Ratgeber

Werbe-ID ändern: So verwischen Sie Ihre Spuren

Ein Artikel von , veröffentlicht am 24.05.2018, bearbeitet am21.07.2020

Jedes Smartphone besitzt eine eigene Werbe-ID, die Werbung in Apps für Nutzer*innen personalisiert. Wer das nicht möchte, kann die Funktion mit einem Fingertipp ausschalten und die Werbe-ID regelmäßig ändern. So geht’s.

Was ist die Werbe-ID?

Jedes Smartphone, auf dem die Betriebssysteme Android oder iOS installiert sind, hat eine sogenannte Werbe-ID. Das ist eine lange Folge von Zahlen und Buchstaben.

Bei unserem Android-Handy Sony Xperia XZ1 sieht sie zum Beispiel so aus:

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Zugeteilt wird diese Kennnummer vom Hersteller des jeweiligen Betriebssystems, also von Google oder Apple. Bei Apple heißt die Nummer Ad-ID.

Ein kleines Lexikon der Smartphone-IDs haben wir hier zusammengestellt: Wichtige Identifier bei Android.

Per Werbe-ID zu personalisierter Werbung

Die Werbe-ID erfüllt einen doppelten Zweck: Sie ermöglicht es Werbefirmen, personalisierte Werbung zu schalten, ohne dabei die Identität von Nutzer*innen preiszugeben (siehe Abschnitt "Die Werbe-ID dient dem Datenschutz").

Werbung ist das Geschäftsmodell vieler Apps. Wenn eine Entwicklerin Werbeeinnahmen generieren will, sucht sie sich in der Regel ein Werbenetzwerk. Das ist eine Firma, die wie ein Makler die Anzeigen von Werbekunden einsammelt und dann auf passenden Werbeplätzen schaltet, zum Beispiel in einer App.

Technisch funktioniert das wie folgt: Der Entwickler baut einen fertigen Software-Baustein von dem Werbenetzwerk in seine App ein. Nun kann das Werbenetzwerk direkt Werbung in der App anzeigen. Dabei versucht die Firma, Ihnen Anzeigen zu zeigen, für die Sie sich besonders interessieren. Dazu greift es auf eine Datenbank zurück, in der bereits viele Nutzerprofile liegen. In jedem Profil ist auch die zugehörige Werbe-ID notiert.

Bevor nun die Werbung in Ihrer App eingespielt wird, fragt die Werbefirma Ihre Werbe-ID vom Gerät ab, und gleicht sie mit der Datenbank ab. Befindet sich ein Profil mit Ihrer Werbe-ID in der Datenbank, schaut die Firma nach, was in diesem Profil steht.

Steht dort zum Beispiel, dass dieser Nutzer wahrscheinlich männlich und auf Diät ist, schaltet das Werbenetzwerk Werbung für passende Produkte.

Was können Nutzer*innen dagegen tun?

Wenn Sie möchten, können Sie dieser Praxis widersprechen. Dazu müssen Sie einstellen, dass Sie keine personalisierte Werbung erhalten möchten. Werbenetzwerke dürfen dann nicht nur keine personalisierte Werbung schalten, sondern Ihre Werbe-ID auch gar nicht erst zur Profilbildung abfragen.

Ob sie sich in jedem Fall daran halten, ist jedoch eine andere Frage. Daher empfiehlt es sich zusätzlich, die Werbe- oder Ad-ID regelmäßig manuell zu verändern. Damit können sich zumindest nicht allzu viele Daten in Ihrem Profil anhäufen.

Sie finden die beiden Einstellungen unter folgendem Pfad:

Android: Einstellungen – Google – Werbung

iOS: Einstellungen – Datenschutz – Werbung

Tippen Sie dort auf "ID zurücksetzen".

Wenn Sie Ihre Werbe- oder Ad-ID nicht manuell ändern, bleibt Sie unter Umständen viele Jahre bestehen – so lange, wie Sie dasselbe Smartphone oder Tablet nutzen. Nur, wenn Sie Ihr Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzen und es anschließend wie ein neues Handy einrichten, ändert sich die ID automatisch.

Profilbildung mit der Werbe-ID

Mit Hilfe des Software-Bausteins, den die Entwicklerin in die App eingebaut hat, zeigt das Werbenetzwerk nicht nur passende Anzeigen an, sondern fragt gleichzeitig Informationen vom Handy ab, um damit seine bestehende Profildatenbank zu ergänzen.

Zum Beispiel wird abgespeichert, dass der Nutzer mit dieser Werbe-ID aktuell eine Reise-App nutzt und nach Zielen in Südamerika sucht. Wenn zu Ihnen in der Datenbank noch kein Profil vorliegt, wird ein neues angelegt.

Die Werbe-ID dient also dazu, Sie als Nutzerin zu identifizieren. Dabei muss das Werbenetzwerk nicht unbedingt Ihren Namen oder Ihre Anschrift kennen. Aber es kann Sie einer gewissen Datenhistorie zuordnen, die eben schon in der Datenbank vorliegt, und es kann diese Datenhistorie weiter ausbauen.

