Hintergrund

Wie viel Google steckt in Android?

Auster

Das Betriebssystem Android und die Firma Google gehören zusammen – soweit bekannt. Google beschreibt Android als „freie“ Software, bei der jeder den Programmcode nutzen und verändern kann. Wem also gehört Android? Und wer bestimmt, was im Code steht?

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Android · Google · Open Source
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Das Betriebssystem Android wurde ursprünglich von einer Gruppe Programmierer um den US-Amerikaner Andy Rubin entwickelt. Er hatte dazu 2003 die Firma Android Inc. gegründet. Google kaufte das Unternehmen zwei Jahre später. 2007 stellte Google die erste fertige Android-Version vor und veröffentlichte sie unter einer sogenannten Free-Software-Lizenz.

Im Kern ein offenes Betriebssystem

Wenn Software unter Free-Software-Lizenzen veröffentlicht wird, darf jeder den Programmcode lesen, nutzen und weitergeben . Die Lizenz regelt , was bei der Nutzung erlaubt ist, und welche Bedingungen es gibt. Zum Beispiel, ob die Software verändert werden darf, ob der Urheber genannt werden muss und vieles mehr.

Google entschied sich bei Android für das Lizenzmodell „Apache 2.0“. Dieses ist zwar von der Free Software Foundation anerkannt, gilt aber als lax. So kann zwar jedermann die Software nutzen, verändern und weiterverteilen. Es ist aber keine sogenannte Copyleft-Lizenz. Das heißt, wer den Programmcode nimmt und weiterentwickelt, muss diese Weiterentwicklung nicht unbedingt als freie Software veröffentlichen, sondern kann den Quellcode auch geheim halten.

Genau das tun Firmen wie Samsung oder HTC, die selber eigentlich nur die Geräte herstellen. Sie nehmen den freien Programmcode, passen ihn für ihre Geräte an, ändern das Design und einige Funktionen, und verkaufen dann Gerät und Betriebssystem zusammen. Der Programmcode dieser angepassten Android-Versionen bleibt in der Regel unter Verschluss.

Google entscheidet, was im Code steht

Mit der ersten Android-Version 2007 war die Programmierarbeit nicht getan. Seitdem wird Android permanent weiterentwickelt und verbessert, für neue Geräte angepasst, auf neue Sensoren optimiert. Wer macht das? Wer entscheidet, welche neuen Funktionen kommen, und welche nicht?

Google veröffentlichte im November 2007 nicht nur ein neues Betriebssystem für Smartphones, sondern gründete auch die „Open Handset Alliance“ (OHA). Es handelt sich um ein Konsortium, bestehend aus Telekommunikations- , Marketing- Hardware- und Softwareunternehmen. Geleitet wird das Konsortium von Google, und auch der Name OHA ist eine Marke von Google.

Die OHA und Google firmieren als die Autoren des Programmcodes von Android. Offiziell wird der Code also zum Beispiel in Zusammenarbeit mit den Geräteherstellern erarbeitet. Insiderberichten zufolge werden neue Android-Versionen oder Updates aber jeweils von Google-Mitarbeitern intern geschrieben und erst dann veröffentlicht. Inwieweit die Mitglieder der OHA dabei inhaltlich beteiligt sind, ist nicht bekannt.

Mitbenutzen: ja, Mitbestimmen: nein

Ist eine neue Version fertig, wird sie auf der Plattform „Android Open Source Project“ (AOSP) veröffentlicht. Dann können sich interessierte Programmierer und Unternehmen den Code ansehen, Kommentare und Änderungswünsche einreichen und eigene Beiträge einbringen. Was von diesen Vorschlägen aufgenommen wird und was nicht, entscheiden die sogenannten AOSP-Projektleiter, die in der Regel Mitarbeiter von Google sind.

Was im offiziellen Android-Programmcode steht, darüber haben also in den meisten Fällen Google-Mitarbeiter das letzte Wort – andere Interessierte können aber Vorschläge machen. Wer diesen Programmcode dann nutzt, und was er daraus macht, darüber hat Google keine Kontrolle mehr.

Anders, als oft dargestellt, kann Google keine Lizenzgebühren von Herstellern wie zum Beispiel Samsung verlangen, damit sie den Programmcode auf ihren Geräten installieren dürfen. Dies verbietet die Lizenz Apache 2.0. Google kann auch keine Bedingungen stellen, wie der Code verändert werden darf.

Ohne Google-Apps läuft nichts

Wenn Hersteller allerdings den Namen Android benutzen wollen, ist es mit der Selbstbestimmung vorbei. Denn der Name und das Logo sind als Marken geschützt und gehören Google Inc. Wer ein Mobilgerät verkauft und damit wirbt, dass darauf „Android“ läuft, muss mit Google ins Geschäft kommen. Deswegen tragen unabhängige Versionen wie Cyanogenmod das Wort Android nie im Namen.

Noch wichtiger als der Markenname sind die Google-Apps, allen voran der „Google Play-Store“. Denn das Android-Betriebssystem entfaltet seinen vollen Nutzen erst, wenn es auf den Play-Store zugreifen kann, über den Nutzer sich mit Apps versorgen können. Auch wichtige Sicherheitsupdates können über den Play-Store ausgeliefert werden.

