News vom 27.03.2018

Wie Facebook Telefonie- und SMS-Daten protokolliert hat

Ein Artikel von , veröffentlicht am 27.03.2018

Facebook hat bei Android-Nutzern seiner Apps protokolliert, mit wem sie telefonieren und per SMS kommunizieren. Der Konzern sieht keine Probleme und meint, dass das auf Basis einer Zustimmung passiert sei. Ob Nutzer tatsächlich wussten, was Facebook macht, ist fraglich.

Das soziale Netzwerk Facebook hat bei Nutzern der Apps Facebook Messenger und Facebook Lite Telefonie- und SMS-Verbindungsdaten protokolliert. Das hat der neuseeländischer Nutzer Dylan McKay herausgefunden, als er die von Facebook über ihn gesammelten Daten angefordert und ausgewertet hat.

Über die Archiv-Funktion ist es möglich, sich die Daten herunterzuladen, die Facebook über einen zusammengestellt hat. Wie das geht, erklärt das soziale Netzwerk auf dieser Hilfe-Seite.

Wie McKay auf Twitter berichtete, entdeckte er im Dokument Verbindungsdaten zu Telefongesprächen und zu SMS aus dem Zeitraum November 2016 bis Juli 2017. Diese enthielten die Information, wann er wie lange mit wem telefoniert hat und wem er SMS geschickt hat. Er fand auch die Namen und Telefonnummern seiner Kommunikationspartner.

Die Datensammlung betrifft Nutzer der Apps Facebook Messenger und Facebook Lite auf dem Betriebssystem Android. iOS-Nutzer der App sind nicht betroffen.

Facebook sieht keine Probleme

In einem Blogpost hat Facebook die Datensammel-Praxis prinzipiell bestätigt. Der IT-Konzern erklärt sie allerdings für unproblematisch. Sie erfasse nur Nutzer, die explizit zugestimmt hätten, dass die App die Berechtigung erhält, auf SMS- und Telefonieprotokolle zuzugreifen. Zudem habe man die Daten nicht an Dritte verkauft, und jeder könne die Option in den Einstellungen der App deaktivieren.

Mehr zu App-Berechtigungen erfahren Sie im Text Zugriffsrechte: Was darf meine App?.

Ein Artikel auf der Webseite Ars Technica führt allerdings an, dass einzelne Nutzer jedenfalls womöglich nie direkt nach ihrer Zustimmung gefragt worden seien. Bis zur Android-Version 4.1 („Jelly Bean“) habe eine App den Zugriff auf Nachrichten- und Anrufprotokolle standardmäßig mit der allgemeinen Erlaubnis zum Zugriff auf Kontakte erhalten. Über einen Trick sei es den Anwendungen möglich gewesen, auf Basis der älteren, laxen Regeln zu agieren. Erst Ende 2017 habe Android das abgeschaltet.

Auf Datensparsamkeit achten

Wir empfehlen Nutzerinnen und Nutzern, die eine der beiden Apps verwenden, die Übertragung von Kontakten an die Facebook-Server zu unterbinden. Wie das funktioniert, erklärt Facebook auf der Webseite in einem Hilfebereich für die App Facebook Messenger und für Facebook Lite.

Grundsätzlich sollte man bei der Installation mobiler Anwendungen stets kritisch prüfen, welche Berechtigungen Apps einfordern. Manche Berechtigungen sind notwendig, um die App zu nutzen. In anderen Fällen verliert man eventuell etwas Komfort, die Anwendung funktioniert aber. Facebook Messenger und Facebook Lite sind auch ohne Kontaktzugriff gut nutzbar.

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Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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