News vom 01.07.2016

Bundesbeauftragte für Datenschutz: Google in der Pflicht

Ein Artikel von , veröffentlicht am 01.07.2016

Betreibt der US-Konzern Google eine private Vorratsdatenspeicherung? Die Datenschutzerklärung der Firma und andere Hinweise legen die Vermutung nahe. Nun äußerte sich auch die Bundesbeauftragte für den Datenschutz kritisch zu den Vorwürfen.

Offenbar speichert der US-Konzern die Verbindungsdaten von Gesprächen mit Android-Geräten, also die gewählte Telefonnummer und Dauer des Gesprächs, auf seinen Servern. Mobilsicher.de berichtete am Donnerstag darüber.

Dass dieses Verhalten mit der Einwilligung in die Datenschutzerklärung rechtlich abgedeckt ist, bezweifeln Experten. Peter Schaar, ehemaliger Bundesbeauftragter für den Datenschutz, sieht nun die EU-Kommission in der Pflicht, sagte er heute in einem Interview mit mobilsicher.de.

Am Nachmittag äußerte sich auch der Sprecher der Bundebeauftragen für den Datenschutz (BfDI), Dirk Hensel, gegenüber mobilsicher.de zu der mutmaßlichen Speicherpraxis von Google: „Aufgrund der hohen Sensibilität von Telekommunikationsverkehrsdaten, die unter anderem dazu verwendet werden können, aussagekräftige Profile von Telekommunikationsnutzern zu erstellen, sollten derartige Speicherungen unterbleiben.“

Ob die Vorgehensweise von geltenden Gesetzen abgedeckt ist, könne man aber derzeit nicht abschließend bewerten. „Aufgrund der vagen Formulierungen in der Datenschutzerklärung wird nicht hinreichend klar, welche Datenverbindungen tatsächlich stattfinden“, so Hensel.

Insbesondere stellt sich die Frage, welche Datenschutzbehörde nun tätig werden muss. Falls Google in diesem Zusammenhang als Telekommunikationsanbieter agiert, würde der Fall in die Zuständigkeit der Bundesdatenschutzbeauftragten fallen.

Um diese Frage zu klären „wird die BfDI Google auffordern, diesbezüglich weitere Informationen zur Verfügung zu stellen“, so Hensel.

Google hatte Nachfragen zu dem Sachverhalt bis zur Veröffentlichung nicht beantwortet. Wie ein Sprecher des Unternehmens mitteilte, prüfe man derzeit noch die Fakten und werde sich dann äußern.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

YouTube-Video 

Ortung per WLAN – wie funktioniert das?

Mobiltelefone und andere mobile Geräte nutzen verschiedene Techniken, um festzustellen, wo sich ein Gerät – und damit sein Nutzer – befindet. Diese Techniken werden oft kombiniert, um genauere Ergebnisse zu erhalten. Ein Weg ist WPS, die Positionsbestimmung per WLAN. Die Funktion wertet zum Beispiel die Signale von kommerziellen Hotspots, Firmennetzwerken oder von privaten Routern aus. Wie funktioniert das?

Ansehen
Schwerpunkt 

Überwachung und Spyware

Sowohl staatliche Behörden als auch Personen aus unserem Umfeld können theoretisch unsere Smartphones überwachen. Gegen viele Methoden können Sie sich schützen. Hier finden Sie unsere Beiträge rund um den Bundestrojaner, Spionage-Apps und Überwachung in der Partnerschaft.

Mehr
Kinder und Jugendliche 

So funktioniert die Familienfreigabe bei iPhone und iPad

Mit der "Familienfreigabe" können Sie gekaufte Inhalte, etwa aus dem App Store, mit Ihren Familienmitgliedern teilen. Außerdem bietet die Funktion ein Familienfotoalbum, einen gemeinsamen Kalender und erlaubt die Fernsteuerung von Kindersicherungen. Wir geben einen Überblick.

Mehr
Ratgeber 

Tibor Kaputa: “I’m not interested in working for some company”

Tibor Kaputa from Slovakia develops Android apps that are designed to replace preinstalled programs such as contacts, calender, gallery and more. His “Simple Mobile Tools” are privacy friendly and open source. Today, working on the apps is his full-time job, Tibor told mobilsicher.

Mehr