Ratgeber

Auf zur Handy-Reparatur! Was muss ich beachten?

Ein Artikel von , veröffentlicht am 04.08.2023

Je länger ihr ein Handy nutzt, desto besser für die Umwelt. Mit unseren Tipps klappt es mit der Handy-Reparatur.

Der Akku ist schwach oder das Display hat Bildfehler? Bevor ihr gleich ein neues Handy kauft, denkt mal über eine Reparatur nach. Denn das ist die beste Wahl für die Umwelt und ihr müsst euch nicht an ein neues Gerät gewöhnen. Leider sind Reparaturen oft teurer, als man sich das wünschen würde. Aber wenn ihr die Umwelt mitdenkt, lohnen sich Kosten gleich etwas mehr.

Hinweis: Viele ältere Android-Geräte werden nicht mehr mit Sicherheitsupdates versorgt. Das ist total doof! Denn hier müssen wir leider empfehlen, das Handy nur noch eingeschränkt zu nutzen.

Alle Apps und Funktionen, bei denen Passwörter oder Bezahldaten zum Einsatz kommen, solltet ihr auf so einem Gerät nicht mehr verwenden. Das umfasst zum Beispiel alle Social-Media-, Chat- und Mail-Apps, aber auch euer Google-Konto.

Bekommt mein Handy noch Updates? So findet ihr es heraus

Ob euer Handy noch Updates bekommt, seht ihr in den Geräte-Einstellungen. Wenn dort das letzte Sicherheits-Update nicht älter als zwei Monate ist, ist euer Gerät noch aktuell.

Wo kann ich mein Handy überhaupt reparieren lassen?

Man kann Handys bei drei Arten von Anbietern reparieren lassen: Direkt bei den Herstellern, in kleineren unabhängigen Werkstätten vor Ort, oder bei darauf spezialisierten Onlinediensten.

Manche der Werkstätten vor Ort arbeiten mit Herstellern wie Apple oder Samsung zusammen, ohne dass sie zu dem Unternehmen gehören. Ein Beispiel dafür ist Gravis. Deshalb können diese Werkstätten auch die Ersatzteile für Apple-Geräte offiziell freischalten lassen. Denn hier müsst ihr zumindest bei iPhones eine ärgerliche Einschränkung bedenken:

Apple ist besonders nervig darin, nur offiziell zugelassene Teile zu erlauben. Wenn man zum Beispiel eine neue Frontkamera ins iPhone einbaut, funktioniert sie nur fehlerfrei, wenn Apple diese Kamera nach dem Einbau freischaltet. Das können nur Werkstätten veranlassen, die von Apple autorisiert sind, und nur dann, wenn sie von Apple genehmigte Ersatzteile verwenden.

Sollte ich meine Daten sichern?

Ja, um sicher zu gehen. Wenn ihr das Handy weggebt, kann ja auch etwas schiefgehen. Mit einem Backup habt ihr eure Daten auch in diesem schlimmsten Fall noch.

Und kann es passieren, dass eure Daten geklaut werden? Solange das Handy mit einem Sperrbildschirm per Passwort oder Muster gesichert ist, sollten euren Daten darauf sicher sein. Ihr gebt es ja nicht ans FBI, sondern an eine Werkstatt. Aber vielleicht braucht die Werkstatt Zugriff auf den Bildschirm. Wenn das so ist, kann sie auch eure Daten sehen und, wenn ihr an die Falschen geratet, diese Daten für üble Geschäfte nutzen. Sicherheitshalber sollte man dann also alles sichern, löschen und nach dem Reparieren wieder aufspielen.

Gibt es Überblicks-Karten?

Der Runde Tisch Reparatur ist ein Zusammenschluss von Organisationen der Zivilgesellschaft und von Unternehmen, die leichteres Reparieren fordern. Er hat eine Liste, in der ihr für eure Region das Angebot an Reparaturläden findet. Diese werden meistens von der Gemeinde zusammengestellt. Ihr müsst aber genau schauen, dass es auch Läden für Handyreparatur sind. Nehmen wir mal das Beispiel München: Hier gibt es extra eine Kategorie für Smartphones, Tablets und so weiter. In anderen Städten müsst ihr darauf achten, dass ihr nicht bei einem Laden landet, der vor allem Kühlschränke repariert. Und für viele andere Städte gibt es leider keine Übersicht.

