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Handy orten – welche Möglichkeiten gibt es?

Ein Artikel von , veröffentlicht am 14.08.2015, bearbeitet am09.05.2022

Viele Apps zeigen den eigenen Standort auf einer Karte an und wer sein Handy verlegt hat, kann es selbst orten. Aber woher weiß ein Handy eigentlich, wo es ist? Wir erklären die Ortung per GPS, WLAN und Mobilfunk.

Der Standort eines Smartphones oder Tablets kann auf verschiedene Arten ermittelt werden. Die wichtigsten Hilfsmittel dafür sind GPS (Global Positioning System), WLAN und Mobilfunk.

Im Falle von GPS ermittelt das Gerät selbst seine Position durch Kommunikation mit Satelliten. Diese Position kann es dann per Internet oder Mobilfunk versenden.

Bei der Ortung über WLAN schickt das Smartphone oder Tablet eine Liste der WLAN-Netze, die es an seinem Aufenthaltsort empfängt, über das Internet an eine Datenbank. Dort sind die Positionen vieler WLAN-Netze gespeichert. Die gesendete Liste wird mit den bekannten Netzen abgeglichen und dadurch der Standort ermittelt. Den ermittelten Standort sendet die Datenbank dann an das Gerät zurück. Das Gerät muss dazu nicht bei den WLAN-Netzen angemeldet sein, es genügt, wenn es deren Namen (SSID) empfängt.

Solche Datenbanken betreiben neben Apple und Google auch verschiedene andere Anbieter. Besonders in Städten kann dieses Verfahren genauer sein als GPS. Insbesondere wenn mehrere WLAN-Netze gleichzeitig erkannt werden, lässt das ziemlich genau auf den Standort schließen. Das Verfahren kann außerdem GPS ersetzen, wenn kein Satellitenempfang besteht.

Die Ortung über das Mobilfunknetz erfolgt mit Hilfe der Mobilfunkmasten, bei denen sich das Handy bei aktiver Mobilfunkverbindung einwählt. Diese sogenannte Funkzellenortung ist in der Regel ungenauer als die Standortbestimmung per GPS und WLAN.

Wenn Sie bei Ihrem Gerät die Standortermittlung einschalten, nutzt es in der Regel eine Kombination aus GPS und WLAN, um den eigenen Standort zu ermitteln. Apps, die auf Ihrem Gerät installiert sind, können diesen ermittelten Standort dann abfragen und für ihre jeweilige Funktion nutzen.

Wie Sie die Standortermittlung bei Android ausschalten, erfahren Sie hier.

Das eigene Handy aus der Ferne orten

Sowohl iPhones als auch Smartphones mit Android-Betriebssystem haben standardmäßig eine Funktion, mit der Sie Ihr Handy selbst aus der Ferne orten können. Das kann im Verlustfall sehr nützlich sein. Die Funktion muss eingeschaltet werden, bevor Sie Ihr Gerät verlieren. Das verlorene Gerät kann nur geortet werden, wenn es eine Internetverbindung hat.

Bei Android heißt die Funktion "Mein Gerät finden". Sie finden sie in den Einstellungen des Gerätes (Zahnrad-Symbol). Am besten öffnen Sie die Einstellungen und geben "Mein Gerät finden" in das Suchfeld ganz oben ein. Wenn die Funktion aktiviert und die Standortermittlung Ihres Gerätes eingeschaltet ist, können Sie Ihr Gerät über den Link android.com/find orten. Sie benötigen dafür die Login-Daten für Ihr Google-Konto. Eine genaue Anleitung finden Sie auf der Hilfe-Seite von Google.

Bei iOS heißt die Funktion "mein iPhone/iPad suchen". Sie finden die iOS-Funktion über den Pfad Einstellungen - Nutzername - iCloud - Mein iPhone suchen. Ist sie aktiviert, können Sie ihr Gerät über den Link  icloud.com/find orten. Sie benötigen dafür die Login-Daten für Ihre iCloud. Die Ortung funktioniert auch dann, wenn die Standortermittlung ausgeschaltet war. Eine genaue Anleitung finden Sie auf der Hilfe-Seite von Apple.

Was Sie tun können, wenn Ihr Smartphone weg ist, erfahren Sie hier für Android und hier für iOS.

Ortung mit Apps von Drittanbietern

Für Android-Geräte bieten auch viele Hersteller von Sicherheitssoftware Ortungs-Apps an. Meist können diese nicht nur das Handy orten, sondern schützen beispielsweise auch vor Schadprogrammen. Auch einige Gerätehersteller wie etwa Samsung oder Sony haben ihre eigenen Fernortungs-Apps entwickelt.

All diese Apps zur Fernortung lesen die Standortdaten des Gerätes aus und senden sie in der Regel über das Internet an den Server des jeweiligen App-Herstellers. Auf diesen Server können Nutzer*innen dann über ein Nutzerkonto zugreifen und die Ortsdaten sehen. Für diese Art der Ortung muss die App auf dem Gerät installiert sein, bevor Sie es verloren haben. Das verlorene Gerät muss mit dem Internet verbunden und die Standortermittlung muss aktiviert sein.

