News vom 10.08.2018

Bundesbehörden und mobile Überwachung

Ein Artikel von , veröffentlicht am 10.08.2018

Bundesbehörden haben im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 170.000 „Stille SMS“ verschickt, 123 Funkzellenabfragen durchgeführt und 52 Mal Mobilgeräte mit so genannten IMSI-Catchern geködert. Das hat eine parlamentarische Anfrage des Linksfraktion im Bundestag ergeben.

Über eine Kleine Anfrage fordert die Linksfraktion im Bundestag halbjährlich Daten zur Überwachung von Mobiltelefonen auf Bundesebene an. Gerade ist die Antwort der Bundesregierung erschienen.

Stille SMS

Insgesamt 170.000 Mal haben Bundesbehörden im ersten Halbjahr 2018 stille SMS verschickt. Diese verteilten sich auf:

  • den Inlandsgeheimdienst Bundesamt für Verfassungsschutz: 103.224
  • die Bundespolizei: 38.990 und
  • das Bundeskriminalamt: 30.988.

Stille SMS gehen an ein Mobilgerät, ohne dass der Besitzer dies bemerkt. Sie sorgen dafür, dass sich ein Handy bei der jeweils nächsten Funkzelle meldet. So erfahren die Mobilfunkprovider Ortsdaten und können sie an diejenigen Behörden geben, die die stille SMS verschickt haben.

Auch der Zoll und der Auslandsgeheimdienst BND haben stille SMS verschickt. Deren Aktivität stuft die Bundesregierung aber als geheim ein und veröffentlicht die Zahlen nicht.

Anders als verschiedene Medien berichtet haben, gibt es keine eindeutige Tendenz bei der Anwendung dieser Ermittlungsmethode. In den Halbjahreszeiträumen der letzten vier Jahre schwankte die Zahl der verschickten stillen SMS zwischen etwa 110.00 und 210.000.

Funkzellenabfragen

Gegenstand der Kleinen Anfrage war auch die Zahl der Funkzellenabfragen. Bei dieser Methode fordern Behörden bei einem Mobilfunkprovider die Daten aller Geräte an, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Funkzelle eingeloggt sind.

Im ersten Halbjahr 2018 gab es 123 solcher Anfragen, wobei 64 auf die Bundespolizei entfielen, 39 auf den Zoll und 20 auf das BKA. Die Gesamtzahl liegt unterhalb des Durchschnitts der letzten vier Jahre.

IMSI-Catcher

Insgesamt 52 Mal kamen so genannte IMSI-Catcher zum Einsatz, 32 Mal bei der Bundespolizei und 20 Mal beim BKA. IMSI steht für „International Mobile Subscriber Identity“, auf Deutsch: Internationale Mobilfunk-Teilnehmerkennung.

IMSI-Catcher täuschen Mobiltelefonen in der jeweiligen Umgebung eine Funkzelle vor, in die sich die Geräte einwählen können. Geschieht das, können diese Spionagewerkzeuge nicht nur Standorte ermitteln, sondern auch Telefongespräche abhören.

Die Zahl der Einsätze befindet sich in etwa auf dem durchschnittlichen Level der letzten Jahre.

Wie viel Personen sind betroffen?

Größtenteils unbekannt ist, wie viele Personen tatsächlich von diesen Ermittlungsmethoden betroffen waren, die nach richterlicher Genehmigung bei Verdacht auf mittelschwere und schwere Straftaten zum Einsatz kommen können.

Zahlen gibt es nur beim Einsatz der IMSI-Catcher, von dieser Maßnahme waren insgesamt 88 Personen betroffen.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Amazons Appstore kurz vorgestellt

Mit über 400.000 Apps bietet Amazon eine recht große App-Auswahl. Auf Amazons Kindle-Geräten ist der Store vorinstalliert. In Sachen Datenschutz bringt er keine Vorteile - wer ihn nutzt, muss ein Konto bei Amazon anlegen und stimmt Amazons Datenschutzerklärung zu. Daten aus der Nutzung anderer Amazon-Dienste werden verknüpft.

Mehr
Ratgeber 

Dialer-Apps: Komfort mit Risiken

Die Telefon-App, die jedes Smartphone mitbringt, kann ersetzt werden. Alternativen aus dem App-Store bringen oft mehr Funktionen oder ein schöneres Design mit. Aber Vorsicht: Einige solche Dialer-Apps bieten gefährliche Zusatzfunktionen und geben im schlimmsten Fall Ihr ganzes Adressbuch an Dritte weiter.

Mehr
Ratgeber 

Heimweg-App WayGuard kurz vorgestellt

WayGuard bietet einen 24-Stunden-Begleitservice für den Heimweg und beschäftigt dazu ein eigenes Team. Hinter der kostenlosen App steht der Versicherungskonzern AXA. Die App ist einfach zu bedienen, bindet aber auch Facebook- und Google-Dienste ein.

Mehr
App-Berechtigungen 

App-Berechtigungen einschränken mit AppGuard (bis Android 6)

Ab Android 6 können Sie in den Smartphone-Einstellungen entscheiden, ob Apps bestimmte Rechte wie den Zugriff auf das Adressbuch bekommen sollen. Auf Smartphones und Tablets mit älteren Android-Versionen geht das auch - mit der App „AppGuard“.

Mehr