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Wieso Updates?

Treppe hoch

Wöchentliche Updates für Apps, monatliche für das Betriebssystem, alle paar Monate ein großes Upgrade auf eine neue Version. Vielen Nutzern ist das zu viel. Wie wichtig ist es eigentlich, das Smartphone oder Tablet auf dem neuesten Stand zu halten?

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App-Updates · JellyBean · Lollipop · Update · Upgrade
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Aktualisierungen haben zwei Hauptfunktionen: Auf der einen Seite geht es darum, Fehler zu beseitigen und Sicherheitslücken zu schließen, die in der Zwischenzeit bekannt geworden sind. Auf der anderen Seite bringen Aktualisierungen auch neue Funktionen, zum Beispiel neue Level bei Spielen oder bessere Verschlüsselung bei Banking-Apps.

Updates und Upgrades

Man kann zwischen Updates und Upgrades unterscheiden. Beim Update bleibt das Programm im Wesentlichen gleich, es gibt nur kleinere Verbesserungen. Upgrades spielen vor allem beim Betriebssystem eine Rolle. Im Prinzip wird dabei das Betriebssystem ausgetauscht. Die Nutzerdaten bleiben dabei erhalten.

Manche Updates schließen neu entdeckte Sicherheitslücken im Betriebssystem oder in den Apps. Solche Sicherheitslücken machen Geräte anfällig für Angriffe von Viren oder Schadsoftware. Außerdem gibt es Updates, die Programme und Betriebssysteme effizienter machen sollen, zum Beispiel weil Apps Fehler enthalten oder die Geräte-Ressourcen nicht optimal nutzen. Updates können auch neue Funktionen zu Apps oder zum System hinzufügen – zum Beispiel werden neue Geräte wie Smartwatches erst über Updates des Betriebssystems nutzbar.

Upgrades hingegen erkennt man daran, dass sich der Versionsname des Betriebssystems ändert. Bei Android zum Beispiel von „Kitkat“ (Android 4.4) zu „Lollipop“ (Android 5.0) oder bei Apple-Geräten von „iOS 7“ zu „iOS 8“ . Wann ein Hersteller ein größeres Update zu einem Upgrade erklärt, ist nicht festgelegt und geschieht sicherlich auch aus Marketinggründen.

Automatisch oder manuell

Grundsätzlich sind Updates und Upgrades eine gute Sache. Um Sicherheitslücken zu schließen und Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist es wichtig, die Software auf dem Smartphone oder Tablet auf dem neusten Stand zu halten. Es wäre jedoch zu einfach, wenn es nicht noch ein Aber gäbe. Updates sind zwar wichtig, aber Nutzer sollten trotzdem darauf achten, welche Updates sie installieren.

Das betrifft vor allem Aktualisierungen von Apps. Denn sowohl Apps aus Googles Play-Store als auch aus Apples App-Store kann man automatisch aktualisieren lassen, ohne jedem einzelnen Update extra zuzustimmen. Es kann aber passieren, dass bei Apps im Nachhinein Sicherheitsprobleme auftreten, entweder durch Programmierfehler, oder weil das Update Schadsoftware enthält.

Vor allem Android-Geräte sind gefährdet, da fast alle Schadprogramme für Smartphones auf dieses Betriebssystem abzielen. Zudem können Apps bei einem Update neue Zugriffsrechte bekommen. Beim automatischen Update wird der Nutzer darüber nicht informiert und muss auch nicht zustimmen – das gilt für Android bis zur Version 5.9 und iOS.

Nutzer, die Zeit investieren und auf den einschlägigen Webseiten oder in den Bewertungen der Apps recherchieren wollen, können diese automatischen Updates ausschalten, um selbst zu entscheiden, ob sie sie installieren wollen oder nicht. Wer diesen zusätzlichen Aufwand nicht betreiben kann oder will, ist mit automatischen Updates immer noch besser bedient als ganz ohne Updates.

Ingesamt gilt: Nicht-aktuelle Apps und veraltete Betriebssysteme stellen eine Sicherheitslücke dar. Im Zweifel sollten Nutzer in den sauren Apfel beißen und Apps, die nicht mehr aktualisiert werden, deinstallieren.

