Kinder und Jugendliche

Cybermobbing: Zahlen und Fakten

Ein Artikel von , veröffentlicht am 14.09.2017
Pixabay,CC0

Für viele Schüler beginnt mit der Schule nach den Sommerferien wieder das tägliche Spießrutenlaufen – auch online. Wir geben einen Überblick, wie häufig Cybermobbing ist, wo und wie es stattfindet und wie drastisch die Auswirkungen sein können.

Ein soziales Problem in technischem Gewand

Digitale Plattformen und Kanäle bieten spezifische Möglichkeiten, Menschen mit Worten, aber auch mit Bildern und Videos fertigzumachen. Das können Beleidigungen über Messenger wie Whatsapp sein, das Veröffentlichen peinlicher Fotos auf Bilderdiensten wie Instagram oder das Erstellen von Hassgruppen auf Facebook.

Mobbing ist unter Jugendlichen und Erwachsenen nichts Neues. Laufen solche Angriffe aber über digitale Geräte wie Smartphone, PC oder Tablet ab, kann das deutlich belastender sein. Denn die herkömmliche Mobbing-Situation endet im geschützten Raum der eigenen Wohnung. Digital verbreitete Beleidigungen und böse Gerüchte können einen jedoch auch später weiter verfolgen – mit jedem Blick aufs Smartphone.

Wie herkömmliches Mobbing ist Cybermobbing in erster Linie ein soziales Problem und lässt sich nur bedingt durch technische Mittel lösen.

Soziale Netzwerke als Brandbeschleuniger

„Soziale Netzwerke wirken wie Brandbeschleuniger bei Mobbing“, so Bruno Lux, ehemaliger Leiter der Schulberatungsstelle Niederbayern und seit vielen Jahren Referent für digitale Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen, im Gespräch mit mobilsicher.de. Das Bild trifft den Unterschied zum herkömmlichen Mobbing auf dem Pausenhof sehr gut.

Denn wird ein beleidigender Post oder ein peinliches Foto in einem sozialen Netzwerk hochgeladen, vergrößert sich das Publikum des Mobbings. Gänzlich Unbekannte können den fiesen Witz oder das unangenehme Bild sehen und teilen, kommentieren und liken.

Außerdem verschwindet ein Mobbing-Vorfall nicht mehr einfach so aus dem Leben. Die Inhalte bleiben im Netz und lassen sich mitunter schwer löschen.

Bruno Lux unterscheidet vier Hauptformen von Cybermobbing:

  1. Üble Nachrede: das Verbreiten von Gerüchten über Mitschülerinnen und Mitschüler
  2. Beleidigung: direktes Versenden von beleidigenden Nachrichten
  3. Ausgrenzung aus Internetaktivitäten: Ausschluss auf digitalen Plattformen
  4. Verletzen des persönlichen Lebensbereichs: Weiterleiten von privaten Informationen oder Dateien der Betroffenen, um das Opfer bloßzustellen

Wie und wo wird am häufigsten gemobbt?

Der Verein „Bündnis gegen Cybermobbing“ führte im Mai 2017 die Studie „Cyberlife II“ zu diesen Fragen durch. Der Verein wird von Fördergeldern aus der Privatwirtschaft getragenen, die Studie wurde von der Deutschen Telekom unterstützt. Rund 1.900 Kinder und Jugendliche nahmen teil.

  • 69 Prozent gaben an, dass sie online beleidigt oder beschimpft wurden.
  • 45 Prozent berichten über die Verbreitung von Lügen und Gerüchten.
  • 24 Prozent wurden unter Druck gesetzt, erpresst oder bedroht.
  • 22 Prozent erlebten, dass private Fotos kopiert und woanders veröffentlicht wurden.
  • 12 Prozent berichteten, dass in ihrem Namen ein Fakeprofil erstellt wurde.

Als Kanal für Cybermobbing erleben Schülerinnen und Schüler am häufigsten (zu etwa 80 Prozent) Instant Messenger wie Whatsapp. Es folgen (zu rund 50 Prozent) soziale Netzwerke wie Facebook und mit großem Abstand Chatrooms, E-Mails und Foren.

Wie verbreitet ist Cybermobbing?

In der repräsentativen Erhebung „Jugend, Information, (Multi)-Media 2016“ wurden 1.200 12- bis 19-Jährige zu diesem Thema befragt. Durchgeführt wurde die Studie vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, der von zwei baden-württembergischen Landesbehörden getragen wird.

Eine Frage lautete, ob die Jugendlichen jemanden im Bekanntenkreis kennen, der „schon mal per Handy oder Internet fertiggemacht wurde“.

  • Etwa ein Drittel (34 Prozent) antworteten mit Ja.
  • 8 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen das selbst schon passiert ist. Hochgerechnet entspricht das etwa 500.000 von Cybermobbing betroffenen Jugendlichen in Deutschland.

Die Studie „Cyberlife II“ vom Verein „Bündnis gegen Cybermobbing“ interessierte sich zusätzlich für die Gegenperspektive. Etwa 13 Prozent der rund 1.900 befragten Kinder und Jugendlichen gaben an, dass sie bereits einmal Täter oder Täterin einer Cybermobbing-Attacke waren.

Interessant: Die Rollen sind dabei recht klar verteilt. Die große Mehrheit der Täterinnen und Täter gab an, dass sie noch nie betroffen waren – nur ein Fünftel war selbst schon einmal Opfer von Cybermobbing gewesen.

Schwere psychische Belastung

Das Bündnis gegen Cybermobbing hält die Auswirkungen für beunruhigend. Jedes fünfte Opfer hatte laut der Studie Cyberlife II schon einmal Selbstmordgedanken, ein Drittel der Betroffenen fühlt sich dauerhaft belastet.

Die Studie kommt zum Schluss: „Cybermobbing hat sich zu einem dauerhaft virulenten Problemfeld in Schulen und im privaten Umfeld der Jugendlichen entwickelt.“

Was betroffene Kinder und Jugendliche tun können und was ein Cybermobbing-Experte Eltern und Schulen empfiehlt, erfahren Sie in Teil Zwei des Artikels „Was tun gegen Cybermobbing“.

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Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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