Ratgeber

Verwirrt von all den Akku-Mythen? So leben Handy-Akkus wirklich länger

Ein Artikel von , , veröffentlicht am 13.07.2023
Paolo Nicolello

Ihr habt den Überblick verloren, was denn nun gut und was schlecht für den Handy-Akku sein soll? Hier kommt unsere einfache Anleitung, für Akku-Sorglosigkeit.

Akkus und Bildschirme sind die typischen Schwachstellen unserer Handys. Wie man die Lebensdauer seines Akkus erhöht, scheint eine eigene Wissenschaft zu sein – jedenfalls findet man dazu ziemlich widersprüchliche Informationen. Wir haben für euch recherchiert: Wie gehe ich möglichst schonend mit meinem Akku um und erhöhe seine Lebensdauer?

Weil so viele Mythen und Tipps durchs Internet schwirren, haben wir alle Infos für euch sortiert: von wichtigen und umsetzbaren Ideen hin zu nerdigem Fachwissen für alle, die es genauer wissen wollen.

Einfache Tipps, die viel bringen:

Erstmal ein paar Klassiker: Bildschirmhelligkeit runter, mobile Daten, Bluetooth und Navigation aus, wenn ihr sie nicht braucht. Denn das spart viel Strom und schont dabei auch den Akku. Der mag es nämlich, wenn das mit dem Entladen nicht superschnell geht.

Runterfallen kann Handy-Akkus kaputt machen. In seltenen Fällen wird es richtig gefährlich. Ein Feuer kann ausbrechen. Warnsignale: Wenn der Akku seine Form verändert oder heiß wird, solltet ihr das Gerät an einen Ort bringen, wo es keinen Brand auslösen und keine Menschen verletzen kann.

Zum Thema Aufladen. Moderne Handy-Akkus mögen einen sogenannten „flachen Zyklus“. Das heißt, es ist besser, wenn er sich zwischen ungefähr 20 und 80 Prozent bewegt und nicht zwischen 0 und 100 Prozent, wie es früher mit Hinweis auf den „Memory-Effekt“ oft empfohlen wurde. „Solche Ideen geistern immer noch aus der Zeit der Nickel-Cadmium-Akkus durch die Welt,“ sagt der Aachener Professor Dirk Sauer. Für moderne Akkus gilt: „je tiefer der Zyklus ist, desto schneller altert der Akku“, so Sauer. Daher sollte man den Akku lieber oft als selten nachladen, aber möglichst nicht über 80, 90 Prozent.

Akkus halten nur eine bestimmte Zahl an kompletten Ladezyklen aus (von 0 auf 100 Prozent) – wenn man öfter und dabei weniger Prozent lädt, ist das kein Nachteil. Zweimal von 50 auf 100 ist genauso ein kompletter Ladeyzklus wie einmal von 0 auf 100.

Lithium-Ionen-Was bitte..?

Akkus können aus verschiedenen Materialien hergestellt werden. Früher waren Nickel-Cadmium-Akkus verbreitet, sie sind aber seit 2009 verboten. Für Handys oder Laptops sind heute solche mit dem superleichten Metall Lithium der Standard. Lithium-Ionen-Akkus können besonders viel Energie auf wenig Platz speichern. Sie brennen aber leichter als beispielsweise die normalen Alkali-Mangan-Batterien aus eurer Fernbedienung – Lithium reagiert nämlich besonders gerne mit anderen Stoffen.

Null Akku ist nicht Null Akku: Die Zahlen, die euch das Handy anzeigt, sind nur eine Berechnung. Die Software kann nicht in den Akku reinschauen wie wir in eine Flasche Wasser.

Deshalb ist sogenanntes Kalibrieren wichtig. Das macht die Zahlen der Berechnung genauer. Wie das geht, weiß das Portal iFixit: Ladet das Handy fürs Kalibrieren einmal auf 100 Prozent auf und lasst es noch zwei Stunden an der Steckdose. Anschließend benutzt ihr es so lange, bis es ausgeht und ladet wieder auf 100 Prozent auf. Kalibrieren ist bei ganz neu angeschafften Geräten sinnvoll oder wenn die Ladestandanzeige euch nicht richtig vorkommt.

Über Nacht laden lieber sein lassen – so schwer es auch ist. Denn das stundenlange Hängen am Strom ist nicht gut für den Akku. Normalerweise soll die Batterie-Management-Software verhindern, dass immer wieder vollgeladen wird, wenn der Akku kurz unter 100 Prozent fällt. Aber das funktioniert nicht immer. Der Akku ist ein bisschen wie ein Schwamm, der vollgesogen schlechter Wasser aufnimmt, als wenn er trocken ist. Das Wasser, dass dabei verkleckert wird, ist damit vergleichbar, wie der Akku beim Vollladen verschleißt.

Außerdem gibt es die Gefahr, dass beim Laden über Nacht ein Feuer ausbricht. Das passiert zwar nur sehr selten, aber dafür ist es dann erst recht gefährlich, weil ihr daneben schlaft.

