Ratgeber

YouTube Kids: Kinderschutz oder Werbeparadies?

Ein Artikel von , veröffentlicht am 08.09.2017, bearbeitet am13.02.2019
Youtube Kids

YouTube Kids ist eine angepasste Version der YouTube-App. Die Inhalte sind gefiltert, Eltern können unter anderem ein Zeitlimit einrichten, bestimmte Kanäle blockieren oder nur selbst ausgewählte Inhalte zulassen. Wie zuverlässig ist die App?

YouTube für Kinder

Der direkte Draht zu Googles Videoportal YouTube ist auf praktisch allen Android-Geräten vorinstalliert: die YouTube-App. Das kann für Eltern zum Problem werden. Denn schon ein Fingertipp auf das rote Symbol bringt selbst Kinder, die noch nicht lesen können, zu einer schier unbegrenzten Auswahl an Filmen - Erwachseneninhalte inklusive.

Mit YouTube Kids sollen Eltern Ihren Kindern einen eingeschränkten Zugang zu YouTube gewähren können, ohne dass der Nachwuchs aus Versehen bei Inhalten mit Sex, Gewalt oder Hetze landet. Wir erklären, was die App kann und wo der Jugendschutz auch bei YouTube Kids an seine Grenzen stößt. Die App ist für Android und iOS verfügbar.

Ein wichtiger Unterschied zur bekannten YouTube-App ist die Sicherung des Menüs. Der Zugriff auf die App-Einstellungen ist geschützt.

Standardmäßig muss man eine simple Rechenaufgabe lösen um ins Menü zu gelangen. Sie können an dieser Stelle aber auch einen vierstelligen Code einrichten, mit dem das Menü dann auch vor Schulkindern geschützt ist.

Optionen: Inhaltefilter, Zeitlimit

Beim Einrichten müssen Sie eine Altersstufe für Ihr Kind angeben. Dies beeinflusst, welche Videos in der App verfügbar sind. Zur Auswahl stehen: Vorschulalter, 5-7 Jahre und 8-12 Jahre. Sie können das Alter später im Menü ändern.

Dort können Sie auch die Suchfunktion deaktivieren, so dass die kleinen Nutzer*innen nur noch Videos sehen, welche die App automatisch vorschlägt. Die Suchfunktion hat grundsätzlich einen Inhaltefilter - Suchbegriffe wie „Sex“ oder "Gewalt" führen zu keinen Ergebnissen.

Auch praktisch: Über das Menü können Sie ein Zeitlimit festlegen. Ist das Limit verstrichen, sperrt sich die App. Allerdings müssen Sie dieses Limit jedesmal neu von Hand setzen, eine Einstellung wie "eine Stunde pro Tag" gibt es nicht.

Außerdem können Sie die ziemlich aufdringlichen Sound-Effekte und die App-Musik ausschalten.

Wie von der normalen YouTube-Version bekannt, macht die App nach jedem angeklickten Video weitere Vorschläge. Diese Vorschläge stellt YouTube anhand der Videos zusammen, die man vorher gesucht und angesehen hat. Der Impuls, nach einem Video gleich auf das nächste zu klicken, wird also auch bei der Kinder-Version hemmungslos bedient.

Nur mit Google-Konto: Positiv-Liste und Profile

Einige Funktionen sind nur nach Anmeldung mit Ihrem Google-Konto verfügbar. Zum Beispiel können Sie dann Profile für einzelne Nutzer*innen erstellen und diese getrennt verwalten. Sie können unter anderem für jedes einzelne Profil festlegen, ob die Suchfunktion aktiviert ist und Sie können jedes Einzelprofil mit einem extra Zahlencode schützen.

Praktisch: Sie können festlegen, dass Ihr Kind nur "genehmigte Inhalte“ in der App zu sehen bekommt. Dafür schlägt die App fertig zusammengestellte Sammlungen vor - diese umfassen aber überwiegend englischsprachige Videos und Kanäle. Über das Suchsymbol können Sie aber auch selber Videos und Kanäle suchen und freigeben.