Android: Viele Varianten

Die „Urform“ des Android-Betriebssystems wird vom „Android Open Source Project (AOSP)“ unter Leitung von Google programmiert. Dieses Ur-Android befindet sich auf Googles Nexus-Geräten. Alle anderen Hersteller von Android-Geräten passen diese Urform auf ihre eigenen Geräte an, und geben ihm ein zur Marke passendes Aussehen.

Wer zum Beispiel ein Samsung-Gerät nutzt, kann nur das von Samsung angepasste Android verwenden. Ist das Gerät an einen Provider gebunden, zum Beispiel an Telekom, nehmen die Provider nochmal ihre eigenen Modifikationen am Betriebssystem vor.

Wenn ein Sicherheitsupdate nötig wird, so muss dieses zunächst vom AOSP programmiert werden. Dann passen es die Hersteller an, danach die Provider. Wer kein Nexus-Gerät nutzt, muss also stets einige Wochen bis Monate auf sein Update warten, providergebundene Geräte noch länger. Das Selbe gilt für Upgrades auf eine neue Version. Fahrpläne, wann welche Hersteller die jeweils neue Android-Version ausliefern, kann man im Internet finden.

Leider bieten nicht alle Hersteller Upgrades und Updates für alle ihre Modelle an – dieses Problem gibt es häufig bei günstigen Smartphones und älteren Modellen. Es gibt für die jeweiligen Android-Versionen nur eine begrenzte Zeit lang Updates von Google, die Sicherheitslücken schließen. Wird eine Sicherheitslücke erst später bekannt, bleibt sie einfach bestehen.

Sicherheitslücken können offen bleiben

Im Augenblick (Stand November 2015) ist die neueste Android-Version die Version 6.0 (Marshmallow). Die letzte unterstützte Version, für die Google noch Updates bereithält, ist die Version 4.4 (Kitkat). Jelly Bean (Android 4.3) wird von Google seit Ende 2014 nicht mehr aktualisiert, auch wenn laut Google immer noch 29 Prozent aller Android-Nutzer diese Version auf ihrem Handy haben (Stand November 2015). Lässt sich das Betriebssystem nicht mehr upgraden, sollte das Gerät aus Sicherheitsgründen nicht mehr benutzt werden.

Aufgrund dieser Patchwork-Politik beim Aktualisieren von Android, ist es oftmals unmöglich, festzustellen, ob das eigene Gerät gegen akuelle oder auch gegen längst bekannte Sicherheitslücken tatsächlich schon geschützt ist, und ob es diesen Schutz jemals erhält. Das gilt selbst dann, wenn man die aktuellste Version von Android benutzt.

Wer sich selbst einen Überblick verschaffen will, kann die App „Android VTS“ der Firma NowSecure bei Github herunterladen. Sie scannt das Gerät auf die wichtigsten Sicherheitslücken der letzten Monate, darunter auch Stagefright und Stagefright 2.0. Die App steht in der Open-Source-Software-Bibliothek Github zur Verfügung, wo auch der Quellcode begutachtet werden kann.

Eins für Alle: Upgrades bei Apple

Apple-Nutzer haben normalerweise weniger Probleme mit den Versionen ihres Betriebssystems, weil Geräte und Betriebssysteme vom gleichen Hersteller sind. Es wird derzeit für alle Geräte ab iPhone 4s bzw. iPad 2 die neueste Betriebssystem-Version angeboten. Im Augenblick ist das iOS 9. Bereits einen Monat nach der Veröffentlichung (am 16. September 2015) hatten 55 Prozent aller iPhones das aktuelle Betriebssystem installiert.

Nutzer mit älteren Apple-Modellen müssen allerdings bei der alten Version des Betriebssystems bleiben – das iPhone 4 wird zum Beispiel nicht mehr unterstützt. Auch hier gilt: Lässt sich das Gerät nicht mehr aktualisieren, muss es über kurz oder lang ausgetauscht werden.

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