Kinder und Jugendliche

Android-Smartphone teilen? So funktionieren Nutzerkonten

Ein Artikel von , veröffentlicht am 07.07.2017, bearbeitet am27.12.2018
iStock.com/Liderina

Bei Android-Geräten kann man Nutzerkonten mit eingeschränkten Rechten anlegen. Das ist praktisch, wenn Sie das eigene Gerät zum Beispiel Ihrem Kind in die Hand geben wollen. Wir erklären, wie es geht und welche Fallstricke es dabei gibt. Allerdings unterstützen nicht alle Hersteller die Funktion.

Was ist ein Nutzerkonto?

Die Kinder quengeln im Wartezimmer oder wollen auf der Autofahrt unbedingt daddeln? In diesen und vielen anderen Situationen landet oft das eigene Gerät in Kinderhänden.

Aber was, wenn die Kinder die Warnung "Jetzt alle Daten löschen" einfach nicht lesen? Oder die WhatsApp-Nachricht ausversehen an Ihren Chef schicken? Um solche Katastrophen zu verhindern, bieten sich Nutzerkonten an.

Nicht alle Smartphone-Hersteller unterstützen die Nutzerkonten-Funktion. Wenn Sie in den Geräte-Einstellungen den Punkt "Benutzer" nicht finden, gehört Ihr Modell leider dazu.

Auf den meisten Android-Smartphones ab Version 5.0 (Lollipop) und auf Tablets ab 4.2 (Jelly Bean) kann man mehrere Benutzerkonten einrichten. Damit bekommt jeder Nutzer seinen eigenen Bereich auf dem Gerät: In jedem Konto werden nur die eigenen E-Mails, Kontakte, Spielstände und Apps angezeigt. Selbst der Bildschirmhintergrund lässt sich für jeden Benutzer einzeln einstellen. Die Konten lassen sich jeweils mit einem eigenen Passwort schützen.

Es gibt nur einen Chef

Nicht alle Benutzerkonten sind gleichberechtigt. Beim ersten Einrichten des Geräts wird automatisch ein erstes Benutzerkonto angelegt. Dieses bekommt die Eigenschaft „Eigentümer“. Nur der Eigentümer darf bei Android alle Einstellungen des Geräts verwalten. Insbesondere kann nur er:

  • Andere Nutzerkonten löschen und anlegen
  • Apps von anderen Nutzerkonten löschen
  • Das Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzen
  • Systemeinstellungen vornehmen
  • Per USB-Schnittstelle kann er mit Hilfe eines Computers auch auf die Daten der anderen Nutzer zugreifen

Nutzerkonto anlegen und Google-Konto verbinden

Die Funktion finden Sie in den Geräteeinstellungen unter dem Punkt "Benutzer". Wählen Sie nicht den Punkt "Konten" dort versteckt sich eine ganz andere Funktion.

Legt man einen neuen Benutzer an, muss dieser den gleichen Einrichtungsprozess durchlaufen, wie bei der ersten Telefonbenutzung. Der Mitnutzer kann dann auch sein eigenes Google-Konto nutzen. Man kann aber auch das Google-Konto verwenden, mit dem der "Eigentümer" verbunden ist. Sollte die gemeinsame Nutzung einmal enden, kann jeder Benutzer sein Konto auch selbst wieder entfernen.

Zugriff auf SIM-Karte regeln

Meistens lässt sich einstellen, ob der Mitbenutzer Zugriff auf die SIM-Karte hat, also Anrufe und SMS machen kann. Gehen Sie dazu in den Einstellungen auf den Punkt "Benutzer", und tippen Sie auf das Zahnradsymbol neben dem Nutzerkonto.

Tippen Sie auf das Zahnrad.
Wenn Sie den Zugriff erlauben, kann der Mitbenutzer Ihre Anrufliste, Ihre SMS und eingehende Anrufe sehen. Wenn Sie den Zugriff nicht erlauben, kann der Mitbenutzer nicht telefonieren und keine SMS schicken.

