App-Test

Navi-Apps im Check: OsmAnd – gute Alternative

Ein Artikel von , veröffentlicht am 19.09.2018, bearbeitet am23.11.2018
Screenshot osmand.net

OsmAnd ist quelloffen und nutzt Kartenmaterial des nicht-kommerziellen Projekts OpenStreetMap. Die werbefreie App überlässt es auf Android den Nutzern, ob sie zahlen wollen oder nicht. OsmAnd ist eine datensparsame Alternative, für kritikwürdig halten wir jedoch die Integration eines Facebook-Analyse-Dienstes.

Das ist OsmAnd

Die App OsmAnd setzt auf Material des nicht-kommerziellen Kartendienstes OpenStreetMap. Als Nutzerin oder Nutzer müssen Sie Karten einzeln auf das Gerät laden und können erst dann mit der Navigation loslegen.

Über Erweiterungen lassen sich verschiedene Zusatzinformationen einblenden, beispielsweise Ski- und See-Karten oder Netze des öffentlichen Personennahverkehrs. Die App ist komplett werbefrei.

OsmAnd ist quelloffen. Das heißt, die Bauanleitung der App ist öffentlich einsehbar. Die App gibt es für iOS und Android. Die Android-Version ist im Play-Store von Google verfügbar und im alternativen App-Store F-Droid. Im Play-Store kommt OsmAnd auf mehr als fünf Millionen Downloads.

Anbieter der App ist das niederländische Unternehmen OsmAnd B.V.

Google Maps, Karten (Apple), OsmAnd und Co.: Hier geht’s zu unserer Serie: Navigations-Apps im Check.

Kartenbasis und Geschäftsmodell

OsmAnd greift auf Kartenmaterial von OpenStreetMap zurück. Über eine Erweiterung können Sie zusätzliche Quellen laden, darunter auch Satellitenbilder von Microsoft Earth.

Im Play-Store gibt es eine kostenlose Basisversion, in der Sie sieben Einzelkarten herunterladen und darauf auch offline zugreifen können. Sie können über In-App-Käufe zusätzliche Karten und Funktionen aktivieren. Die Premium-Version OsmAnd+ mit unbegrenztem Kartenzugriff ist für 8,99 zu haben (Stand September 2018).

Die kostenlose App-Version aus dem alternativen Android-Store F-Droid dagegen entspricht der Bezahlversion aus dem Play-Store. Auch die Funktion OsmAnd Live, die für eine stündliche Aktualisierung des Kartenmaterials sorgt, lässt sich in der F-Droid-Version kostenlos aktivieren. In der Play-Store-Version müssen Sie dafür ein monatliches Abonnement abschließen.

Als Android-Nutzerin oder Nutzer können Sie sich faktisch also aussuchen, ob Sie für die App bezahlen möchten. Der Anbieter bittet auf F-Droid allerdings, das Projekt mit Spenden zu unterstützen. Einen Teil der Spenden und der Einnahmen gibt die Firma an OpenStreetMap weiter.

Mehr über F-Droid erfahren Sie in unseren Hintergrundartikel. Im Text So installieren Sie den App-Store F-Droid erläutern wir, wie Sie F-Droid einrichten und nutzen.

Für iOS gibt es eine kostenlose Basisversion mit optionalen In-App-Käufen. Der Zugriff auf alle Karten der Welt kostet 6,99 Euro, Karten für einzelne Kontinente jeweils 3,49 Euro. Eine mit OsmAnd+ vergleichbare iOS-Premiumversion bietet das Softwareprojekt nicht an.

OsmAnd im Datentest

Wir haben die kostenlose Android-App aus dem Play-Store (Version 3.1.5) und die Premiumversion aus F-Droid (Version 3.1.6) getestet.

Die Basisversion aus dem Play-Store nahm im Test Kontakt auf zum Hauptdienst OsmAnd, zum Kartendienst sowie zu Facebook und Google und übertrug Nutzerdaten. Die Version aus F-Droid nahm ausschließlich Verbindung zum Hauptdienst und zum Kartendienst auf.

Überraschende Facebook-Integration

Überrascht hat uns, dass die App aus dem Play-Store nach dem Start eine Verbindung zu Facebook aufbaut. Sie überträgt dabei Basisdaten, darunter Uhrzeit und Sprache des Nutzers, den App-Namen und das Gerätemodell. Außerdem landet die Werbe-ID bei Facebook. Verantwortlich dafür ist ein integrierter Dienst von Facebook, mit dem App-Anbieter messen können, wie effektiv die Werbung ist, die sie auf Facebook schalten.

Das Problem: Facebook kann die Werbe-ID mit anderen Daten über den Nutzer verknüpfen, zum Beispiel mit dem Facebook-Konto. Der Konzern wertet diese Informationen für zielgerichtete Werbung aus.

Im Text Smartphone-Nutzer sollten jetzt ihre Werbe-ID ändern erfahren Sie mehr über diesen Identifier und wir erklären, wie Sie die Profilbildung mittels Werbe-ID erschweren können.

Positiv: Die Version aus F-Droid baut keine Verbindung zu Facebook auf. Auf Nachfrage heißt es bei OsmAnd, dass das Facebook-Tool auch bei der Android-Premium-Version aus dem Play-Store nicht zum Einsatz komme.

