Ratgeber

VPN-App auf Mobilgeräten nutzen

Geist

Wer seine Datenverbindung über einen VPN-Server umleitet, kann seine Datenspuren verwischen. VPN-Verbindungen lassen sich inzwischen mit einem Klick herstellen. Wir zeigen am Beispiel der App „Cyberghost“, wie es geht und worauf man achten sollte.

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Privacy · Privatsphäre · Tunneln · Verschlüsseln · VPN App
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Noch vor ein paar Jahren war es relativ kompliziert, mit Smartphones oder Tablets ein Virtual Private Network (VPN) zu nutzen. Doch neue Apps und die bessere Integration in die mobilen Betriebssysteme machen die Sache heute relativ einfach.

VPN-Anbieter auswählen

Wer keinen VPN-Zugang zum Beispiel über Arbeitgeber, Universität oder die eigene Fritzbox nutzen kann, muss einen kommerziellen VPN-Anbieter wählen. Einige Dienste kosten nichts, allerdings sind Geschwindigkeit und Datenvolumen dann begrenzt. Wer häufiger über ein VPN surfen möchte, sollte einen kostenpflichtigen Anbieter ins Auge fassen.

Es gibt sehr viele Anbieter – einige davon sind bereits durch zwielichtige Geschäftspraktiken aufgefallen. Der VPN-Anbieter hat theoretisch Zugriff auf Ihren gesamten Datenverkehr. Zudem gibt es einige bekannte Schwachstellen, durch die die echte IP-Adresse des Nutzers verraten werden kann. Nicht alle Anbieter sichern diese Schwachstellen ab. Wählen Sie daher sorgfältig aus. Achten Sie auf folgende Kriterien:

  • Welche Daten speichert der Anbieter? Viele Dienste speichern dauerhaft Ihre IP-Adresse und wann Sie worauf zugreifen. Manche Dienste löschen diese Daten, sobald sie nicht mehr benötigt werden.
  • Anonyme Nutzung: Muss man sich anmelden? Welche Daten verlangt der Anbieter dafür? Gibt es eine Möglichkeit, dem Anbieter gegenüber anonym zu bleiben?
  • Geschäftsmodell: Prüfen Sie, wie kostenlose Anbieter ihr Geld verdienen. Ist das Geschäftsmodell unklar, sollten Sie die Finger davon lassen.
  • Serverstandort: Prüfen Sie, in welchem Land der Anbieter seinen Geschäftssitz und seine Server hat. In vielen Ländern können Geheimdienste und Behörden mit geringen Hürden Nutzerdaten verlangen, und können gleichzeitig dem Anbieter verbieten, die Nutzer darüber zu informieren. Dies gilt unter anderem in den USA und Großbritannien.
  • Internet-Kill Switch und Schutz gegen DNS-Leak: Wenn die Internetverbindung abbricht, sollten VPN-Dienste offene Verbindungen sofort schließen. Sonst kann die echte IP-Adresse sichtbar werden. Diese Funktion nennt sich „Internet Kill-Switch“. Das sogenannte DNS-Leak ist ein weiterer Weg, über den die echte IP-Adresse sichtbar werden kann. Achten Sie bei der Wahl Ihres Dienstes darauf, dass ein Schutz gegen diese Schwachstelle eingebaut ist (meist durch einen eigenen DNS-Server). Sie können das einfach testen, indem Sie über den VPN-Dienst Ihrer Wahl diese Adresse aufrufen:https://www.dnsleaktest.com Wird dort Ihre echte IP-Adresse angezeigt, ist der VPN-Dienst nicht sicher.

Cyberghost

Wir haben uns für diesen Ratgeber den Anbieter „Cyberghost VPN“ näher angeschaut. Der Anbieter war früher in Deutschland beheimatet und ist mittlerweile nach Rumänien umgesiedelt, weil laut eigener Aussage das politische Klima für IT-Anbieter dort besser sei.

Cyberghost zeichnet nach eigenen Angaben die IP-Adresse der Kunden nicht auf und verfolgt nicht, wann welche Seite aufgerufen wird. Der Dienst ermöglicht es zudem, sich anonym anzumelden und zu bezahlen. Cyberghost bietet kostenpflichtige Premium-VPN-Dienste an, die dann eine schnellere Verbindung und mehr Funktionen haben.

Die Anwendungen für Android und iOS unterscheiden sich in ihrem Aufbau und der Funktionalität deutlich.

Cyberghost auf Android

1. App installieren
Installieren Sie die Cyberghost-App aus dem Play-Store.

2. Verbindungsaufbau

Öffnen Sie die Cyberghost-App. Die VPN-Verbindung lässt sich mit einem Tippen auf den gelben Knopf aktivieren. Wenn die Verbindung hergestellt wird, erscheint eventuell noch eine Benachrichtigung von Android. Tippen Sie auf OK, um die Verbindung zu bestätigen.

