Ratgeber

Kill Switch: die Aktivierungssperre von Android

Ein Artikel von , veröffentlicht am 17.01.2018, bearbeitet am01.04.2022
Foto: marla66, Pixabay, CC0

Die Aktivierungssperre soll Handys und Tablets für Diebe unbrauchbar machen. Allerdings ist sie nicht auf allen Android-Geräten aktiviert, vor allem nicht auf älteren. Zudem findet sich im Internet reichlich Software, mit der man den Schutz angeblich aushebeln kann.

Handy zurücksetzen mit Hard Reset

Wenn Sie sich aus Ihrem eigenen Smartphone ausgesperrt haben oder der Bildschirm nicht mehr reagieren will, kann ein Hard Reset helfen. Dabei lösen Sie den Prozess des Zurücksetzens beim ausgeschalteten Handy durch bestimmte Tastenkombinationen aus, zum Beispiel durch Drücken der Power und Laut/Leiser-Tasten. Ihre Daten werden dabei Daten gelöscht - das Gerät setzt sich wieder in den Zustand zurück, in dem es das Werk verlassen hat.

In den Anfangszeiten von Android war diese Funktion aber auch ein Einfallstor für Handy-Diebe. Denn mit dem Hard Reset konnte ein gestohlenes Gerät einfach auf Werkseinstellungen zurückgesetzt und dann weiterverkauft werden - ganz egal, ob vorher eine Bildschirmsperre eingerichtet war oder nicht.

Was Sie tun können, um bei einem Diebstahl vorbereitet zu sein, erfahren Sie in unserem Ratgeber Handy gegen Diebstahl sichern.

Schutzmaßnahme gegen Diebstahl

In der Android-Version 5 (September 2015) stellte Google daher eine neue Funktion vor, die das verhindern soll: der Kill Switch, der das Gerät für unbefugten Zugriff völlig unbrauchbar macht. Die Funktion wird auch Aktivierungssperre oder „Factory Reset Protection“ – kurz FRP – genannt. Bei Android 5.0 war die Funktion noch nicht überall implementiert, spätestens auf Geräten, die mit 6.0 oder neuer ausgeliefert wurden, ist sie jedoch ab Werk vorhanden.

Die Idee: Wer ein Android-Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzt und es starten will, muss die Zugangsdaten für genau das Google-Konto eingeben, mit dem das Gerät zuletzt verbunden war. Wer diese Zugangsdaten nicht kennt, kommt nicht weiter – das Gerät ist faktisch wertlos.

Die Funktion ist immer dann aktiv, wenn das Handy mit einem Google-Konto verknüpft und die Bildschirmsperre mit PIN oder Muster eingerichtet ist.

Wie Sie auf Android-Geräten eine Bildschirmsperre einrichten, erläutern wir in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Einige Hersteller, zum Beispiel Samsung und Sony, bieten auch eine eigene Reaktivierungssperre an. Dazu muss man aber ein Nutzerkonto beim jeweiligen Unternehmen anlegen. Nach einem Hard Reset des Smartphones kommt man dann nur weiter, wenn man das Passwort für das jeweilige Nutzer-Konto eingibt.

Weniger Diebstahl dank Kill Switch?

Die Factory Reset Protection für Android-Geräte ist durchaus sinnvoll und hat die Zahl der Diebstähle gesenkt. Trotdem sind Smartphones nach wie beliebte Beute für Diebe. Das hat folgende Gründe:

  • Auch gesperrte Geräte sind wertvoll, weil sie als Ersatzteillager genutzt werden können.
  • Viele Nutzer*innen haben keine Bildschirmsperre bei ihrem Gerät eingerichtet. Bei solchen Geräten ist auch die Aktivierunssperre nicht aktiv - sie sind für Diebe besonders wertvoll.
  • Die Aktivierungssperre ist nicht hundertprozentig sicher. Im Netz kursieren viele Anleitungen und Tools, die versprechen, die Factory Reset Protection auszuhebeln. Diese Anleitungen variieren von simpel bis kompliziert. Wie gut diese Anleitungen funktionieren, haben wir nicht getestet. Es ist aber anzunehmen, dass es eine gewisse Erfolgsquote gibt. Oft steckt dahinter aber auch nur der Versuch, ein Software-Tool zu verkaufen.

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Corona-Kontaktverfolgung: Die Schnittstelle von Apple und Google

Auch nach ihrem Erscheinen sorgt sie weiterhin für Kontroversen: Die Schnittstelle von Google und Apple, auf die Apps zum Nachverfolgen von Kontakten zugreifen können. Wir erklären, wie sie arbeitet, welche Einstellmöglichkeiten es gibt und wie es um den Datenschutz steht.

Mehr
Ratgeber 

Google Family Link: Was Sie über die Kindersicherung wissen sollten

Mit Googles Kindersicherung Family Link können Sie auf dem Android-Handy Ihres Kindes Sperrzeiten für Apps und das ganze Gerät festlegen. Dabei werden allerdings sämtliche Nutzungsdaten über Google-Server geleitet, sodass der Konzern sie mitlesen kann.

Mehr
YouTube-Video 

Social Media-Accounts aufräumen mit der App Jumbo

Was Sie vor Monaten Alexa erzählt oder vor Jahren bei Facebook gepostet haben, haben Sie wahrscheinlich längst vergessen. Doch diese Dienste haben oft ein sehr gutes Gedächtnis. Die App Jumbo zeigt Ihnen, was sich dort angesammelt hat - und hilft Ihnen beim Aufräumen. Im Video erfahren Sie, wie das funktioniert!

Ansehen
Ratgeber 

Cloud-Dienst Tresorit kurz vorgestellt

Wenn Sie Dokumente oder Fotos in einer Cloud speichern, können Sie jederzeit über das Internet darauf zugreifen. Der Cloud-Dienst Tresorit legt alle Ihre Inhalte automatisch Ende-zu-Ende-verschlüsselt ab. In der Basisversion ist der Dienst kostenlos.

Mehr