Ratgeber

Was ist eine IMEI – und wozu braucht man sie?

Ein Artikel von , veröffentlicht am 02.10.2015, bearbeitet am23.11.2018

Um die IMEI-Nummer ranken sich viele Mythen und Missverständnisse: Kann man ein gestohlenes Handy damit orten oder sperren oder keins von beiden? Kann man die IMEI ändern oder bricht dann das Telefonnetz zusammen? Und wo finde ich überhaupt diese ominöse Nummer? Wir haben die Antworten für euch zusammengetragen.

Was ist die IMEI?

Jedes Smartphone oder Tablet mit einem Mobilfunkchip verfügt über eine sogenannte IMEI-Nummer. Die Abkürzung steht für: International Mobile Station Equipment Identity). Diese Nummer besteht aus 15 Ziffern und ist theoretisch für jedes Gerät weltweit eindeutig - das bedeutet, dass jede Nummer nur einmal vergeben wird.

Wenn man ein Smartphone anschaltet, bucht es sich in eines der verfügbaren Mobilfunknetze ein. Erst dann kann man telefonieren, SMS schicken oder das mobile Internet nutzen. Bei dem Anmeldeprozess wird unter anderem die IMEI-Nummer an den Mobilfunkbetreiber übertragen.

IMEI und die schwarzen Listen

Einige Mobilfunkbetreiber pflegen eine sogenannte „Schwarze Liste“ mit Geräten, die sich nicht einwählen dürfen. Zum Beispiel, weil das Gerät mit dieser IMEI-Nummer als gestohlen gemeldet wurde.

In Deutschland hat das zum Beispiel Vodafone praktiziert, die Praxis jedoch im August 2014 eingestellt. Begründung: Der Aufwand sei relativ hoch, der Nutzen gering, da andere Mobilfunkprovider entweder gar nicht mitmachen oder ihre eigenen Listen nicht miteinander abgleichen. Damit könne ein Dieb das gestohlene Handy dann noch immer im Ausland oder im Netz eines anderen Providers nutzen. Außerdem könne man die IMEI auch ändern. Nach mobilsicher-Informationen arbeitet hierzulande aktuell nur noch die Deutsche Telekom an einem solchen Ansatz.

Vorsicht bei gebrauchten Handys

Anders sieht das im Ausland aus: In den USA, in Kanada, Großbritannien und vielen anderen Ländern werden Mobilgeräte relativ konsequent von den Providern blockiert, wenn deren IMEI-Nummer gestohlen gemeldet wird. Das führt regelmäßig zu bösen Überraschungen bei gebraucht gekauften Geräten und zu zahllosen Foreneinträgen über blockierte Geräte.

Dafür nutzen viele Provider die IMEI-Datenbank der GSMA. Die GSMA ist die globale Industrievereinigung der Mobilfunkprovider und vergibt unter anderem die IMEI-Nummern an die Gerätehersteller. Daher führt sie ohnehin ein zentrales Register aller IMEI-Nummern und vermerkt auch, ob eine IMEI als gestohlen, verloren oder sonstwie fehlerhaft gemeldet wurde.

Die Datenbank der GSMA können Endverbraucher nicht einfach so einsehen. Viele Provider und Gerätehersteller führen aber auch eigene Listen und stellen diese zur Verfügung. Inzwischen gibt es etliche Dienste, die diese Datenbanken aggregiert haben. Es kann daher nicht schaden, vor einem Gebrauchtkauf die IMEI vorher in einer oder mehrerer der verfügbaren Datenbanken zu überprüfen.

Kann man ein Handy über die IMEI orten?

Eine Ortung von Smartphones nehmen die Provider nicht mittels der IMEI vor. Bei der sogenannten Funkzellenortung werden immer nur die SIM-Karten über die Telefonnummer geortet.

Ähnlich wie die Fahrzeuggestellnummer beim Auto oder die Rahmennummer beim Fahrrad sollte man bei einem gestohlenen Smartphone die IMEI-Nummer der Polizei und dem Mobilfunkbetreiber melden. Die Polizei kann das Gerät dann eindeutig identifizieren, falls es gefunden wird.

