Kinder und Jugendliche

App-Check: Kaspersky Safe Kids

Ein Artikel von , veröffentlicht am 26.10.2018
Bild: Kaspersky

Bei Privatsphäre und Datensicherheit gibt es für die Kindersicherungs-App Minuspunkte: Sie bietet extreme Überwachungsmöglichkeiten, darunter Standort, Suchbegriffe, Telefon- und Chatverlauf. Sämtliche Daten vom überwachten Gerät landen beim Anbieter, der sie einsehen könnte. Positiv: Nutzer werden gut informiert und können Tracking abwählen.

Das ist Kaspersky Safe Kids

Mit der Kindersicherungs-App von Kaspersky können Eltern die Smartphonenutzung ihrer Kinder einschränken und überwachen. Im kostenfreien Funktionsumfang ist enthalten: das Sperren und Zulassen einzelner Apps, Zeitlimits für Apps und die Gerätenutzung pro Tag, sowie die Überwachung der App-Nutzung. Auch ein Webseiten-Filter ist enthalten, der allerdings nur für Chrome funktioniert.

Mit der Premium-Version für 14,99 im Jahr (Stand Oktober 2018) kann man auch kontrollieren, mit wem das Kind telefoniert oder chattet und wo sich das Gerät befindet.

Um die App zu nutzen, muss der „Überwacher“ ein Konto bei Kaspersky anlegen. Dort kann er die Nutzungsdaten über das Web-Interface ansehen und Einstellungen per Fernzugriff ändern. Alternativ können Eltern eine App auf ihrem eigenen Gerät installieren, um sich diese Informationen anzuschauen.

Die App gibt es für Android und iOS. Anbieter ist die russische Aktiengesellschaft Kaspersky Lab, mit Sitz in Moskau. Kaspersky Lab ist vor allem für seine Antiviren-Software bekannt.

Was gibt es noch an Apps? Hier geht's zu unserer großen Übersicht von Kindersicherungs-Apps.

Transparenz und Datenschutz

Wie bei fast allen Apps dieser Art landen sämtliche Informationen vom überwachten Gerät auf Servern vom Anbieter – also Kaspersky Lab.

Sämtliche Datenströme sind TLS-verschlüsselt und mit Cert Pinning zusätzlich geschützt, sodass wir das Datensendeverhalten der App nicht testen konnten. Die folgenden Informationen beruhen auf Kasperskys eigenen Angaben.

Bevor man die App nutzen kann, muss man der Datenschutzerklärung zustimmen. Daneben fragt die App nach Zustimmung zur sogenannten „Marketing-Erklärung“, nachdem man das Nutzerkonto eingerichtet hat. Darin sind etliche Werbe- und Analysedienste genannt, die laut Kaspersky, eingebunden sind. Zudem wird detailliert beschrieben, welche Daten jeder einzelne Dienst erhält.

Man kann diese Erklärung ablehnen und die App dennoch nutzen. Werbung konnten wir bei dieser Einstellung nicht entdecken – mit Ausnahme der ziemlich penetranten Aufforderungen, die Kaspersky-Premium-Produkte zu kaufen.

Trotzdem begrüßen wir die Transparenz und Wahlmöglichkeit, durch die Kaspersky Safe Kids deutlich vor anderen Kindersicherungs-Apps hervorsticht.

Sicherheit und Privatsphäre

Wie bei allen Diensten dieser Art landen auch hier viele sensible Nutzerdaten beim Anbieter. Diese Daten sind nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt, sodass Kaspersky selbst sie theoretisch ansehen könnte – ebenso wie ein Hacker, der sie von Kaspersky stiehlt.

Noch kritischer ist der Funktionsumfang des Dienstes: So kann die App nicht nur überwachen, wo sich das Gerät befindet, sondern auch, welche Webseiten das Kind aufruft und welche Suchbegriffe es eingibt. Dies ist ein heftiger Eingriff in die Privatsphäre des Kindes.

Man muss dem Anbieter aber zugutehalten, dass er auch diese Überwachung transparent gestaltet. So erscheint auf dem überwachten Gerät, solange die App läuft, eine Meldung, dass andere den Standort und Nutzungsdaten erfahren können.

Fazit: Trotz allem nicht empfehlenswert

Die App bietet Überwachungsfunktionen an, die pädagogisch äußerst fragwürdig sind. In Sachen Datenschutz ist sie geringfügig besser als vergleichbare Produkte, da Trackingdienste abgewählt werden können.

Alle Daten vom Kindergerät landen aber beim Anbieter. Weil sie den Nutzer transparent informiert, schneidet sie zwar besser ab, als manche andere Produkte - empfehlen können wir sie aber trotzdem nicht.

Die Autorin

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Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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