News vom 02.08.2017

Anonymisierung: VPN-Bann in China und Russland

Ein Artikel von , veröffentlicht am 02.08.2017

VPN-Dienste helfen dabei, relativ anonym zu surfen und Internetsperren zu umgehen. China und Russland erschweren die Nutzung solcher Dienste zunehmend. Nun gibt auch Apple den Zensuraufforderungen Chinas nach.

Apple hat verschiedene VPN-Apps aus seinem Appstore in China verbannt. Betroffen sind einige größere Anbieter von Virtual Private Networks (VPN), die über keine Lizenz chinesischer Behörden verfügen.

Bekannt wurde dieser Schritt durch den VPN-Dienst ExpressVPN, der auch von der Maßnahme betroffen ist. Der Dienst machte die Benachrichtigung öffentlich, die Apple an die betroffenen Anbieter schickte. In dem Schreiben vom 29. Juli hieß es, die betreffenden Dienste würden Inhalte enthalten, die in China illegal sind.

Apple-Chef Tim Cook räumte in einer Telefonkonferenz nach der Vorstellung neuer Quartalszahlen am Dienstag ein, der Konzern sei von der chinesischen Regierung aufgefordert worden, verschiedene Apps zu entfernen.

Auch bei anderen Netz-Giganten wird Druck auf Anonymisierungs-Dienste ausgeübt: Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat der chinesische Partner von Amazon, der für dessen Cloud-Geschäft in China zuständig ist, seine Kunden vor der Nutzung nicht-genehmigter VPN-Dienste gewarnt.

Gesetz gegen Anonymisierungs-Dienste

Im Januar hatte die Regierung in Peking ein Gesetz verabschiedet, dass VPN-Tools verbannen soll, wenn diese nicht vom Staat genehmigt wurden und über staatliche Infrastruktur laufen.

VPN-Dienste ermöglichen es Nutzern und Nutzerinnen, bei einer Überwachung des Datenverkehrs anonymer im Netz zu surfen und vor den Überwachern zu verschleiern, welche Webseiten man aufgerufen hat. Dabei wird der Datenverkehr an einen der meist kostenpflichtigen VPN-Anbieter geschickt und von dort aus weitergeleitet.

In China werden VPN-Dienste gern genutzt, um die staatliche Internetzensur zu umgehen. So kann man beispielsweise auf blockierte Portale wie Facebook zugreifen. Bei ExpressVPN hieß es, man sei enttäuscht und beunruhigt, dass Apple auf diese Art die Zensurbemühungen der chinesischen Regierung unterstützt.

In der Telefonkonferenz sagte Apple-Chef Cook, man sei der Löschaufforderung nur ungern nachgekommen. In jedem Land, in dem das Unternehmen Geschäfte macht, befolge man die dortigen gesetzlichen Vorgaben. Im Appstore gebe es aber weiterhin "hunderte" VPN-Anwendungen, die von der chinesischen Regierung lizensiert und daher nicht betroffen seien.

Auch Russland hat VPNs im Visier

Bekannt wurde außerdem, dass auch die russische Regierung verstärkt gegen Virtual Private Networks vorgeht. Wie der staatliche US-Auslandssender Radio Free Europe berichtet, hat der russische Präsident Putin am 29. Juli ein Gesetz unterzeichnet, dass die Nutzung von Anonymisierung-Diensten wie VPNs untersagt. Auch Webseiten, die VPN-Dienste anbieten, müssten nach diesem Gesetz blockiert werden.

Eine mit China vergleichbare Internet-Zensur gibt es in Russland nicht. VPN-Dienste werden dort wohl vor allem genutzt, um sich vor der umfangreichen staatlichen Überwachung zu schützen. Dem Gesetz zufolge tritt das Verbot in Russland ab November in Kraft.

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Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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