Ratgeber

Greenwashing-Check: iPhones und Ersatzteile

Ein Artikel von , veröffentlicht am 18.04.2024
Foto: Yaya the Creator

Apple präsentiert sich gerne als grüner Handybauer. Wir schauen uns die Details in einer Serie an. Hier das Ärgernis mit der Teilekopplung.

Wenn man in der Repair-Bubble den Namen Apple anspricht, wird gern mit den Augen gerollt. Mit der Praxis der Teilekopplung hat das Unternehmen die Bastler*innen gegen sich aufgebracht. Bei iPhones sind viele Bauteile über die Software mit dem Gerät verkoppelt. Tauscht man das Bauteil aus, zum Beispiel mit einem Baugleichen aus einem anderen iPhone, blockiert die Software Funktionen oder gibt Warnhinweise aus. Nur zertifizierte Werkstätten können solche Teile von Apple freischalten lassen. Für unabhängige Reparierende sehr nervig. Aber hier ändert sich gerade was!

Was die Teilekopplung konkret bedeutet

Die Teilekopplung betrifft verschiedene Bauteile unterschiedlich. Tauscht man zum Beispiel die Selfiekamera aus, blockt Apple die Funktion Face ID komplett. Beim Austausch von Display, Akku und Kamera zeigt Apple eine Warnung an, dass es nicht das Original-Teil ist. Außerdem sind Einstellungen und Infos wie etwa die Batterie-Gesundheit nicht verfügbar.

...das ist nur scheinbar grün:

Apple hat angekündigt, dass ab dem Herbst generell Teile aus alten iPhones wieder verwendet werden können.

Darauf haben wir lange gewartet. Dass Apple jetzt so etwas ankündigt, liegt aber sehr wahrscheinlich daran, dass der Konzern bei dem Thema mit dem Rücken zur Wand steht. Der US-Staat Oregon hat die Teilekopplung gerade mit einem neuen Gesetz stark eingeschränkt – andere Bundesstaaten könnten bald nachziehen.

In dieser Serie schauen wir uns fünf Beispiele für Apples Umweltversprechen an. Hier geht es zur Übersicht.

Apple findet das doof. Um jetzt nicht als Verlierer dazustehen, schreibt sich Apple die Sache lieber auf die Fahnen und tut so, als wäre es die eigene Idee gewesen. Das ist nach unserer Wahrnehmung eine Verdrehung der Tatsachen. Aber im Ergebnis trotzdem ein Fortschritt.

Die Reparier-Freund*innen vom Ersatzeile-Anbieter iFixit kritisieren, dass die Neuerung sehr vage bleibt: Der Zeitraum „Herbst“ ist ganz schön lang. Und welche iPhones genau inbegriffen sind, sei auch unklar. Wahrscheinlich nur die Reihe 15. Beim biometrischen Face-ID-Sensor sogar erst Geräte der folgenden Reihe 16, die dann auf den Markt kommen.

Andere Apple-Geräte, wie Laptops und Tablets, sind außen vor. Es dürfte sich laut iFixit um ein Manöver handeln, um zukünftige Gesetzgebung zu besänftigen, wie sie etwa gerade in Colorado ansteht – das lässt Apple natürlich unerwähnt. Und: Bei Teilen, die nicht aus iPhones kommen, sondern von Drittanbietern nachgebaut wurden, bleibt es bei den nervigen Einschränkungen.

...das kann man Apple zugute halten:

Wir fanden die Teilekopplung immer ärgerlich und bevormundend. Bauteile von Drittanbietern können zwar – zumindest im Fall von Batterie und Face ID – Risiken mit sich bringen. Wir finden aber: Ob man die in Kauf nimmt, sollte man selbst entscheiden können.

Ein Hinweis, dass nicht originale Ersatzteile eingebaut sind, macht zwar für diejenigen Sinn, die das iPhone gebraucht erworben haben. Aber der ließe sich auch weniger penetrant gestalten, als das momentan der Fall ist.

Bei Display und Kamera sind ernste Risiken gar nicht vorhanden. Und für das Kalibrieren der Teile könnte Apple einen Prozess schaffen, der für alle offen ist und nicht nur für anerkannte Werkstätten. Google hat es mit dem Pixel vorgemacht, wie iFixit lobend hervorhebt.

Dass Apple die Regeln jetzt lockert, beweist, wie unsinnig sie zu großen Teilen schon immer waren.

Auf diese Greenwashing-Warnzeichen solltet ihr achten

  • Was können Gründe für eine Neuerung sein?
  • Lässt ein Unternehmen Tatsachen weg, die eigentlich entscheidend sind?
  • Was schreiben die Kritiker*innen?

 

➜ Nächster Checkpoint: Recyceltes Kobalt.

 

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Jonas Bickelmann

Leitet die Redaktion von mobilsicher. Er studierte Philosophie, machte ein Volontariat bei einer Berliner Tageszeitung und schreibt nicht nur gerne über grünere Smartphones, sondern als freier Autor auch über Reisen und Kultur.

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