News vom 03.07.2016

Google speichert Telefondaten – welche, bleibt offen

Ein Artikel von , veröffentlicht am 03.07.2016

Der US-Konzern Google räumt ein, Telefon-Verbindungsdaten von Android-Nutzern zu speichern, wenn Google-Apps und -Dienste verwendet werden. Wann genau und in welchem Umfang dies stattfindet, erklärte Google nicht. Damit bleiben die wichtigsten Fragen ungeklärt.

[04.07.2016] Korrektur: Google kündigte in seiner Stellungnahme keine weiteren Informationen nach dem 4.Juli an. Genauer Wortlaut des Zitates: "Zur Dauer und zum Ort der Speicherung können wir gegebenenfalls nächste Woche nach dem US-Feiertag noch einmal sprechen". Der entsprechende Satz wurde im Text entfernt.

This article in English

Die Datenschutzerklärung des US-Konzerns Google legt nahe, dass das Unternehmen Telefonnummern, Gesprächzeitpunkt und -Dauer speichert, wenn Gespräche mit Android-Geräten geführt werden. mobilsicher.de berichtete am Donnerstag ausführlich.

Dies wurde seitens des Unternehmens in mehreren Anfragen von mobilsicher.de im Vorfeld nicht kommentiert, aber auch nicht dementiert. Peter Schaar, der ehemalige Bundesbeauftragte für den Datenschutz, hatte daraufhin die Einschätzung geäußert, dass Googles Datenschutzerklärung unwirksam sei und das Speichern der Daten sogar einen Grundrechtsverstoß darstellen könnte.

Google: Wir speichern Telefondaten, wenn Google-Apps und -Dienste verwendet werden

Am Samstag äußerte sich nun erstmals ein Sprecher von Google schriftlich zum Sachverhalt.

„Ein Vergleich unseres Vorgehens mit der Vorratsdatenspeicherung ist nicht nur unpassend, sondern schlichtweg falsch“, so die Stellungnahme. Das Unternehmen räumte aber ein, dass Google unter bestimmten Umständen Verbindungsdaten von Telefongesprächen speichert.

„Wir speichern Informationen zu Telefonanrufen nur dann, wenn Google-Apps und -Dienste verwendet werden“, so der Sprecher. Diese Aussage schränkt die potentielle Zahl der Betroffenen allerdings nicht nennenswert ein. Denn ein Android-Gerät ohne Google-Apps und -Dienste zu verwenden, ist nahezu unmöglich.

Warum das so ist, erfahren Sie detailliert in unserem Beitrag Wie viel Google steckt in Android?

Als Beispiel für eine Funktion, bei der definitiv Verbindungsdaten gespeichert werden, nannte das Unternehmen die „Google Anrufer-ID“.

Diese Funktion ist auf Nexus- und Android-One-Geräten verfügbar und ab der Version 4.4 in der Telefon-App integriert. Sie ermöglicht es, bestimmte Anrufernummern zu Identifizieren, auch wenn diese nicht im eigenen Kontaktverzeichnis stehen. Die Funktion kann deaktivert werden.

Aber auch in anderen Fällen könnte die Datenerfassung stattfinden, so Google. „Ein weiteres Beispiel für einen Dienst, bei dem Informationen zu Telefonanrufen gespeichert werden, ist Google Voice. Vorstellbar ist auch, dass der Entwickler einer unabhängigen Telefon-App über eine API einen Google-Dienst einbindet“, schreibt der Konzern in seiner Stellungnahme. API steht für Application Programming Interface, auf Deutsch etwa: Programm-Schnittstelle.

Um welche APIs es sich dabei genau handelt, und wie man in Erfahrung bringt, ob die Telefon-App auf dem eigenen Gerät auf solche Schnittstellen zugreift, wurde nicht erklärt.

Auch die Frage, ob das eigene Gerät die Telefon-App von Google verwendet, oder die eines anderen Herstellers, dürfte für Nutzer schwer zu durchschauen sein.

Weiter unklar, welch Daten wozu, wie lange und wo gespeichtert werden

Die Frage, wie lange die Daten vorgehalten werden, ob sie weitergegeben oder mit anderen Datensätzen des Konzerns verknüpft werden, und in welchem Land sie gespeichert werden, beantwortet Google auf Rückfragen von mobilsicher.de nicht.

Insgesamt ist damit der Verdacht nicht entkräftet, dass Google umfangreich Telefonverbindungsdaten speichert, sowohl von Android-Nutzern, alls auch von Nutzern, die Android-Geräte anrufen.

Mehr zum Thema bei mobilsicher.de

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0x2F021121044527DC

PGP Public Key

Download als .asc

Fingerprint

BC80 45E0 3110 EA00 A880 0827 2F02 1121 0445 27DC

Miriam Ruhenstroth

Begleitet mobilsicher.de seit der Gründung – zuerst als freie Autorin, dann als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt, das 2020 um den AppChecker erweitert wurde. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Wieso Updates?

Wöchentliche Updates für Apps, monatliche für das Betriebssystem, jedes Jahr ein großes Upgrade auf eine neue Version. Warum braucht man alle diese Updates überhaupt? Ganz einfach: Aktuelle Software ist sicherer. Wie Sie Ihre Apps und Systeme aktuell halten, erfahren Sie hier.

Mehr
Ratgeber 

Häufige App-Tracker kurz vorgestellt (Android)

Viele Android-Apps enthalten Software-Bausteine von Dritten, zum Beispiel von Werbefirmen oder Analysediensten. Wer diese Anbieter sind, erfährt man in der Regel nicht. Problematische Dienstleister auf einen Blick.

Mehr
App-Test 

App-Test: Menstruations- & Zykluskalender Flo (Android)

Mit dieser App können Nutzerinnen Daten rund um ihren Zyklus und ihre Schwangerschaft protokollieren. Der App-Anbieter sammelt dabei Gesundheits- und Körperdaten, unter Umständen in Kombination mit Name und E-Mail-Adresse der Nutzerin. Die Information, welche Menüpunkte geöffnet werden, gehen auch an Facebook.

Mehr
Ratgeber 

PeerTube – das bessere YouTube?

Der Videodienst ist eine nichtkommerzielle Alternative zu YouTube. Statt eines zentralen Anbieters gibt es viele unabhängige PeerTube-Server, die miteinander kompatibel sind. Wir stellen den Dienst vor und zeigen, wie Sie ihn selbst nutzen können.

Mehr