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Diagnose fürs Handy: Was bringen die Untersuchungs-Apps?

Ein Artikel von , veröffentlicht am 24.08.2023, bearbeitet am25.08.2023
Foto: BongkarnThanyakij

Für Handys gibt es Instrumente, mit denen man messen kann, ob bestimmte Dinge da drinnen richtig funktionieren. Oft sind das einfach Apps wie Castro oder Phone Doctor.

Wenn wir uns schlecht fühlen, dann messen wir unsere Temperatur. Wenn das Thermometer eine hohe Temperatur anzeigt, wissen wir, dass es tatsächlich Fieber ist.

Die Idee gibt es auch fürs Smartphone: Vielleicht hattet ihr schon mal das Gefühl, dass etwas mit den Farben auf dem Display nicht stimmt oder dass der Akku nicht mehr in Ordnung ist?

Auch für Handys gibt es Instrumente, mit denen man messen kann, ob bestimmte Dinge da drinnen richtig funktionieren. Oft sind das einfach Apps, die ihr euch herunterladen könnt.

Wir wollten wissen: Was kann man mit Apps alles herausfinden und was taugen die kleinen Helfer? Zuerst geht es um allgemeine Tipps und freie Apps, dann um Allrounder-Diagnosen.

Per Software den Akku prüfen

Batterien nutzen sich mit der Zeit bei jedem Handy ab. Das kann man nicht ganz verhindern, nur ein bisschen abmildern.

Von den meisten Apps, die ihr im zum Thema „Akku-Optimierung“ findet (und das sind sehr, sehr viele) können wir nur abraten.

Apps, die versprechen, den Akku zu verbessern, sind unseriös, denn „verbessern“ lässt sich ein Akku nicht.

Viele Apps dieser Art versuchen, in das Lademanagement einzugreifen und versprechen damit, den Verschleiß zu minimieren. Aber auch hier ist der Nutzen eher zweifelhaft, denn das integrierte Lademanagement von aktuellen Smartphones ist in der Regel besser auf das Gerät abgestimmt. Kostenlose Drittanbieter-Apps bringen da nur selten einen Vorteil. Dafür ziehen sie aber gerne Nutzerdaten ab und belasten den Akku eventuell noch zusätzlich.

Eine Akku-Prüf-App hilft euch nur dann weiter, wenn ihr wissen wollt, ob es schon Zeit für einen Akkuwechsel ist, oder ob vielleicht nur die Ladestandanzeige ein bisschen durcheinander ist.

Ladestandanzeige kalibrieren

Schon gewusst? Die Funktion, die euch anzeigt, wie voll euer Akku ist, kann manchmal falsch sein. Dann hilft es, sie zu kalibrieren. Hier erklären wir, wie das geht.

Was bedeutet „gesunder Akku“ überhaupt?

Die entscheidende Kenngröße für den Zustand des Akkus ist dessen tatsächlich Kapazität, wenn er vollgeladen ist. Diese Zahl wird in Milliamperestunden (mAh) angegeben und sagt aus, wie viel Energie der Akku noch maximal speichern kann. Sie nimmt im Laufe der Zeit ab.

Wann ist es Zeit für den Akku-Wechsel?

Wenn euer Akku noch bis zu 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität hat, ist das ein ordentlicher Wert. Ein Akkuwechsel wird keine große Verbesserung bringen. Sinkt die Ladestandanzeige trotzdem schnell, wird vielleicht eine Kalibrierung helfen.

Wenn die Kapazität unter 80 Prozent liegt, ist es Zeit, über einen Wechsel nachzudenken. Aber es ist natürlich Geschmacksache, welche Akkulaufzeit für euch noch tolerierbar ist.

Auf dem Akku steht die sogenannte Nennkapazität. Das entspricht ungefähr der Energiemenge, die der Akku im neuen Zustand maximal speichern konnte. Wenn der tatsächliche Wert deutlich geringer ist als diese Nennkapazität, dann geht es dem Akku nicht mehr so gut.

Bei vielen Handys liefert euch das Akkumanagement diese Information in den Geräteeinstellungen. Zum Beispiel bei iPhones in den Batterie-Einstellungen und bei Samsung-Geräten über die Members-App.

Diese Information kann in Form einer Prozentangabe kommen, oder nur „gut“ oder „schlecht“ sein, das hängt vom Modell ab. Schaut mal in euren Einstellungen unter „Akku“ oder „Batterie“.

