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Kritisch hinterfragt: App-Rankings auf Android und iOS

Ein Artikel von , veröffentlicht am 29.08.2018
Bild: Pixabay/pasja1000, Lizenz: CC0

Wenn Sie im Play-Store von Android oder im App-Store von iOS einen Suchbegriff eingeben, präsentieren Google und Apple Ihnen eine Reihenfolge von Apps. Wie erzeugen die IT-Konzerne diese Listen, und befinden sich auf den vorderen Plätzen automatisch auch die nutzerfreundlichsten Apps?

App-Store-Rankings

Für das Betriebssystem Android gibt es etwa 3,8 Millionen Apps, für iOS sind es um die zwei Millionen. Wenn Sie im Suchfeld des Play-Stores oder des App-Stores einen Begriff eingeben, etwa „Maps“, „Dating“ oder „Mail-App“, schrumpfen Google beziehungsweise Apple diesen App-Kosmos auf eine Auswahl zusammen. Sie sehen eine Reihenfolge, ein vom jeweiligen Unternehmen erstelltes Ranking. An dem sollten Sie sich allerdings nicht kritiklos orientieren.

Der Grund: Transparenz und Respekt vor der Privatsphäre scheinen keine entscheidende Rolle bei der Bewertung und Anordnung der Apps zu spielen.

Weit oben in den Ranglisten stehen immer wieder Apps mit fremdsprachigen Datenschutzerklärungen sowie Anwendungen, die deutlich mehr Daten vom Gerät abgreifen, als für den eigentlichen Kernzweck erforderlich ist. Einige Apps, die wir auf mobilsicher.de getestet haben und die beim Thema Datenschutz und Datensicherheit katastrophal abschnitten, tauchten auf den ersten drei Positionen oder gar auf Platz Eins im jeweiligen App-Store-Ranking auf.

Faktoren laut eigenen Angaben

Bei der Erstellung der Rangfolgen lassen sich Google und Apple nicht in die Karten schauen.

Auf eine Anfrage an Apple Deutschland antwortet deren deutsche Kommunikations-Agentur, dass „Details zum Thema Suchfunktion oder zugrundeliegende Algorithmen seitens Apple generell nicht kommuniziert werden“. Die Agentur verweist auf eine Erklärseite des Konzerns für Entwickler. Auf der schreibt Apple, dass das Ranking auf mehreren Faktoren beruhe und nennt zwei Faktorengruppen konkret:

  • Textrelevanz: Wörter im Titel der App, verwendete Schlagwörter und Kategorie der App
  • Nutzerverhalten: Zahl der Downloads einer App und die Zahl und Qualität der Bewertungen sowie der Kommentare im App-Store

Google hat auf die Anfrage von mobilsicher.de bisher noch nicht geantwortet.

Blick von außen

Eine eigene kleine Branche, die sich „App Store Optimization“ (kurz: ASO) nennt, versucht, durch Analysen von Apps und deren Abschneiden in App-Stores, die Faktoren zu rekonstruieren. Die österreichische Agentur App Radar beispielsweise hat eine Übersicht von Rankingfaktoren erstellt. Darin heißt es, dass es leichte Unterschiede im Algorithmus von Google und Apple gebe, aber auch viele gemeinsame Faktoren.

Die wichtigen gemeinsamen Kriterien sind:

  • Downloads: Die Zahl der Downloads spielt, wenig überraschend, eine Rolle beim Ranking.
  • Engagement: Berücksichtigung findet auch, inwiefern die App nach der Installation tatsächlich genutzt wird.
  • App-Titel: Wenn der Suchbegriff, bei dem eine App gefunden werden soll, im Namen der App auftaucht, erhöht das die Position im Ranking.
  • Bewertungen und Kommentare: Je besser diese ausfallen, desto mehr Relevanz räumt der Algorithmus der App ein.
  • Update-Frequenz: Laut Erkenntnissen der Agentur bewerten Apple und Google die Häufigkeit von Updates als positives Zeichen.