Andere Übersichtskarten gibt es auch von kommerziellen Anbietern. Aber hier raten wir zur Vorsicht: Unter Umständen müssen die Läden bezahlen, um dort aufgenommen zu werden. Auf einem der Portale findet sich zum Beispiel kein einziges Angebot in ganz Berlin… Solche Portale führen also nicht immer zu besonders guten Läden. Weil sie allerdings Preisübersichten haben, erhaltet ihr einen ersten Anhaltspunkt zu den möglichen Kosten.

Viele Läden bieten übrigens an, dass man das Handy einfach einschickt und gar nicht vorbeikommen muss. Dann ist es gar nicht so wichtig, ob der Laden in der Nähe ist.

Wie erkenne ich eine gute Werkstatt?

Darauf gibt es leider keine allgemeine Antwort. Es gibt kein Siegel für Top-Werkstätten. Wäre das nicht eigentlich toll, so ein Sternesystem wie für Hotels?

Bei den größeren Anbietern kann man sich schon mal an einem Test orientieren, den die Stiftung Warentest mit ihrer strengen Methode gemacht hat. Da ging es aber nicht um die ganz kleinen Läden, sondern um größere Dienste.

Die beste Note bekommt MyPhoneRepair (1,8), McRepair schneidet mit 2,5 ab und Letsfix liegt mit 2,9 noch etwas vor handyreparatur123 mit 3,3. Apple und Samsung liegen mit ihren Reparaturdiensten bei 2,5 und 2,3.

Vier Ketten mit Läden vor Ort wurden auch getestet, darunter Saturn und Mister Minit, sie liegen aber alle nur im Bereich einer Schulnote 3.

Bei den kleineren Werkstätten vor Ort gibt es natürlich auch viele gute. Da könnt ihr auf Bewertungen zum Beispiel auf Google Maps schauen. Die sind manchmal auch gefälscht, also nur ein erster Anhaltspunkt.

Wie kann ich Preise einschätzen?

Am häufigsten geht beim Handy der Bildschirm kaputt. Er ist auch ein teures Bauteil und kostet leicht mal um die 100 Euro. Bei einem teuren Handy lohnt sich das. Aber wenn ihr eins für nur 200 Euro habt, muss man schon sehr überzeugt sein, um sich eine Reparatur zu leisten, die auch hier leicht um die 100, also die Hälfte des Neupreises kostet.

Bei den Onlineanbietern könnt ihr oft direkt sehen, was die Reparatur kostet. Dafür wählt ihr einfach das Modell aus und dann, was kaputt ist. Ein neuer Bildschirm fürs Galaxy A10 kostet bei MyPhoneRepair zum Beispiel 104,99 Euro. Ein neuer Akkus fürs iPhone 12 bei handyreparatur123 kostet 69,95 Euro.

Wir verlinken solche kommerziellen Anbieter hier, weil sie viele Modelle anbieten und deshalb bei der Preiseinschätzung helfen.

Ihr geht lieber in einen Laden vor Ort? Dann lasst euch dort einen Kostenvoranschlag geben. Dabei kann es praktisch sein, schon mal eine Idee zu haben, wie viel die Reparatur bei einem Onlineanbieter kosten würde.

Es ist normal, dass man dann eine größere Preisspanne findet: Für das Apple iPhone X kostet der Akkuwechsel 49 bis über 100 Euro. Bei den günstigeren Anbietern solltet ihr extra nachfragen, ob gute Teile verbaut werden.

Das Kameraglas könnt ihr für um die 50 Euro tauschen lassen. Für das Samsung Galaxy S8 kostet ein neuer Akku inklusive Einbau 59 Euro bis über 80 Euro. Das Glas der Kamera reparieren zu lassen, kostet etwa 60 Euro.

Eine der günstigsten Leistungen für viele Modelle ist übrigens die Reinigung nach einem Wasserschaden, das kostet oft nur um die 30 Euro.

Trotzdem schrecken die Kosten viele Menschen ab, etwa die Hälfte der Befragten einer repräsentativen Umfrage sagt, dass ihnen reparieren zu teuer erscheint. Dabei könnte ein Bonus helfen, wie es ihn in Thüringen zum Beispiel gibt. Die Hälfte der Kosten gibt es dabei vom Staat zurück.