Manche Fernortungs-Apps für Android können die Standortdaten per SMS an eine vorher festgelegte Nummer versenden. Smartphones können dann auch ohne Verbindung zum Internet geortet werden und die Standortdaten landen nicht beim Hersteller der App. In diesem Fall werden die GPS-Daten nicht über das Internet übermittelt, sondern per SMS über das Mobilfunknetz.

Es ist in Deutschland verboten, Apps zur Fernortung ohne die Zustimmung des Besitzers auf einem Gerät zu installieren und zu benutzen.

Ortung über das Mobilfunknetz

Ganz anders funktioniert die Standortbestimmung über das Mobilfunknetz, auch GSM-Ortung oder Funkzellenortung genannt. Um telefonieren zu können, meldet sich jedes Mobiltelefon mit seiner Telefonnummer beim nächstgelegenen Mobilfunkmast an. Der Mobilfunkbetreiber kann daher sehen, welche Telefonnummer an welchem Mast angemeldet ist.

Anhand der Standorte der Mobilfunkmasten kann dann die ungefähre Position des Gerätes bestimmt werden. In Stadtgebieten mit vielen Sendemasten liegt die Genauigkeit zwischen 40 und 500 Metern. Auf dem Land kann die Abweichung mehr als 10 Kilometer betragen.

Genau genommen ortet der Mobilfunkanbieter bei diesem Verfahren nicht das Gerät selbst, sondern die eingelegte SIM-Karte. Die dort gespeicherte IMSI-Nummer, die ein Handy bei der Anmeldung beim Mobilfunkmast ebenfalls übermittelt, nutzt der Mobilfunkanbieter zur Ortung.

Selbst wenn man alle Ortungsdienste des Smartphones ausgeschaltet hat, kann durch diese Methode also immer noch der ungefähre Standort des Geräts ermittelt werden. Verhindern können Sie das nur, indem Sie die SIM-Karte entfernen.

Wer darf über das Mobilfunknetz orten?

Die GSM-Ortung funktioniert bei jedem Gerät mit SIM-Karte, solange es im Mobilfunknetz angemeldet ist. Sie funktioniert, ohne vorher eine Software zu installieren oder sich anzumelden.

Wählt man mit einem Handy die Notrufnummer 112, werden automatisch bestimmte Informationen vom Mobilfunkanbieter an die Rettungsleitstelle übermittelt. Die Leitstelle kann dann die Mobilfunkzelle erkennen, aus der die Verbindung aufgebaut wird.

Auch Behörden können Standortdaten von Mobilfunkbetreibern abfragen, zum Beispiel bei der Verfolgung einer schweren Straftat oder wenn Gefahr droht. Das kann der Fall sein, wenn eine Person vermisst wird oder suizidgefährdet ist.

Wie die Ortung über Mobilfunkzellen im Notfall abläuft, ist in diesem Beitrag des ProSieben-Formats Galileo anschaulich erklärt (ab Minute 6:30).

Funkzellenortung als kommerzieller Dienst

Nach § 98 des Telekommunikationsgesetzes dürfen deutsche Mobilfunkbetreiber die GSM-Ortsdaten auch an Dritte verkaufen, zum Beispiel an kommerzielle Ortungsdienste. Diese können dann wiederum Firmen oder Privatpersonen anbieten, gegen Bezahlung den Aufenthaltsort einer SIM-Karte zu bestimmen.

Entsprechend gibt es kommerzielle Anbieter, die damit werben, das Smartphone anhand der Telefonnummer zu Orten. Prinzipiell ist das legal, sofern vorher die Einwilligung des Besitzers eingeholt wird, dessen SIM-Karte geortet werden soll. Ortungsdienste müssen den Netzbetreibern vertraglich zusichern, diese Bedingung einzuhalten.

In der Praxis bedeutet das, dass man sich vor einer Fernortung bei dem entsprechenden Dienst online anmelden und durch eine Bestätigungs-SMS beweisen muss, dass man im Besitz der zu ortenden SIM-Karte ist. Zudem muss man die SIM-Karte per SMS beim Mobilfunkbetreiber für die Ortung freischalten.

Auf dem Gebiet der kostenpflichtigen Funkzellenortung tummeln sich allerdings viele unseriöse Anbieter. Die meisten Dienste, die versprechen, ein Gerät ohne Voranmeldung zu orten, sind nicht vertrauenswürdig und führen zu Abofallen. Auch Dienste mit Voranmeldung funktionieren oft nicht. Denn nicht alle Mobilfunkanbieter haben tatsächlich Verträge mit solchen Diensten.

Seit der Novelle des Telekommunikationsgesetzes 2012 muss zudem bei jeder Ortung, die durch einen kommerziellen Anbieter erfolgt, eine SMS an das geortete Gerät geschickt werden, die darüber informiert. Dadurch soll das heimliche Orten von Personen unterbunden werden.

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Miriam Ruhenstroth

Begleitet mobilsicher.de seit der Gründung – zuerst als freie Autorin, dann als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt, das 2020 um den AppChecker erweitert wurde. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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