Nutzeranalyse mit Firebase Analytics (Google)

Die Basisversion aus dem Play-Store nutzt das Modul Firebase Analytics, einen von Google angebotenen App-Baustein für Analysefunktionen. OsmAnd überträgt dabei die Werbe-ID sowie verschiedene Basisdaten wie das Land und die Sprache des Nutzers, den App-Namen und das Gerätemodell.

Auch diesen Dienst haben wir in der Version aus F-Droid nicht gesehen.

Hauptdienst und Kartenserver

Die App nimmt Kontakt mit der Datenbank des Hauptdienstes auf und überträgt Standortdaten sowie Suchanfragen. Anders würde der Dienst auch nicht funktionieren. Überraschend: Zusätzlich wird die Android-ID übertragen. Auf Nachfrage hieß es bei OsmAnd, man nutze die ID, um Installationen und Deinstallationen zu verfolgen.

Zusätzlich konnten wir Verbindungen zu OpenStreetMap und zu dem Amazon-Cloud-Dienst Cloudfront.net beobachten. Die Dienstes des Amazon-Cloud-Servers nutzt OpenStreetMap, um schnell Bilder bereitzustellen. Dabei landen keine Nutzerdaten bei Amazon.

Berechtigung "Geräteadministrator"

Man kann der App den Status "Geräteadministrator" einräumen. Sie fragt das bei der Installation zwar nicht ab, aber OsmAnd erstellt einen Eintrag  im entsprechenden Menü.

Wer jetzt alarmiert ist, den können wir beruhigen: Die App läuft auch ohne diese weitreichende Berechtigung einwandfrei. Benötigt wird sie für eine spezielle Energiespar-Funktion im Fahrad- und Wander-Modus, bei der sich der Bildschirm abschaltet und von selbst wieder einschaltet, sobald eine Abzweigung kommt.

Was es mit der Berechtigung auf sich hat und wo man sie verwalten kann, erklären wir in unserem Beitrag Android: Was bedeutet "Geräteadministrator"?

Das sagt die Datenschutzerklärung

Die Datenschutzerklärung ist nur auf Englisch verfügbar und erfreulich übersichtlich – leider aber auch unvollständig. Weder zur Integration von Facebook noch zur Integration des Google-Dienstes Firebase Analytics findet sich ein Hinweis.

Obwohl in dem Dokument steht, dass OsmAnd keine personenbezogenen Daten erfasst, überträgt die App die Android-ID an die App-Server. Die Android-ID gehört nach unserer Einschätzung zur Kategorie der personenbezogenen Daten, da sie eindeutig und unveränderbar ist.

Originell: Als Ersatz für die fehlenden Versionen in anderen Sprachen hat OsmAnd in die Datenschutzerklärung die Übersetzungsfunktion von Google Translate eingebaut.

Fazit

Vor allem die Datenweitergabe an Facebook bei der Basis-App halten wir für ein Manko.

Die Version aus F-Droid und die Premium-Version aus dem Play-Store können wir aber uneingeschränkt empfehlen, da beide trackingfrei sind. Da sich eine solche App nicht kostenlos bereitstellen lässt, sollten Sie eine angemessene Spende nicht vergessen, falls Sie die Version aus F-Droid nutzen.

Hier geht’s zu unserer Übersicht Navigations-Apps im Check

Geschrieben von

E-Mail

hinweis@mobilsicher.de

PGP-Key

0x3D753571A5FEF1F4

Fingerprint

89A8 1651 BB1F 49E0 7F6E 610D 3D75 3571 A5FE F1F4

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Apples App-Store: Marktplatz ohne Alternativen

Nutzer*innen von iPhones und iPads bekommen Apps nur in Apples eigenem App-Store. Das soll ihrer Sicherheit dienen - dafür macht Apple aber auch die Regeln. In der Kritik steht der Store auch wegen seines Umgangs mit Apps anderer Firmen. Alternative iOS-Stores gibt es allerdings nur nach einem Jailbreak.

Mehr
App-Test 

Medizin-App Tinnitracks im Test: Empfehlenswert

An der App gegen Tinnitus gibt es wenig zu meckern: Als Medizinprodukt zertifiziert, von vielen Krankenkassen anerkannt, das Wirkprinzip medizinisch gut untersucht - und auch beim Datenschutz schneidet sie gut ab. Nur an zwei Stellen müsste man nachbessern.

Mehr
YouTube-Video 

Play Protect: Virenschutz made by Google

Google Play Protect ist eine in den Play Store integrierte Anwendung zum Schutz vor Schadware. Sie scannt alle Apps auch nach der Installation. Ihr wird mehr zugetraut als externen Anbietern, der Zugriff des IT-Giganten auf Nutzerdaten steigt durch Google Play Protect aber noch weiter.

Ansehen
Kostenfallen 

Unbekannte Kosten auf der Handyrechnung

Wenn auf der Handyrechnung plötzlich Kosten auftauchen, von denen man nicht weiß, woher sie kommen, ist guter Rat teuer. Denn nicht selten stecken professionelle Betrüger dahinter. Was kann man gegen solche Forderungen tun? Wie können Nutzer vorbeugen?

Mehr