Ratgeber

Schadprogramme: Was tun bei Infektionen? (Android)

Ihr Android-Gerät ist plötzlich extrem langsam, überträgt ungewöhnlich viele Daten, es erscheinen seltsame Warnungen, oder es spielt anderweitig verrückt? Dann könnte es sein, dass Sie sich ein Schadprogramm eingefangen haben. Nutzer haben dann mehrere Optionen.

Aktualisiert am
Veröffentlicht am
Autor
Schlagworte
Schadprogramme · Viren · Virenscanner
Drucken

Aktualisiert am

Infektionen erkennen und einordnen

Schadprogramme auf Smartphone oder Tablet machen sich oft durch typische Anzeichen bemerkbar. Dazu gehören: Das Gerät ist auch nach einem Neustart sehr langsam, stürzt unerwartet ab, der Akku entleert sich schnell. Beachten Sie in dem Fall folgende Hinweise:

Datenverbrauch überprüfen
Schadprogramme sammeln oft Daten und versenden sie. Wenn Sie eine Infektion vermuten, überprüfen Sie, ob ungewöhnliche Datenübertragungen zu ungewöhnlichen Zeiten stattgefunden haben. Sie finden diese Information in den Geräte-Einstellungen unter dem Punkt Datenverbrauch.

Verdeckte Werbe-Apps
Es tauchen ständig Werbebanner oder andere Fenster auf Ihrem Bildschirm auf? Oft ist der Urheber davon eine scheinbar harmlose App, die Sie vor einiger Zeit selbst installiert haben. Manchmal beginnen solche Apps erst Wochen nach der Installation, Werbung einzublenden, oder andere unerwünschte Aktionen durchzuführen. Das macht es schwierig, herauszufinden, welche App der Urheber ist. Überlegen Sie genau, was Sie in letzter Zeit installiert haben.

Infektionen entfernen

1. App deinstallieren
Wenn Sie wissen, welche App die Probleme auf Ihrem Gerät verursacht, oder wenn Sie einen konkreten Verdacht haben, dann deinstallieren Sie die betreffende App. Navigieren Sie dazu in den Geräteeinstellungen zum Punkt Apps (bei manchen Herstellern auch Anwendungsmanager). Dort sind alle installierten Apps gelistet. Tippen Sie auf die App, die Sie deinstallieren wollen. Es öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem der Button deinstallieren angezeigt werden sollte.

2. Geräteadministratoren prüfen
Falls sich die App nicht deinstallieren lässt, prüfen Sie, ob sie den Status Geräteadministrator hat. Navigieren Sie zu Geräteeinstellungen>Sicherheit > Geräteadministratoren. Falls die besagte App dort gelistet und das Häkchen gesetzt ist, kann sie nicht deinstalliert werden. Entfernen Sie das Häkchen. Nun sollte die Deinstallation gelingen.

3. Mit Antiviren-App entfernen
Wenn es sich um ein bereits bekanntes Schadprogramm handelt, sollten Antiviren-Apps dieses problemlos erkennen und entfernen können. Installieren Sie dazu eine kostenlose Antiviren-App aus Googles Play-Store. Bekannte Produkte, die im unabhängigen Testlabor AV-Test gut abgeschnitten haben, sind zum Beispiel:

Starten Sie die App Ihrer Wahl und lassen Sie Ihr Gerät scannen. Falls nichts erkannt wird, probieren Sie einen anderen Hersteller. Neue Schadprogramme erkennen solche Apps aber eher schlecht. In der Regel ist es nicht nötig, solche Programme dauerhaft zu verwenden.

4. Antiviren-App über PC installieren
Manche Infektionen stören die Gerätefunktion so, dass Sie nicht mehr zum Play-Store navigieren können. Wenn das Gerät aber angeschaltet bleibt und eine Internetverbindung besteht, kann es gelingen, eine Antivirus-App über den Computer installieren.