IMEI-Nummer finden und ändern

Die IMEI-Nummer eines Smartphones wird angezeigt, wenn man mit dem Wähltastenblock die Zeichenkombination*#06# eingibt und eventuell noch die „Anrufen“ Taste drückt. Oft ist die Nummer zudem auf dem Gerät direkt zu finden, bei Smartphones mit auswechselbarem Akku zum Beispiel unter der Schutzhülle. Auch auf der Originalverpackung steht in der Regel die IMEI auf einem Etikett.

Eigentlich sollte die Nummer fest in das Gerät „eingebrannt“ sein. Aber je nach Gerät ist es mit entsprechender Software möglich, den Chip, der die IMEI-Nummer speichert, zu manipulieren und die Nummer zu ändern.

Das Ändern der IMEI-Nummer steht in einigen Ländern, zum Beispiel Großbritannien, unter Strafe. In Deutschland ist die Änderung der IMEI-Nummer nicht ausdrücklich per Gesetz verboten. Wer bei einem gestohlenen Smartphone die IMEI-Nummer ändert, könnte aber aufgrund des § 269 StGB belangt werden. Der Paragraf besagt, dass das Fälschen von Beweisen in polizeilichen Ermittlungen – und das könnte bei einem gestohlenen Smartphone die IMEI-Nummer sein - strafbar ist.

Geräte mit manipulierten IMEI-Nummern können zu IMEI-Doppelungen führen. Wie die Provider damit umgehen, ist unterschiedlich - in Deutschland dürfte aber herzlich wenig passieren. Nach Auskunft von Vodafone dürfen hierzulande überschriebene oder doppelte IMEI´s weder gesperrt noch abgewiesen werden, da es hierfür keine Rechtsgrundlage gibt.

IMEI und IMSI

Neben der IMEI-Gerätenummer überträgt das Smartphone oder Tablet zudem die IMSI-Nummer (International Mobile Subscriber Identity). Das ist eine Zahlenkombination, die nicht auf dem Gerät gespeichert ist, sondern über die eingelegte SIM-Karte generiert wird. Wer also seine bisher genutzte SIM-Karte in ein neues Smartphone steckt, bekommt eine neue IMEI-Nummer (da es ein anderes Gerät ist), behält aber die alte IMSI-Nummer.

Interessant ist die IMSI-Nummer auch, wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht. Denn sofern Smartphones nicht ausgeschaltet sind oder sich im Flugmodus befinden, suchen sie automatisch die nächstgelegenen Mobilfunkmasten und buchen sich dort ein.

Der Mobilfunkanbieter – und damit auch die Sicherheitsbehörden, die unter Umständen Zugriff auf dessen Daten erhalten - können damit das Bewegungsprofil eines Smartphone-Besitzers ziemlich genau nachvollziehen. Wie genau, das zeigt eine Visualisierung der Verbindungsdaten des Grünen-Politikers Malte Spitz, die 2009 bei Zeit Online erschien.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Schritt für Schritt: Bluetooth ausschalten

Ein ausgeschaltetes Bluetooth-Gerät kann niemand angreifen oder sich heimlich damit verbinden. Daher sollte die Funktion bei Smartphone oder Tablet nur an sein, wenn sie auch genutzt wird. Doch Vorsicht: Aus ist nicht gleich aus.

Mehr
Ratgeber 

Handy für Kinder einrichten (Android)

Wer seinem Kind ein Smartphone schenken möchte, tut gut daran, es vorher selber zu konfigurieren. So werden die Weichen in Sachen Privatsphäre gleich richtig gestellt. Wir führen Sie durch die wichtigsten Schritte - von den Grundeinstellungen über App-Auswahl bis zum Einrichten verschiedener Nutzerkonten.

Mehr
Ratgeber 

So einfach lässt sich ein Android-Gerät verschlüsseln

Ein verschlüsseltes Android-Smartphone oder -Tablet ist vor unerwünschten Mitlesern bestens geschützt. Und während der Vorgang bis vor kurzem eher etwas für Profis war, ist es inzwischen ganz einfach und sicher. Wir zeigen Schritt für Schritt, wie es geht.

Mehr
Ratgeber 

Pokémon GO: Tipps zu Sicherheit und Datenschutz

Die App Pokémon GO ist schwer in Mode: Mehr als zehn Millionen mal wurde das Spiel bereits installiert. Doch die App ist auch ein geschickter Datensammler. Und: personenbezogene Daten gehen auch an Unternehmen, deren Namen die Nutzer nie erfahren.

Mehr