Firewalls und VPNs

VPN-Dienst auswählen: Das sollten Sie beachten

Ein Artikel von , veröffentlicht am 19.05.2016, bearbeitet am16.01.2020
Bild: Pixabay CC0 / FeeLoona

Wer seine Datenverbindung über einen VPN-Server umleitet, kann seine Datenspuren verwischen. Doch bei der Auswahl des Anbieters sollten Sie sorgfältig sein – denn er hat vollen Zugriff auf Ihre Datenverbindungen. Welche VPN-Apps wir empfehlen, erfahren Sie hier.

VPN-Anbieter auswählen

Es gibt sehr viele VPN-Anbieter – einige davon sind bereits durch zwielichtige Geschäftspraktiken aufgefallen. Der VPN-Anbieter hat theoretisch Zugriff auf Ihren gesamten Datenverkehr. Wählen Sie daher sorgfältig aus.

Hier eine Übersicht der Kriterien, auf die Sie achten sollten:

  • Welche Daten speichert der Anbieter? Viele Dienste speichern dauerhaft Ihre IP-Adresse und wann Sie worauf zugreifen. Manche Dienste löschen diese Daten, sobald sie nicht mehr benötigt werden. Seriöse Dienste informieren auf Ihrer Webseite transparent darüber.
  • Anonyme Nutzung: Muss man sich anmelden? Welche Daten verlangt der Anbieter dafür? Gibt es eine Möglichkeit, dem Anbieter gegenüber anonym zu bleiben und anonym zu bezahlen?
  • Geschäftsmodell: Prüfen Sie bei kostenlosen Anbietern, wie sie sich finanzieren. Ist das Geschäftsmodell unklar, sollten Sie die Finger davon lassen.
  • Serverstandort: Prüfen Sie, in welchem Land der Anbieter seinen Geschäftssitz und seine Server hat. In vielen Ländern können Geheimdienste und Behörden mit geringen Hürden Nutzer*innendaten verlangen, und können gleichzeitig dem Anbieter verbieten, die Nutzer*innen darüber zu informieren. Dies gilt unter anderem in den USA, in Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland (Five Eyes).
  • Internet-Kill Switch und Schutz gegen DNS-Leak: Wenn die Internetverbindung abbricht, sollten VPN-Dienste offene Verbindungen sofort schließen. Sonst kann die echte IP-Adresse sichtbar werden. Diese Funktion nennt sich "Internet Kill-Switch" und sollte im Funktionsumfang des gewählten VPN-Dienstes enthalten sein. Das sogenannte DNS-Leak ist ein weiterer Weg, über den die echte IP-Adresse sichtbar werden kann. Achten Sie bei der Wahl Ihres Dienstes darauf, dass ein Schutz gegen diese Schwachstelle eingebaut ist (meist durch einen eigenen DNS-Server). Sie können das einfach testen, indem Sie über den VPN-Dienst Ihrer Wahl diese Adresse aufrufen: https://www.dnsleaktest.com Wird dort Ihre echte IP-Adresse angezeigt, ist der VPN-Dienst nicht sicher.
  • Tracker: Um einen VPN-Dienst auf dem Smartphone zu verwenden, benötigt man eine App des Anbieters. Achten Sie darauf, dass die App keine Tracker von Drittanbietern enthält. Die Datenbank der französischen Organisation Exodus Privacy kann Ihnen dabei helfen - auch, wenn diese leider nur in englischer oder französischer Sprache verfügbar ist.

Eine sehr detaillierte Vergleichstabelle verschiedener VPN-Anbieter finden Sie hier. Wenn Sie einen VPN-Dienst für den Alltagsgebrauch wünschen, der Ihre Surfgeschwindigkeit nicht spürbar senkt und vertrauenswürdig ist, sollten Sie mit Kosten zwischen fünf und zehn Euro pro Monat rechnen.

Unsere aktuellen Empfehlungen:

  • mullvad VPN: Die Firma hinter dem Dienst heißt Amagicom BV mit Sitz in Gothenburg, Schweden. Preis: 5 Euro / Monat (jederzeit kündbar). Englischsprachige Installations- und Nutzungsanleitungen mit hilfreichen Screenshots finden Sie hier für Android und hier für iOS.
  • Azire VPN: Die Firma hinter dem Dienst heißt Netbouncer AB, mit Sitz in Stockholm, Schweden. Preis: 3,25-5 Euro / Monat (je nach Laufzeit)
  • Blokada VPN: Die Firma hinter dem Dienst heißt Blokada AB, mit Sitz in Gothenburg, Schweden. Preis: 4-5 Euro / Monat (je nach Laufzeit)

Für unsere Empfehlungen haben wir Anbieter herausgesucht, die folgende Bedingungen erfüllen:

  • Sie speichern keine Informationen darüber, welche Webseiten man aufgerufen hat.
  • Ihre Apps enthalten keine Tracker.
  • Eine anonyme Anmeldung und anonymes Bezahlen sind möglich.
  • Sie schützen gegen bekannte Schwachstellen (DNS-Leaks).
  • Sie unterstützen quelloffene Protokolle (OpenVPN und oder Wireguard).
  • Geschäftssitz liegt außerhalb der "Five Eyes".

Diese Liste ist NICHT vollständig. Der Anbieter "Cyberghost", den wir in einer früheren Version hier besprochen hatten, können wir aufgrund der vielen eingebundenen Tracker leider nicht mehr empfehlen. Selbiges gilt für einige andere bekannte Anbieter wie PureVPN oder NordVPN.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

Messenger 

Messenger-App Telegram kurz vorgestellt

Der russische Messenger Telegram wird gerne als WhatsApp-Alternative Nummer eins gehandelt. Doch Vorsicht: Chats sind standardmäßig nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Um ihn sicher nutzen zu können, sollten Sie sich zunächst in Ruhe mit dem Messenger vertraut machen.

Mehr
Ratgeber 

Ratgeber: Handy geklaut oder verloren? So sorgen Sie vor

Jeden Tag werden unzählige Mobilgeräte gestohlen oder irgendwo verloren. Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, um Ihr Gerät auf diesen Fall vorzubereiten. Im Verlustfall können diese Vorkehrungen den Schaden zumindest zu begrenzen.

Mehr
YouTube-Video 

So verbieten Sie Google, Ihr Handy zu orten (Android)

Google weiß immer, wo ich bin? Falsch! Es gibt Einstellungsmöglichkeiten, mit denen Sie Google die Ortung Ihres Handys verbieten können. Keine Sorge: Navigieren und den Standort für Apps verwenden können Sie dann immer noch. Wo Sie die Standorteinstellungen für Google finden, erklären wir im Video.

Ansehen
Ratgeber 

Das iPhone als Geldbörse: Wie sicher ist Apple Pay?

Zum Bezahlen an der Kasse das iPhone ans Lesegerät halten – seit Dezember 2018 geht das auch in Deutschland. Aber wie sicher ist die Technik dahinter? Und was passiert mit den Daten? Wir haben uns den Bezahldienst Apple Pay genau angeschaut.

Mehr