Browser und Suchmaschinen

Ecosia: Suchen und Bäume pflanzen

Ein Artikel von , veröffentlicht am 08.09.2019

Die Suchmaschine Ecosia wird in Berlin entwickelt und setzt auf Umweltschutz. Wer sie nutzt, unterstützt das Pflanzen von Bäumen. In Sachen Datenschutz könnte das Unternehmen aber noch mehr für die Nutzer*innen tun. Die Ecosia-Apps können wir momentan nicht empfehlen.

Das ist Ecosia

Die Suchmaschine Ecosia wird von der gleichnamigen GmbH mit Sitz in Berlin betrieben. Gegründet wurde sie 2009 von dem Unternehmer und Umweltaktivisten Christian Kroll.

Das Besondere an Ecosia: 80 Prozent ihrer Einnahmen investiert die Firma in Aufforstungsprojekte. Ecosia hat keinen eigenen Suchindex, sondern liefert Ergebnisse von Microsofts Suchmaschine Bing.

Sie können die Suchmaschine sowohl im Browser Chrome als auch in Firefox mit wenigen Klicks einrichten.

Wie das genau geht, erklären wir in unseren Konfigurations-Anleitungen für Browser. Hier geht's zur Video-Anleitung für Firefox (Android), hier zu den Textanleitungen für Chrome (Android) und Safari (iOS).

Datenschutz Website: Das geht noch besser

Ecosia ist ein relativ datensparsamer Dienst. Microsofts Suchmaschine Bing erhält bei jeder Suche zwar die IP-Adresse, die Suchanfrage und Informationen zum verwendeten Browser des*der Suchenden - diese Daten löscht Bing aber nach vier Tagen. Ecosia löscht IP-Adressen nach sieben Tagen und behält nur die Suchanfragen.

Ärgerlich: Standardmäßig ist der Modus „personalisierte Suche“ aktiv. Dabei erzeugt Ecosia eine eindeutige Kennnummer für jede*n Nutzer*in und sendet sie an Bing. Bing speichert dann die zugehörigen Sucheingaben und passt die Suchergebnisse darauf an.

Ist im Browser die Einstellung „Do Not Track“ aktiviert, leitet Ecosia keine Kennung an Bing weiter. Alternativ können Sie im Ecosia-Menü (drei Striche oben links) die personalisierte Suche abschalten.

Wer auf ein YouTube-Video in den Suchergebnissen klickt, landet direkt bei YouTube. Eine Warnung, wie etwa bei DuckDuckGo, erfolgt nicht.

Erfreulich: Die Informationen zum Datenschutz sind ausführlich und verständlich.

Ecosia App: Nicht empfehlenswert

Ecosia bietet eine eigene Browser-App für Smartphones. Die Android-Version basiert auf Chromium und verzichtet selbst auf grundlegende Verbesserungsmöglichkeiten für Privatsphäre und Sicherheit.

So kann man weder einen echten Werbeblocker noch einen echten Trackingschutz einrichten. Standardmäßig werden alle Cookies akzeptiert und "Do Not Track" ist deaktiviert. Man kann keine Startseite einstellen. Erweiterungen wie bei Firefox gibt es ebenfalls nicht.

Ähnlich sieht es bei der iOS-App aus: Es handelt sich um einen extrem abgespeckten Browser ohne nennenswerten Tracking-Schutz.

Wir empfehlen dringend, einen vollwertigen, gut eingestellten Browser zu nutzen und diesen sorfältig zu konfigurieren. Dort können Sie Ecosia dann als Suchmaschine integrieren. In Safari für iOS können Sie Ecosia nicht integrieren, sondern nur als Startseite einstellen.

Umweltschutz und Geschäftsmodell

Ecosia verdient Geld mit Werbeanzeigen, die über den Suchergebnissen angezeigt werden. Diese sind nach eigenen Angaben nicht personalisiert, sondern werden anhand des eingegebenen Suchbegriffes eingespielt. Werbetreibende können Anzeigen direkt bei Ecosia buchen.

Nach eigenen Angaben bringt eine Suchanfrage durchschnittlich 0,5 Cent. Um die Pflanzung eines Baumes zu finanzieren, sind etwa 45 Suchanfragen nötig. Ecosia hat insgesamt nach eigenen Angaben die Pflanzung von 50 Millionen Bäumen finanziert (Stand Februar 2019).

Ecosia selbst verwendet für den Betrieb seiner Server ausschließlich erneuerbare Energie. Bereits seit 2012 arbeitet Microsoft CO2-neutral, Google seit 2017. Die Ecosia GmbH veröffentlicht monatliche Finanzberichte, um den Fortschritt der Aufforstung zu dokumentieren.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

Browser und Suchmaschinen 

Firefox Klar: Geeignet als Zweit-Browser

Der Browser Firefox Klar verspricht privates Surfen. Analysedaten werden nur nach Zustimmung übermittelt. Doch Firefox Klar ist in seinen Funktionen eingeschränkt. Daher bleibt er ein Zweit-Browser für besondere Gelegenheiten oder zum Einbinden als Werbeblocker in Safari.

Mehr
Ratgeber 

SMS verschlüsseln mit Silence

Die Auswahl an Apps zur Verschlüsselung des SMS-Verkehrs ist sehr eingeschränkt. Silence bietet als alternative SMS-App die Verschlüsselung von SMS an – mit Einschränkungen.

Mehr
Ratgeber 

How Facebook knows which apps you use – and why this matters

Looking for a new partner, perhaps on Tinder? Or on Curvy, for people with curves, or Grindr maybe, the gay dating app? Fighting your smoking addiction with the app “Kwit”, or monitoring your depressive cycles with “Moodpath”? If you do, chances are Facebook knows all about it. And you can’t know that it does.

Mehr
Ratgeber 

Apple-ID: So funktioniert die Zwei-Faktor-Authentifizierung

Apple drängt seine Kunden schon lange dazu, ihr iCloud-Konto per Zwei-Faktor-Authentifizierung zu sichern. Bei neueren iPhones ist das Verfahren sogar Pflicht. Wir erklären, wie es funktioniert und wo die Tücken liegen.

Mehr