Ratgeber

Corona-Tracing aus Hannover: GeoHealthApp kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 01.04.2020, bearbeitet am30.04.2020
Bild: Pixabay CC0/geralt

Die GeoHealthApp nutzt Standortdaten, um Kontaktketten nachzuvollziehen und mögliche Covid-19-Infizierte zu warnen. Die App ist in Deutschland als erste ihrer Art flächendeckend verfügbar. Wie zuverlässig die Anonymisierung der Standortdaten und Befunde funktioniert, ist schwer zu bewerten.

Status: Im Einsatz

Seit 27.04.2020 ist die App in Apples App-Store verfügbar, seit 29.04.2020 auch im Play-Store.

Die Entwickler*innen

Maßgeblich vorangetrieben wurde das Projekt von Maxim Gleser, er ist Medizinstudent und Mitgründer der GeoHealthApp gGmbH in Hannover.

Ursprünglich in Zusammenarbeit mit Gernot Beutel, Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover, der sich inzwischen aus dem Projekt zurückgezogen hat.

Finanzierung: spendenbasiert

Als Sponsor wird die Zurich Foundation angegeben, außerdem werden Spenden über eine Crowd-Funding-Kampagne eingeworben. Bislang kamen ca. 5.000 Euro zusammen. Die GeoHealthApp ist als gemeinnütziges Projekt konzipiert, die laufenden Kosten sollen aus Spenden gedeckt werden.

Funktion: basiert auf Standortdaten

Standortdaten werden lokal auf dem eigenen Gerät gespeichert, sobald man die App aktiviert. Wer infiziert ist, kann seine Standortdaten anonymisiert auf einen Server laden. Alle anderen Nutzer*innen können diese Standortdaten dann mit dem eigenen Standortverlauf abgleichen.

Dieser Abgleich wird auf dem Server und nicht lokal auf dem Endgerät stattfinden, wie Entwickler Maxim Gleser gegenüber mobilsicher.de erklärte. Bei Überschneidungen gibt die App eine Warnung heraus.

Allerdings werde nicht der gesamte Standortverlauf hochgeladen, sondern nur einige Datenpunkte, die der Algorithmus der App selbstständig aussucht. Damit soll eine Deanonymisierung ausgeschlossen werden. Nach welchen Kriterien dieser Algorithmus funktioniert, ist jedoch nicht bekannt.

Hochgeladene Standortdaten werden nach einigen Tagen gelöscht.

Unseren Hintergrundartikel finden Sie hier: Coronavirus und Handy-Überwachung: Risiken und Nebenwirkungen.

Schutz gegen falsche Daten

Um zu verhindern, dass Nutzer*innen Standortverläufe hochladen, obwohl sie gar nicht infiziert sind, ist derzeit geplant, dass der Befund/Testbericht ebenfalls anonymisiert hochgeladen und seitens der Betreiber verifiziert wird. Dies soll durch freiwillige Helfer*innen nach einem Vier-Augen-Prinzip bewerkstelligt werden.

GeoHealthApp: Unsere Einschätzung

Vorteil: Steht als erste App flächendeckend in Deutschland zur Verfügung und hat damit eine Chance, von vielen Nutzer*innen adaptiert zu werden.

Nachteile: Nicht in jeder Umgebung sind die Standortdaten genau genug, um Kontakte zuverlässig anzuzeigen. Das Anonymisieren, Hochladen und Verifizieren von Befunden könnte anfällig für Datenlecks sein. Der Programmcode der App ist nicht frei zugänglich - so können unabhängige Expert*innen ihn nicht überprüfen.

Die Autorin

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Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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