Intransparent: Inhaltefilter

YouTube gibt an, dass die Inhalte, die in der App zur Verfügung stehen, einerseits durch einen Algorithmus gefiltert werden, andererseits durch bestimmte Vorgaben und durch manuelle Auswahl. So sollen unangemessene Inhalte heraussortiert werden. Angaben dazu, was YouTube genau unter "unangemessen" versteht, fehlen aber.

YouTube garantiert allerdings ausdrücklich nicht, dass in der Kinder-App nicht doch Erwachseneninhalte auftauchen könnten.

Wie bei der normalen YouTube-App bietet auch die Kinderversion eine Möglichkeit, unangemessene Inhalte zu melden. Dazu klicken Sie im jeweiligen Video rechts oben auf die drei Punkte. Sie können an dieser Stelle auch ein bestimmtes Video sperren oder einen gesamten Kanal, das allerdings ist nur im angemeldeten Modus möglich.

Ein großes Problem auf YouTube Kids sind Filme, die zunächst wie Kindervideos aussehen, jedoch für Kinder ganz klar ungeeignete Inhalte mitbringen. In vermeintlichen Kinderkanälen tauchen diese Zeichentrickfilme auf, die bekannte Figuren bei grausamen oder sexuellen Handlungen zeigen. Die automatisierten Filtermechanismen von YouTube Kids geraten bei solchen Inhalten leicht an ihre Grenzen.

Bitte kaufen: Werbung auf YouTube Kids

Auch bei YouTube Kids können Werbeclips vor Videos eingespielt werden. Diesen ist eine kurze Sequenz vorgeschaltet, in der angekündigt wird, dass gleich eine Werbeeinblendung folgt.

Laut Anzeigenrichtlinie macht YouTube für die Kinder-App einige besondere Vorgaben:

  • Werbung darf keine externen Links und keine Kaufaufforderungen enthalten.
  • Interessenbezogene Werbung ist nicht zulässig, wohl aber kontextbezogene Werbung.
  • Werbespots dürfen keine Tracking-Pixel enthalten.
  • Werbung für bestimmte Produktkategorien ist ausgeschlossen. Zum Beispiel Werbung für Diäten und Fitness, Dating, Lebensmittel und Getränke, aber auch politische Werbung, nicht jugendfreie und sexuelle Inhalte sowie Gewinnspiele.

Allerdings betrachtet YouTube Inhalte, die User*innen auf ihren Kanälen hochladen, „grundsätzlich nicht als bezahlte Werbung“ wie das Unternehmen in seinen Ausführungen zu Werbeanzeigen erklärt. Und auch Schleichwerbung in Videos von YouTuber*innen bleibt ein Problem. So kann es durchaus passieren, dass ein Schokoladenhersteller selbst einen Werbeclip als "Inhalt" hochlädt, der dann natürlich nicht herausgefiltert wird.

Seit Juni 2018 ist in Deutschland die Bezahlversion YouTube Premium verfügbar. Diese ermöglicht unter anderem eine werbefreie Nutzung von YouTube, auch von YouTube Kids.

Mehr über diese Premiumversion erfahren Sie im Mobilsicher-Artikel YouTube Premium: werbefreie Bezahlversion.

Fazit: Besser als nichts

Jugendschützer*innen haben sich postiv zu YouTube Kids geäußert. So sagte der Leiter des öffentlich finanzierten Projekts jugendschutz.net Friedmann Schindler anlässlich der Einführung von YouTube Kids in Deutschland, es sei wichtig, dass Erwachsene darauf achten, dass Kinder nicht auf problematische Inhalte stoßen. Die nun verfügbare App könne dabei „eine große Lücke für deutsche Eltern füllen“.

Unser Fazit: YouTube Kids bringt durchaus einige Verbesserungen. Trotzdem gilt: Medienkompetenz ist noch immer der beste Schutz. Begleiten Sie Ihr Kind stets aktiv durch die Welt des Internets und helfen Sie ihm, altersgerechte Inhalte zu finden.

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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