Ratgeber

Verschlüsselte Messenger: Wire, Hoccer, Kontalk

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Schnell mal eine Nachricht an Freunde und Bekannte schicken? Leicht gemacht, mit Instant Messengern. Dabei muss es schon lange nicht mehr WhatsApp sein. Hier stellen wir weitere sichere Messenger mit interessanten Features vor, die noch nicht so bekannt sind.

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Ende-zu-Ende-Verschlüsselung · Hoccer · Internettelefonie · Kontalk · Messenger · Verschlüsselung · Wire
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Auf einen Blick

  • Wire: Gut finanzierter Newcomer aus Berlin
  • Hoccer: Testsieger mit Besonderheiten
  • Kontalk: Kompromissloser Messenger aus dem Kollektiv

Mit dem wachsenden Sicherheitsbewusstsein vieler Nutzer steigen auch die Anforderungen an Instant Messenger. Ende-zu-Ende Verschlüsselung gilt inzwischen als Standard für sichere Kommunikation. Nachrichten werden dabei direkt auf dem Gerät verschlüsselt und können nur vom Empfänger wieder entschlüsselt werden. Doch nicht immer ist klar, wer sonst noch auf die Schlüssel zugreifen kann.

Auch der Standort der Server, auf denen die Daten liegen, ist entscheidend. Denn davon hängt ab, welchem Datenschutzrecht sie unterliegen. Bekanntlich legen nicht alle Länder den gleichen Wert auf den Schutz persönlicher Daten, insbesondere die USA unterscheiden sich deutlich von europäischen Standards.

Und: Auch bei verschlüsselter Kommunikation fallen Metadaten an, die Rückschlüsse auf das Kommunikationsverhalten zulassen. Deren Verwendung bleibt jedoch oft im Dunkeln.

Hier stellen wir drei neuere, doch bisher weniger bekannte Messenger vor. Alle verfügen über Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und sind zumindest für den privaten Gebrauch kostenlos. Keiner der Anbieter gibt laut eigener Aussage Anwenderdaten an Dritte weiter oder nutzt diese für Werbezwecke.

Wire: Welt am Draht

Der Messenger bietet die gängigen Sicherheitsmerkmale plus interessante Extras. So etwa die Fähigkeit, Fotos vor dem Versand zu bemalen oder Bilder zu zeichnen. Verschlüsselte Telefonie ist ebenso enthalten wie Video-Chats. Sogar Telefonkonferenzen mit bis zu 10 Leuten sollen machbar sein, einschließlich Screen-Sharing, etwa um Präsentationen zu zeigen. Dateien mit bis zu 25 MB kann man versenden. Nachrichten können mit einem Verfallsdatum versehen, und einzeln nachträglich gelöscht werden. Auch für Windows-, Apple- und Linux-Rechner existieren Wire-Versionen.

Laut Aussage des Unternehmens sind auf den Wire-Servern keine Schlüssel hinterlegt, mit denen die Nachrichten von Nutzern entschlüsselt werden könnten. Das heißt: die Firma kann die Nachrichten auf ihren Servern nicht lesen.

Wire nutzt standardmäßig die Google-Play-Dienste – wie die meisten anderen Messenger auch. Anders als an manchen Stellen verbreitet, gibt es derzeit keine Wire-Version; in der keine Elemente von Google enthalten sind. Die App hat aber einen „Rückfallmechanismus“. Das heißt, wenn sie auf einem Gerät läuft, auf dem keine Google-Dienste verfügbar sind, funktioniert sie trotzdem.

Der Programmcode der Wire-App ist für jeden zugänglich (Open Source). Wire nimmt einen Adressbuchabgleich vor, um Kontakte mit Wire-Konto zu finden. Diese Funktion kann aber abgestellt werden. Für die Nutzung ist keine SIM-Karte nötig. Wenn man sich über die Wire-Webseite anmeldet, muss man keine Telefonnummer angeben, sondern kann sich mit einer E-Mail-Adresse anmelden.

Von den drei Wire-Gründern gehören zwei zum Skype-Gründungsteam. Ihnen gelang es, genügend Risikokapital einzusammeln, um den Messenger zu entwickeln. Mittelfristig will sich das Unternehmen durch eine erweiterte Version für den Business-Bereich finanzieren.

Programmiert wird in Berlin, aber das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in der Schweiz und fällt damit unter das eidgenössische Datenschutzrecht. Genaue Nutzerzahlen nennt das Unternehmen nicht, sondern teilt lediglich mit, dass es derzeit einige Millionen Anwender gäbe (Stand Februar 2017).

Die Wire Swiss GmbH versichert, dass die Server ausschließlich in europäischen Ländern mit hohem Datenschutzniveau stehen. Nachrichten würden lediglich 30 Tage auf den Servern vorgehalten und anschließend gelöscht.

