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News vom 14.12.2017

Umfrage Bitkom: Panikmache?

Ein Artikel von Miriam Ruhenstroth, veröffentlicht am 14.12.2017

Der Branchenverband der Informations- und Telekommunikationsindustrie Bitkom hat eine Umfrage zu Sicherheit bei Smartphones veröffentlicht. Unsere Meinung: Durch unscharfe Begriffe legt der Bericht falsche Schlüsse nahe und betreibt Lobbyarbeit für zweifelhafte Sicherheitsprodukte.

"Jeder dritte Smartphone-Nutzer hatte Sicherheitsprobleme", so betitelte der IT-Branchenverband Bitkom seine Pressemeldung vom Montag. Es ging um eine repräsentative Umfrage, die der Verband zum Thema Smartphones in Auftrag gegeben hatte.

Zu den Ergebnissen heißt es in der Meldung unter anderem:

"So gibt fast jeder dritte Smartphone-Nutzer (29 Prozent) an, dass er in den vergangenen zwölf Monaten einen Sicherheitsvorfall mit seinem Gerät erleben musste. Dazu gehören Viren oder andere Schadprogramme, die zum Beispiel versuchen, Daten auf dem Gerät auszulesen, ebenso wie der Diebstahl des Geräts."

Ob gewollt oder ungewollt, entsteht hier der Eindruck, dass Viren und Schadprogramme auf Handys sehr weit verbreitet seien. Dies zeigt sich auch darin, wie die Meldung von anderen Medien aufgegriffen wurde, zum Beispiel bei Mimikama. (Stand 08.24: Dieser Artikel ist nicht mehr verfügbar)

Wir bei mobilsicher.de bezweifeln, dass dieser Eindruck richtig ist. So zeigen selbst die Quartalsberichte der Sicherheitsfirma Kaspersky – die eher für Über- als für Untertreibung bekannt ist –, dass die Zahl der Nutzer in Deutschland, die mit einem Schadprogramm auf dem Smartphone konfrontiert werden, seit über einem Jahr rückläufig ist. Wir haben uns die Mühe gemacht, die Zahlen aus den Quartalsberichten für Deutschland herauszusuchen.

Zahl der betroffenen Nutzer in Deutschland rückläufig

Die Prozentzahl errechnet sich aus der Zahl aller Nutzer in Deutschland, die eine Antiviren-App von Kaspersky nutzen und mit einem Schadprogramm konfrontiert waren, relativ zur Gesamtzahl der Nutzer der Kaspersky-App in Deutschland.

Q3 2017: 2,9 Prozent

Q2 2017: 4,8 Prozent

Q1 2017: 6,2 Prozent

Q3 2016: 4,9 Prozent

Q2 2016: 8,5 Prozent

Das hinderte Kaspersky übrigens nicht, in seinem Report "Panikmache oder echte Gefahr?" den Eindruck zu erwecken, dass die Bedrohungen für Smartphonenutzer kontinuierlich und dramatisch zunehmen.

Wirksamkeit von Sicherheits-Apps zweifelhaft

Interessant ist, wie viele Nutzer und Nutzerinnen laut der bitkom-Studie zu sogenannten Anti-Viren-Apps greifen:

"4 von 10 Smartphone-Nutzern (42 Prozent) haben eine Virenschutz-App installiert."

Wir von mobilsicher.de sind überrascht darüber, wie weit verbreitet diese Produkte offenbar sind, obwohl deren Wirksamkeit und Notwendigkeit von den allermeisten Fachleuten angezweifelt wird. Unsere Meinung: Hier hat die Lobby der IT-Sicherheitsindustrie ganze Arbeit geleistet.

Warum die Möglichkeiten von solchen Apps eingeschränkt ist, erklären wir im Beitrag Sicherheits-Apps für das Smartphone.

Zudem gilt: Wenn Sie ein Android-Gerät mit der Version 6.0 oder höher haben, ist auf Ihrem Gerät die Funktion "Google Play Protect" aktiv – ob Sie wollen oder nicht. Der Schutz vor Schadprogrammen aus dem Hause Google lässt sich nicht deaktivieren. Angesichts dessen ist noch zweifelhafter, ob man wirklich noch eine Anti-Viren-App von einem weiteren Anbieter braucht.

Was es mit der Funktion "Google Play Protect" auf sich hat, erklären wir im Beitrag Play Protect: Virenschutz made by Google.

 

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