Es gab mal Verwunderung darüber, dass die Akkus von iPhones oft noch lange bei 100 Prozent stehen. Das ist aber unrealistisch. Der Grund: Apple rechnet immer mit der theoretischen Kapazität des neuen Akkus, also der Nennkapazität. Oft hat er aber real sogar einige mAh mehr Kapazität als auf dem Papier. Also fällt er erst nach einiger Zeit unter 100, weil er mit mehr als 100 Prozent startete. Auch die Temperatur und verschiedene andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächliche Kapazität auch bei einem neuen Akku von der Nennkapazität abweicht.

Codes für Akku-Infos

Code *#0228# zeigt euch bei manchen Geräten von Samsung ein Menü mit Akku-Infos. Gebt ihn einfach über das Wählfeld ein, wie beim Telefonieren. Wenn im Feld „Level Block“ bei 100 Prozent geladenem Akku eine 8 steht, sollte alles gut sein. Das ist allerdings eine von Samsung unbestätigte Info. Habt ihr es mal ausprobiert? Dann gebt uns gerne ein Feedback an redaktion@mobilsicher.de

Für Samsung-Geräte führt euch der Code *#0*# in ein Testmenü, bei dem ihr auch verschiedene andere Dinge testen könnt. Es ist aber nur auf Englisch und für Unerfahrene verwirrend gestaltet.

Fazit: Eine extra App ist nur sinnvoll, wenn euer Telefon keine Akku-Information anbietet, oder wenn euch die Information unglaubwürdig vorkommt. Es gibt zum Beispiel Berichte, dass die Samsung-App den Akku schlecht bewertete, obwohl er noch okay war. Hier lohnt sich dann eine „zweite Meinung“.

Display auf Fehler checken

Neben dem Akku ist das Display die empfindlichste Stelle des Smartphones. Falls es euch runtergefallen ist und einen Riss hat, braucht ihr dafür keine App. Das sieht man auch so.

Es gibt aber auch den Fall, dass euer Bildschirm einzelne fehlerhafte Pixel hat. Es gibt drei verschiedene Arten von Pixelfehlern: Immer weiß (englisch „hot pixel“), immer schwarz („dead pixel“) und „feststeckende Pixel“ („stuck pixel“). Jedes Pixel besteht nämlich aus den Farben Rot, Grün und Blau. Wenn es feststeckt, schafft es den Wechsel nicht mehr und es kommt zu Verfärbungen.

Hilfe bei hängenden Pixeln

Zumindest bei den feststeckenden Pixeln kann man darauf hoffen, dass ein rot-grün-blau leuchtendes Video hilft. Zum Beispiel dieses hier. Vorsicht, das ist nichts für Epileptiker*innen, und auch allen anderen empfehlen wir: nicht hinschauen. Der schnelle Farbwechsel soll die hängenden Pixel wieder lösen. Lasst es dafür einfach eine Stunde im Vollbild laufen. Wir haben dazu keine wissenschaftliche Bestätigung gefunden. Aber es gibt viele Berichte, denen zufolge es helfen soll. Auch hier freuen wir uns über Berichte, ob es wirklich klappt, an redaktion@mobilsicher.de

Meistens sieht man Fehlerpixel mit dem bloßen Auge, aber wenn ihr euch nicht sicher seid, helfen Apps wie Castro oder einfache Videos mit Testbildern. Die zeigen euch dann Farben an, mit dem ihr besonders gut sehen könnt, ob da irgendwas nicht reinpasst – weil es zum Beispiel bläulich verfärbt ist.

Touch-Funktion testen

Probleme gibt es auch häufiger mit der Touch-Funktion. Die Touch-Funktion funktioniert durch eine dünne Schicht mit elektrischer Ladung direkt über dem eigentlichen Display. Wenn ihr die berührt, verändert das die Ladung und euer Handy kann erkennen, wo es angetippt wurde.

Wenn der Touchscreen kaputt ist, kann das Handy an einer oder mehreren Stellen keine Signale mehr erkennen. Das merkt ihr wahrscheinlich beim Bedienen sowieso. Castro oder eine andere Test-App (mehr dazu unten) kann euch helfen, die genaue Position des Fehlers zu erkennen.

Welche Diagnose-Werkzeuge gibt es?

Einige Hersteller haben Funktionen auf ihren Geräten vorinstalliert, die uns einen Eindruck geben sollen, wie es dem Gerät geht. Samsung stellt seit zwei Jahren die oben erwähnte Members App zur Verfügung. Dort kann man verschiedene Funktionen des Handys selber testen. Zum Beispiel die Reaktion des Touchscreens oder die Sensoren. Auf iPhones und anderen Android-Geräten könnt ihr zumindest den Prozent-Wert für den Alterungsstand der Batterie sehen.

