Messenger

Messenger-App Briar kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 11.09.2018

In Sachen Anonymität schlägt Briar alle anderen von uns vorgestellten Messenger. Briar-Nutzer kommunizieren über das Anonymisierungsnetzwerk Tor und es fallen keinerlei Metadaten an. Selbst die IP-Adresse bleibt geheim. Massentauglich ist das junge Projekt aber noch nicht, da wichtige Funktionen fehlen.

Das ist Briar

Die Messenger-App Briar legt den Fokus auf Anonymität und setzt dabei auf innovative Wege bei der Übermittlung von Nachrichten. Die App gibt es nur für Android. Sie lässt sich im Play-Store von Google sowie im alternativen App-Store F-Droid herunterladen. Der Quellcode der App ist öffentlich verfügbar und kann von jedem überprüft werden.

Nutzer kommunizieren bei Briar direkt miteinander, keine zentrale Datenbank speichert irgendwelche Nachrichten zwischen. Metadaten fallen somit nicht an. Der Messenger sieht drei wechselnde Kommunikationskanäle vor: das Anonymisierungsnetzwerk Tor, WLAN und Bluetooth.

Man kann bei Briar Einzel- und Gruppenchats einrichten. Zur besonderen Absicherung ist die App mit einem Passwort geschützt. Haben Sie das Passwort vergessen, ist kein Zugriff auf das Profil und keine Wiederherstellung möglich.

Briars Schwächen: Der Messenger hat keine Telefonie-Funktion, verbraucht relativ viel Akku und Kommunikation ist nur möglich, wenn beide Gesprächspartner gleichzeitig online sind. Die App enthält keine Backup-Funktion.

Sicherer Kommunikationsraum für alle

Erst seit Mai 2018 ist die erste, voll funktionsfähige Version von Briar verfügbar. Gründer ist der Brite Michael Rogers. Derzeit erhält Briar unter anderem Fördermittel vom Prototyp Fund, einem Gemeinschaftsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Organisation Open Knowledge Foundation Deutschland.

"Unser Ziel ist es, Menschen aus allen Herkunftsländern einen sicheren Raum zur Verfügung zu stellen, wo sie jedes Thema diskutieren, Veranstaltungen planen und soziale Bewegungen organisieren können", erklären die Anbieter auf der Briar-Webseite.

Anonym im Internet mit Tor

Wenn Kommunikationspartner sich nicht innerhalb desselben Bluetooth- oder WLAN-Netzes befinden, nutzt der Messenger das Anonymisierungsnetzwerk Tor. Tor ermöglicht es, miteinander zu kommunizieren, ohne die eigene IP-Adresse preiszugeben. Die IP-Adresse funktioniert ähnlich wie die Postadresse im nicht-digitalen Raum und identifiziert jeden Internetanschluss eindeutig.

Adressen im Tor-Netzwerk enden auf .onion und sind nicht lokalisierbar, weswegen sie üblicherweise auch als "Darknet" bezeichnet werden.

Briar erzeugt auf einem Smartphone eine solche .onion-Adresse. Zwei Briar-Nutzer kommunizieren dann über die jeweiligen .onion-Adressen direkt von Gerät zu Gerät.

Hintergrundinformationen zur Nutzung des Tor-Netzwerks finden Sie hier: Tor: Anonymität auch fürs Smartphone.

Kommunizieren über WLAN und Bluetooth

Befinden sich Nutzer in räumlicher Nähe zueinander, kann Briar Nachrichten auch über WLAN oder Bluetooth verschicken. Damit Briar Bluetooth für die Versendung von Nachrichten verwenden darf, müssen Nutzer der App dies zunächst über eine Einstellung erlauben.

Vorsicht: Wenn Bluetooth permanent aktiv ist, ist das ein Sicherheitsrisiko, da Smartphones über Sicherheitslücken in Bluetooth angegriffen werden können.

Mehr Infos zu dieser Technik haben wir hier zusammengestellt: Bluetooth: Praktische Technologie mit Tücken.

Bei Briar gibt es keine zentrale Datenbank, die Nachrichten zwischenspeichert. Ist ein Kommunikationspartner gerade nicht online, versucht die App immer wieder, die jeweilige Nachricht zu verschicken. Eine zeitversetzte Kommunikation ist bei Briar bisher nicht möglich.

Hinzufügen von Nutzern

Es gibt zwei Möglichkeiten, in Briar Kontakte hinzuzufügen. Erstens: Beide Kommunikationspartner treffen sich und fotografieren jeweils einen QR-Code, der auf dem Smartphone des anderen erscheint. Zweitens: Zwei Nutzer haben einen gemeinsamen Briar-Kontakt, der sie über eine Vorschlagsfunktion miteinander verbindet. So wird ausgeschlossen, dass Fremde sich als Freunde ausgeben.

Beim Abgleich der QR-Codes kommunizieren die Geräte per Bluetooth miteinander. Das scheitert allerdings, wenn auf beiden Geräte Android 8 oder höher läuft, da Google den Datenaustausch per Bluetooth ab Android 8 eingeschränkt hat. Nutzer müssen stattdessen dafür sorgen, dass sich beide Geräte im gleichen WLAN befinden. Dann wechselt Briar für den Abgleich vom Bluetooth- zum WLAN-Kanal.

Scheitert das Hinzufügen auch dann, könnte das an Restriktionen des genutzten WLANs liegen. Das ist bei öffentlichen Netzwerken manchmal der Fall. So kann es dennoch klappen: Eines der beiden Smartphones baut einen eigenen mobilen Hotspot auf, in den sich das andere Gerät einloggt.

Verzicht auf Google-Dienste kostet Akku

Um zu verhindern, dass Briar von einem Google-Dienst abhängig ist und dort Daten anfallen, verzichtet die App auf Googles "Push Notifications". Bei dieser Funktion „weckt“ der Google-Dienst Apps, beispielsweise, wenn eine neue Nachricht eingegangen ist.

Damit Nutzer dennoch ohne Verzögerung kommunizieren können, testet Briar in regelmäßigen Abständen für jeden Kontakt, ob die Kanäle Tor, Bluetooth und WLAN verfügbar sind. Das permanente Testen von Kanälen ist dafür verantwortlich, dass Briar viel Akkuleistung in Anspruch nimmt.

Vor- und Nachteile von Briar

Positiv:

  • Standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Chats und Gruppenchats
  • Kostenlos
  • Schutz der App per Passwort
  • Nutzung ohne Zugriff aufs Adressbuch möglich
  • Keine Speicherung von Nachrichten und Metadaten
  • Quelloffen (Open Source)

 

Negativ:

  • Keine Telefonie möglich
  • Keine Sprachnachrichten möglich
  • Keine Backup-Funktion
  • Keine zeitversetzte Kommunikation möglich
  • Keine iOS-Version
  • Keine Desktop-Version

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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