News vom 14.02.2018

Bluetooth bei Android: Aus heißt nicht gleich aus

Ein Artikel von , veröffentlicht am 14.02.2018

Auch wenn Bluetooth deaktiviert ist, bleibt die Funktion auf Android-Handys in Teilen aktiv. Das Gerät verbindet sich zwar nicht mehr, sucht aber weiter nach verfügbaren Verbindungen in der Umgebung. Google-Apps und -Dienste nutzen das zur Standortbestimmung.

Wie das US-amerikanische IT-Magazin Qz.com (Quartz) herausgefunden hat, ruht die Bluetooth-Funktion nicht vollständig, auch wenn Nutzer sie ausgestellt haben.

Smartphones scannen die unmittelbare Umgebung trotzdem nach Bluetooth-Netzwerken und senden die IDs der jeweiligen Netzwerke an Google. Wenn der IT-Konzern den Standort der jeweiligen Bluetooth-Sender kennt, kann er den Standort der Smartphone-Nutzer sehr genau bestimmen.

Bluetooth kommt zunehmend beim Einzelhandel zum Einsatz, in Form von sogenannten Beacons. Diese kleinen Bluetooth-Sender und -Empfänger verschicken beispielsweise am Eingang zu einem Laden eine Willkommensbotschaft, oder sie versenden Werbebotschaften, wenn potenzielle Kunden an einem Schaufenster vorbeigehen.

Im Test hatte Quartz die Bluetooth-Funktion auf verschiedenen Android-Geräten deaktiviert und beobachtet, dass die Smartphones die Identifier der Bluetooth-Signale trotzdem sammeln und an die jeweils verknüpften Google-Konten schicken.

In den Einstellungen versteckt

Tatsächlich beenden lässt sich dieses Scannen und Sammeln nur durch eine Einstellung, die gut im Menü des Betriebssystems versteckt ist und sich auch noch von Gerät zu Gerät unterscheidet. Folgende Pfade konnten wir bei mobilsicher.de feststellen:

  1. Galaxy Samsung S8 mit Android 7:  EinstellungenGoogleStandortGenauigkeit verbessernBluetooth-Scanning.
  2. Pixel 2 mit Android 8: EinstellungenGoogleStandortSucheBluetooth-Suche.

Eine andere Möglichkeit ist, im Google-Konto die Option Standortverlauf zu deaktivieren. Google hat gegenüber Quartz und auch schon früher gegenüber mobilsicher.de bestätigt, dass Google dann keinerlei Standortdaten mehr vom Gerät erfasst.

Was der Standortverlauf ist und wie Sie ihn deaktivieren, erklären wir unter Aktivitätsverlauf im Beitrag "Google-Dienste Datensparsam nutzen".

In der letzten Zeit haben wir immer wieder darüber berichtet, dass Google unerwartet und unerwünscht Daten sammelt. Beispielsweise fiel Reportern des US-Senders Fox News auf, dass Android-Geräte Standortdaten auch im Flugmodus sammeln und sie an das Google-Konto schicken, sobald sie wieder Internetzugang haben.

 

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Windows 10 – das unbekannte Wesen

Das Betriebssystem Windows 10 für Mobilgeräte von Microsoft hat im Wesentlichen die gleichen Funktionen wie die bekannteren Systeme Android und iOS. Es gibt jedoch auch einige Besonderheiten - gute wie schlechte. Die wichtigsten stellen wir Ihnen hier vor.

Mehr
Körper und Gesundheit 

Apps bei Depression: Sensible Daten sicher verpackt?

Jedes Jahr erkranken rund 5,3 Millionen Menschen in Deutschland an Depression. Kein Wunder, dass auch App-Entwickler die Volkskrankheit für sich entdeckt haben. Doch können Apps bei Depression helfen? Und wann sollte man besser die Finger davon lassen?

Mehr
Ratgeber 

Apps des Monats – die 10 besten für Android

Ein transparenter Werbe-Blocker, eine kluge Tastatur, Backup-Hilfen, Tipps für Eltern und mehr - hier sind unsere zehn spannendsten Apps des vergangenen Monats. Ab Ende März erscheint diese neue Reihe immer pünktlich am letzten Sonntag.

Mehr
Ratgeber 

Identifier: So erkennen Tracking-Firmen Sie im Netz

Viele Apps senden Nutzerdaten an Firmen, die daraus Nutzerprofile erstellen. Das nennen wir "tracken". Aber wie erkennen diese Firmen eigentlich, welcher Datensatz von welchem Nutzer kommt? Das funktioniert mit sogenannten "Identifiern". Wir erklären, was das ist.

Mehr