Hoccer: Testsieger mit Besonderheiten

Hoccer ist ein deutsches Produkt mit Testsiegel. Die Stiftung Warentest kürte den Instant Messenger im August 2015 zum Testsieger und schrieb zur Begründung: „WhatsApp bietet zwar den höchsten Komfort, greift aber nicht unerheblich in die Privatsphäre seiner Nutzer ein. Der deutsche Testsieger Hoccer geht hingegen vorbildlich mit persönlichen Daten um“.

Hoccer wurde vom jetzigen CTO Pavel Meyer und Geschäftsführer Jerome Glozbach gegründet und 2014 vom Medienunternehmen Ströer übernommen, das unter anderem auch die Portale t-online.de und giga.de betreibt. Nach Angabe von Glotzbach hat Hoccer über drei Millionen Nutzer und Nutzerinnen (Stand Februar 2017).

Die Hoccer-Server befinden sich laut Webseite in Deutschland. Der Programmcode der App ist allerdings nicht für Jedermann einsehbar (nicht Open Source). Daher kann die Sicherheit der App nicht von Dritten überprüft werden.

Hoccer beherrscht Audio- und Videonachrichten sowie Gruppenchats. Eine Desktop-Version ist nicht verfügbar. Die Anmeldung kann anonym erfolgen, denn zur Registrierung benötigt Hoccer keinerlei private Daten wie Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Anwender wählen einfach einen beliebigen Nutzernamen als Synonym für die eindeutige ID, über die sie erreichbar sind.

Hoccer kopiert das Adressbuch standardmäßig nicht auf seine Server. Allerdings bleibt dann unklar, wer aus dem eigenen Bekanntenkreis Hoccer nutzt. Empfänger müssen von Hand eingetragen werden. Optional kann man auch den Abgleich der Kontakte zulassen. Von Hoccer kann eine Version ohne Google Play- Dienste von der Webseite bezogen werden.

Der Messenger wirbt auf seiner Webseite mit einer weiteren Besonderheit: Über den Umgebungsmodus, „Nearby“ genannt, können Nutzer im Umkreis von hundert Metern ohne Austausch jeglicher persönlicher Daten, also völlig anonym, Nachrichten und Anhänge ungeachtet der Größe austauschen. Schüler dürfte das im Klassenzimmer ebenso freuen, wie Reisegruppen.

Kontalk: Gemeinsam für alle

Dieser Messenger unterscheidet sich schon durch seine Organisationsform von der Konkurrenz: Keine Firma und kein Investor steht dahinter. Stattdessen arbeiten Freiwillige aus aller Welt an der Software, die öffentlich zugänglich auf speziell für solche Projekte geeigneten Servern von GitHub verfügbar ist. Dadurch entfällt das Verwertungsinteresse an Nutzerdaten.

Und nicht nur die Software der App, die auf den Endgeräten läuft, ist frei verfügbar, sondern auch die Server-Software. Denn die meisten Messenger benötigen einen Server, über den die Endgeräte miteinander in Kontakt treten können. Erst wenn dieser Teil der Software einsehbar ist, wird klar, welche Daten wirklich gespeichert werden und wie es wirklich um den Datenschutz bestellt ist.

Kontalk baut auf bewährten offenen Standards auf. Die Kommunikation wird über das Protokoll XMPP abgewickelt, das allerdings nur über eine Client-Server-Verschlüsselung verfügt. Deshalb setzt der Messenger zusätzlich das, von der E-Mail-Verschlüsselung bekannte, Verfahren PGP (Pretty Good Privacy) ein, um Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu ermöglichen.

Kontalk-User können dadurch auch mit Nutzern von anderen Chat-Systemen kommunizieren. Beispielsweise mit dem vergleichbaren Messenger Conversations.

Weil die Arbeit an Kontalk auf Freiwilligen beruht, die überwiegend ehrenamtlich arbeiten, hängt der Fortgang des Projekts von deren Prioritäten ab. Daraus können sich Nachteile ergeben. So ist für iOS – genauso wei bei Conversations – keine App verfügbar. Allerdings existiert eine Web-Version. Für Android ist Kontalk nicht nur in Googles Play-Store erhältlich, sondern auch im Appstore F-Droid.

Seit Version 4.0 (Februar 2017) unterstützt Kontalk auch Gruppenchats – wir danken unseren Lesern für den Hinweis.

Kontalk nutzt die Telefonnummer für die Registrierung, womit eine anonyme Nutzung ausgeschlossen ist. Der Messenger kann zwar auch Multimediadaten austauschen, aber Audio- und Videochats sind nicht möglich. Auch läuft die App noch nicht ganz Fehlerfrei. Dementsprechend ist der Kontalk-Nutzerkreis noch recht klein. Dafür können Nutzer an der Entwicklung mitwirken.

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