Der Akku mag es ähnlich warm wie ihr. Unter 20 Grad wird es ihm ungemütlich. Über 35 Grad auch. Tragt das Handy deshalb lieber nicht direkt am Körper und lasst es nicht in der Sonne liegen. Wenn ihr draußen in der Kälte wart, lasst das Handy einige Zeit bei Raumtemperatur aufwärmen. Erst aufladen, wenn der Akku nicht mehr so kalt ist. Heiße Akkus (über 45 Grad) können im schlimmsten Fall explodieren.

Brauche ich das Original-Netzteil? Ja, wenn ihr sicher sein wollt. Denn die Hersteller wissen natürlich besser über ihre eigenen Produkte Bescheid. Verbraucherschützer Tristan Jorde empfiehlt im Zweifel das Original, zumindest nicht „irgendwas mit USB“. Nicht jedes Ladegerät sei auf das jeweilige Handy abgestimmt. Dann kann das Handy zu langsam oder zu schnell laden. Und im allerschlimmsten Fall droht wieder Feuergefahr.

Klar, ihr denkt jetzt, das ist aber arg streng… Für bestimmte Standards sorgen bei Drittanbietern auch staatliche Zeichen: Das CE-Zeichen ist die grundlegende Zusage des Herstellers, dass er sich an die Vorschriften in Europa hält. Das ist also das absolute Minimum und wird nicht extern geprüft. Ihr solltet deshalb darauf achten, dass der Hersteller eine Adresse in der EU aufgedruckt hat.

Auch bei Schnelladegeräten solltet ihr das Original nutzen. Oder ihr kauft eines mit CE-Zeichen, das euer Gerät unterstützt. Ob das so ist, könnt ihr in der Beschreibung des Anbieters nachlesen.

Was ist Schnelladen?

Wenn wir uns Strom als Limo in einem Strohhalm vorstellen, dann ist der Strohhalm des normalen Ladegeräts kleiner und die Limo fließt langsamer. Am Ende kommt deshalb weniger raus – das ist die Leistung in Watt. Die ist bei Schnelladern höher (20 bis hin zu über 100 Watt). Wie viel Watt das Gerät schafft, steht auf dem Stecker oder der Packung. Aber wer schneller durch einen größeren Strohhalm trinkt, kann sich leichter verschlucken. So ist das auch beim Akku – es kann mehr schief gehen.

Die Hersteller versprechen, dass sie das mit Software ausgleichen. Das Handy kommuniziert also mit dem Schnelladegerät und sorgt zum Beispiel dafür, dass am Ende und am Anfang langsamer geladen wird. Wie wenn ihr die Limo in ein Glas einschenkt – da kann es am Anfang und am Ende ja sonst auch kleckern. Das geht nicht bei allen Akkus. Ihr könnt sie mal an einen passenden Schnellader anschließen und die Ladezeit vergleichen. Es ist unwahrscheinlich, kann aber passieren, dass der Akku heiß wird. Dann das Laden unbedingt abbrechen.

Interessant, aber eher für den Hintergrund:

Alles, was mit Apps zu tun hat, kann euch recht egal sein. Die normalen Apps wie Spotify oder Google im Hintergrund zu schließen, bringt nicht viel für den Akku, denn die Programme sind eingefroren und verbrauchen wenig Strom. Wenn ihr sicher gehen wollt, schaut mal in die Liste der Stromfresser-Apps. Dafür in den Einstellungen nach Akku (Android) oder Batterie (iPhone) suchen. Wenn laut der Liste bestimmte Apps viel Akku verbrauchen, die ihr nicht wichtig findet, löscht sie.

Extra-Apps wie „Eco Charger“ oder „Battery Doctor“, die ihr installieren könnt, um den Akku zu verbessern, sind keine gute Idee. Sie verbrauchen selbst Strom. Solche Apps sind aber etwas anderes als das Batteriemanagement-System (BMS). Das ist die vom Hersteller eingebaute Software und die bringt tatsächlich was, um den Akku zu schützen.

Das Laden ohne Kabel, induktives Laden, empfehlen wir nicht. Es ist nämlich erstens langsamer als per Kabel und es verbraucht deutlich mehr Strom.

Wenn ein Akku leer ist und er dann noch lange rumliegt, wird er immer leerer. Das ist eine sogenannten Tiefentladung. Das Laden dauert dann länger, in seltenen Fällen geht es gar nicht mehr. Aber keine Angst, das passiert nicht in den normalen Fällen, wenn man das Handy mal wegen niedrigem Akku ausgehen lässt. Dafür sorgt die Software des Geräts. Sie schaltet schon ab, wenn noch ein paar Reserven da sind. Bei ungenutzten Handys gilt als Tiefentlade-Vorkehrung: Nicht mit niedrigem Akku lagern, sondern grob um die 50 Prozent.

 

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