3. Nutzen und beenden

Ist die Verbindung aufgebaut, wird in der Statuszeile (oberer Bildschirmrand) ein Schlüssel angezeigt. Nun läuft der gesamte Internetverkehr über den VPN-Anbieter. Sie können die Cyberghost-App nun schließen, und andere Apps öffnen. Wollen Sie die VPN-Verbindung beenden, müssen Sie Cyberghost wieder öffnen. Tippen Sie dann erneut auf den gelben Knopf. Es kann ein paar Sekunden dauern, bis der Schlüssel in der Statuszeile verschwindet.

Cyberghost auf iOS

1. App Installieren
Installieren Sie die Cyberghost-App aus Apples App-Store. Nach dem Installieren legt Cyberghost eine VPN-Profildatei in den iOS-Einstellungen ab. Sie bekommen dabei eine Nachfrage vom Apple-Betriebssystem. (Screenshot).

Tippen Sie auf Allow, um die Installation zu beenden. Eventuell müssen Sie dann noch Ihren Code eingeben, mit dem Sie normalerweise die Bildschirmsperre öffnen.

2. Verbindungsaufbau bei iOS

Um eine VPN-Verbindung herzustellen, öffnen Sie die App. Wischen Sie dann nach links, bis unten im Bild der Button Privates Surfen starten erscheint. Tippen Sie darauf. Um Einzelheiten zu konfigurieren, tippen Sie nicht auf den gelben Button, sondern auf das Feld Einstellungen.

3. Nutzen und beenden
Sobald die VPN-Verbindung hergestellt ist, erscheint ein kleines VPN-Symbol oben in der Mitteilungsleiste. Sie können die App dann schließen, indem Sie auf den Home-Button drücken. Wenn Sie die VPN-Verbindung beenden wollen, müssen Sie Cyberghost erneut öffnen, und nochmal auf den gelben Button tippen. Das VPN-Symbol verschwindet dann aus der Statusleiste.

Sowohl für iOS als auch für Android gilt: Wenn die VPN-Verbindung aus irgendeinem Grund abbricht, dann schließen die Apps alle offenen Internetverbindungen. (Internet Kill-Switch). Cyberghost ist zudem gegen das DNS-Leak geschützt.

Weitere Einstellungen

Es gibt eine Reihe weiterer Einstellungen für mehr Privatsphäre. Einige davon sind nur für Premium-Nutzer verfügbar.

Ländereinstellungen: Nutzer können auswählen, über welches Land sie ihre Internetverbindung umleiten wollen. Dies kann hilfreich sein, wenn Webseiten den Zugang für Besucher aus bestimmten Ländern sperren. Tippen Sie dazu auf „automatisch“ und wählen Sie ein Land aus.

Online-Tracking verhindern: Blockiert sogenannte Tracker von Webseiten, die das Surfverhalten nachverfolgen. Diese Tracker werden meist von Werbefirmen eingesetzt. (Premium-Option)

Schutz vor gefährlichen Webseiten: Gleicht die angesurfte Webseite mit einem Katalog ab, in dem als potenziell schädlich eingestufte Seiten aufgeführt werden. (Premium-Option)

Werbeblocker: Blockiert die Werbung in Webseiten und Apps (Premium-Option).

HTTPS erzwingen: Wenn Webseiten eine HTTPS-Verschlüsselung anbieten, wird diese automatisch genutzt (Premium-Option).

Alle diese Funktionen sind „server-basiert“. Das bedeutet, dass sie nur bei einer bestehenden VPN-Verbindung funktionieren. Der Cyberghost-Server, über den der Datenverkehr abgewickelt wird, filtert die entsprechenden unerwünschten Inhalte aus dem Datenstrom heraus. Um diesen Schutz zu erhalten, gibt man also einen großen Teil der Kontrolle in fremde Hände.

Problemfall E-Mail

Wer eine VPN-Verbindung mit Cyberghost aufgebaut hat, kann unter Umständen keine E-Mails über seine E-Mail-App verschicken. Cyberghost hat technische Sperren errichtet, da der Dienst zeitweise für Spamversand missbraucht wurde. Die Sperre betrifft jedoch keine E-Mails, die über den Browser verschickt werden.

Möchte ein Nutzer trotzdem während einer VPN-Sitzung Mails über eine E-Mail-App verschicken, kann er den Server des E-Mail-Anbieters auf eine Ausnahmeliste setzen. Die Mails werden dann parallel zur verschlüsselten VPN-Verbindung auf einem unverschlüsselten Weg versendet.

 

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