Ratgeber

Video-Chat Jitsi Meet kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 09.04.2020

Jitsi gilt als datensparsame Alternative zu Skype, Zoom und WhatsApp und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Das Programm ist sehr einfach nutzbar, es ist keine Registrierung und keine Installation nötig. Wirklich abhörsicher ist Jitsi jedoch nicht. Alle wichtigen Infos hier.

Das sind Jitsi und Jitsi Meet

Jitsi ist zunächst eine Software, mit der Nutzer*innen einen eigenen Server für Messaging und Internettelefonie (Audio und Video) aufsetzen können.

Die Software ist quelloffen, jede*r kann den Programmcode ansehen und weiterverwenden. Das Aufsetzen eines eigenen Servers ist allerdings eindeutig etwas für technisch Versierte und dauert zwischen einer und mehreren Stunden.

Mit Jitsi Meet betreibt der Eigentümer der Software, die Firma 8x8 Inc., zusätzlich auch einen fertig eingerichteten Jitsi-Server, den jede*r nutzen kann. Unter dem Link https://meet.jit.si/ können Sie sich mit buchstäblich einem Klick einen eigenen Chatraum erstellen.

Auch weitere Institutionen, darunter viele Universitäten und das IT-Magazin golem.de, betreiben eigene Jitsi-Server, die jede*r nutzen kann. Sie funktionieren genau wie Jitsi Meet und sind für jede*n frei zugänglich. Das Starten eines Chats funktioniert unter meet.golem.de genauso wie bei Jitsi selbst.

Es kursieren verschiedene Auflistungen dieser freien Jitsi-Instanzen. Auf github.com finden Sie eine nach Ländern aufgeteilte Liste, auf der Website der argentinischen Piratenpartei gibt es sogar ein deutschsprachiges Jitsimeter, das die Instanz mit der derzeit besten Übertragungsgeschwindigkeit ermittelt.

So funktioniert Jitsi

Die Kommunikation läuft über den Browser. Am besten funktioniert es mit Google Chrome, aber auch Firefox lief in unserem Test. Apples Safari machte auf MacOS dagegen Probleme.

Sie und Ihre Kommunikationspartner müssen keine Software installieren und auch eine Anmeldung ist nicht nötig. Sie erreichen Ihren Chatraum über einen Link, den Sie Ihren Kommunikationspartnern zukommen lassen.

Charmant: Jeder Chatraum wird zusammen mit dem Link ganz neu erzeugt und verschwindet vollständig, sobald der letzte Teilnehmer den Chatraum verlässt.

Sie können den Dienst auch auf dem Smartphone per Browser benutzen. Alternativ gibt es sowohl fürs iPhone als auch für Android-Geräte (Play-Store oder F-Droid) eine App. Diese App tut im Grunde nichts anderes, als die Jitsi-Meet-Webseite von 8x8 Inc. mobilgerecht darzustellen.

Ärgerlich: Die Android-App aus dem Google Play-Store enthält laut Privacy Exodus drei Tracker. Neben dem allgegenwärtigen Google Firebase auch den Absturzmelder Google Crashlytics und Amplitude, einen Dienstleister für Nutzeranalyse. Wir empfehlen die Version aus dem alternativen App-Store F-Droid - diese enthält keine Tracker.

Jitsi nutzt das ebenfalls quelloffene WebRTC-Protokoll (Web Real Time Communication) um Video- und Audio-Telefonie direkt über den Browser zu ermöglichen.

Qualität in unserem Test

Die Qualität und Stabilität der Videoverbindung ist nach eigenen Erfahrungen sowohl mit einem eigenen Server als auch mit Jitsi Meet mittelmäßig.

Schlechte oder schwankende Verbindungsqualität gleicht die Software spürbar schlechter aus, als es kommerziellen Lösungen wie Skype oder Wire gelingt. Bei wichtigen Gesprächen sollten Sie vorher testen, ob die Verbindungsstärke ausreicht oder einen Plan B bereithalten.

Entwicklung und Finanzierung

Jitsi ist eine quelloffene Software, sie hat aber dennoch einen Eigentümer. Das war früher die Firma Atlassian, die den Dienst 2018 verkauft hat. Neuer Eigentümer ist 8x8 Inc., ein Anbieter von Kommunikationslösungen zum Beispiel für Callcenter, mit Sitz in Kalifornien, USA.

8x8 nutzt die Jitsi-Software als Grundlage für die eigenen, kommerziellen Kommunikationsprodukte – daher finanziert die Firma auch den Großteil der Entwicklung.

Dennoch bleibt das Programm quelloffen und es gibt eine große und aktive Gemeinschaft von Helfer*innen, die sich freiwillig in dem Projekt engagieren. Auch der dezentrale Messaging-Dienst Matrix /Riot nutzt Jitsi für die integrierte Video-Telefonie.

Sicherheit bei Jitsi

Chat-Nachrichten sind bei Jitsi Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Audio- und Videocalls mit mehreren Personen sind hingegen nur transportverschlüsselt. Das bedeutet, die Daten sind auf dem Weg zwischen Server und Endnutzer*in verschlüsselt, werden auf dem Server selbst aber kurzzeitig entschlüsselt.

Bei Video-Gesprächen zwischen zwei Personen gibt es eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Diese kann aber aus technischen Gründen scheitern. Dann fällt das System automatisch auf die Transportverschlüsselung zurück - ohne dass Sie als Nutzer*in darüber benachrichtigt werden. Wenn sich ein Dritter Zugang zu dem Server verschafft, den Sie nutzen, kann er also eventuell mithören.

Sie können jeden Chatraum mit einem Passwort sichern. Das sollten Sie auch tun – ansonsten kann Jede*r, der zufällig den Link zu Ihrem Chatraum aufsucht, dem Gespräch beitreten. Das ist auch der Grund dafür, warum die automatisch vorgeschlagenen Links bei jitsi so seltsame Namen haben - sie sollen vor allem einmalig und schwer erratbar sein.

Die Sicherheit bei der Nutzung von Jitsi Meet ist also eine Frage des Vertrauens in die Betreiberfirma 8x8 Inc. Ein Vorteil: Jitsi setzt auf Datensparsamkeit. Da es keine Anmeldung gibt und keinerlei Daten von Nutzer*innen gespeichert werden, könnten selbst bei einem Einbruch in den Server keine Daten von Nutzer*innen gestohlen werden.

Wem das nicht genug ist, kann Jitsi mit seinem eigenen Server betreiben, den er*sie dann ganz nach Herzenslust sichern kann (mehr Infos auf der Webseite des Dienstes).

Fazit

Extrem einfache, kostenlose und datensparsame Lösung für Videochat mit mehreren Personen - allerdings mit durchwachsener Qualität. Wenn es absolut abhörsicher sein muss, sollten Sie einen eigenen Server aufsetzen.

Hier geht's zurück zu unserer Übersicht: Video-Chat: 12 beliebte Dienste und Geheimtipps.

Die Autorin

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Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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