Wir verweisen hier immer wieder auf Samsung oder Apple. Das ist keine Empfehlung. Aber wir wissen, dass diese großen Hersteller viele von euch interessieren, weil ihre Handys so oft verkauft werden.

Open-Source-Tools für die Diagnose

Wir sind grundsätzlich Fans von FOSS - das steht für Free and Open Source Software und bezeichnet Programme, deren Programmcode frei zur Verfügung steht.

Daher haben wir euch hier ein paar Open-Source-Anwendungen herausgesucht.

Die erste basiert auf einem Diagnosetool des Handy-Hersteller Fairphone. Freiwillige Entwickler*innen haben das Tool weiterentwickelt, so dass es nun auch auf den meisten anderen Android-Geräten funktioniert. Das Programm aus dem freien App-Store F-Droid gibt euch Infos zu Display, Lautsprechern, Mikrofon, Mobilfunk, WLAN und Vibration.

Für IT-Profis haben wir einen Tipp von Android-Experte Andreas Itzchak Rehberg: Er hat Programme entwickelt, mit denen man so ziemlich alle Daten von Android-Geräten auslesen kann. Das wichtigste Programm heißt Adebar und ihr könnt euch hier ein paar Beispiele der Daten ansehen, die er damit aus dem Handy holt. Aber wie gesagt, das ist nur etwas für Leute, die sich ein bisschen mit dem Entwicklermodus von Android auskennen und schon mal Linux benutzt haben oder sich das zutrauen.

Hier findet ihr drei kostenlose F-Droid-Apps für Handy-Infos

BatteryBot: Infos zum Ladestand und dem allgemeinen Zustand der Batterie.

CPU Stats: Diese App liest Daten zu eurem Handyprozessor und zeigt sie euch an. Wie für die obige gilt aber auch hier: Man muss sich schon ein bisschen auskennen, um daraus eine Diagnose über das Handy abzuleiten.

Voodoo Screen Test Patterns: Hier könnt ihr mit Testfarben schauen, ob euer Handybildschirm noch die richtigen Farbtöne anzeigt.

Kommerzielle Allrounder-Apps

Daneben gibt es auch Apps wie Castro – Systeminfo (nur Android), Phone Doctor Plus (aktuell nicht mehr im Google Play Store verfügbar) oder Device Status (nur für iPhone), mit denen ihr verschieden Funktionen testen könnt.

Die App Castro – Systeminfo von Entwickler Pavlo Rekun aus der Ukraine ist beim Datenschutz laut Exodus-Report besonders gut und bietet viele spannende Tests gratis. Für zwei Euro gibt es noch mehr Möglichkeiten. In Sachen Datenschutz ist die kostenloste App Phone Doctor Plus nicht perfekt, aber mit zwei von uns gefundenen Trackern nur moderat datenhungrig. Und ihr könnt die App nach einem Test ja auch gleich wieder von euren Handys löschen.

Alternativen wie DevCheck Device haben weniger Nutzer*innen und kosten Geld oder haben besonders penetrante Werbung wie im Fall von Test My Android Phone.

Was ihr sonst noch untersuchen könnt

Die Allrounder-Apps wie Castro lassen euch eine Menge der internen Bauteile testen. Beim Vibrationsmotor gibt es einfach einen kurzen Testlauf. Bei den Lautsprechern hört ihr einen Test-Ton und bei der Kamera seht ihr ein Testbild.

Was den Prozessor und den Speicher angeht, könnt ihr euch den freien Speicherplatz anzeigen lassen. Allerdings ginge auf eurem Handy sowieso kaum noch was, wenn der Speicher oder der Prozessor kaputt wären.

Deshalb zum Abschluss noch mal der Hinweis: Diese Untersuchung des Handys hilft vor allem dann, wenn ihr euch noch nicht sicher seid, wo es genau hakt. In vielen Fällen ist das aber auch offensichtlich: Wenn die Kamera kein Bild mehr anzeigt oder wenn ihr keine Musik mehr aus dem Lautsprecher hören könnt.

Diagnosetools sind nett. Aber jede Diagnose muss am Ende ein Mensch einordnen. Egal ob ein Mensch untersucht wird oder ein Smartphone.

 

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Jonas Bickelmann

Leitet die Redaktion von mobilsicher. Er studierte Philosophie, machte ein Volontariat bei einer Berliner Tageszeitung und schreibt nicht nur gerne über grünere Smartphones, sondern als freier Autor auch über Reisen und Kultur.

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