Der App-Store von iOS ziehe auch die Titel der In-App-Käufe für die Bewertung von Relevanz für einen Suchbegriff heran. Google wiederum berücksichtige auch die in Kommentaren verwendeten Begriffe und die Zahl der Webseiten-Links auf eine App im Play-Store.

Dann gebe es noch eine Reihe an gänzlich unbekannten Faktoren. Insgesamt sei der Algorithmus vom Play-Store komplexer als der vom iOS-App-Store.

Die Faktoren decken sich im Wesentlichen mit denen anderer Unternehmen aus der ASO-Branche. Andere Übersichten nennen zusätzlich noch die Deinstallationsraten oder formale Kriterien, wie das Vorhandensein von Screenshots und einem Erklärvideo auf der App-Produktseite.

Neben den automatisierten Analysen von Apps durch Apple und Google gibt es auch menschliche Bewertungen. Hinter einigen Apps in den Rankings steht „Empfehlung der Redaktion“ (im Play-Store) oder „Wir empfehlen“ (im iOS-App-Store). Wie genau Google und Apple zu den Empfehlungen kommen und welche Rolle diese redaktionellen Bewertungen für den Ranking-Algorithmus spielen, ist allerdings nicht bekannt.

Auswahl bei F-Droid

Der alternative, nicht-kommerzielle App-Store F-Droid verzichtet völlig auf einen vergleichbaren Auswahl-Algorithmus. Nach Eingabe eines Begriffs in das Suchfeld erscheinen Apps schlicht in alphabetischer Reihenfolge.

Mehr über F-Droid, einem App-Store für Android, erfahren Sie im Hintergrundartikel: F-Droid: Verbraucherfreundlicher App-Store für Android.

Diese Methode ist transparent, produziert aber unpassende Treffer. Sucht man in F-Droid beispielsweise nach „Mail“, erscheint als erstes die Hörtest-App „Audiometry Made Easy“ – wohl, weil in ihrer Beschreibung steht, dass man sich die Testergebnisse per E-Mail zuschicken lassen kann. Erst auf Position 23 erscheint mit K-9 die erste vollwertige E-Mail-App.

Dass man keinen komplexen Ranking-Algorithmen habe, sei eine bewusste Entscheidung, meint Hans-Christoph Steiner vom F-Droid-Entwicklungsteam. Zum einen würden Ranking-Systeme, die beispielsweise Faktoren wie die Zahl der Installationen und Deinstallationen erfassen, meist in die Privatsphäre eingreifen, was bei F-Droid keine Option sei. Dann gebe es prinzipielle Vorbehalte, ob Download-Zahlen ein sinnvolles Kriterium sind.

Es gebe aber schon länger Diskussionen, wie sich die Popularität einer App in F-Droid doch sinnvoll berücksichtigen ließe. Bisher habe sich in der F-Droid-Gemeinschaft aber schlicht noch niemand der kursierenden Ideen angenommen.

F-Droid hat jedoch ein grundlegendes Auswahlkriterium, das den App-Store aus Datenschutzperspektive interessanter macht, als die Plattformen von Google und Apple: Zugelassen sind nur Anwendungen, die ihren Quellcode, die Bauanleitung einer App, offenlegen. Unabhängige Dritte mit IT-Wissen können somit überprüfen, was das mobile Programm tatsächlich macht. Die Apps in F-Droid verhalten sich oft sehr datenschutzfreundlich.

Seien Sie kritisch

Allerdings enthält F-Droid nicht Millionen von Apps, sondern nur wenige Tausend. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer beziehen ihre Apps über die Plattformen von Google und Apple.

Unser Tipp lautet deswegen: Gehen Sie kritisch mit den Rankings um und installieren Sie nicht automatisch die Apps, die auf Platz Eins, Zwei oder Drei der großen App-Stores stehen.

Die Apps, die respektvoll mit Ihrer Privatsphäre und mit Ihren Daten umgehen, sind nicht unbedingt auf den vorderen Plätzen zu finden. Wenn Sie sich für eine App entscheiden, wird diese Sie vermutlich lange begleiten – mit ihren Vorzügen, aber auch ihren Problemen.

Geschrieben von

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Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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