Nutzerkonto wechseln

Wenn das Gerät gesperrt ist, erscheint auf dem Sperrbildschirm in der oberen rechten Ecke ein Kreis mit einem symbolischen Männchen. Tippen Sie darauf, um das richtige Nutzerkonto auszuwählen. Bei manchen Geräten muss man auch zuerst einmal von oben nach unten über den Bildschirm wischen.

Hier geht es zu den Nutzerkonten.

PIN nach Neustart eingeben

Viele Android-Geräte zeigen nach einem Neustart erstmal einen Bildschirm, auf dem man den PIN des Eigentümers eingeben soll, bevor man die Nutzerkonten auswählen kann. In der Regel findet sich unten links aber ein Button mit der Aufschrift "Zurück". Wenn Sie darauf tippen, gelangen Sie auf den Sperrbildschirm, auf dem Sie dann den richtigen Benutzer auswählen können.

So kann Ihr Kind sein eigenes Konto auch nach einem Neustart benutzen.

Gastkonto

Bei vielen Geräten ist ein Gastkonto voreingestellt. Dieses Konto speichert keine Einstellungen. Wenn Sie zum Beispiel eine Bildschirmsperre einrichten, ist diese wieder verschwunden, sobald Sie sich aus dem Gastkonto ausloggen.

Das hat gewisse Nachteile, wenn es um die Einschränkung von Kindern geht. Denn vorinstallierte Apps, wie zum Beispiel YouTube, der Play-Store und ein Internetbrowser, sind auch in diesem Konto verfügbar. Und auch der Zugriff auf WLAN und mobiles Internet funktioniert global für alle Nutzerkonten. Das bedeutet, dass über das Gastkonto stets ein ungeschützter Zugriff ins Internet besteht.

Wenn das Gerät mobil ins Internet geht, kann das je nach Vertrag teuer werden, wenn Ihr Kind zum Beispiel auf der Autofahrt anfängt, YouTube-Videos zu schauen.

Das Gastkonto kann man nicht entfernen, man kann es aber meistens deaktivieren. Die Funktion ist allerdings je nach Hersteller unterschiedlich implementiert. Manchmal können Sie auch verhindern, dass das Gastkonto auf dem Sperrbildschirm auswählbar ist, indem Sie diese Einstellung vornehmen:

  • Navigieren Sie in den Geräteeinstellungen zum Punkt "Benutzer
  • Tippen Sie auf die drei Punkte oben rechts
  • Entfernen Sie den Haken bei "Nutzer auf Sperrbildschirm hinzu."
Tippen Sie auf die Checkbox, um den Haken zu entfernen.

Grenzen des Nutzerkontos

Das Nutzerkonto eignet sich, um die eigenen Daten von den Daten eines Mitbenutzers zu trennen. Um den Zugriff auf Apps und Inhalte zu beschränken, ist es alleine nicht ausreichend.

Denn kritische Apps wie den Play-Store, YouTube oder den Browser können Sie nicht deinstallieren. Hier müssen Sie zusätzlich mit einer Sicherungs-App arbeiten, die ein Passwort vor andere Apps legt. Wir empfehlen dazu zum Beispiel die App App Lock von Reping, oder TimeLimit Jonas Lochmann.

Wenn Sie so eine App benutzen, empfiehlt es sich, dem Kind ein extra Nutzerkonto einzurichten, da es solche Apps ansonsten über den abgesicherten Modus entfernen kann. Das Szenario ist eher unwahrscheinlich, ein ehrgeiziger Sprössling könnte per Internetrecherche aber auf diese Möglichkeit stoßen.

Was es mit dem abgesicherten Modus auf sich hat, erklären wir in diesem Abschnitt unseres Texts Was tun bei Infektionen? Hier geht es außerdem zu unserem großen Check beliebter Kindersicherungs-Apps.

Andere Lösungen

Neben den Nutzerkonten gibt es auf den meisten Tablets ab Version 4.2 („Jelly Bean“) auch die eingeschränkten Profile. Manchmal sind sie auch auf Smartphones verfügbar. Mit den Profilen lässt sich der Funktionsumfang noch deutlich stärker einschränken.

Samsung hat zum Thema Kinder eine ganz eigene Lösung entwickelt, die sich Kindermodus nennt.

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Die Autorin

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Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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