Was passiert in der Zeit der Gewährleistung?

Wenn das Gerät noch keine zwei Jahre alt ist, solltet ihr euch an den Verkäufer wenden, rät die Verbraucherzentrale. Der ist nämlich für Reklamationen in der Zeit der gesetzlichen Gewährleistung zuständig.

Gewährleistung gilt nicht für Schäden, die selbstverschuldet sind. Wenn das Display bricht, weil das Handy hingefallen ist oder wenn Wasser ins Handy gekommen ist, bringt der Gang zum Händler also nichts. Es kann dann sogar sein, dass euch eine Gebühr fürs Nachschauen berechnet wird.

Leider schicken die Hersteller in diesem Fall oft einfach ein Ersatzgerät, anstatt das alte zu reparieren. Für die Umwelt ist das natürlich nicht sinnvoll. Es gibt zwar Pläne der EU, dass Hersteller Geräte in den ersten zwei Jahren reparieren müssen. Aber selbst wenn das mal gilt, müssen sie es nur machen, wenn es nicht teurer ist als ein neues Gerät.

Und lohnt es sich aus irgendeinem Grund in die Werkstätten zu gehen, die offiziell zertifiziert sind, wenn die zwei Jahre Gewährleistung vorbei sind? Jein… Es gibt sehr gute freie Werkstätten und es ist super, die zu unterstützen. Gleichzeitig sind die Vertragswerkstätten manchmal sogar günstiger und dann ist ja nichts gegen den Vertrag zu sagen.

Garantie oder Gewährleistung?

Gewährleistung ist ein gesetzliches Muss und gilt zwei Jahre, wenn etwas am Gerät kaputt geht. Die Garantie können Hersteller oder Händler freiwillig anbieten. Die Verbraucherzentrale hat dazu fundierte Infos zusammengestellt.

Werden ganz neue Teile oder die aus anderen Geräten eingebaut?

Wenn so eine alte Handy-Kamera noch geht, dann sollte sie doch wieder eingebaut werden. Insbesondere beim Akku raten wir aber zu neuen Teilen, denn er nutzt sich mit der Zeit stark ab.

Aber passiert das mit der Wiederverwendung tatsächlich? „Unsere Praxis ist es, eine Kombination aus neuen und recycelten Teilen zu verwenden“, sagt Marcel Mirikus, Werkstattleiter bei MyPhoneRepair. Auch ein Sprecher von backmarket sagt, dass Teile wiederverwendet werden. Auf diesem Portal kann man gebrauchte Handys kaufen, die repariert wurden.

Was sind die mögliche Probleme und was kann ich tun?

„Bei einem schlechten Anbieter könnten verschiedene Scams oder Tricks auftreten“, sagt Mirikus. Das sei beispielsweise das Austauschen von funktionierenden Teilen, um zusätzliche Kosten zu verursachen, das Verwenden minderwertiger Ersatzteile, die zu weiteren Schäden führen können, oder das Erheben überhöhter Gebühren für Reparaturen, die in Wirklichkeit nicht erforderlich sind.

Deshalb solltet ihr genau absprechen, was gemacht werden soll. Wenn die Werkstatt einen anderen Schaden findet, kann sie den dann erst nach eurer Zustimmung in Rechnung stellen. Fragt auch unbedingt nach, ob die Werkstatt Geld haben will, wenn sie nur reinschaut, aber dann keine Reparatur machen kann. Das Nachschauen ist nicht besonders kompliziert und sollte deshalb nicht mehr als 15 Euro kosten – fairerweise sogar gratis sein. Klar, es gibt auch komplizierte Schäden, die man erst beim Reinschauen findet. Aber das ist eher selten.

Wenn ihr das Handy mit Schäden zurückbekommt oder es immer noch kaputt ist, muss die Werkstatt noch mal ran.

Ein schöner Bonus am Reparierenlassen ist auch das Gefühl, etwas wieder in Ordnung gebracht zu haben. Das gibt es gratis dazu!

 

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Jonas Bickelmann

Leitet die Redaktion von mobilsicher. Er studierte Philosophie, machte ein Volontariat bei einer Berliner Tageszeitung und schreibt nicht nur gerne über grünere Smartphones, sondern als freier Autor auch über Reisen und Kultur.

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