Den Play-Store und die Play-Store-App, mit der man darauf zugreifen kann, hat Google aber für sich behalten. Er gehört nicht zum „freien“ Teil von Android. Wer den Play-Store, oder andere Google-Apps nutzen will, muss proprietäre Software von Google nutzen. Wenn Hersteller Ihre Geräte mit diesen Apps vorinstalliert ausliefern wollen, dann diktiert Google die Bedingungen.

Es sind diese Bedingungen, die die EU-Kommission im April 2016 als wettbewerbswidrig einschätzte. Google, so die Kritik, nutze dabei seine Marktmacht aus, um andere Unternehmen zu benachteiligen.

Google verlangt zwar kein Geld dafür, dass Unternehmen Google-Apps vorinstallieren dürfen. Hersteller dürfen sich aber nicht einfach nur eine bestimmte Google-App wie den Play-Store aussuchen, sondern müssen eine von Google bestimmte Mindestzahl an Apps installieren.

Vormals vertrauliche Dokumente zeigten, dass Google in zwei Fällen zwanzig vorinstallierte Google-Apps verlangte. Zudem muss die Google-Suche als Standard eingestellt sein.

Wieviel Google ist drin?

So hat Google dafür gesorgt, dass auf jedem offiziellen Android-Gerät neben dem Google Play-Store noch weitere Google-Apps installiert sind. Alle Google-Apps nehmen Kontakt zu Google-Servern auf und übertragen Nutzerdaten.

Wie oft und umfangreich das geschieht, ist nicht immer ersichtlich. Neben den klar erkennbaren Google-Apps, wie Google-Maps oder Gmail, gibt es noch solche, von denen viele gar nicht wissen, dass sie zu Google gehören. Die wichtigsten davon sind:

  • Youtube: Das Videoportal ist eine Google-Tochter.
  • Chrome: Googles eigener Browser.
  • Fotos: Googles Foto-Manger, der Bilder automatisch mit dem Google-Konto synchronisiert.
  • Bei Nexus-Geräten und einigen anderen stammen auch die Apps für Kalender und Kontakte von Google.

Weiterhin gibt es zahlreiche Funktionen von Google, die man gar nicht als eigentliche App wahrnimmt. Die wichtigsten davon sind:

  • Google Standortdienste. Wenn Sie das GPS einschalten, werden Sie automatisch gefragt, ob Sie die „genauere“ Standorterfassung aktivieren wollen. Dahinter verbirgt sich ein Dienst, der den Standort von WLAN- und Mobilfunknetzen in der Umgebung in einer Google-Datenbank abfragt. Es ist anzunehmen, dass Google die Anfragen aufzeichnet und dem Nutzer zuordnen kann.
  • Android Geräte-Manager: Googles eigener Viren- und Diebstahlschutz. Wenn aktiviert, erhält Google Details über alle installierten Apps, auch solche, die nicht aus dem Play-Store stammen. Zudem wird der Fernzugriff über das Internet ermöglicht.
  • Google-Play-Dienste: Über diese App werden alle anderen Google-Apps verwaltet und koordiniert. Da diese App eine zentrale Rolle bei der Datenübermittlung an Google spielt, widmen wir ihr einen eigenen Artikel.
  • Einige Funktionen sind nur bei einigen Geräten von Google (z.B. Nexus). Dazu gehört die Tastatur-App und der Launcher.

Aber auch andere Apps können Google-Dienste einbinden. Die Berechtigungen, die dazu nötig sind, werden bei der Installation nicht angezeigt. Sie können Sie aber sehen, wenn Sie die xml-Datei ansehen.

Was es mit der xml-Datei auf sich hat, und was Apps unter Android alles dürfen, erklären wir im Hintergrundtext Ganz oder gar nicht: Androids Rechtesystem für Apps. Was einzelne Zugriffsrechte bedeuten, haben wir in der Checkliste App-Zugriffsrechte entschlüsselt zusammengetragen.

Die beiden häufigsten Anwendungen sind:

  • Google Cloud Messaging: Apps, die sogenannte Push-Nachrichten an Ihre Nutzer senden wollen, nutzen dafür fast immer den Dienst von Google. Push-Nachrichten erscheinen direkt auf dem Bildschirm und können andere Apps überlagern. Zum Beispiel ist die Benachrichtigung, dass eine neue Mail eingetroffen ist, eine Push-Nachricht. Der Dienst von Google gilt als besonders akkuschonend. Die Nachrichten laufen dabei über einen Server von Google.
  • Google Maps: Viele Dienste, die ortsbasierte Informationen anbieten, binden Google Maps ein. Zum Beispiel die Banking-App, die gleichzeitig den nächsten Bankautomaten auf der Karte anzeigt. Google erfährt in dem Fall auch, wann und wo Sie nach einem Bankautomaten gesucht haben.
  • Google Analytics: Viele Apps bauen dieses Modul von Google ein und senden damit Nutzerdaten an Google, um sie dort analysieren zu lassen.

Ob kleinere Apps wie Wecker, Taschenlampe, Taschenrechner auch mit Google in Kontakt stehen, ist unklar. Diese vorinstallierten Apps haben aber bisweilen recht umfangreiche Zugriffsrechte.

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