Wer seine Werbe-ID regelmäßig manuell ändert, durchbricht diese Praxis – denn das Werbenetzwerk erhält so zu jeder ID immer nur wenige Informationen. Damit sind Sie auch dann auf der sicheren Seite, wenn ein Anbieter Ihren Wunsch, keine personalisierte Werbung zu erhalten, nicht respektiert.

Die Werbe-ID dient dem Datenschutz

Mit der Einführung der Ad- bzw. Werbe-ID reagierten Apple 2012 und zwei Jahre später auch Google auf die Kritik von Datenschützern.

Vorher nutzten Werbenetzwerke andere, noch sensiblere Kennnummern, um einen Nutzer einem bestehenden Profil zu zuordnen, zum Beispiel die IMEI. Diese ist wie eine Seriennummer fest mit dem jeweiligen Gerät verbunden und lassen sich nicht ohne weiteres ändern.

Permanente Kennnummern wie diese, so die Datenschützerinnen, seien personenbezogene Daten. Spätestens mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung (im folgenden DSGVO) ist das auch explizit festgeschrieben.

Daher führten die Konzerne Google und Apple neue Kennnummern ein – die Werbe- bzw. Ad-ID. Diese sollten mit keiner persönlichen Information verknüpft sein und es den Werbenetzwerken gleichzeitig ermöglichen, Nutzerprofile zu erstellen.

Der Vorteil gegenüber dem Tracking mit anderen permanenten Kennnummern: Sowohl Google als auch Apple haben für Ihre Werbe-ID die oben beschriebenen Möglichkeiten für die Nutzerin eingebaut, das Tracking zu verhindern und die Nummer zu ändern.

Strenge Regeln – kaum Konsequenzen

Überraschend ist, dass sowohl Apple als auch Google relativ strenge Vorgaben dazu haben, wie die IDs genutzt werden dürfen.

Google richtet folgende Worte an App-Entwickler*innen:

  • Nutzung: Die Android-Werbe-ID darf nur zu Werbezwecken sowie zur Nutzeranalyse verwendet werden. Der Status der Einstellung zur Deaktivierung interessenbezogener bzw. personalisierter Werbung muss bei jedem Zugriff auf die ID überprüft werden.
  • Verknüpfung mit personenidentifizierbaren Informationen oder sonstigen IDs: Die Werbe-ID darf nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers mit personenidentifizierbaren Informationen oder gleichbleibenden Geräte-IDs wie SSAID, MAC-Adresse oder IMEI verknüpft werden.
  • Entscheidung der Nutzer respektieren: Nach Zurücksetzen der ID darf eine neue Werbe-ID nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers mit einer vorherigen Werbe-ID oder daraus stammenden Daten verknüpft werden. Darüber hinaus müssen Sie die vom Nutzer gewählte Einstellung zur Deaktivierung interessenbezogener bzw. personalisierter Werbung respektieren. Wenn ein Nutzer diese Einstellung aktiviert hat, dürfen Sie die Werbe-ID nicht zum Erstellen von Nutzerprofilen zu Werbezwecken oder zur Schaltung von personalisierter Werbung nutzen. Zulässig sind hingegen kontextbezogene Werbung, Frequency Capping, Conversion-Tracking, die Erstellung von Berichten sowie Sicherheits- und Betrugserkennung.
  • Transparenz gegenüber Nutzern: Die Erfassung und Nutzung der Werbe-ID sowie die Verpflichtung zur Einhaltung dieser Bestimmungen muss den Nutzern in einer rechtlich angemessenen Benachrichtigung zum Datenschutz mitgeteilt werden. Weitere Informationen zu unseren Datenschutzstandards finden Sie in unseren Richtlinien zu Nutzerdaten.
  • Einhaltung der Nutzungsbedingungen: Die Werbe-ID darf ausschließlich gemäß den vorliegenden Bestimmungen verwendet werden. Dies gilt auch für sämtliche Parteien, an die Sie die ID im Rahmen Ihrer Geschäftstätigkeit weitergeben. In allen Apps, die bei Google Play hochgeladen oder veröffentlicht werden, muss zu Werbezwecken die Werbe-ID, sofern auf einem Gerät vorhanden, anstelle sonstiger Geräte-IDs verwendet werden.
Hier gibt's einen Überblick zum Datenschutz in Deutschland.

Fazit: Oft gebrochene Regeln

Würden sich alle Dienste an diese Regeln halten, wäre die Werbe-ID eine ziemlich gute Lösung sowohl für Werbetreibende als auch für die Wahrung der Privatsphäre. Unsere App-Tests lassen allerdings darauf schließen, dass sich die Dienste oft nicht daran halten.

So fragen Apps reihenweise Login-Daten zusammen mit der Werbe-ID ab – was bereits einen Verstoß gegen die Verknüpfung der ID mit personenbezogenen Daten darstellt. Auch Analysedienste halten sich nicht an die Regeln und fragen die Werbe-ID offenbar standardmäßig zusammen mit anderen Kennnummern ab, die eindeutig mit Ihrem Gerät verknüpft sind.

Daher lautet unser Tipp: Gönnen Sie sich und der Werbeindustrie einen Neubeginn. Ändern Sie Ihre Werbe- oder Ad-ID und schalten Sie die personalisierte Werbung aus. So verwischen Sie Ihre Spuren und Dienstanbieter erfahren so wenig wie möglich über Ihr Privatleben.

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Die Autorin

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Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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