selfie-Videos hochladen. Die App startete mit Musik, inzwischen gibt’s auch Inhalte zu Comedy, Reisen und mehr. Bei Jugendschutz und Datensicherheit stand TikTok oft in der Kritik. Ein Überblick.

TikTok ist eine Video-App mit Social-Media-Funktionen. Nutzer*innen können dort beispielsweise Musik- und Comedy-Videos aufnehmen, die maximal 15 Sekunden lang sind. Einige Nutzer*innen sind durch die App zu Stars mit mehreren Millionen Fans geworden. 2018 übernahm die App das soziale Netzwerk musical.ly, das sehr ähnliche Funktionen bot.

Sowohl musical.ly als auch TikTok standen in der Kritik, nicht ausreichend gegen pädophilen Missbrauch vorzugehen. mobilsicher.de konnte 2018 zahlreiche Videos dokumentieren, in denen sich sehr junge Mädchen aufreizend darstellten. Fans dieser Videos waren Nutzer, die die Mädchen anspornten und Sammlungen ihrer Videos anfertigten, um sie untereinander zu tauschen.

Zur mobilsicher-Recherche geht es hier: Cyber-Grooming bei TikTok: Neue App, alte Probleme.

Ende 2019 musste TikTok sich dem Vorwurf diskrimierender Moderationsregeln stellen: Videos von queeren und dicken Nutzer*innen sowie von Menschen mit Behinderung wurden laut einer Recherche von netzpolitik.org in der App versteckt. Der App-Betreiber gab an, damit Mobbing vermeiden zu wollen. Auch Inhalte, die sich kritisch gegenüber der Regierung in Peking äußern, wurden laut Guardian wegmoderiert.

TikTok ist heute schon bei Grundschüler*innen sehr beliebt: Laut der Jim-Studie 2019 (PDF) nutzten unter den 12- bis 13-Jährigen 21 Prozent der Befragten die App mehrmals pro Woche. Bei den 18- bis 19-Jährigen waren es nur sieben Prozent. Offiziell darf man das Netzwerk allerdings erst ab 13 Jahren nutzen.

TikTok: Eckdaten

  • Anbieter ist die chinesische Firma Beijing Bytedance Technology Ltd.
  • Medienangaben zufolge hat die App weltweit 800 Millionen aktive Nutzer*innen. In Deutschland nutzen 5,5 Millionen Personen die App aktiv und verbringen dort 50 Minuten pro Tag (Stand 2019).
  • Nutzer*innen können mit echtem Geld digitale „Geschenke“ kaufen und ihren Idolen schicken. Die Beschenkten können diese in echtes Geld eintauschen. Ein Teil des Kaufpreises bleibt dabei bei TikTok.
  • Derzeit etabliert TikTok seine Werbeplattform, über die Unternehmen - ähnlich wie bei YouTube - Werbung auf TikTok schalten können. Nutzer*innen können selber entscheiden, ob sie möchten, dass Unternehmen vor ihren Videos Werbung schalten oder nicht.

TikTok: Privatsphäre

  • Die App liest laut Nutzungsbedingungen die Telefonnummer, SIM-Karten-Nummer und Geräteinformationen aus. Sie speichert Nutzungsdaten und setzt Tracking-Cookies.
  • Diese Daten kann der Anbieter laut Datenschutzerklärung auch an Dritte weitergeben, etwa an Geschäftspartner.
  • Im Juni 2020 geriet TikTok in die Kritik, weil die App den Text der Zwischenablage von iPhones ausliest, während man im Netzwerk Kommentare schreibt. Datenschützer*innen hatten diesen Umstand schon früher problematisiert. TikTok erklärte das Vorgehen als Mittel zur Spam-Bekämpfung und versprach, die Praxis bald einzustellen.

Tipps zur sicheren Nutzung

In der Standardeinstellung sind alle Inhalte, die Nutzer*innen hochladen, öffentlich für alle sichtbar. Das sollten Sie ändern, so dass nur bestätigte Freunde die Inhalte sehen und kommentieren können.

  • In TikTok sind In-App-Käufe möglich – Nutzer*innen können Spezialeffekte für ihre Videos kaufen oder virtuelle Geschenke an ihre Stars schicken. Eltern sollten die Einstellungen für Käufe überprüfen und ihre Kinder auf Kostenfallen aufmerksam machen.
  • Erklären Sie Ihrem Kind typische Annäherungsstrategien ("Cyber-Grooming"): Überbordendes Lob, Aufforderungen, mehr Haut zu zeigen und Versprechen von Ruhm und Geld sollten Alarmsignale sein.
  • Videos, die Sie per Direktnachricht (DM) schicken, können leicht auf anderen Plattformen weiterverbreitet werden und können nicht mehr zurückgeholt werden. Aufforderungen, freizügige Videos per DM zu schicken, sollten ein Alarmsignal sein.
  • Dasselbe gilt für die Aufforderung, die Kommunikation auf eine andere App zu verlegen.
  • Vereinbaren Sie feste Regeln, welche Videos gepostet werden dürfen. Kinder haben auf TikTok nichts zu suchen. Auch Jugendliche sollten dort nicht unbeaufsichtigt sein.
Wie Sie in TikTok und anderen sozialen Netzwerken Nutzer*innen blockieren und melden, erklären wir hier.

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