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Anonym surfen mit Tor – so gehts (iOS)

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Mit dem iPhone oder iPad über Tor zu browsen ist einfach. Wenn man eine seriöse App benutzt und sich an einige Regeln hält, bleibt man damit weitgehend anonym. Wir haben uns die App „Onion Browser“ näher angeschaut und erklären, wie sie funktioniert.

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Anonym · Darknet · NSA · Privatsphäre
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Anders als für das Android-Betriebssystem gibt es keinen eigenen Browser für iPhones und iPads direkt vom Tor-Project. Es gibt aber viele andere Anbieter, die einen Tor-kompatiblen Browser für iOS anbieten. Wer im App-Store nach „Tor“ sucht, stößt auf eine ganze Reihe von Apps.

Das Problem: Manche davon sind nutzlos, andere sogar schädlich. Die App „Tor Browser“ sei „voller Adware und Spyware“ hatten sich zum Beispiel Nutzer laut Medienberichten beschwert. Um Tor mit einem Apple-Gerät zu nutzen, muss man daher erst mal die richtige App auswählen.

Empfehlenswert: Der Onion Browser

Der „Onion Browser“ vom Entwickler Mike Tigas ist kostenpflichtig (0,99 Euro, stand Mai 2016) und läuft unter iOS 8.2 oder neuer. Nach Aussagen des Entwicklers geht ein Teil der Einnahmen an das Tor-Project und ein anderer an die Bürgerrechtsorganisation „Electronic Frontier Foundation“.

Die Handhabung ist einfach. Einmal gestartet, verbindet sich der Onion Browser automatisch mit dem Tor-Netzwerk. Er sieht aus wie eine sehr abgespeckte Variante von Safari. Kein Wunder, denn der Onion Browser nutzt Teile des gleichen Unterbaus (genannt Webkit).

Verhaltensregeln

Wer mit dem Tor-Browser surft, ist zwar nicht als Person identifizierbar, hinterlässt aber Datenspuren für seine anonyme Identität. Über diese können die unterschiedlichen Webseiten-Besuche zumindest einander zugeordnet werden, was die Anonymität verringert.

Um hier gegenzuwirken, können Nutzer jederzeit auf „New Identity“ tippen. Damit wird sofort der Zwischenspeicher des Browsers gelöscht und dem Nutzer eine neue IP-Adresse zugeordnet. Der App-Entwickler empfiehlt, generell vor jedem Schließen des Browsers den Knopf zu drücken, um die Daten zu löschen.

Das sogenannte „Tracking“ ist auch beim surfen über Tor möglich. Dabei wird mit Cookies, oder anderen Methoden, das Surfverhalten von Nutzern aufgezeichnet. Wer Tor nutzt, sollte sich zusätzlich gegen Tracking schützen und niemals persönliche Angaben in Webseiten oder Webformularen eingeben.

In den Einstellungen lassen sich zudem die Handhabung von Javascript und Cookies sowie der Nutzerclient festlegen – also welcher Gerätetyp dem Server gemeldet wird.

Fallstricke

Beim surfen im Tor-Netzwerk sind technische Schlupflöcher nie ausgeschlossen. Zum Beispiel kann die echte IP-Adresse beim Abrufen von HTML5-Videos übermittelt werden.

Bestimmte Schwachstellen, die das FBI zur Deanonymisierung von Tor-Nutzern verwendete, basierten auf der JavaScript-Einbindung in den Tor-Browser. JavaScript gilt generell als problematisch bei Internetbrowsern und sollte nur bei Bedarf aktiviert werden.

Beim mobilen Surfen gilt zudem: Nur die Verbindungen über den Onion Browser werden anonymisiert – alle Daten, die andere Apps und das Betriebssystem senden, sind nicht geschützt.

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