Öffnen Sie dazu einen Browser auf Ihrem Computer, zum Beispiel Mozilla Firefox. Rufen Sie diese Internetseite auf:

https://play.google.com/store

Melden Sie sich bei Ihrem Google-Konto an. Nutzen Sie dafür die Anmeldeinformationen, die Sie bei der ersten Benutzung Ihres Android-Gerätes angegeben haben. Sie sehen nun die Play-Store-Startseite. Klicken Sie auf „Apps“. Suchen Sie dort eine geeignete App aus und klicken Sie auf Installieren. Falls mehrere Geräte an Ihrem Google-Konto angemeldet sind, wählen Sie das betroffene Gerät aus. Die App wird nun automatisch auf Ihrem Gerät installiert, wenn es das nächste Mal Kontakt zum Play-Store aufnimmt. Es gibt allerdings Schadprogramme, die diesen Schritt blockieren können.

5. Schadprogramme im abgesicherten Modus entfernen
Im abgesicherten Modus sind alle Apps deaktiviert, die Nutzer nachträglich installiert haben. Schadprogramme, die jegliche Bedienung des Gerätes verhindern, können Sie in diesem Modus entfernen. Das gilt vor allem für sogenannte Ransomware, zu Deutsch Lösegeld-Programme. Oft legen solche Programme nur einen Sperrbildschirm auf Ihr Gerät und verlangen Geld für dessen Entfernung.

Um in den abgesicherten Modus zu kommen, schalten Sie Ihr Gerät ganz aus. Nun müssen Sie beim Einschalten eine bestimmte Tastenkombination drücken, zum Beispiel die +Lautstärke-Taste und den Einschaltknopf gleichzeitig. Welche Kombination man wie lange drücken muss, variiert je nach Hersteller und Modell. Eine Anleitung für Ihr Gerät können Sie beim Hersteller oder Ihrem Verkäufer erfragen, oder Sie suchen unter dem Stichwort „Abgesicherter Modus“ und Ihrem Hersteller- und Modellnamen im Internet danach.

Im abgesicherten Modus sollten Schadprogramme inaktiv sein, die Sperre von einem Lösegeld-Programm müsste zum Beispiel verschwunden sein. Nun können Sie die App deinstallieren, die das Problem verursacht. Falls es nicht geht, prüfen Sie auch in diesem Modus, ob die App den Status „Geräteadministrator“ hat (siehe Punkt 2).

Wenn alle Stricke reißen

Manchmal greift keine der beschriebenen Maßnahmen. In dem Fall sollten Sie das Gerät auf Werkseinstellungen zurück zu setzen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten.

Auf Werkseinstellungen zurücksetzen über Menü
Sie finden die Funktion unter Geräteeinstellungen > Sichern & Zurücksetzen. Alle von Ihnen auf dem Gerät gespeicherten Daten gehen dabei verloren.

Zurücksetzen über abgesicherten Modus
Falls Sie nicht mehr in das Einstellungsmenü navigieren können, weil zum Beispiel der Bildschirm gesperrt ist, können Sie auch im abgesicherten modus Zurücksetzen. Schalten Sie dazu das Gerät ganz aus. Drücken Sie nun beim Einschalten eine bestimmte Tastenkombination. Welche, variiert je nach Hersteller und Gerät. Eine Anleitung für Ihr Gerät können Sie beim Hersteller oder Ihrem Verkäufer erfragen, oder Sie suchen unter dem Stichwort „factory reset“ und Ihrem Hersteller- und Modellnamen im Internet danach.

Neues ROM installieren
Leider gibt es einige seltene Schadprogramme, die es schaffen, sich als „System-App“ zu installieren. In diesem Fall überstehen sie auch das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen. Sollte Ihre Infektion auch nach dem Zurücksetzen noch vorhanden sein, müssen Sie ein neues Betriebssystem (genauer gesagt, ein ROM) installieren. Dieser Vorgang kann technisch recht anspruchsvoll sein. Wir empfehlen, dazu eine fachkundige Person zu Rate zu ziehen.

Sie haben einen Fehler entdeckt oder vermissen einen Artikel zu einem bestimmten Thema?
Schreiben Sie uns eine E-Mail an hinweis@mobilsicher.de!